Internetfreiheit: "Der Vertrauensvorschuss in die Politik ist weg"
Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs, plädiert für Toleranz im Netz: wer ein familientaugliches Internet wolle, könne Filter nutzen oder einfach wegschauen.
© Jens Schierenbeck / dpa

Entwurf für ein Stoppschild des BKA im Internet. Infrastruktur wie Netzsperren wird immer ausgebaut, wenn es sie erst einmal gibt, sagt Frank Rieger.
ZEIT ONLINE: Sehen Sie als Sprecher des Chaos Computer Clubs noch genug Chaos im Internet?
Frank Rieger: Einerseits machen im Netz viele, was sie wollen. Andererseits gibt es auch immer mehr Regulierungstendenzen, insbesondere von jenen, die ihre Felle davonschwimmen sehen, die also ihre Geschäftsmodelle verteidigen wollen. Und es gibt diejenigen, die politisch Andersdenkende zensieren wollen. Insofern gibt es meiner Meinung nach nicht genug Chaos.
ZEIT ONLINE: Die derzeitigen Regulierungsversuche sind also eher kritisch zu sehen und weniger als eine Notwendigkeit?
Rieger: Klar muss es gewisse Umgangsregeln geben. Aber momentan beobachten wir eine Bewegung in die andere Richtung. Man muss sich nur mal anschauen, was die Gema mit YouTube macht. In Deutschland kann man YouTube praktisch nicht mehr benutzen. In jedem dritten Video steckt ein Schnipsel, bei dem die Gema Ansprüche anmeldet. Da wird dann nicht einfach nur die Tonspur rausgenommen, sondern gleich das ganze Video. Es wird also klar zensiert. Das ist ein Nachteil dieser zentralisierten Plattformen. Solche Tendenzen sehen wir immer öfter. Da wird versucht, die Rolle eines Türstehers zu etablieren, der entscheidet, welche Inhalte im Netz zugelassen werden und welche nicht.

Seit 1990 ist Frank Rieger einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs. Er ist zudem technischer Geschäftsführer eines Unternehmens für Kommunikationssicherheit. Zusammen mit Constanze Kurz, ebenfalls Sprecherin des CCC, hat Rieger das Buch Die Datenfresser geschrieben.
ZEIT ONLINE: Ist das Internet, so wie wir es in Deutschland nutzen können, trotzdem noch ein freies Internet?
Rieger: Momentan ist das noch so. Man bekommt seine Inhalte in der Regel noch publiziert, wenn man das unbedingt möchte. Wer aber Mainstream-Plattformen wie YouTube oder Facebook nutzt, ist dort erheblichen Einschränkungen unterworfen.
ZEIT ONLINE: Es gibt aber immer Alternativen.
Rieger: Natürlich. Aber das ist nur noch ein Zwischenzustand. Die Technologie, um flächendeckend Inhalte zu zensieren, ist da. Das sieht man derzeit in Syrien, wo problemlos verhindert wird, dass unerwünschte Inhalte konsumiert und vor allem publiziert werden. Ob und wofür wir Technologien wie deep packet inspection, also das Hereinschauen der Provider in jedes einzelne Datenpaket, einsetzen oder nicht, darum wird es in den nächsten zwei Jahren gehen. Wir können nicht mehr sagen, das Internet ist unzensierbar. Es ist durchaus zensierbar. Wir müssen uns bewusst entscheiden, es nicht zu tun.







Danke für das Plädoyer zur Publikationsfreiheit. Einen haken scheint mir die Sache jedoch zu haben:
"Ich möchte über dieses Netz mit möglichst wenig Einschränkungen kommunizieren, konsumieren und publizieren können – und zwar Inhalte, so wie ich sie für richtig halte."
Das möchte ich auch - wenn aber jeder die Inhalte publiziert, wie er sie für richtig hällt kann dies auch gefährlich sein. Ich möchte nicht, dass Bombenbaupläne oder Mobbingseiten im Internet existieren.
Jetzt sagen Sie eventuell: "das ist doch Kriminalität". In manchen ländern ja, in anderen nein...
