Eine interaktive Tafel, Whiteboard genannt: Ein Projektor wirft dabei die Bilder an die weiße Fläche, eine Kamera erkennt die Handbewegungen. © Herwig Vergult/AFP/Getty Images

Drei Tage lang habe ich an einer Berliner Grundschule etwas übers Internet erzählt. In jeder Klasse ging es eine Stunde lang um Spiele und Filme, um das Urheberrecht und Abofallen, um Mobbing , die Datenschutzeinstellungen bei Facebook und um die Möglichkeit, sich mit Pseudonymen und gesunder Skepsis zu schützen. Mein Fazit: Warum um Gottes Willen passiert das nicht an jeder Schule dieses Landes mindestens einmal in der Woche?

Wer Grundschüler fragt, Acht-, Zehn- oder Zwölfjährige, ob sie über das Internet reden wollen, schaut in begeisterte Gesichter. Jaaaa!, brüllen sie dann und haben sofort haufenweise Fragen. Ständig sind die Arme oben: Ob es genügt, wenn man sein Facebook-Profil vor Suchmaschinen verbirgt, was passieren kann, wenn man seine Adresse im Internet verrät , was Viren sind und was sie machen, warum man bei YouTube auf "gefällt mir" oder "gefällt mir nicht" klicken kann, wie man eine Website baut, wie das Internet überhaupt entstand und wie es funktioniert.

Da gibt es Zweitklässler, die über Skype und Jappy reden wollen, Viertklässler, die bereits etwas von Cookies und eBay verstehen und Fünftklässler, die sich auf Filesharingplattformen herumtreiben.

Riesige Neugier

Die Lehrer sitzen daneben und wundern sich. Sie wundern sich, was ihre Schüler alles wissen, wo sie sich bereits auskennen und wie souverän sie Dienste und Angebote teilweise nutzen. "Manche sagen den ganzen Tag nicht Muh und nicht Mäh, aber wo die alles Mitglied sind, das hat mich selbst erstaunt", sagt die Lehrerin einer fünften Klasse. Dabei waren viele Lehrer zuvor skeptisch, ob so eine Stunde überhaupt nötig ist und ob das auch schon bei den Kleinen sein muss.

Selbstverständlich ist nicht jeder Zehnjährige in den Weiten des Netzes zu Hause, die meisten besuchen nur wenige Angebote, um zu spielen, zu reden oder um Filme zu schauen. Doch ihre Neugier ist riesig und eine Schulstunde im Nu vorbei.

In vielen Bundesländern werden Schulen derzeit mit sogenannten Whiteboards ausgerüstet . Das sind interaktive Tafeln, für die keine Kreide mehr gebraucht wird. Mit dem Finger können wie auf einem Touchscreen Linien gezogen oder Dinge hin- und hergeschoben werden. Ein Projektor projiziert den Inhalt eines Computerbildschirms auf die weiße Fläche, eine Kamera erkennt die Fingerbewegungen darauf und rechnet sie um.

Damit gelangen nicht nur neue Lernprogramme in die Klassenzimmer, sondern vor allem das Internet. Denn die Rechner der Whiteboards sind mit dem Netz verbunden, Google Earth oder Wikipedia sind nur ein paar Tastendrücke entfernt.

Allerdings heißt das nicht, dass damit das Internet zum Schulstoff würde. Die Lehrer werden zwar im Umgang mit der Software für die Computertafeln geschult, aber wie sie das nun stets verfügbare Netz in ihrem Unterricht nutzen, bleibt ihnen überlassen. Im Rahmenlehrplan steht dazu nichts, das Fach "Umgang mit dem Internet" gibt es nicht.