Angstrhetorik: Schluss mit "per Mausklick"!
Das Netz ist gefährlich, denn dort ist alles "nur einen Mausklick entfernt". Doch diese Phrase ist so unsinnig wie der dahinter liegende Gedanke, schreibt Patrick Beuth.
Wer einen Pizzaservice anruft und danach auf dem Ziffernblock desselben Telefons nur ein paar andere Zahlen drückt, landet damit möglicherweise beim Anschluss eines Tierquälers.
Schockierend? Nein, Blödsinn. So ist das halt mit diesen Telefonen: Man tippt ein paar Zahlen und bekommt eine Verbindung – andere Zahlen ergeben eine andere Verbindung. Doch wenn man Telefon durch Internet ersetzt, könnte so ein Satz in jedem deutschen Leitmedium als Nachricht auftauchen: "Nur wenige Mausklicks" von einer harmlosen Seite entfernt liegen schlimme, kriminelle Angebote.
Der Mausklick, wie wir ihn kennen, ist mittlerweile fast 40 Jahre alt, der Hyperlink im World Wide Web nun auch schon mehr als 20 Jahre. Aber noch immer haben viele Menschen etwas nicht verstanden: Ein Mausklick ist keine Entfernung!
Und selbst wenn es eine wäre, dann wäre sie genauso lang wie ein Tastendruck auf der Fernbedienung für den Fernseher. Auch da ist, spätestens ab 22 Uhr, eine harmlose Dokumentation "nur einen Tastendruck" von einem Ballerfilm "entfernt". Trotzdem ist das niemandem eine Erwähnung wert.
Dank Multitouch, Gesten- und Sprachsteuerung oder auch Eye Tracking verliert die Maus bereits wieder an Bedeutung. Können wir also bitte langsam damit aufhören, diese vermeintliche Nähe von Links als Sinnbild einer Gefahr im Internet darzustellen?

Und wenn wir schon dabei sind: Der Satzbaustein "per Mausklick" gehört ebenfalls entsorgt. Zum Beispiel in solchen Fällen: "Trotzdem kann man solchen Horror ohne Probleme kaufen – per Mausklick auf Amazons Marketplace." So stand es in der Spiegel-Ausgabe der vorvergangenen Woche. Warum? Die Aussage wäre ohne diesen "Mausklick" die gleiche gewesen. Auch hier geht es nur um die gefährliche Nähe. Denn inhaltlich sagt der Satz lediglich: "Per Druck auf ein Eingabegerät gelangt man auf Amazons Marketplace."
Der durchschnittliche Büromensch betätigt seine Maus grob geschätzt 5.000 Mal – pro Tag. Wie oft er dabei wohl denkt: "Wahnsinn, was so ein Mausklick bewirkt"?
Knapp 34 Millionen Mal findet Google die Kombination "per Mausklick", 844 Mal davon bei ZEIT ONLINE.
Bitte, liebe Kollegen und alle anderen, die irgendetwas mit Wörtern machen: Hören Sie auf, dem Mausklick zu huldigen, als sei er ein grausamer Rachegott. Hören Sie auf, so zu tun, als sei die gesamte Straße gefährlich, nur weil es neben dem Spielzeugladen auch einen Sexshop und ein Automatenkasino gibt.
Denn wenn wir jahrzehntealte, längst alltägliche Computertechnik weiterhin als etwas so Riskantes darstellen, werden nachfolgende Generationen uns beim Thema Internet noch weniger ernst nehmen, als sie es ohnehin schon tun. Und zwar zu Recht.









Das war schon länger mal überfällig.
Im Internet gibt es nichts, was es im realen Leben nicht auch gäbe. Es ist höchstens leichter erreichbar.
Hat man sich im realen Leben daran gewöhnt, bestimmten Regeln zu folgen, dann kommt man mit dem realen Leben eben klar. Wenn nicht, dann nicht.
Wieso das im Internet anders sein sollte, ist logisch nicht nachvollziehbar.