Und jetzt kommt die spannende Frage:
Soll im Internet nur internationales recht gelten? Soll jedes Land selbst weltweit gesetzesverstöße ahnden oder soll es eine Art internationales Internetrecht geben?
"Ich möchte nicht, dass Bombenbaupläne oder Mobbingseiten im Internet existieren"
Zu "Bombenbaupläne", das ist faktisch unmöglich, die Forderung ist so naiv wie die de jure unklare Einschätzung was genau "Bombenbaupläne" eigentlich sind!
Die normenunklare Forderung von Ahnunglosen par excellence, wie das zugehörige Gesetz!
Und in gedruckter Form sind diese ohnehin seit ca. 600 Jahren auch in deutscher Sprache verfügbar.....
Zu "Mobbingseiten", genauso naiv, denn angesichts der Existenz von unterschiedlichen Individuen wird auch das leider nie auszuschließen sein.
MfG Karl Müller
"Soll im Internet nur internationales recht gelten? Soll jedes Land selbst weltweit gesetzesverstöße ahnden oder soll es eine Art internationales Internetrecht geben?"
Angesichts der Alternativen bin ich klar für die erste Antwort. Im Netz kann man nur (wenn überhaupt) zum Verschwinden bringen, worüber es einen internationalen Konsens gibt, dass es verboten sein soll (es scheint, als sei Kinderpornografie ein Beispiel - obwohl vielleicht nicht alles, was in Deutschland unter diesen Begriff fällt).
Wenn wir versuchen, Holocaustleugnung aus'm Netz zu kriegen, versuchen irgendwelche Araber das Gleiche vielleicht mit unverschleierten Frauen und Andere mit Majestätsbeleidigung. Sein Recht überall durchzusetzen ist also unpraktikabel (sonst darf man nurnoch auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner publizieren).
Anleitungen zum Bombenbau wird wahrscheinlich immer im Netz finden, wer entschlossen sucht. Damit werden wir leben müssen (wir tun es bislang erstaunlich gut und sicher).
Jedes Land kann einen gewissen Beitrag leisten, in dem es seinen Bürfern verbietet, bestimmte Dinge in's Netz zu stellen oder zu bezahlen (im Zweifel wäre eine Überwachung des internationalen Geldverkehrs einer Überwachung des Datenverkehrs vorzuziehen). Auch darf man Inhalte, die in einem Land verboten sind, dort auch nicht hosten.
Die reine Verfügbarkeit von Inhalten verhindern zu wollen, geht nur zu einem Preis, den wir (hoffentlich) nicht zahlen wollen.
Es kann gefährlich werden, Wissen freizugeben und zuzulassen, daß sich Minderheiten versammeln und merken, daß sie nicht jeder allein und ohne Macht sind. Aber... es scheint, daß das immer wieder passiert, auch wenn man es nicht zuläßt. Es dauert vielleicht länger, wenn man Mittel und Wege findet, die Minderheit in Schach zu halten. Aber es ist auch härter für alle Beteiligten.
Das Internet ist nun einmal in unserer Welt. Es ist ein modernes Mittel für ein uraltes Problem: Daß Interessen und Wünsche verschiedener Menschen kollidieren und daß nicht jeder Mensch Achtung vor den anderen als Maßstab sieht. Das Internet hat diese Gefahr nicht geschaffen, es hat sie nur "modernisiert". Und die Gefahr würde ohne Internet genauso bestehen - und vielleicht desto größer sein, weil weniger offensichtlich.
Sofern es stimmt, daß der Mensch ein soziales Wesen ist, das mit anderen Menschen in Gemeinschaft leben *muß*, solange müssen wir mit der Gefahr leben, daß es Grausamkeiten und zwischenmenschliche Verletzungen gibt. Das ist keine Sache, die für das Internet spezifisch wäre, nicht einmal, wenn es zu Mobbingseiten und Bombenbauanleitungen kommt.
Und darum bin ich dafür, beides nicht zu generell verbieten zu wollen. Das Verbot bringt einfach nichts, es wird beides so oder so geben, offen oder geheim. Nicht weil es das Internet ist, sondern weil es der Mensch ist, der mit und ohne Internet im Kern derselbe ist.
