Facebook-Posting : Anwälte werfen Ariane Friedrich unrechtmäßiges Verhalten vor

Die Hochspringerin wehrt sich auf ihrer Facebook-Site gegen sexuelle Belästigung – mit Mitteln, die Fans und Rechtsexperten irritieren. Friedrich verteidigt ihr Vorgehen.
Ariane Friedrich © Gustau Nacarino/Reuters

Ariane Friedrich hat mit zwei Facebook-Postings Kritik von Fans und Rechtsexperten auf sich gezogen. Die deutsche Hochspringerin hatte Namen und Adresse eines Nutzers öffentlich gemacht, dem sie sexuelle Belästigung vorwirft. Sie postete auf Facebook den Text einer E-Mail und nannte einen Namen und einen angeblichen Wohnort eines Mannes, der ihr ein Foto eines Geschlechtsteils angeboten haben soll.

Tausende Nutzer klickten den Like-Button der beiden Facebook-Postings. In den Kommentaren gab es neben Zustimmung allerdings auch schnell Kritik: Menschen gleichen Namens hätten nun ein Problem, heißt es dort. Von "Lynchjustiz" und "Denunziantentum" ist die Rede. "Wie soll man verhindern, dass Spammailversender E-Mail-Adressen von Unbeteiligten als Antwortadresse missbrauchen?", fragte ein Nutzer. Ein anderer: "Wer sagt Ihnen oder den Mitlesenden, dass der Name und der Wohnort zu dem wahren Täter gehören?"

In Deutschland gibt es in der Tat mehrere Orte gleichen Namens, in denen auch Personen wohnen, die nun Opfer einer Verwechslung werden könnten. Friedrichs Vorgehen sehen deshalb auch Juristen kritisch. "Viel kann die Polizeikommissarin und Spitzensportlerin Ariane Friedrich darüber in ihrer Ausbildung nicht gelernt haben", schrieb der Düsseldorfer Strafrechtsexperte Udo Vetter . Selbst wenn sie beweisen könnte, dass die Mail tatsächlich von dem genannten Mann komme, sei derartiges Anprangern unrechtmäßig. "Wenn der Betroffene zum Anwalt geht, kann das immer noch ziemlich teuer und unangenehm für die Kommissarin werden."

Recht auf Privatsphäre

Der Berliner Anwalt Niko Härting sieht in dem Posting dagegen eine Tatsachenbehauptung, die durch die Meinungsfreiheit gedeckt sei. Dass sich die Mitteilung rasch und weit verbreitete, "stellt per se keinen Grund dar, der Meinungsfreiheit Grenzen zu setzen". Sei die Mail aber nicht von dem genannten Mann gesendet, könne der die Sportlerin zivilrechtlich auf Widerruf und Unterlassung verklagen. Dann wäre auch ein Schmerzensgeld denkbar, etwa wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts. Denn Verdächtige und Schuldige haben ein Recht auf Privatsphäre.

Wie problematisch Namensnennung in solchen Fällen sein kann, zeigte sich vor einigen Wochen in Emden : Dort riefen Facebook-Nutzer zu Gewalt gegen einen 17-jährigen Verdächtigen auf, aufgebrachte Menschen sammelten sich vor der Polizeiinspektion der Stadt zum Protest. Wenig später wurde klar, dass der Jugendliche unschuldig war.

Friedrich selbst verteidigte ihr Vorgehen. "Ich wurde in der Vergangenheit beleidigt, sexuell belästigt, und einen Stalker hatte ich auch schon", begründete die 28-Jährige ihrer Aktion vor einer Woche. "Ich bin allerdings nicht mehr bereit, mich doppelt zum Opfer zu machen und stets zu schweigen – ich bin es schlicht leid", ergänzte sie am Wochenende . Sie kündigte an, auch Anzeige gegen den Mann zu erstatten.

Formulierung offen gehalten

Der Text lässt sich, so wie er von Friedrich wiedergegeben ist, als sexuelle Belästigung verstehen. Es könnte sich aber auch um einen schlechten Scherz handeln. Mit der Formulierung "einen schönen Schw***" könnte gar kein männliches Geschlechtsteil gemeint sein, wie unter anderem ein Nutzerkommentar im Blog des Freisinger Anwalts Thomas Stadler nahe legt.