"Doch diese Phrase ist so unsinnig wie der dahinter liegende Gedanke …"
Beinahe den gleichen Gedanken hatte ich über diesen Artikel. Bisher ist es mir nie in den Sinn gekommen diese Phrase oder gar den unschuldigen Mausklick mit irgendeiner negativen Konotation zu versehen oder gar als "grausamen Rachegott" anzusehen. Diese negative Überbewertung einer an sich sachlich neutralen Phrase ist für mich absolut nicht nachvollziehbar.
Statt an "liebe Kollegen und alle anderen, die irgendetwas mit Wörtern machen" zu appellieren, sollte Patrick Beuth versuchen das Problem bei sich zu suchen und vielleicht einmal in Urlaub gehen, Entspannungsübungen wie Yoga praktizieren oder ähnliches.
Auch ich hatte, wie DonH (6. Kommentar) noch nie eine negative Assoziation bei "per Mausklick". Es war eher eine Erläuterung, dass es sich um eine digitale Angelegenheit handelt. So weiß ich sofort, dass "Amazon" eine Internetseite ist. Und der 80-jährige Leser kann dann auch aufhören darüber zu grübeln, wo denn dieser Amazon-Laden in der Stadt sein soll. Denn selbst diese Generation weiß inzwischen in der Regel, was ein Mausklick ist.
Auch ich hatte, wie DonH (6. Kommentar) noch nie eine negative Assoziation bei "per Mausklick". Es war eher eine Erläuterung, dass es sich um eine digitale Angelegenheit handelt. So weiß ich sofort, dass "Amazon" eine Internetseite ist. Und der 80-jährige Leser kann dann auch aufhören darüber zu grübeln, wo denn dieser Amazon-Laden in der Stadt sein soll. Denn selbst diese Generation weiß inzwischen in der Regel, was ein Mausklick ist.
Als fünfzehnjähriger Benutzer eines meiner Computer kommt man auch nicht so ohne weiteres in einen Sexshop. Zumindest nicht, ohne dass ich das mitbekomme. Auch wenn man volljährig ist, wird das ein Problem :)
Ist auch nicht viel anders als im realen Leben. Nur bekommemn Sie das da eher nicht mit, wenn es dem Fünfzehnjährigen gelungen ist, einen Sexshop zu finden, in den er rein darf...
...Sie mal die 15jährigen von heute nicht. Und damit meine ich nicht jene, die auf FB fleißig Herzchen an ihre "ABF" verteilen und Spiegelbild-Duckfaces posten.
...Sie mal die 15jährigen von heute nicht. Und damit meine ich nicht jene, die auf FB fleißig Herzchen an ihre "ABF" verteilen und Spiegelbild-Duckfaces posten.
Und auch das Programm, das nachts typischerweise läuft. Oder am Nachmittag...
Nicht wirklich weniger weit entfernt als im Internet.
Ich nehme Internetversteher älteren Semesters schon ernst.
Als ernsthafte Bedrohung wahr.
Davor sollte man vielleicht eher Vorsicht walten lassen.
Was bleibt meiner Generation denn anderes, als darauf zu spekulieren, sich in bälde in die Herzschrittmacher der älteren im Lande einzuloggen.
Wir sind keinen Mausklick von irgendwas entfernt, aber wir sind schon bis auf einen Hack an anderen Dingen dran.
Auch ich hatte, wie DonH (6. Kommentar) noch nie eine negative Assoziation bei "per Mausklick". Es war eher eine Erläuterung, dass es sich um eine digitale Angelegenheit handelt. So weiß ich sofort, dass "Amazon" eine Internetseite ist. Und der 80-jährige Leser kann dann auch aufhören darüber zu grübeln, wo denn dieser Amazon-Laden in der Stadt sein soll. Denn selbst diese Generation weiß inzwischen in der Regel, was ein Mausklick ist.
sondern das Loslassen der Maus. Aber auch darüber machen sich die wenigsten Menschen Gedanken.
Der "Mausklick" schließt das Loslassen der Maustaste per Definition mit ein.
Der "Mausklick" schließt das Loslassen der Maustaste per Definition mit ein.
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