Mit Grüßen von
Oyamat
"Ich möchte nicht, dass Bombenbaupläne oder Mobbingseiten im Internet existieren"
Zu "Bombenbaupläne", das ist faktisch unmöglich, die Forderung ist so naiv wie die de jure unklare Einschätzung was genau "Bombenbaupläne" eigentlich sind!
Die normenunklare Forderung von Ahnunglosen par excellence, wie das zugehörige Gesetz!
Und in gedruckter Form sind diese ohnehin seit ca. 600 Jahren auch in deutscher Sprache verfügbar.....
Zu "Mobbingseiten", genauso naiv, denn angesichts der Existenz von unterschiedlichen Individuen wird auch das leider nie auszuschließen sein.
MfG Karl Müller
"Soll im Internet nur internationales recht gelten? Soll jedes Land selbst weltweit gesetzesverstöße ahnden oder soll es eine Art internationales Internetrecht geben?"
Angesichts der Alternativen bin ich klar für die erste Antwort. Im Netz kann man nur (wenn überhaupt) zum Verschwinden bringen, worüber es einen internationalen Konsens gibt, dass es verboten sein soll (es scheint, als sei Kinderpornografie ein Beispiel - obwohl vielleicht nicht alles, was in Deutschland unter diesen Begriff fällt).
Wenn wir versuchen, Holocaustleugnung aus'm Netz zu kriegen, versuchen irgendwelche Araber das Gleiche vielleicht mit unverschleierten Frauen und Andere mit Majestätsbeleidigung. Sein Recht überall durchzusetzen ist also unpraktikabel (sonst darf man nurnoch auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner publizieren).
Anleitungen zum Bombenbau wird wahrscheinlich immer im Netz finden, wer entschlossen sucht. Damit werden wir leben müssen (wir tun es bislang erstaunlich gut und sicher).
Jedes Land kann einen gewissen Beitrag leisten, in dem es seinen Bürfern verbietet, bestimmte Dinge in's Netz zu stellen oder zu bezahlen (im Zweifel wäre eine Überwachung des internationalen Geldverkehrs einer Überwachung des Datenverkehrs vorzuziehen). Auch darf man Inhalte, die in einem Land verboten sind, dort auch nicht hosten.
Die reine Verfügbarkeit von Inhalten verhindern zu wollen, geht nur zu einem Preis, den wir (hoffentlich) nicht zahlen wollen.
Es kann gefährlich werden, Wissen freizugeben und zuzulassen, daß sich Minderheiten versammeln und merken, daß sie nicht jeder allein und ohne Macht sind. Aber... es scheint, daß das immer wieder passiert, auch wenn man es nicht zuläßt. Es dauert vielleicht länger, wenn man Mittel und Wege findet, die Minderheit in Schach zu halten. Aber es ist auch härter für alle Beteiligten.
Das Internet ist nun einmal in unserer Welt. Es ist ein modernes Mittel für ein uraltes Problem: Daß Interessen und Wünsche verschiedener Menschen kollidieren und daß nicht jeder Mensch Achtung vor den anderen als Maßstab sieht. Das Internet hat diese Gefahr nicht geschaffen, es hat sie nur "modernisiert". Und die Gefahr würde ohne Internet genauso bestehen - und vielleicht desto größer sein, weil weniger offensichtlich.
Sofern es stimmt, daß der Mensch ein soziales Wesen ist, das mit anderen Menschen in Gemeinschaft leben *muß*, solange müssen wir mit der Gefahr leben, daß es Grausamkeiten und zwischenmenschliche Verletzungen gibt. Das ist keine Sache, die für das Internet spezifisch wäre, nicht einmal, wenn es zu Mobbingseiten und Bombenbauanleitungen kommt.
Und darum bin ich dafür, beides nicht zu generell verbieten zu wollen. Das Verbot bringt einfach nichts, es wird beides so oder so geben, offen oder geheim. Nicht weil es das Internet ist, sondern weil es der Mensch ist, der mit und ohne Internet im Kern derselbe ist.
Mit Grüßen von
Oyamat
Herrn Riegers Plädoyer für Eigenverantwortung ist mir sehr sympathisch.
