Filesharing"Urheberrecht darf im Alltag keine Rolle spielen"
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Fair-Use auch in Europa?

Aigrain hat bis auf den Cent ausgerechnet, wie viel eine Abgabe auf Breitbandanschlüsse in Deutschland kosten würde, nämlich 47,76 Euro pro Haushalt und Jahr. Ein Wert, der auch sozial gestaffelt werden könnte. Und er hat berechnet, wie viel Geld damit zur Finanzierung kultureller Güter zusätzlich zur Verfügung stünde. In Deutschland wären es demnach 1,2 Milliarden Euro – abzüglich des Verwaltungsaufwands.

Auch Vorschläge für eine datenschutzkonforme Ermittlung des Nutzungsverhaltens sowie ein Verteilungsschlüssel, der Mitbestimmung der Nutzer bei Investitionen in zukünftige Projekte vorsieht, sind in Sharing ausgearbeitet.

Bei einem solchen Modell würde Kim Dotcom noch immer im Gefängnis landen, aber eine Totalüberwachung des Internets und die ständige Gefahr von Abmahnungen wären gebannt. Und die Kunstschaffenden würden besser gestellt.

Auch für den Bereich der transformativen Werknutzung – für sogenannte Mashups – liegen konstruktive Lösungen auf dem Tisch, die das Urheberrecht mit digitalem Alltagshandeln versöhnen würden. Derzeit verletzt das Urheberrecht, wer ein Tanzvideo auf Facebook oder YouTube hochlädt, bei dem im Hintergrund geschützte Musik läuft. Das gilt, obwohl dadurch die Verwertungsmöglichkeiten der Urheber gar nicht eingeschränkt werden.

In den USA gibt es die sogenannte Fair-Use-Klausel des Copyrights. Sie schützt die Mehrzahl solcher Handlungen. Was genau unter Fair Use fällt, wird dabei von Gerichten im Einzelfall entschieden. Die Regelung hat den Vorteil, dass nicht für jede neue Technologie wie Facebook oder Pinterest eine neue gesetzliche Ausnahmeregelung getroffen werden muss.

Die EU-Urheberrechtsrichtlinie kennt dagegen nur einen abgeschlossenen Katalog an Ausnahmen ("Schranken"). Das macht das europäische Urheberrecht träge und damit auch in wirtschaftlicher Hinsicht häufig zur Innovationsbremse. Den Schrankenkatalog mit einer Generalklausel zu öffnen, wäre eine einfache Möglichkeit, um das Urheberrecht wieder fit für das digitale Zeitalter zu machen.

Für die Mehrheit der normalen Internetnutzer hätte eine solche Änderung die angenehme Konsequenz, dass das Urheberrecht in ihrem Alltag keine große Rolle mehr spielen würde. Zusammen mit dem digitalen Kreativpakt Aigrains wäre das Urheberrecht endlich wieder, was es vor dem Internet war: unwichtig.

 
Leserkommentare
  1. Das erinnert mich strukturell an die Kultur-Flatrate, die bereits mehrfach vorgeschlagen und auch gefordert wurde. Interessanterweise liegt der errechnete Betrag ncoh deutlich unter den 10 Euro pro Monat und Anschluss, der ursprünglich diskutiert wurde.

    Allerdings ist mein Eindruck, dass sich die Fronten vor allem deshalb verhärtet haben, weil seitens der Netzgemeinde konkrete Vorschläge kamen, die allesamt abgelehnt werden. Die Kulturflatrate ist ein Beispiel, die Kulturweltmark des CCC ein anderes. Seitens der Urheber und Verwerter kommt aber ein kategorisches Beharren auf dem Status Quo, gepaart mit dem Versuch über Gesetze wie ACTA selbigen zu zementieren.

    Wenn ein Konfliktpartner nicht einmal bereit ist, über Vorschläge, die schon einen Kompromiss der Interessen enthalten, nachzudenken, dann ist die natürliche Stratgie, genauso kategorisch die eigene Maximalforderung zu bringen, in der Hoffnung, dass man sich dann in der Mitte trifft.

    33 Leserempfehlungen
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    • joG
    • 30.04.2012 um 19:05 Uhr

    ....dafür zahlen? Das stört vielleicht den nicht, der darüber nicht nachdenkt. Aber es geschieht Ineffizienzen und Fehlallokationen. Das ist eine wirtschaftlich gesprochen bestenfalls eine Second Best und vermutlich eine sehr schlechte Lösung.

    • bugme
    • 30.04.2012 um 20:01 Uhr

    Mich erinnert dies an Gema oder GEZ - aber Kulturflatrate klingt natürlich schmackhafter.

    • bayert
    • 01.05.2012 um 13:37 Uhr

    10 Euro für Kultur, 10 für die öffentlich-rechtlichen Medien (müssen sie halt auf große Sportveranstaltungen verzichten).