Zudem wird kritisiert, dass Friedrich das der Nachricht angehängte Bild nicht öffnen wolle. Damit wusste sie zum Zeitpunkt ihres Postings also nicht, was wirklich auf dem Foto zu sehen war. Der von Friedrich an den Pranger gestellte Mann sagte gegenüber Medien, sein Facebook-Account sei mehrfach gehackt worden und auch seine Freundin habe die anstößige Nachricht bekommen.

Allerdings bekommt Friedrich auch Unterstützung, etwa vom Blog Mädchenmannschaft . Dort wird kritisiert, die Diskussion rücke nun vor allem das Verhalten der Sportlerin und nicht das Thema sexuelle Belästigung in den Fokus. Die Autorin berichtet von ganz ähnlichen Erfahrungen: "(...) und auch ich habe auf das Facebook-Profil der Belästigers verlinkt, und zwar guten Gewissens muss ich sagen."

Nachtrag: Die Links auf die im Text erwähnten Postings sind seit einigen Tagen nach Erscheinen des Artikels nicht mehr erreichbar. Ariane Friedrich hat sich nach Angaben Ihres Managers "aus Facebook verabschiedet".

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Kommentare

254 Kommentare Seite 1 von 25 Kommentieren

Das Absurde ist noch, dass Friedrich sich für Ihren "Mut" ....

.... feiern lässt, diesen angeblich "wichtigen" Schritt gemacht zu haben. Ich möchte mal wissen, was daran mutig ist, einen verkorksten Emailschreiber an den Pranger zu stellen. Ich kenne den Begriff "Mut" in anderer Bedeutung.

Heuzutage muss jemand wie Friedrich nur rufen: Ich bin Opfer! Schon hagelt es Solidaritätsadressen all derer, die sich auch schon immer schlecht behandelt gefühlt haben.

@Monaco Franze

Ich finde solche "sozialen" Netzwerke einfach gefährlich. Hier ist Mobbing und Belästigung Tür und Tor geöffnet. Und das schlimme dabei: Niemand kann es mehr löschen. Es steht für immer bei Facebook online. Wo soll das Hinführen? Man denke an den armen Jungen aus Norddeutschland, der zu Unrecht über Facebook zum Mörder gemacht wurde. Sein Leben ist jetzt erst mal zerstört!
Und: Wer braucht Netzwerke für Leute und angebliche Freunde, die sich im realen Leben sowieso gar nicht mehr melden würden? Solch sinnlose Kontaktesammlerei führt dazu, dass wir (angeblich) alles über andere wissen, geben zu viel von uns preis und dann wundert man sich, dass man gemobbt wird. Tut mir Leid, aber das kann man doch nicht unterstützen?!

Nichts neues...

...daß man es bei der Polizei mit den Grundrechten andere nicht ganz so genau nimmt, wie man das vom gemeinen Bürger erwartet.

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@ kassandra:
Hier wird nicht die Tat (bzw. der TatVERDACHT, wenn wir ganz genau sind) der sexuellen Belästigung verteidigt, sondern das allen rechtsstaatlichen Prinzipien Hohn sprechende Verhalten Frau F's verurteilt!

Wenn Sie Probleme haben, das auseinanderzuhalten sollten Sie von Äußerungen dazu vielleicht erst mal absehen, oder...???

Sie haben mein Mitgefühl dafür ,....

.. dass Sie offenbar als Opfer durchs Leben gehen.

Was Sie und Ihre Mitstreiter jedoch nicht begreifen ist, dass das Gutheißen solcher Aktionen wie der von Friedrich die Basis eines zivilisierten Zusammenlebens in Frage stellt.

Ich habe auch gelegentlich das Gefühl, mich gegen irgend etwas wehren zu wollen, z.B. dem Typen eine reinzuhauen, der in der "Zone 30", über die meine Kinder in die Schule gehen, immer 60 km/h fährt.