Ich habe vor Jahrzehnten mal in einem Text über die Unterschiede von menschlichen und Delfin-Gehirnen gelesen, dass der Delfin sein Gehirn dazu nutzt, durch eine komplexe Welt zu navigieren; er modifiziert sie nicht. Der Mensch benutzt sein Hirn, um Komplexität (wo immer möglich) zu reduzieren. Einfache Lösungen: Gewalt, Verbote, Sperren.
Zukunftsfähigkeit heißt aber: Komplexität ertragen. Denn die Welt wird - sollten wir uns nicht gerade in die Steinzeit zurückbomben - nie wieder „einfach“ werden. Dementsprechend sollten verantwortungsvolle Eltern und Lehrer Kindern erklären, wie sich die Welt (online und offline) gestaltet, was es darin gibt, was sie tun und lassen sollten - anstatt ihnen in Kindergärtnerinnenmanier Stoppschilder vor die Nase zu stellen oder gleich die Augen zu verbinden.
Auch fällt mir in Diskussionen mit konservativ geprägten Menschen auf, dass sie zwar kaum etwas im Netz machen (E-Mail & Banking), aber ausgeprägte Horrorvisionen davon haben, was andere dort tun: Zu Gewalt aufrufen, mobben, Bombenbaupläne verbreiten ... Und immer wieder: Sex, Sex, Sex. Ganz furchtbare Sachen soll es da geben.
Yep. Aber dasselbe gilt für dunkle Hinterzimmer in Hamburg und Berlin. Deswegen werden die Städte nicht zu Sperrzonen.
Man versteht dieses Phänomen auch ohne Psychologiestudium. Da projizieren Menschen ihre eigenen Ängste auf ein fremdes Medium. Das darf nicht Grundlage der Politik werden.
sitzen sich Menschen gegenüber.
Im Internet IP-Adressen.
Will sagen: Im Netz kann sich der größte Feigling
zum Heroen hochstilisieren und enormen Schaden anrichten,
ohne Gefahr zu laufen, erwischt zu werden.
Oder hat man die Hetzer aus Emden dingfest machen können?
Freiheit verpflichtet!
sitzen sich Menschen gegenüber.
Im Internet IP-Adressen.
Will sagen: Im Netz kann sich der größte Feigling
zum Heroen hochstilisieren und enormen Schaden anrichten,
ohne Gefahr zu laufen, erwischt zu werden.
Oder hat man die Hetzer aus Emden dingfest machen können?
Freiheit verpflichtet!
sitzen sich Menschen gegenüber.
Im Internet IP-Adressen.
Will sagen: Im Netz kann sich der größte Feigling
zum Heroen hochstilisieren und enormen Schaden anrichten,
ohne Gefahr zu laufen, erwischt zu werden.
Oder hat man die Hetzer aus Emden dingfest machen können?
Freiheit verpflichtet!
Freiheit verpflichtet. Und Freiheit kann gelernt werden. Ich stimme Ihnen in dieser Aussage voll umfänglich zu. Aber was soll denn unsere Konsequenz sein, wenn einige die Freiheit missbrauchen? Sollten wir sie dann abschaffen?
Ich denke die Antwort dürfte vielmehr sein auf die Gefährdungen die sich durch den Missbrauch ergeben angemessen reagieren.
Dazu gehört meines Erachtens nach auch, dass endlich begonnen wird Schülern den sinnvollen Umgang mit dem Internet beizubringen etc.
Oder hat man die Hetzer aus Emden dingfest machen können?
Freiheit verpflichtet!
Das ist kein so gutes Beispiel, denn gerade die anonyme "Emdener Hetze" hat demonstriert, wie grandios solche Schüsse nach hinten losgehen.
Ein Medienethiker beeilte sich, vom "virtuellen Stammtisch" zu fabulieren, der noch lernen müsse, "sich zurückzuhalten". Die Sueddeutsche quittierte diesen Unsinn mit dem sehr treffenden Kommentar:
"Was er nicht sagte, war, dass dieser Stammtisch, anders als andere Stammtische oder als Redaktionen getarnte Stammtische, zum Glück so groß ist, dass keine Blödheit lange unwidersprochen stehen bleibt."
