NetzfreiheitGoogle-Gründer sieht Freiheit im Netz bedroht

Repressive Staaten, Unterhaltungsfirmen und Facebook bedrohen das Netz, sagt Sergey Brin. Leider wirkt das scheinheilig und so, als wolle er Konkurrenten schlecht machen. von 

Archivbild von Sergey Brin aus dem Jahr 2010

Archivbild von Sergey Brin aus dem Jahr 2010  |  © Robert Galbraith / Reuters

Google-Mitgründer Sergey Brin fürchtet sich vor der Konkurrenz durch Facebook . Das hat er so nicht wörtlich gesagt. Aber er hat es wohl gemeint.

Der britische Guardian veröffentlicht derzeit eine Serie von Texten zum Thema "Kampf ums Internet" , und in diesem Zusammenhang fragt er auch Brin, welche Bedrohungen des Netzes dieser für relevant hält. Brin sieht drei: Regierungen, die versuchten, die Kommunikationswege ihrer Bürger zu überwachen, Unterhaltungskonzerne, die das Kopieren ihrer Inhalte mit allen Mitteln verfolgten, und geschlossene Netzangebote "wie Facebook und Apple ", die kontrollierten, welche Software auf ihren Plattformen veröffentlicht werden dürfe.

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Es gebe inzwischen, sagte Brin , "sehr mächtige Kräfte, die sich überall auf der Welt organisiert haben, um ein offenes Netz zu bekämpfen". Er sei deshalb besorgter als in der Vergangenheit: "Es ist unheimlich." Damit hat er sicher Recht. Ein Teil des Gespräches aber hinterlässt einen unangenehmen Nachgeschmack.

Er und Mitgründer Larry Page hätten Google nicht entwickeln können, wenn das Internet damals von Facebook dominiert worden wäre: "Du musst nach deren Regeln spielen, und diese sind sehr streng. Wir konnten Google nur wegen der besonderen Umgebung entwickeln, wir konnten unsere Suchmaschine nur deshalb bauen, weil das Netz so offen war. Sobald es zu viele Regeln gibt, ersticken sie Innovation."

Wer hat den größten walled garden ?

Das ist keine grundsätzlich ungewöhnliche Sicht. Viele Beobachter, die sich mit dem Thema Bürger- und Freiheitsrechte im Netz beschäftigen, betrachten die drei von Brin aufgeführten Kräfte als Bedrohung eben jener Rechte. Es ist auch keine ungewöhnliche Sicht für Google. Die Suchmaschine, die noch immer die Basis des Geschäftsmodells des Konzerns ist, funktioniert nur, wenn sie unbeschränkten Zugang zu möglichst vielen Informationen hat; deshalb traten Google-Vertreter schon immer für Themen wie Netzneutralität ein.

Allerdings erscheint Brins Kritik scheinheilig. Schließlich kritisiert er damit erstens seinen größten Konkurrenten und er tut das zweitens für Eigenschaften, die längst auch Google aufweist.

Facebooks Geschäftsmodell basiert auf der Bereitschaft der Nutzer, ihre Interessen und Vorlieben preiszugeben. Je größer diese Bereitschaft ist, desto besser kann der Konzern die Interessen und Vorlieben einschätzen und diese Information für das Verkaufen zielgerichteter Werbung nutzen. Daher ist Facebook so gebaut, dass Nutzer sich möglichst lange dort aufhalten und möglichst viel über sich erzählen. So entstand ein walled garden oder Silo, ein eingezäunter Bereich, in den alles hinein, aber aus dem möglichst wenig hinaus gelangt.

Brin kritisierte genau diese Eigenschaft. Dabei hat auch Google inzwischen eine solche Plattform. Google+ dient vor allem dazu , mehr über Nutzer zu erfahren, um Kundenprofile vermarkten zu können . Und Konkurrenten werfen dem Konzern vor, er missbrauche seine Marktmacht , um sein Produkt prominenter anzubieten – sei also  nicht mehr offen für jede Information. Unter anderem wurden Ergebnisse aus Google+ in die Google-Suche eingebaut und erscheinen dort inzwischen prominent zwischen Funden aus dem übrigen Netz.

