NetzentwicklungPornos treiben die Entwicklung des Netzes voran

Pornografie sorgt möglicherweise für bis zu 30 Prozent des Datenverkehrs im Internet. Doch sie ist auch einer der wichtigsten Motoren der technischen Entwicklung. von 

LAN-Kabel an einem Internetserver

LAN-Kabel an einem Internetserver  |  © REUTERS/Denis Balibouse

Warum steht hier ein Text über Pornografie? Nun, um zu zeigen, woraus das Internet besteht. Pornografie im Netz wird vor allem unter dem Aspekt diskutiert, schädliche Auswirkungen auf das Erleben vor allem von Jugendlichen zu haben. Doch ist das nicht der einzige Effekt.

Es ist eine verschwiegene Branche, um die es im Folgenden geht, deswegen sind alle Zahlen, die hier zitiert werden, mit Vorsicht zu genießen. Doch selbst wenn sie nur annähernd korrekt sind, belegen sie, was als Vermutung schon lange existiert: Das Netz dient zu großen Teilen der Erwachsenenunterhaltung, wie es konservative Politiker gern verschämt formulieren: der Verbreitung von Pornografie. Einerseits.

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Andererseits ist eben diese Pornografie auch einer der stärksten Motoren bei der Entwicklung und der Verbreitung des Internets. Sie war sogar mal der stärkste Antrieb, wurde inzwischen aber von sozialen Netzwerken abgelöst.

Doch zu den Zahlen. Das Technikblog ExtremeTech hat nach eigenen Angaben Informationen von YouPorn bekommen über deren Datenmengen und Abrufzahlen. Die Seite bietet vor allem kostenlose Videos an und ist die zweitgrößte Pornoseite im Netz. Laut ExtremeTech werden auf den Servern der Betreiber "mehr als 100 Terabyte Pornografie" bereitgehalten und sie registrierten "mehr als 100 Millionen" Pageviews am Tag.

29 Petabyte Videos im Monat

Das führe dazu, heißt es im Blog, dass von der Seite jeden Tag 950 Terabyte Daten übertragen werden oder schätzungsweise 29 Petabyte im Monat. Der derzeit größte Anbieter dieser Art, die seit 1997 angebotene Seite Xvideos, dürfte noch einiges mehr an Traffic verursachen. Der Blogger schätzt, dass es 35 bis 40 Petabyte im Monat sind. Und er rechnet hoch, dass schätzungsweise 30 Prozent des gesamten Datenverkehrs im Netz aus Pornografie bestehen.

Was bedeutet das? Zuerst einmal gab es solche Angaben bislang nicht, sondern lediglich Schätzungen von Beobachtern. Lange waren nicht einmal die Betreiber von YouPorn bekannt. Seit 2011 gehört die Seite einem in Luxemburg ansässigen Unternehmen namens Manwin .

Darüber hinaus zeigen diese Zahlen eine Dimension, die nicht ignoriert werden kann. Nur wenige Seiten im Netz, darunter Facebook , YouTube oder Hulu, sind noch größer und liefern noch mehr Daten aus. Xvideo zum Beispiel wird von der Netzanalyse-Seite Alexa auf der Rangliste der größten Seiten des Internets derzeit auf Platz 54 gelistet .

Insgesamt hat Pornografie, wenn es um den verursachten Traffic im Netz geht, an Bedeutung verloren. Zwischen 2007 und 2009 wurde sie von den sozialen Netzwerken überholt. Seitdem sind Facebook, Google und einige Videoportale größer als jedes Pornoangebot, und auch insgesamt sind soziale Netzwerke für mehr Zugriffe verantwortlich als alle Pornografie-Seiten zusammen.

Leserkommentare
  1. Es ist und war bisher immer die Pornoindustrie die sich neuen Medien und Geschäftswegen angenommen haben um ihren "Content" an den Mann oder Frau zu bringen.

  2. Früher hat man gesagt: "Der Krieg ist der Vater aller Dinge" und meinte damit, dass die Militärtechnik den technischen Fortschritt voran treibe.

    Heute ist es die Pornoindustrie. Man kann darin schon einen gewissen Fortschritt des Menschengeschlechtes sehen, denn Pornos verletzen und töten niemanden (meistens jedenfalls).

    Make love not war.

    22 Leserempfehlungen
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    Naja, das Internet wurde ja ursprünglich vom Militär entwickelt. Insofern - Sex und Krieg... es überrascht ja jetzt nicht wirklich...

  3. gibt es wenige.

    Besser das als Militär und Krieg.

    11 Leserempfehlungen
    • urr
    • 05. April 2012 19:17 Uhr
    3 Leserempfehlungen
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    • SuR_LK
    • 05. April 2012 19:27 Uhr

    hah, war wer schneller, der videoclip passt gut zu dem artikel, da musste ich auch zuerst dran denken :)

  4. Vor allem zeigt der Artikel folgendes kanllhart auf:

    Während die Content-Industrie ihre alten Vertriebswege mit immer absurderen Bürgerrechtsbeschneidungen durchsetzen will, setzt die Pornoindustrie auf moderne Vermarktungswege und macht Millionengewinne.

    Aha.

    26 Leserempfehlungen
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    • TDU
    • 06. April 2012 9:39 Uhr

    Aber nicht wieder schimpfen wenn Kultur zum Event vekommt. Content Industrie als Bezeichnung für Goethes und Bachs Nachfolger. Die haben dann gefälligst nach der Pfeife des alle Gratis zu tanzen.

    Wieso sollte es ein Bürgerrecht sein Anderer Arbeit nicht bezahlen zu müssen oder mit ihren Ideen Geld zu verdienen. Wieso gilt das eigentlich nicht für Essen und Trinken, Möbel, Autos und Kleidung?. Ach ja, Kunst kann ja jeder.

    Und die Teilnehmer/innen in den von Ihnen gelobten kreativen Geschäftszweig bekommen sicher alle Tariflöhne und sind sozialversichert. Einfach vorbildlich dieser Geschäftszweig.

  5. wird sich in den nächsten Tausenden nichts ändern - nur kälter wird das Ganze und Technischer - ob da Otto Normalbürger/in noch mithalten kann so im Alltag?

    Eine Leserempfehlung
    • SuR_LK
    • 05. April 2012 19:27 Uhr

    hah, war wer schneller, der videoclip passt gut zu dem artikel, da musste ich auch zuerst dran denken :)

  6. invest in porn :D

    2 Leserempfehlungen

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