ZEIT ONLINE: Sie sind Gründungsmitglied und einer der beiden Vorstände von cnetz, des unionsnahen netzpolitischen Vereins . Auf der Website des Vereins heißt es, er trete für eine "Freiheit mit Verantwortung" ein. Was heißt das?

Thomas Jarzombek: Das heißt, die Freiheit des einen endet immer da, wo die Freiheit des anderen beginnt.

ZEIT ONLINE: Das hat Rosa Luxemburg gesagt, Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.

Jarzombek: Das muss ja nicht falsch sein. Freiheit bedeutet am Ende auch ein Stück Rücksichtnahme auf andere.

ZEIT ONLINE: Was meinen Sie in diesem Zusammenhang mit "Verantwortung"? Verantwortung für sich selbst, für andere, für die Freiheit?

Jarzombek: Vor allem Verantwortung für das eigene Handeln.

ZEIT ONLINE: Und wie definieren Sie demnach nun Freiheit im Internet?

Jarzombek: Es geht häufig darum, welche Dinge Freiheit einschränken wollen. Deshalb ist die politische Diskussion, die wir seit einiger Zeit führen, leider eher eine negative. Wenn man es positiv angehen möchte, dann sollte, finde ich, Artikel 5 des Grundgesetzes das Leitmotiv einer Internetpolitik sein: Jeder muss die Freiheit haben, in Wort, Schrift und Bild das ausdrücken zu können, was ihm ein Anliegen ist.

ZEIT ONLINE: Die in der nicht-digitalen Welt längst ausgehandelten Freiheitsrechte sollten also eins zu eins übertragen werden auf das Netz?

Jarzombek: Ja. Ich glaube ohnehin, dass man sehr viel aus der analogen Welt auf die digitale übertragen kann. Und ich glaube, dass es ein Fehler von manchen Kollegen ist, zu glauben, man könne mit technischen Kniffen Dinge vereinfachen, für die man in der analogen Welt sehr viel Aufwand und Ressourcen braucht. Zum Beispiel Ermittler. Wenn es um Kinderpornographie geht, sind technische Lösungen nicht unbedingt die besten.