Leserkommentare
  1. Was soll eigentlich dieses permanente Gequatsche vom freien Internet? Was wollen diese Befürworter des freien Netzes eigentlich? Klar, aus Anbietersicht soll alles erlaubt sein, es darf nichts verboten sein, es soll keine Regeln geben und Gesetze schon gar nicht. Und ein paar "Piraten" sehen es natürlich genauso und der Chor der Generation "Kostenlos" sieht es natürlich genauso.

    Der Satz, "Sobald es zu viele Regeln gibt, ersticken sie Innovation."" ist total Gaga. In der realen Wirtschaft befeuern gerade Gesetze und Regeln Innovationen. Oder glaubt jemand allen ernstes, es gäbe sparsame und klimafreundlichere Autos im Verlgeich von vor zwanzig Jahren, wenn alles erlaubt wäre? Bullshit. Dann gäbe es keine Innovationen, sondern den Status Quo. Die Herren "Internet" werden irgendwann lernen müssen, dass es eine reale Wirtschaft gibt und die gilt eben auch für sie.

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    Redaktion

    Liebe/-r Infamia,

    falls es Sie interessiert, wir haben zu genau dieser Frage - was ist eigentlich Netzfreiheit - gerade eine ganze Serie von Texten veröffentlicht. Hier ein paar Links:

    http://www.zeit.de/digita...
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    Beste Grüße
    Kai Biermann

    • trsnC
    • 16. April 2012 15:07 Uhr

    Gerade ihre genannten Gesetze und Regeln ersticken Innovation. Allein wenn man liest, wie sich Apple, Microsoft und Samsung immer und immer wieder aufgrund irgendwelcher Patentstreite verklagen ist doch ein Witz.

    Selbstverständlich muss jemand mit seinem Produkt genug Geld zum Leben erwirtschaften können.

    Tatsache ist aber auch, dass sowieso nur Konzerne mit Patentklagen um sich werfen können, die ohnehin schon gigantische Umsätze und Gewinne generieren. Hier wird der Wettbewerb als solcher erstickt - ein Konzern sähe sich doch zu gern als Monopolist, denn in Wahrheit ist der Wettbewerb auf dem Markt doch ein Dorn im Auge, diesem müssen sich Marktteilnehmer beugen.

    Das Internet funktioniert wie die Wirtschaft, nur dass man für eine Teilnahme keine realen Ressourcen sondern hauptsächlich geistige Ressourcen braucht.

    Der Satz, "Sobald es zu viele Regeln gibt, ersticken sie Innovation." ist in diesem Zusammenhang vollkommen richtig. Wichtig ist der Teil mit dem "zu viele".

    Denn ein Mindestmaß an Regeln ist wichtig und ist aktuell auch gegeben! Überwiegendes Fehlen an Regeln ist nicht wünschenswert da es nicht funktioniert.

    Nimmt die Anzahl an Regeln allerdings überhand, blockiert das vor allem kleinere Teilnehmer. Denn um die Gesetze einhalten zu können, müssen sie erst gekannt und überprüft werden.
    Für eine mittlere Firma ist dies meist kein Problem, da diese sich eine Rechtsabteilung leisten kann. Für eine Privatperson ist dies ein gehöriges Problem, vor allem seitdem man mit dem Aufkommen der Abmahn-Kriminalität für kleine Fehler bereits 1000 Euro und mehr bezahlen muss.

    Ähnliches können wir auch in der realen Wirtschaft sehen, zu viele Regeln blockieren den Eintritt kleiner Einheiten in den Wettbewerb und zementiert den Status quo.

    An dieser Stelle ist eine liberale Kraft dringend vonnöten. Nur leider gibt es in Deutschland keine liberale Partei (nein, die Partei die sich als solche bezeichnet hat bewiesen, dass sie nicht liberal handelt). Hoffentlich entwickeln sich die "Piraten" zu einer solchen.

    Sie sind wirklich nicht von heute. Sie beweisen inständig wie wenig Ahnung vom Zeitgeist Sie haben mit Ihrer Bagatellisierung einer ganzen Generation. Das Internet (und damit die Kommunikationswege die so noch NIE gab)) steht für Volkes Autonomie (!!) und es gibt immer mehr Kräfte die das einschränken wollen. Auch in Deutschland.

