Re:publica 12 : Wir machen wieder mehr selbst!
Ab Mittwoch treffen sich Tausende zur Konferenz re:publica. Eine Frage diesmal: Wie verändert das Netz die industrielle Produktion? Fab-Labs sind ein Beispiel.
© Johannes Thumfart

Der Makerbot im Betahaus in Berlin-Kreuzberg
Streicht man mit der Hand über die Werkbank, spürt man den körnigen Metallstaub, der sich vorgestern Abend über den gesamten Raum gelegt hat. "Lastenfahrrad-Workshop" ist unter "Samstag" auf der Tafel am Eingang eingetragen. Und Lastenfahrräder bauen, das heißt, Metall zersägen und schweißen, hämmern und feilen, sprühende Funken, Dreck und Krach. Heute ist davon bis auf die paar Staubkörnchen nichts mehr zu sehen. Das Werkzeug hängt im Werkzeugschrank, die Schrauben sind in Plastikkisten verstaut, die Metallstangen stehen in einer Box Spalier. Gefegt hat auch jemand. Das mit dem Aufräumen, sagt Philip Steffan, klappe ziemlich gut. "Das Ding kommt mit erstaunlich wenig Struktur aus."
Künstler, Kreative und Hacker treffen sich in "Fablabs"
Das Ding, damit meint er die "Open Design City" in der Berliner Prinzessinnenstraße, ein großer Raum mit Werkbänken und technischen Gerätschaften im Erdgeschoss des Betahauses, Berlins bekanntester Bürogemeinschaft für Kreative. Wie das Betahaus ist die Werkstatt kooperativ organisiert, von Leuten, die aus den verschiedensten Gründen Dinge selbst machen wollen: Künstler, Kreative, Hacker, sozial Bewegte, Leute wie Philip Steffan, 32, Absolvent der TU, die gern Dinge auseinandernehmen und wieder zusammenbauen. Oben drüber sitzen zumeist junge Berliner Selbstständige über ihre vernetzten Laptops gebeugt und designen, schreiben oder programmieren. Hier unten wird mit der Hand gearbeitet. Und doch ist dieser Ort in vielfältiger Weise von der digitalen Welt inspiriert.
"Das Internet", sagt der Niederländer Bas van Abel am Telefon, "hat die Art und Weise verändert, wie wir kommunizieren. Wir sind nicht länger nur Empfänger von Nachrichten, sondern selbst auch Sender." Bas van Abel ist Kreativdirektor der Waag-Society in Amsterdam, einer gemeinnützigen Organisation, die an der Schnittstelle zwischen Technik und Gesellschaft arbeitet und forscht. Van Abel glaubt, dass sich dieses Prinzip auf weitere Lebensbereiche ausdehnen wird, auch auf das Produzieren. Die Leute, glaubt er, wollen nicht mehr nur Konsumenten sein, sondern selbst bestimmen, wie Gegenstände aussehen sollen oder wie sie hergestellt werden – nachhaltiger zum Beispiel, umweltfreundlicher. Oder sie stellen sie gleich selbst her, in Werkstätten wie der "Open Design City" in Berlin. Wenn am Mittwoch in Berlin die 6. Republica beginnt, die wichtigste deutsche Konferenz für das Web 2.0 in Deutschland, wird Bas van Abel über die Produktion 2.0 einen Vortrag halten. Es ist nicht der einzige zu diesem Thema auf der Tagung. Die Szene, meint van Abel, wächst.
Aus Gameboys werden Instrumente
Bei Julia Läger wächst im Moment nur der Frust. Auf dem Tisch vor ihr liegt zwischen Kabeln und Schraubenziehern an diesem Montagabend in der "Open Design City" eine Steckplatine, auf der sie mehrere Stromkreise verlegt hat. Die Kabel sind an einer Seite an eine Batterie angeschlossen und verschwinden auf der anderen Seite in einer umfunktionierten Butterbrotdose, auf der eine kleine Glühbirne rot leuchtet. "Spannungsfehler sind schon mal ausgeschlossen", stellt Julia Läger fest. Funktionieren tut das Ding trotzdem nicht.
Irgendwann, wenn die 23-Jährige damit fertig ist, soll die Platine in der Brotbox ein Trautonium sein. Das war ein Vorläufer des Synthesizers. Vor zwei Monaten hat Julia Läger nämlich zusammen mit Alice Zappe eine Band gegründet. "Wir haben dann aber ziemlich schnell festgestellt, dass wir erst einmal crazy Instrumente bauen wollen", sagt Alice. Sie sitzt neben Julia und greift nun nach etwas, das aussieht wie ein großer Fön. Sie beginnt, eine Plastikfolie zu erhitzen, die sich widerspenstig nach oben zwirbelt. Alice hat einen Gameboy ausgeweidet, der auch einmal ein Instrument werden soll. Erst einmal baut sie aber eine Beleuchtung für das Display ein. "Sonst sieht man ja gar nichts, bei uns im Probekeller."







Ab Mittwoch treffen sich wieder Tausende zur Konferenz re:publica. Die Frage wie jedes Jahr:
Was machen all die daheim gebliebenen Katzen?
Selbst Wikipedia verweist unter dem Schimpfwort Plastik auf Kunststoff.
Soll ich Euch noch den Duden und die Inquisition schicken ?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren