Soziale NetzwerkeFacebook wird Filesharing-Plattform

In Facebooks neuen "Gruppen in Schulen" – zugänglich jeweils nur für Schüler derselben Schule – wird es ein Filesharing-Tool geben. Auch Google+ und Pinterest bauen um. von 

Beispiel für eine "Gruppe in Schulen" inklusive Filesharing-Buttonüber dem Newsfeed.

Beispiel für eine "Gruppe in Schulen" inklusive Filesharing-Buttonüber dem Newsfeed.  |  © Facebook

Filesharing innerhalb von Facebook, vom Unternehmen nicht nur geduldet, sondern sogar gefördert – das klingt zunächst nach einer zumindest problematischen, um nicht zu sagen dummen Idee. Es klingt nach einer neuen Tauschbörse für illegale Kopien von Musik, Filmen und Software. Doch Facebook hat ganz andere Pläne.

Das neue Filesharing-Tool wird Teil von Facebooks "Groups for Schools" : Nutzer können auf Facebook dann Gruppen einrichten, zu denen nur Schüler derselben Schule Zugang haben. Sichergestellt wird das über ihre einheitliche E-Mail-Adresse – in den USA muss es eine .edu-Adresse der jeweiligen Schule sein. In Deutschland werden sie "Gruppen in Schulen " heißen.

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Die Funktion erinnert an die Anfangstage von Facebook, als es noch kein globales Netzwerk war, sondern eines für den College-Campus. "Gruppen in Schulen" wurde seit Dezember an wenigen US-Schulen getestet und wird nun schrittweise ausgeweitet , zunächst in den USA, danach international.

Die Gruppen können sich aus Klassenkameraden zusammensetzen, aus Lerngruppen oder Arbeitsgemeinschaften. Die Mitglieder können untereinander kommunizieren und Inhalte posten, die niemand außerhalb der Gruppe sehen kann. Außer Facebook selbst natürlich.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Um einen Anreiz zu geben, solche Gruppen zu bilden, baut Facebook eine Möglichkeit ein, Dokumente wie zum Beispiel Unterrichtsmaterialien hoch- und herunterzuladen. Das Filesharing innerhalb der Gruppen wird auf 25 Megabyte pro Datei begrenzt. Der Upload von .exe-Dateien ist nicht möglich. Damit will Facebook vermeiden, dass Schadsoftware verteilt werden kann.

Das Unternehmen wird die Uploads zudem überwachen, um den Austausch von illegalen Kopien von MP3- oder Videodateien unterbinden zu können. Der Download ist dann direkt aus dem Newsfeed der Gruppenmitglieder möglich.

Unter Schülern und Studenten kann Facebook kaum noch neue Mitglieder gewinnen, die meisten – insbesondere in den USA – haben bereits ein Facebook-Konto. Nun geht es für das Unternehmen darum, dass sich diese Zielgruppen länger auf Facebook aufhalten und damit mehr Werbung zu sehen bekommen.

Später könnte Facebook solche Filesharing-Möglichkeiten auch Unternehmen anbieten, damit sich Teams vernetzen können, schreibt Techcrunch.com . Das Tool könne ähnliche Dienste anderer Anbieter – wie etwa Google Docs – überflüssig machen.

Leserkommentare
  1. 1. Fragen

    Diese Pläne werfen natürlich Fragen auf:

    Gehören die hoch geladenen Daten dann FB? Für Unternehmen wohl ein no-go.

    Die Dateiendung heißt nichts, denn diese kann durch umbenennen einfach zum verschwinden gebracht werden, bzw. hinzugefügt. Um wirklich sicher zu gehen, muss FB die Daten (Dateiinhalt) gründlich scannen.

    Schüler die FB nicht verwenden sind dabei natürlich exkludiert. In meinem Studium geschah der Gedanken- und Dateiaustausch über gratis Internetforen. Die stehen nach Registrierung jedem offen, was m.M. nach den Wissensaustausch eher fördert als ein geschlossenes System wie FB.

  2. ... ist schon sehr Schick - auch wenn´s Verbesserungsmöglichkeiten gäbe.IMO deutlich aufgeräumter und übersichtlicher als die Konkurrenz. Coverphotos gab es schon vorher, auch vor FB, bei Google+. Allerdings nicht als ein einziges Foto sondern als Serie verschiedener Photos, was auch jetzt noch zur Auswahl steht.

    Hoffe dass es bald alle Google-Dienste (vor allem Reader) als App für Google+ gibt. Eine Seite für alle Google-Dienste würde schon was hermachen, die Daten dazu sammeln sie ja auch ^^

    • Sieg
    • 12. April 2012 15:55 Uhr

    Foren sind anonym und weit besser geeignet.
    Wenn die Uni nicht ser ängstlich mit neuen Medien wären (bloß keine Technik , denn das kann ja die Mchtposition der Unis schwächen) dann wäre sowas gar nicht notwendig.

  3. Der Grundgedanke, dass Schüler Daten und Lerninhalte austauschen, ist berechtigt. Wenn man die Sache weiter denkt, ist es außerdem praktisch wenn Schüler ihre Daten online speichern können, damit sie jederzeit auf sie zugreifen können. Der Unterricht mit Internet, Tablet etc. wird in Zukunft zunehmend wichtiger.

    Dann ist es aber Voraussetzung, wirklich Eigentümer seiner Daten zu sein und da hätte ich bei Facebook meine Bedenken.

    Es gibt auch Alternativen zu Facebook bei denen alle Daten privat sind und man immer der Eigentümer seiner Daten bleibt. Im Kunstunterricht benutzen wir "Zettels", http://www.zettels.info zum Datenaustausch.

  4. Klar ist es gut, wenn man sowieso davon ausgehen kann, dass alle einer Klasse bei Facebook sind und man direkt loslegen kann.
    Damit wird aber auch gefördert, dass wirklich ALLE einer Klasse bei Facebook sind! Sonst kann man nicht mitarbeiten.

    Besser wäre es, ein freies System zu entwickeln, das hübsch und angenehm benutzbar ist - also dazu einlädt es zu benutzen - und es muss leicht zu installieren sein. Dann könnten die Schulen sowas einfach selber anbieten oder Schüler / die Jahrgangsstufe würde das für sich organisieren, meistens gibt es immer einige Schüler, die in der Hinsicht mehr Kompetenz mitbringen als die Lehrer (und mehr Zeit das zu machen). Die Schule könnte für sowas etwas Infrastruktur bereitstellen, so dass die Schüler das umsetzen können.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sollte nicht die des Staates bestimmen.

    Privat (derzeit) per FB und anderer Großfirmen zu kommunizieren, ist eine Sache, eine freie Entscheidung. Staatliches Handeln muss weiter blicken und Abhängigkeiten vermeiden.

    Sie sagen es, dezentral muss gedacht werden und eine Abhängigkeit von z.B. Facebook, vor allem deren AGB, gilt es im Bereich Bildung explizit zu verhindern.

    Es ist nun nicht so, dass man nicht schon heute Unterlagen austauschen könnte, das FB-Angebot ist also weder neu noch einzigartig, sondern einfach nur "das von FB".

    Herr Beuth beschreibt ja:
    "Nun geht es für das Unternehmen darum, dass sich diese Zielgruppen länger auf Facebook aufhalten und damit mehr Werbung zu sehen bekommen."

    Firmen haben kein Interesse daran, die Bildungsmöglichkeiten zu verbessern oder der Menschheit Gutes zu tun, sondern sie wollen vor allem früh und fest im normalen Tagesgeschäft der jungen Menschen verankert werden. Sie sagen ja schon Tempo statt Taschentuch.

    Wenn die Schulen den Bedarf für einheitliche Zugänge und Verteilsysteme sehen (sofern noch nicht vorhanden), dann sollte die Initiative vom Staat ausgehen, welcher sich dann natürlich nicht den erstbesten kommerziellen Anbieter schnappt.

    Niemand verbietet, dass eine Privatwirtschaft nicht auch für den Staat liefern kann (tut sie ja schon), aber wenn man sich dabei einfach nur als ein anderer Großkunde platziert, bekommt man fix die Rechnung präsentiert, zusätzlich zur Abhängigkeit. Da fehlt es nicht an Beispielen.

  5. sollte nicht die des Staates bestimmen.

    Privat (derzeit) per FB und anderer Großfirmen zu kommunizieren, ist eine Sache, eine freie Entscheidung. Staatliches Handeln muss weiter blicken und Abhängigkeiten vermeiden.

    Sie sagen es, dezentral muss gedacht werden und eine Abhängigkeit von z.B. Facebook, vor allem deren AGB, gilt es im Bereich Bildung explizit zu verhindern.

    Es ist nun nicht so, dass man nicht schon heute Unterlagen austauschen könnte, das FB-Angebot ist also weder neu noch einzigartig, sondern einfach nur "das von FB".

    Herr Beuth beschreibt ja:
    "Nun geht es für das Unternehmen darum, dass sich diese Zielgruppen länger auf Facebook aufhalten und damit mehr Werbung zu sehen bekommen."

    Firmen haben kein Interesse daran, die Bildungsmöglichkeiten zu verbessern oder der Menschheit Gutes zu tun, sondern sie wollen vor allem früh und fest im normalen Tagesgeschäft der jungen Menschen verankert werden. Sie sagen ja schon Tempo statt Taschentuch.

    Wenn die Schulen den Bedarf für einheitliche Zugänge und Verteilsysteme sehen (sofern noch nicht vorhanden), dann sollte die Initiative vom Staat ausgehen, welcher sich dann natürlich nicht den erstbesten kommerziellen Anbieter schnappt.

    Niemand verbietet, dass eine Privatwirtschaft nicht auch für den Staat liefern kann (tut sie ja schon), aber wenn man sich dabei einfach nur als ein anderer Großkunde platziert, bekommt man fix die Rechnung präsentiert, zusätzlich zur Abhängigkeit. Da fehlt es nicht an Beispielen.

  6. >>Es klingt nach einer neuen Tauschbörse für illegale Kopien von Musik, Filmen und Software. Doch Facebook hat ganz andere Pläne.... Das Unternehmen wird die Uploads zudem überwachen...<<
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    Ja, überwacht den Michel und dessen Kinder, lieber Zuckerberg. Solange er sich nicht wehrt, hat ers auch nicht anders verdient!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Apps | Download | Filesharing | Schule | USA
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