    Aha, und weil Sie sagen, ich habe keine Ahnung vom Zeitgeist (welcher Zeitgeist?!?!?), bin ich also von vorgestern. Falls es Sie interessiert, ich nutze das Internet schon seit Anfang der 90er Jahre und E-Mail, da haben viele Menschen gefragt, "E-was?". Was für eine Autonomie meinen Sie eigentlich? Können Sie mal etwas differenzierter ausführen, welchen Zeitgeist Sie meinen und welche Autonomie? Und welche Generation meinen Sie? Haben Sie, weil Sie evt. jünger sind als ich, einen Alleinigkeitsanspruch, wie das Internet zu funktionieren hat und der Rest hat gefälligst den Mund zu halten, weil Sie und Ihre Generation wissen, wie Internet zu sein hat? Die Arroganz einiger "Zeitgeister" in Bezug auf das Internet ist schon abenteuerlich. Ein Beispiel, wie gnädig die neuen Zeitgeister doch sind, sind die Piraten die den Autoren anbieten, über ein zeitgemäßes Urheberrecht zu diskutieren. Das ist nicht zeitgemäß, dass ist arrogant!

    Eigentlich ist es doch wohl eher so, dass sich Vertreter der Wirtschaft, besonders im amerikanischen Raum, an dieses „neue“ Internet anpassen, und damit sogar einen riesigen Erfolg machen. Pandora, last.fm, Hulu wären nur einige Beispiele aus dem Unterhaltungssektor, und das funktioniert auch prima. Und sie lesen doch gerade völlig kostenlos die Zeit, die ihnen sogar - völlig kostenlos - die Möglichkeit gibt mit anderen über ihre Themen zu diskutieren, ja sogar die Artikel unmittelbar zu kritisieren. Das ist werbefinanziert.

    Wissen Sie wieso? Wenn das Onlineangebot der Zeit geschlossen und nur gegen Gebühr angeboten würde, dann würden es viel, und zwar wirklich viel weniger Menschen nutzen, und letztendlich würde auch deutlich weniger Geld bei der Zeit ankommen.

    Auf die Weise macht Google Milliarden. Und Sie haben bestimmt schon mal Wikipedia benutzt. Die finanzieren sich nicht mal über Werbung, sondern über Spenden. „Kostenlos-Kultur“, die eigentlich gar keine Kostenlos-Kultur ist weil es eben ein neues Verständnis von Geben und Nehmen gibt, funktioniert doch prima!

    >>Klar, aus Anbietersicht soll alles erlaubt sein, es darf nichts verboten sein, es soll keine Regeln geben und Gesetze schon gar nicht. <<
    --------------------------
    Es nist genügend verboten und es gelten genügend Gesetze. Ihre Aussage ist daher absolut nichtssagend. Sinnfrei.

  2. Es geht darum Informationen migrieren zu können wenn Brin Facebook und Apple kritisiert.

    Deswegen hat Google seinen Dienst Takeout in dem alles expoertiert werden kann, lässt den Export von GMAIl Adressen und sonstigen Kontaktdaten zu und gibt raus was man rausgeben kann (sofern Partner das zulassen) usw.

    Das ist was Google für die Freiheit des Internets tut und die eigenen Dateien und Regeln so zu handhaben dass sie nicht Innovation erstickt wie Facebook und Apple das tun.

    Im Gegensatz zu Apple die alles und Jeden wegen teilweise nicht mal umgesetzten Ideen verklagen oder Facebook die sofort als G+ aufkam den Export der Datend er eigenen Kontakte gesperrt hat. DAS ist das Problem und das tut google nicht.

    10 Leserempfehlungen
    • dth
    • 16. April 2012 14:59 Uhr

    Was das Datensammeln über Nutzer angeht, mag Google auch nicht immer gerade Beispielhaft sein.
    Aber offener ist Google tatsächlich. Mittlerweile stößt man immer wieder auf Informationen, die in Facebook veröffentlicht sind und von außen nicht erreichbar und Facebook scheint dies ganz bewusst zu unterstützen.
    Google-Mail, Youtube, Blogger etc. sind alles Dienste von Google, die ohne Google-Account nutzbar sind bzw die Kommunikation mit Teilnehmern ohne Google-Account unterstützen.
    Bei Google+ kann man wohl immerhin seine Daten einsehen und exportieren. Ich kenne es zu schlecht um zu beurteilen, wie einfach dort das freie publizieren von Inhalten ist.
    Aber Facebook macht sich mittlerweile als problematisch bemerkbar, Google+ noch nicht.