Dem kann ich nur zustimmen. Das www ist groß genug, daß kein Mumpitz lange unkommentiert bleiben kann.
Menschen sind keine IP-Adressen. Und meistens benehmen sie sich menschlich.
Wenn man sich mit dem Netz als Ganzem beschäftigt, ist es unglaublich, wie *wenig* schief geht. Ein Projekt wie die Wikipedia, bei der kein Mensch einen Cent verdienen kann, wird (unter Schmerzen) viel Gutes geleistet; Unsinn & Manipulationen werden oft schnell entdeckt und entfernt. Riesige Communitys wie reddit (8 Mio. User!) verwalten sich weitgehend selbst, usw. usf. - Stichwort „Emergenz“.
Anonyme Hetzer? Wenn z.B. im ZEIT-Forum jemand rassistischen Unsinn absondert, können Dritte bei der Moderation Löschung beantragen und ggf. zwecks Strafverfolgung eine Ermittlung des Anschlussinhabers vorantreiben. Das passiert immer wieder. Es gibt geltende Gesetze, und die werden angewendet. Nicht konsequent, aber auch das ist wie im „Real Life“.
Freiheit verpflichtet in der Tat - zu ihrer Verteidigung, und dazu, andere zu ihrem Gebrauch anzuleiten. Wenn im Internet Barbarisches verbreitet wird, muss man leicht zu beeindruckenden Menschen (insbes. Kindern) erklären, was Barbarei ist. Das ist vielen Eltern (wie Sexualaufklärung) unangenehm. Unverzichtbar ist es trotzdem.
Und was „Menschen in Hinterzimmern“ angeht: Ich meinte (unter anderem) Gewalt, von der wir nie hören, weil es keine Kläger und keine Aufzeichnungen gibt. Pädophilie, Gewalt gegen Frauen. Reale Schläge, seelische Grausamkeit und Vergewaltigungen in der wirklichen Welt.
Hier ist kein Netz schuld, und im Zweifelsfall hilft kein Moderator.
Freiheit verpflichtet. Und Freiheit kann gelernt werden. Ich stimme Ihnen in dieser Aussage voll umfänglich zu. Aber was soll denn unsere Konsequenz sein, wenn einige die Freiheit missbrauchen? Sollten wir sie dann abschaffen?
Ich denke die Antwort dürfte vielmehr sein auf die Gefährdungen die sich durch den Missbrauch ergeben angemessen reagieren.
Dazu gehört meines Erachtens nach auch, dass endlich begonnen wird Schülern den sinnvollen Umgang mit dem Internet beizubringen etc.
Oder hat man die Hetzer aus Emden dingfest machen können?
Freiheit verpflichtet!
Das ist kein so gutes Beispiel, denn gerade die anonyme "Emdener Hetze" hat demonstriert, wie grandios solche Schüsse nach hinten losgehen.
Ein Medienethiker beeilte sich, vom "virtuellen Stammtisch" zu fabulieren, der noch lernen müsse, "sich zurückzuhalten". Die Sueddeutsche quittierte diesen Unsinn mit dem sehr treffenden Kommentar:
"Was er nicht sagte, war, dass dieser Stammtisch, anders als andere Stammtische oder als Redaktionen getarnte Stammtische, zum Glück so groß ist, dass keine Blödheit lange unwidersprochen stehen bleibt."
Dem kann ich nur zustimmen. Das www ist groß genug, daß kein Mumpitz lange unkommentiert bleiben kann.
Menschen sind keine IP-Adressen. Und meistens benehmen sie sich menschlich.
Wenn man sich mit dem Netz als Ganzem beschäftigt, ist es unglaublich, wie *wenig* schief geht. Ein Projekt wie die Wikipedia, bei der kein Mensch einen Cent verdienen kann, wird (unter Schmerzen) viel Gutes geleistet; Unsinn & Manipulationen werden oft schnell entdeckt und entfernt. Riesige Communitys wie reddit (8 Mio. User!) verwalten sich weitgehend selbst, usw. usf. - Stichwort „Emergenz“.
