NetzpolitikUnionspolitiker gründen Internetlobby CNetz

Konservative Netzpolitiker machen es der politischen Konkurrenz von Digitaler Gesellschaft und D64 nach: Der Verein CNetz will in der Union Lobby für das Internet sein. von 

Screenshot der Website des unionsnahen netzpolitischen Vereins "C-Netz".

Screenshot der Website des unionsnahen netzpolitischen Vereins "C-Netz".  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

Die Netzpolitiker organisieren sich. Nicht nur die der Grünen und der SPD , jetzt haben auch die Jüngeren in der Union eine eigene Lobbytruppe gegründet: Am Montag gab der Verein CNetz seine Gründung bekannt.

Damit existieren nun drei netzpolitische Vereine, die jeweils einer Partei nahe stehen: die Digitale Gesellschaft , deren Mitglieder teilweise auch Mitglied bei den Grünen sind, die Initiative D64 , die eng mit der SPD verflochten ist und eben CNetz, dessen Vorstand aus Unionsmitgliedern besteht.

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Die Struktur der jeweiligen Organisation ist dabei durchaus interessant und sagt einiges über die Ziele der drei Vereine.

Digiges, wie sich die Digitale Gesellschaft selbst abkürzt, betrachtet sich nicht als Verein, der eine bestimmte Partei beeinflussen will oder einer bestimmten Fraktion angehört. Auch als parteinah sieht man sich auf keinen Fall. Allerdings sind einige der Mitglieder auch Mitglied bei den Grünen oder an netzpolitischen Initiativen der Grünen beteiligt. Die Verbindung ist also vorhanden, wenn auch lose – andere Beteiligte kommen aus Projekten wie dem Open Data Network oder iRights . Dementsprechend will Digiges eine Netzpolitik für das Netz machen. Vorrangige Ziele sind Verbraucherschutz und Bürgerrechte im Internet durchzusetzen .

D64 hingegen, der im Dezember gegründete Think Tank für "netzpolitischen Fortschritt", hat sich zum Ziel erklärt, die SPD und ihre Netzpolitik zu beeinflussen . Zwar geht es der Initiative grundsätzlich darum, Öffentlichkeit für netzpolitische Themen herzustellen. Vor allem aber will sie auf die Sozialdemokratie einwirken. Fast alle Gründungsmitglieder und der gesamte Vorstand sind in irgendeiner Funktion bei der SPD. Die Ziele sind den klassischen Anliegen der Partei ähnlich, also Themen wie digitale Arbeitsbedingungen oder Gerechtigkeit beim Netzzugang.

CNetz ist der derjenige der drei Vereine, der einer Partei am Nächsten ist, um nicht zu sagen, fast eine parteieigene Gründung. Vorstand und Sprecher des Vereins sind Peter Tauber und Thomas Jarzombek. Beide sitzen für die CDU im Bundestag und sind für ihre Partei in der Enquete-Kommission des Bundestages "Internet und digitale Gesellschaft". Zu den Mitgliedern gehören unter anderem der CDU-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier , die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär, die CSU-Abgeordnete Dagmar Wöhrl sowie Erika Steinbach , die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen.

Man wolle, sagt CNetz-Vorstand Thomas Jarzombek, natürlich auch nach außen wirken, vor allem aber die netzaffinen Mitglieder von CDU und CSU sammeln. "Ich sehe uns nicht als Trainingslager an", sagt Jarzombek. Es gehe also nicht darum, Parteimitgliedern das Netz zu erklären. Allerdings spielt dieser Gedanke bei der Gründung wohl eine Rolle. Denn Jarzombek sagt auch, dass es in der Union nicht wenige Menschen gebe, die gegenüber dem Internet eher skeptisch sind und eher die Risiken sähen. Insofern sei zumindest ein Ziel, genau wie bei D64, intern Lobby für das Internet zu machen.

Wie D64 versteht sich CNetz auch als ein Think Tank, der neue Ideen und Positionen entwickeln und der Union vorschlagen will. Die Ziele des Vereins sind dementsprechend formuliert. Man setze sich für eine bürgerliche Netzpolitik ein, heißt es in der Selbstbeschreibung. Freiheit dürfe es nicht ohne Verantwortung geben, ist in dem Zusammenhang einer der Kernsätze. Was genau das heißt, erklärt die Selbstbeschreibung nicht. Die ersten inhaltlichen Papiere sollen sich mit den Debatten um Netzneutralität und um Urheberrecht beschäftigen.

Der Verein versteht sich offensichtlich als Gegenmodell zu den übrigen beiden. So twitterte Vorstand Peter Tauber : "Ich bin im @c_netz dabei, weil ich nicht andere für mich definieren lassen will, was Freiheit bedeutet. #cnetz."