    4 Leserempfehlungen
  3. Redaktion

    Liebe/-r Infamia,

    falls es Sie interessiert, wir haben zu genau dieser Frage - was ist eigentlich Netzfreiheit - gerade eine ganze Serie von Texten veröffentlicht. Hier ein paar Links:

    http://www.zeit.de/digita...
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    Beste Grüße
    Kai Biermann

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Blahblahblah"
  4. In dem Interview hat Brin auch betont, dass sich Google maximal um den Schutz der Daten gegenüber Behörden bemüht.

    http://heise.de/-1525937

    Außerdem kooperiert Google mit der CIA im Rahmen des Proketes "Future of Webmonitoring".

    http://www.wired.com/dang...

    Das sollte man vielleicht nicht verschweigen.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

    2 Leserempfehlungen
    • trsnC
    • 16. April 2012 15:07 Uhr

    Gerade ihre genannten Gesetze und Regeln ersticken Innovation. Allein wenn man liest, wie sich Apple, Microsoft und Samsung immer und immer wieder aufgrund irgendwelcher Patentstreite verklagen ist doch ein Witz.

    Selbstverständlich muss jemand mit seinem Produkt genug Geld zum Leben erwirtschaften können.

    Tatsache ist aber auch, dass sowieso nur Konzerne mit Patentklagen um sich werfen können, die ohnehin schon gigantische Umsätze und Gewinne generieren. Hier wird der Wettbewerb als solcher erstickt - ein Konzern sähe sich doch zu gern als Monopolist, denn in Wahrheit ist der Wettbewerb auf dem Markt doch ein Dorn im Auge, diesem müssen sich Marktteilnehmer beugen.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Blahblahblah"
  5. Das Internet funktioniert wie die Wirtschaft, nur dass man für eine Teilnahme keine realen Ressourcen sondern hauptsächlich geistige Ressourcen braucht.

    Der Satz, "Sobald es zu viele Regeln gibt, ersticken sie Innovation." ist in diesem Zusammenhang vollkommen richtig. Wichtig ist der Teil mit dem "zu viele".

    Denn ein Mindestmaß an Regeln ist wichtig und ist aktuell auch gegeben! Überwiegendes Fehlen an Regeln ist nicht wünschenswert da es nicht funktioniert.

    Nimmt die Anzahl an Regeln allerdings überhand, blockiert das vor allem kleinere Teilnehmer. Denn um die Gesetze einhalten zu können, müssen sie erst gekannt und überprüft werden.
    Für eine mittlere Firma ist dies meist kein Problem, da diese sich eine Rechtsabteilung leisten kann. Für eine Privatperson ist dies ein gehöriges Problem, vor allem seitdem man mit dem Aufkommen der Abmahn-Kriminalität für kleine Fehler bereits 1000 Euro und mehr bezahlen muss.

    Ähnliches können wir auch in der realen Wirtschaft sehen, zu viele Regeln blockieren den Eintritt kleiner Einheiten in den Wettbewerb und zementiert den Status quo.

    An dieser Stelle ist eine liberale Kraft dringend vonnöten. Nur leider gibt es in Deutschland keine liberale Partei (nein, die Partei die sich als solche bezeichnet hat bewiesen, dass sie nicht liberal handelt). Hoffentlich entwickeln sich die "Piraten" zu einer solchen.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Blahblahblah"
  6. Sie sind wirklich nicht von heute. Sie beweisen inständig wie wenig Ahnung vom Zeitgeist Sie haben mit Ihrer Bagatellisierung einer ganzen Generation. Das Internet (und damit die Kommunikationswege die so noch NIE gab)) steht für Volkes Autonomie (!!) und es gibt immer mehr Kräfte die das einschränken wollen. Auch in Deutschland.

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