Protest gegen den Handelsvertrag Acta, von dem Kritiker fürchten, dass er im Namen des Urheberrechts zu mehr Überwachung führt. © Adam Berry/Getty Images

In der Debatte ums Urheberrecht scheinen die Fronten eher zu verhärten als aufzuweichen. Von Kunstschaffenden und Verwertungsindustrie der Enteignung bezichtigt, fordern manche Mitglieder der sogenannten Netzgemeinde mittlerweile die völlige Abschaffung des Urheberrechts. Dieses beiderseitige Einbetonieren ist doppelt schade. Einerseits dämonisieren sich beide Seiten, statt Gemeinsamkeiten zu suchen. Andererseits gehen konstruktive Vorschläge so im argumentativen Trommelfeuer unter.

Und konstruktive Ideen gibt es durchaus. Für die zwei Kernprobleme im Urheberrechtsstreit – Filesharing und transformative Werknutzung – liegen längst taugliche Beispiele vor. Sie haben jedoch keine Chance, solange beide Seiten auf Maximalpositionen beharren und sich vor allem in Beschimpfungen üben.

In Sachen Filesharing hat Philippe Aigrain vom französischen Verein La Quadrature du Net kürzlich in dem Buch Sharing einen detailliert ausgearbeiteten Vorschlag für eine Art digitalen Kreativpakt (Creative Contribution) vorgelegt. Er sieht die Einführung zweier Rechte vor: Nutzer erhalten das Recht, digitale Inhalte nicht-kommerziell mit anderen über das Internet zu teilen. Kunstschaffende erhalten dafür das Recht auf eine angemessene Vergütung.

In der Geschichte des Urheberrechts wurde wiederholt auf diese Weise ein Interessensausgleich hergestellt. Ende der 1970er Jahre warnte beispielsweise der Spiegel vor einer "klanglosen Zukunft" auf Grund des zunehmenden Verkaufs von Leerkassetten. Der Artikel endete mit dem Satz: "Wenn die Musikindustrie ihre wirtschaftlichen Probleme heute und morgen nicht zu lösen vermag, wird es übermorgen bei aller Super-Technik kaum mehr produzierte Musik geben, die überspielt werden kann."

Tauschen mit Wasserzeichen

Unmittelbar nach diesem Abgesang erlebte die Musikindustrie den größten Boom ihrer Geschichte. Und durch die Pauschalvergütung für Leerkassetten wurden Kunstschaffende damals am Verkaufserlös beteiligt.

Aigrain skizziert nun eine ähnliche Lösung für nicht-kommerzielles Filesharing, also den Austausch von Dateien zwischen Privatpersonen. Erfasst von der Regelung wären alle Werke mit Ausnahme von Software und Datenbanken, die bereits einmal digital veröffentlicht wurden. Wer tauscht, wäre dann verpflichtet, Urheber und Rechteinhaber korrekt auszuweisen und digitale Wasserzeichen in den Dateien zu belassen – damit diese genutzt werden könnten, die Häufigkeit der Nutzung zu schätzen.

Werbefinanzierte Streaming-Angebote wie kino.to wären hingegen weiterhin illegal, wenn sich deren Betreiber nicht mit den Rechteinhabern auf eine Vergütung einigen.