    Das Problem sind die wirklichen Profiteure des Urheberrechts, die Verlage, Film-und Musikindustrie, die von den jetzigen Regelungen profitieren. Ich habe mal ein wissenschaftliches Buch geschrieben, das auch veroeffentlicht wurde, Ladenpreis 120 EUR, meine Salaer daran 10 EUR pro verkauftem Buch. Im Gegenzug duerfte ich nicht einmal selbst Buchkopien kostenlos Studenten ueberlassen. Uber wissenschaftliche Artikel will ich mich erst garnicht auslassen, die gesamte Arbeit machen Wissenschaftler umsonst, aber jeder der einen Artikel downloaden will, soll ca $ 30 pro Artikel zahlen. Manchmal fuer 3 Seiten Editorial. Das ist wie eine Lizenz zum Gelddrucken.

    • joG
    • 30.04.2012 um 19:05 Uhr

    ....dafür zahlen? Das stört vielleicht den nicht, der darüber nicht nachdenkt. Aber es geschieht Ineffizienzen und Fehlallokationen. Das ist eine wirtschaftlich gesprochen bestenfalls eine Second Best und vermutlich eine sehr schlechte Lösung.

    • bugme
    • 30.04.2012 um 20:01 Uhr

    Mich erinnert dies an Gema oder GEZ - aber Kulturflatrate klingt natürlich schmackhafter.

    • bayert
    • 01.05.2012 um 13:37 Uhr

    10 Euro für Kultur, 10 für die öffentlich-rechtlichen Medien (müssen sie halt auf große Sportveranstaltungen verzichten).

    Das Problem sind die wirklichen Profiteure des Urheberrechts, die Verlage, Film-und Musikindustrie, die von den jetzigen Regelungen profitieren. Ich habe mal ein wissenschaftliches Buch geschrieben, das auch veroeffentlicht wurde, Ladenpreis 120 EUR, meine Salaer daran 10 EUR pro verkauftem Buch. Im Gegenzug duerfte ich nicht einmal selbst Buchkopien kostenlos Studenten ueberlassen. Uber wissenschaftliche Artikel will ich mich erst garnicht auslassen, die gesamte Arbeit machen Wissenschaftler umsonst, aber jeder der einen Artikel downloaden will, soll ca $ 30 pro Artikel zahlen. Manchmal fuer 3 Seiten Editorial. Das ist wie eine Lizenz zum Gelddrucken.

  2. ...und wahrscheinlich wird gerade deshalb nichts daraus...

    8 Leserempfehlungen
    • joG
    • 30.04.2012 um 19:05 Uhr

    ....dafür zahlen? Das stört vielleicht den nicht, der darüber nicht nachdenkt. Aber es geschieht Ineffizienzen und Fehlallokationen. Das ist eine wirtschaftlich gesprochen bestenfalls eine Second Best und vermutlich eine sehr schlechte Lösung.

    10 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Schöne Idee"
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    Sie haben ein Faxgerät? Ein Scanner? Ein Drucker? ein MP3 Player? Eine Digicam?
    Sie nutzen das halt um damit Briefe zu kopieren, die Familie zu fotografieren, gekaufte Musik zu hören und Mails auszudrucken?

    Glückwunsch, Sie haben mit diesen Produkten durch die Pauschalabgabe die Musik- Verlags- und Fotografielobbys reicher gemacht.

    https://de.wikipedia.org/...

    Aber eine pauschale Kulturflatrate wäre ja Teufelswerk, soetwas wollen die nicht.

    basiert.

    jedem kann es nicht recht gemacht werden. der Artikel beschreibt aber eine gute Lösung!

    • GDH
    • 02.05.2012 um 12:40 Uhr

    Sie haben natürlich Recht, dass eine Pauschalabgabe Bürokratie und Ineffizienzen mit sich bringt.

    Die bisherige Lage bringt aber ebenfalls Ineffiziezen mit sich, namentlich den Anreiz zum sparsamen Umgang mit Dingen, die garnicht endlich sind:

    Wenn B das Werk von Urheber A nutzt, ist die Frage des Preises nur eine Verteilungsfrage (wem gehört nachher mehr Geld - in der Summe ändert sich nichts), wenn aber B sich den Preis des Werks von A nicht leisten kann oder will, ist das für den Autor der Worst-Case (weniger als Nichts kann er nicht bekommen) und womöglich vom gemeinsamen Optimum (wenn B die Lizenz für einen beliebig kleinen Betrag bekäme, hätte A ja auch mehr als ohne und B hätte daraus einen Nutzen) weit entfernt.