Anonyme Hetzer? Wenn z.B. im ZEIT-Forum jemand rassistischen Unsinn absondert, können Dritte bei der Moderation Löschung beantragen und ggf. zwecks Strafverfolgung eine Ermittlung des Anschlussinhabers vorantreiben. Das passiert immer wieder. Es gibt geltende Gesetze, und die werden angewendet. Nicht konsequent, aber auch das ist wie im „Real Life“.
Freiheit verpflichtet in der Tat - zu ihrer Verteidigung, und dazu, andere zu ihrem Gebrauch anzuleiten. Wenn im Internet Barbarisches verbreitet wird, muss man leicht zu beeindruckenden Menschen (insbes. Kindern) erklären, was Barbarei ist. Das ist vielen Eltern (wie Sexualaufklärung) unangenehm. Unverzichtbar ist es trotzdem.
Und was „Menschen in Hinterzimmern“ angeht: Ich meinte (unter anderem) Gewalt, von der wir nie hören, weil es keine Kläger und keine Aufzeichnungen gibt. Pädophilie, Gewalt gegen Frauen. Reale Schläge, seelische Grausamkeit und Vergewaltigungen in der wirklichen Welt.
Hier ist kein Netz schuld, und im Zweifelsfall hilft kein Moderator.
"Ich möchte nicht, dass Bombenbaupläne oder Mobbingseiten im Internet existieren"
Zu "Bombenbaupläne", das ist faktisch unmöglich, die Forderung ist so naiv wie die de jure unklare Einschätzung was genau "Bombenbaupläne" eigentlich sind!
Die normenunklare Forderung von Ahnunglosen par excellence, wie das zugehörige Gesetz!
Und in gedruckter Form sind diese ohnehin seit ca. 600 Jahren auch in deutscher Sprache verfügbar.....
Zu "Mobbingseiten", genauso naiv, denn angesichts der Existenz von unterschiedlichen Individuen wird auch das leider nie auszuschließen sein.
MfG Karl Müller
Freiheit verpflichtet. Und Freiheit kann gelernt werden. Ich stimme Ihnen in dieser Aussage voll umfänglich zu. Aber was soll denn unsere Konsequenz sein, wenn einige die Freiheit missbrauchen? Sollten wir sie dann abschaffen?
Ich denke die Antwort dürfte vielmehr sein auf die Gefährdungen die sich durch den Missbrauch ergeben angemessen reagieren.
Dazu gehört meines Erachtens nach auch, dass endlich begonnen wird Schülern den sinnvollen Umgang mit dem Internet beizubringen etc.
Oder hat man die Hetzer aus Emden dingfest machen können?
Freiheit verpflichtet!
Das ist kein so gutes Beispiel, denn gerade die anonyme "Emdener Hetze" hat demonstriert, wie grandios solche Schüsse nach hinten losgehen.
Ein Medienethiker beeilte sich, vom "virtuellen Stammtisch" zu fabulieren, der noch lernen müsse, "sich zurückzuhalten". Die Sueddeutsche quittierte diesen Unsinn mit dem sehr treffenden Kommentar:
"Was er nicht sagte, war, dass dieser Stammtisch, anders als andere Stammtische oder als Redaktionen getarnte Stammtische, zum Glück so groß ist, dass keine Blödheit lange unwidersprochen stehen bleibt."
Dem kann ich nur zustimmen. Das www ist groß genug, daß kein Mumpitz lange unkommentiert bleiben kann.
Menschen sind keine IP-Adressen. Und meistens benehmen sie sich menschlich.
Wenn man sich mit dem Netz als Ganzem beschäftigt, ist es unglaublich, wie *wenig* schief geht. Ein Projekt wie die Wikipedia, bei der kein Mensch einen Cent verdienen kann, wird (unter Schmerzen) viel Gutes geleistet; Unsinn & Manipulationen werden oft schnell entdeckt und entfernt. Riesige Communitys wie reddit (8 Mio. User!) verwalten sich weitgehend selbst, usw. usf. - Stichwort „Emergenz“.
Anonyme Hetzer? Wenn z.B. im ZEIT-Forum jemand rassistischen Unsinn absondert, können Dritte bei der Moderation Löschung beantragen und ggf. zwecks Strafverfolgung eine Ermittlung des Anschlussinhabers vorantreiben. Das passiert immer wieder. Es gibt geltende Gesetze, und die werden angewendet. Nicht konsequent, aber auch das ist wie im „Real Life“.
