NutzungsbedingungenPinterest kämpft gegen den eigenen Wild-West-Charakter

Das soziale Bildernetzwerk Pinterest wächst schnell. Doch mit den Nutzermassen kommen auch Urheberrechtsprobleme, fragwürdige Inhalte und Spam. von 

Pinterest lockt Millionen Nutzer an, doch die bereiten dem Netzwerk auch Probleme.

Pinterest lockt Millionen Nutzer an, doch die bereiten dem Netzwerk auch Probleme.  |  © Karen Bleier/AFP/Getty Images

Selbst US-Präsident Barack Obama ist jetzt dabei : Pinterest, das soziale Netzwerk, das wie eine Pinnwand für Fotos aus dem Internet funktioniert, hat nach Angaben von comScore mittlerweile geschätzte 18 Millionen Besucher im Monat allein in den USA . Die pinnen allerdings immer wieder auch Bilder an ihre digitalen Wände, die sogenannten Boards, die andere Leute nicht verbreitet sehen wollen. Pinterest ändert deshalb seine Nutzungsbedingungen. Doch das allein wird nicht reichen, um die derzeitigen Wild-West-Verhältnisse in dem Netzwerk zu beenden.

Das Ganze wirkt, als hätten die Erfinder von Pinterest das eine oder andere Problem anfangs schlicht nicht auf dem Schirm gehabt. Magersucht zum Beispiel. Essen ist eines der größten Themen bei Pinterest, hauptsächlich in Form von Fotos verlockender Speisen. Mit Vorliebe werden Backrezepte geteilt, illustriert mit bunten Törtchenbildern. Das ist durchaus im Sinne der Pinterest-Macher.

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Nicht-Essen ist allerdings auch ein Thema. Sogenannte Pro-Ana-Fotos landen zu Tausenden bei Pinterest. Mit einem geeigneten Suchwort wie thinspo lassen sich unzählige Pro-Ana-Bilder finden. Das sind Fotos, die Nutzer posten, die an Anorexia nervosa – der Magersucht – oder anderen Essstörungen leiden und Hungern als Schönheitsideal verfolgen. Das Blog Jezebel berichtet, viele Frauen würden Pinterest nutzen, um Fotos zu verbreiten, die als Motivation dienen sollen, sich immer dünner zu hungern.

Neu ist deshalb in den Nutzungsbedingungen von Pinterest, die ab dem 6. April gelten, die Acceptable Use Policy – also die Einschränkung der erlaubten Inhalte. Dort steht : "You agree not to post User Content that creates a risk of harm, loss, physical or mental injury, emotional distress, death, disability, disfigurement, or physical or mental illness to yourself, to any other person (...)." Übersetzt: Sie sind damit einverstanden, keine Inhalte zu posten, die für Sie oder andere das Risiko eines Verlusts oder von physischen, psychischen oder sonstigen Schäden, von Kummer, Tod, Behinderung, Entstellung oder einer physischen oder psychischen Krankheit bedeuten könnten.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Noch scheint Pinterest aber nicht gegen solche Inhalte vorzugehen, schreibt das Technikblog Mashable . Ab dem 6. April müsste sich das ändern.

Ein anderes Problem von Pinterest sind die ständigen Verletzungen des Urheberrechts. Ein Großteil der Fotos auf Pinterest dürfte von Websites kopiert sein, ohne dass die Rechteinhaber um Erlaubnis gebeten wurden. Das muss kein Nachteil sein, schließlich werden die Links zur Quelle übernommen. Pinterest sorgt also für mehr Zugriffe auf die Seiten, von denen die Bilder stammen.

Doch nicht alle wollen das. Im Februar veröffentlichte Pinterest deshalb einen Codeschnipsel, den Website-Betreiber einbinden können, wenn sie verhindern wollen, dass die Bilder auf ihren Seiten "gepinnt", also als Kopie auf Pinterest landen können. Es reicht aber natürlich nicht aus, die Verantwortung für illegale Kopien auf Dritte abzuwälzen.

Die neuen Nutzungsbedingungen verweisen zudem auf ein vereinfachtes Formular, mit dem Copyright-Inhaber die Löschung von Inhalten bei Pinterest verlangen können . Das wird angesichts der Masse an illegalen Kopien und den begrenzten Ressourcen von Pinterest aber nicht genügen. Nach dem Digital Millenium Copyright Act muss Pinterest auf alle entsprechenden Anträge reagieren. Sobald die Rechteinhaber ähnlich stark auf Copyright-Verletzungen achten wie etwa bei YouTube, wird das kleine Unternehmen wohl schnell überfordert sein.

Ein drittes Problem ist Spam. Die Blogs Total Pinterest und The Daily Dot hatten kürzlich aufgedeckt, wie ein einzelner Pinterest-Nutzer das System so austricksen konnte, dass er mit Spam Tausende Dollar in der Woche verdient. Der Mann sagte The Daily Dot , Pinterest sei "mit Abstand das am leichtesten mit Spam zu fütternde soziale Netzwerk".

Er hat dazu Spambots programmiert, die ihre gepinnten Inhalte gegenseitig "liken" und "repinnen", also loben und kopieren, sodass sie unter den populärsten Inhalten landen und von sehr vielen Nutzern entdeckt werden. Diese Bilder enthalten sogenannte affiliate links . Sie führen zu dem gezeigten Produkt bei einem Händler wie Amazon . Für denjenigen, der den Link verbreitet, gibt es eine Provision. Mit Tausenden solcher Links bei Pinterest hat der Spammer nach eigenen Angaben zuletzt 1.000 Dollar am Tag verdient, an einem Spitzentag sogar 1.900 Dollar.

Halbherzige Reaktion

Eine Woche nach den Berichten der Blogs hat Pinterest nun offenbar reagiert und die Pins mit den affiliate links des Spammers aus der Liste der populärsten Inhalte entfernt. Gelöscht sind sie allerdings nicht . Das Unternehmen hat also allenfalls halbherzig reagiert.

Lange wird sich Pinterest den Wildwuchs nicht mehr leisten können: Spam nervt so ziemlich jeden Nutzer, ein Ruf als Plattform für jugend- oder gesundheitsgefährdende Inhalte ist vor allem in den USA ein echtes Problem – und ausbleibende Reaktionen auf Copyright-Verletzungen werden zu teuren Klagen führen.

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Leserkommentare
  1. Pintrest hat jetzt schon über ein Drittel der Twittermitglieder, ist dank Investoren über $18mill. schwer(der eigentliche Wert ist natürlich höher) und wächst allgemein rasant. Bemerkenswert, dass in Deutschland kaum jemand diese Website kennt.
    Wasb das Copyright der Bilder angeht, sollten sie vlt. aufhören, hochauflösende Bilder zu veröffentlichen und lieber Thumbnails anzeigen. So ist der Nutzer quasi gezwungen, auf die Quellwebsite zu gehen. Außerdem kann Pinterest sich dann im Streitfall auf den Präzedenzfall um Google von 2006 berufen.
    Eins ist klar-der Feinschliff fehlt noch.

  2. sind doch das Mutterland von jugend- und gesundheitsgefährdenden Inhalten. Kann doch gar nicht sein, dass das da ein Problem ist...

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