    Sie haben ein Faxgerät? Ein Scanner? Ein Drucker? ein MP3 Player? Eine Digicam?
    Sie nutzen das halt um damit Briefe zu kopieren, die Familie zu fotografieren, gekaufte Musik zu hören und Mails auszudrucken?

    Glückwunsch, Sie haben mit diesen Produkten durch die Pauschalabgabe die Musik- Verlags- und Fotografielobbys reicher gemacht.

    https://de.wikipedia.org/...

    Aber eine pauschale Kulturflatrate wäre ja Teufelswerk, soetwas wollen die nicht.

    basiert.

    jedem kann es nicht recht gemacht werden. der Artikel beschreibt aber eine gute Lösung!

    • GDH
    • 02.05.2012 um 12:40 Uhr

    Sie haben natürlich Recht, dass eine Pauschalabgabe Bürokratie und Ineffizienzen mit sich bringt.

    Die bisherige Lage bringt aber ebenfalls Ineffiziezen mit sich, namentlich den Anreiz zum sparsamen Umgang mit Dingen, die garnicht endlich sind:

    Wenn B das Werk von Urheber A nutzt, ist die Frage des Preises nur eine Verteilungsfrage (wem gehört nachher mehr Geld - in der Summe ändert sich nichts), wenn aber B sich den Preis des Werks von A nicht leisten kann oder will, ist das für den Autor der Worst-Case (weniger als Nichts kann er nicht bekommen) und womöglich vom gemeinsamen Optimum (wenn B die Lizenz für einen beliebig kleinen Betrag bekäme, hätte A ja auch mehr als ohne und B hätte daraus einen Nutzen) weit entfernt.

  3. Das hat aber schon nicht mit der Privatkopie funktioniert. Wir Zahlen ja jetzt schon Abgaben auf Kopierer, Brenner und alle möglichen Leermedien.

    Problem an der Sache ist, dass so gut wie alle Datenträger und Dateien aus Onlienportalen, die wir erwerben dürfen kopier- und oder lizenzgeschützt sind. Nach dem 2. Korb des Urheberrechts, ist es illegal den Schutz zu knacken oder die legal gekauften mp3s an Freunden weiter zu geben. Davon sind selbst Backups betroffen. Somit ist das Recht auf Privatkopie zwar existent, in der Praxis aber tot!

    Eine Abgabe auf Internetanschlüsse wäre dann so nutzlos wie ein Kropf.

    Und was ist mit den ganzen Abmahnanwälten? Ist ja schön, wenn ich privat Filesharen kann, mir dann aber pauschal Gewerbsmäßigkeit unterstellt wird?

    8 Leserempfehlungen
  4. Und auch noch eine, bei der absolut jeder Werkschaffende zwangsweise Mitglied sein muss, damit die Idee überhaupt funktioniert. Hurra. Was für eine tolle Idee.

    Und das nur für ein bißchen Bequemlichkeit. Noch nicht einmal: Wer heute Musik bei Amazon oder Apple kauft oder via Spotify streamt, hat genausowenig Urheberrechtsprobleme. Das ist nämlich Teil der Dienstleistung dieser Anbieter.

    Bestimmte Punkte sind natürlich berechtigte Hinweise, allerdings umfasst der "fair use" Pinterest gerade nicht. Das sind Randthemen, die wirklich nur einen Bruchteil der Nutzer betreffen, solange sie sich heute schon "fair" verhalten und ihre digitalen Dienste nicht klauen.

    Eine Leserempfehlung
  5. Urheber ist dank Web2.0 so gut wie jeder aktive Nutzer. Das Problem bzw Konflikt spielt sich auf Seite der Verwerter ab.

    8 Leserempfehlungen
    • Peip
    • 30.04.2012 um 19:20 Uhr

    Zunächts einmal bedeutet, dass ja, das jeder Opa (etwa ich) Abgaben für Pop-Musik bezahlen soll. Ich behaupte mal, dass der Grossteil der Internetuser
    sich kein Stück für Filessharing interessiert - weil ihnen 1000 Radio und 250 TV Sender im Kabel reichen.

    Außerdem: Am Ende wollen sich nur Musiker, GEZ-Tatortschreiber und Zeitungsverlage an dem Geld laben. Kein Mensch denkt doch daran, die Kohle nach Abruf-Quoten zu verteilen.
    Dann würde nämlkch die alte Weisheit rauskommen: Der größte Batzen im Internet-Traffic ist Porn, vom Rest schlucken Blockbuster und Teenielieblinge den Löwenanteil.
    Für Indiemusiker aus Deutschland bliebe bei fairer Teilung nichts übrig

    7 Leserempfehlungen
    • joG
    • 30.04.2012 um 19:26 Uhr

    ....die ein Beamter gut finden würde, weil es dem bürokratischen Weltbild entsprechen. Solcher Problemlösungen hat es viele in diesem Land.

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