Freiheit verpflichtet in der Tat - zu ihrer Verteidigung, und dazu, andere zu ihrem Gebrauch anzuleiten. Wenn im Internet Barbarisches verbreitet wird, muss man leicht zu beeindruckenden Menschen (insbes. Kindern) erklären, was Barbarei ist. Das ist vielen Eltern (wie Sexualaufklärung) unangenehm. Unverzichtbar ist es trotzdem.
Und was „Menschen in Hinterzimmern“ angeht: Ich meinte (unter anderem) Gewalt, von der wir nie hören, weil es keine Kläger und keine Aufzeichnungen gibt. Pädophilie, Gewalt gegen Frauen. Reale Schläge, seelische Grausamkeit und Vergewaltigungen in der wirklichen Welt.
Hier ist kein Netz schuld, und im Zweifelsfall hilft kein Moderator.
"Hier ist kein Netz schuld, und im Zweifelsfall hilft kein Moderator."
Nein, das Netz ist sicher nicht schuld an einer Kindervergewaltigung - aber es kann das Leid des Kindes ins Unendliche vergrössern. Dann nämlich, wenn vom Missbrauch (der alleine ist schon schlimm genug) Fotos und Film gemacht werden und diese dann jahre- und jahrzehntelang im Internet kursieren. Betroffene berichten, dass alleine der Gedanke, dass "da draussen" Leute sind, welche die Missbrauchsfotos imemr wieder betrachten (es kann der Nachbar sein, der Lehrer, die Briefträgerin), die Qualen des Missbrauchs immer wieder hochkochen lassen.
"Hier ist kein Netz schuld, und im Zweifelsfall hilft kein Moderator."
Nein, das Netz ist sicher nicht schuld an einer Kindervergewaltigung - aber es kann das Leid des Kindes ins Unendliche vergrössern. Dann nämlich, wenn vom Missbrauch (der alleine ist schon schlimm genug) Fotos und Film gemacht werden und diese dann jahre- und jahrzehntelang im Internet kursieren. Betroffene berichten, dass alleine der Gedanke, dass "da draussen" Leute sind, welche die Missbrauchsfotos imemr wieder betrachten (es kann der Nachbar sein, der Lehrer, die Briefträgerin), die Qualen des Missbrauchs immer wieder hochkochen lassen.
"Soll im Internet nur internationales recht gelten? Soll jedes Land selbst weltweit gesetzesverstöße ahnden oder soll es eine Art internationales Internetrecht geben?"
Angesichts der Alternativen bin ich klar für die erste Antwort. Im Netz kann man nur (wenn überhaupt) zum Verschwinden bringen, worüber es einen internationalen Konsens gibt, dass es verboten sein soll (es scheint, als sei Kinderpornografie ein Beispiel - obwohl vielleicht nicht alles, was in Deutschland unter diesen Begriff fällt).
Wenn wir versuchen, Holocaustleugnung aus'm Netz zu kriegen, versuchen irgendwelche Araber das Gleiche vielleicht mit unverschleierten Frauen und Andere mit Majestätsbeleidigung. Sein Recht überall durchzusetzen ist also unpraktikabel (sonst darf man nurnoch auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner publizieren).
Anleitungen zum Bombenbau wird wahrscheinlich immer im Netz finden, wer entschlossen sucht. Damit werden wir leben müssen (wir tun es bislang erstaunlich gut und sicher).
Jedes Land kann einen gewissen Beitrag leisten, in dem es seinen Bürfern verbietet, bestimmte Dinge in's Netz zu stellen oder zu bezahlen (im Zweifel wäre eine Überwachung des internationalen Geldverkehrs einer Überwachung des Datenverkehrs vorzuziehen). Auch darf man Inhalte, die in einem Land verboten sind, dort auch nicht hosten.
Die reine Verfügbarkeit von Inhalten verhindern zu wollen, geht nur zu einem Preis, den wir (hoffentlich) nicht zahlen wollen.
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