Die Reaktionen im Netz waren eher spöttisch. Vor allem die Namenswahl wurde mit Häme bedacht, ist das C-Netz doch eine veraltete Mobilfunktechnik – es war das letzte analoge Mobilfunknetz in Deutschland und wurde im Dezember 2000 eingestellt.

Das C beziehe sich natürlich auf die Union und deren christlichen Ursprung und Netz stehe für Netzpolitik, twitterte Tauber und reagierte überhaupt gelassen auf die Angriffe. Beispielsweise schrieb er : "keine Sorge das #cnetz wird das Internet nicht ausdrücken und dann abschalten! :-)." Gemeint war "ausdrucken", lautet ein Vorwurf doch, konservative Politiker ließen sich das Netz ausdrucken, da sie sich dort nicht auskennten.

Aber auch die Mitgliedschaft von Erika Steinbach sorgte für Verwunderung, gilt die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen doch als erzkonservativ . Jarzombek sagt dazu, man sei offen für alle, die sich für Netzpolitik interessierten und vor allem dieses Thema zähle für den Verein – nicht, "was jemand zur Vertriebenenpolitik sagt". Im Übrigen freue er sich, dass mit Steinbach auch Vertreter des konservativen Flügels der Union dabei seien.

Das Blog Netzpolitik , betrieben von Digiges-Mitgründer Markus Beckedahl, begrüßte den neuen Netzverein : "Erfreulich ist, wenn sich nach der SPD nun auch in der CDU/CSU netzpolitisch-progressive sammeln und für mehr Netzfreiheit werben wollen."

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Leserkommentare
  1. C-Netz, so was kann wirklich nut CDU Politikern einfallen! Der größte Teil der CDU siht im Internet doch nur einen Terrorgefahr, da wundert es einen nicht, dass sie es ausdrucken wollen!
    Ich bin mir sicher, dass das C-Netz jeder zeit ausdrucken kann^^

    2 Leserempfehlungen
  2. zweifellos ist sie dort als Expertin für das Trollwesen tätig.

    4 Leserempfehlungen
  3. c-netz

    stimmt gabs mal.

    ob man damit aber heute noch grosse sprünge machen kann ? > http://vimeo.com/36790965

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  4. Aber andererseits kapieren dadurch vielleicht mehr Unionspolitiker, was im Internet überhaupt realistisch machbar ist - und was wünschenswert ist.

    So einen Bockmist, wie ihn Zensursula produziert hat, würde niemand machen, der sich halbwegs mit dem Internet auskennt. Und ich habe lieber eine Diskussion mit Leuten, die einen gewissen technischen Sachverstand in einem Thema haben, als Leuten, die keine Ahnung sondern nur eine Meinung besitzen.

    Was passiert, wenn eine Partei die Ideologie über alle Fakten erhebt, sehen wir zur Zeit in den USA bei den Republikanern. Ich denke, so etwas wollen wir in Deutschland nicht...

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    • grrzt
    • 03. April 2012 18:42 Uhr

    aber nein, nicht der Graf Guttenberg geübt im Abschreiben, sondern die von der ZEIT letztens als Menschrechtsexpertin geadelte VertriebenenFrau mischt mit. Die Nutzung des Wortes "Freiheit" und "Verantwortung" in einem Satz sollte verboten werden. Solche Sätze sind ebenso beliebig wie inhaltsleer, und wird immer als Chiffre für weitere Einschränkungen ins Feld geführt. Na, dann möchte man den Piraten doch zurufen "Hojotoho, Leute, Zeigt's ihnen!"

  5. Bei mir heissen die SDU. Sozusagen bei bundesweite CSU. Bin offensichtlich nicht der Einzige, der für die Einheitspartei eine treffende Bezeichnung sucht.

    • xtraa
    • 08. April 2012 22:38 Uhr

    Da ist tatsächlich Hilfe nötig, ich würde es sogar Entwicklungshilfe nennen.

    Bisher haben wir schon fast alles gehört - von Politikern, die "Internet gucken", über Duschkopf-Assoziationen beim Browser-Begriff, bis hin zu Forderungen nach einem Not-Aus Knopf für das Internet oder Bilder mit digitalem Verfallsdatum.

    Ein Landespolizeichef sprach sich sogar mal für Google Streetview zur Fahndungshilfe aus - man könne ja dort die Verbrecher auch digital verfolgen.

    Was da an Nonsens das Tageslicht erblickte, lässt mich zutiefst gruseln. Fast ist es, als würden wir von einem Königskind regiert, das mit aller Macht ausgestattet ist, aber nicht weiß was es tut.

    Wir brauchen *dringend* die Piraten. Wenigstens als begleitende Übergangslösung.

    Gruß
    Andi Arbeit

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