Vielleicht mach ich das mal, ich wehre mich doch nur, und es ist ja für die Kinder!

Sehr schönes Beispiel....

..fiel mir gestern in ähnlicher Form kurz vor dem Einschlafen noch ein:

Gesetzt den Fall, ich fotografierte jemanden, der (nach meinem Gefühl!) dauernd zu schnell durch die 30er-Zone brettert, stelle das Foto desFahrzeugs inkl. Kennzeichen und, so mir bekannt, den Namen und Wohnort des FAHRZEUGHALTERS auf meine Facebookseite mit dem Begleittext: "Wie rücksichtslose Raser unsere Kinder gefährden!": Ob mir dann auch eine breite Mehrheit applaudieren würde?

Nichts anderes...

Es macht wohl nicht viel Sinn, Ihnen zum tausendsten mal näher zu erläutern, das besagte Frau eben etwas mehr getan hat als ihr Recht der freien Meinungsäusserung wahrzunehmen. Vielleicht sollten Sie sich die Argumentationsketten vor Augen führen, bevor Sie sich andauernd nur wiederholen. Das macht es weniger ermüdend für die anderen Diskussionsteilnehmer...

@ kassandra k

Es steht jedem Menschen frei, nicht zu schlagen, zu morden zu mobben. Was würde man denn mit denen dürfen ihrer Meinung nach, die einen richtigen Schaden anrichten. Frau Friedrich fühlte sich ja belästigt und nicht traumatisiert.

Sie vertreten damit doch irgendwie eine Dorfplatzmoral. Einer wirft den ersten Stein, dann ziehen alle anderen nach und hinterher wills keiner gewesen sein, und das schlimme ist, jeder fragt sich, was ist passiert. "Is tächlich Kristallnaach" (Bap) oder Emden.

Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ds

Gewaltfrei?

Frau Friedrich hat, in ihrem subjektiven Opfersein, auf eine vergleichsweise harmlose sexuell motivierte Beleidigung per Email, drastisch reagiert und den Mann unrechtmäßig vor der Öffentlichkeit entblößt.

Meines Wissens ist sie weder bedroht noch über einen längeren Zeitraum belästigt worden. Es war EINE vermutlich geschmacklose Email.

Den Mann wegen so einer Lappalie der Öffentlichkeit zum Fraß vorzuwerfen, mit u.U. schwerwiegenden Konsequenzen für Privatleben, Berufsleben, Unversehrtheit, das ist unverhältnismäßig, unrechtmäßig, und hat etwas Gewalttätiges.

Vorverurteilung

Ja nur, woher weiss Sie denn, dass er es war? Vielleicht trifft Sie damit einen Falschen? Vielleicht muss wegen ihrer Aktion ein Unschuldiger oder mehrere Unschuldige leiden. Die Sache war einfach unüberlegt und ziemlich dumm, gerade für eine Polizistin.

Ich selbst habe auch schon eine Email von einer Freundin bekommen die garantiert nicht von ihr war. Der Inhalt war zwar nicht anzüglich aber Spam.

Berufsbezeichnung

Frau Friedrich wird hier vornehmlich als "Hochspringerin" bezeichnet. Da es in diesem Zusammenhang nicht ganz ohne Relevanz ist, sollte man doch korrekt sein: Sie ist Polizistin. Dass sie im Augenblick im Rahmen einer (grundsätzlich fragwürdigen) Subvention einer anderen Tätigkeit nachgehen kann, hat natürlich auch Relevanz, immerhin stammt ihre Bekanntheit daher, sollte allerdings bei einer juristischen Auseinandersetzung zweitrangig sein.

Wie soll man der Polizei noch trauen?

Wie soll man der Polizei trauen bei solchen "Kommissaren"? Irgendwelche Angaben zu lebenden Personen werden die von mir nicht mehr kriegen. Allerdings ist auch im eigentlichen Polizeibereich ersichtlich, dass die Polizei wenig bis nichts unternimmt, um Vorverurteilungen durch die Öffentlichkeit entgegenzuwirken. Siehe Emden. Insofern passt das schon.