UrheberrechtDie Fronten im Streit ums digitale Kopieren

Seit sich Sven Regener und 51 "Tatort"-Autoren zum Urheberrecht geäußert haben, geht die Debatte richtig los. Wir sortieren die Argumente der verschiedenen Lager. von 

Fünf Minuten redete der Musiker Sven Regener im März über das Urheberrecht. Offensichtlich aufgebracht sprach er davon, das Urheberrecht sei inzwischen leider "uncool", und äußerte seine Wut angesichts einer Debatte, mit der Künstlern "ins Gesicht gepinkelt" werde. Für ihn sei es eine Frage von "Respekt und Anstand", Inhalte nicht zu kopieren, sagte Regener im Interview mit dem Zündfunk von Bayern 2 und nannte es eine Unverschämtheit, dass Google viel Geld verdiene, aber nicht bereit sei, für auf YouTube abgespielte Videos den Künstlern Geld zu zahlen.

Der Mitschnitt des Interviews erhielt viel Zustimmung und Kritik. Schließlich sehen sich alle kreativen Branchen angesichts der technischen Entwicklungen vor einer großen Herausforderung. Da es so einfach ist, digitale Inhalte zu kopieren, haben die Rechteverwerter die Verbreitung von Werken nicht mehr unter Kontrolle, auch viele Urheber fürchten um ihre Einnahmen. Regener ist einer davon. Kernpunkt dieser Debatte ist das Urheberrecht – und die Suche nach neuen Geschäftsmodellen.

Anzeige

Acht Tage nach Regeners Interview veröffentlichten 51 Autoren der Fernsehreihe "Tatort" auf der Website des Verbandes deutscher Drehbuchautoren einen offenen Brief . Gerichtet ist er an die Grünen , die Linkspartei , die Piratenpartei und an die entsprechenden Fachausschüsse des Bundestages. Die Autoren fordern darin, die Beteiligten der Debatte müssten sich "von ein paar Lebenslügen" verabschieden.

Sie schrieben, in der Debatte werde die Banalität von Rechtsverstößen kaschiert oder gar zum Freiheitsakt hochgejazzt. Gleichzeitig würden die Grundrechte der Urheber "marginalisiert: zum Beispiel das Grundrecht auf geistiges Eigentum". Die Kernaussage lautete: "Vor allen Dingen sollten die Netzpolitiker aller Parteien die Finger von den Schutzfristen lassen, und bitte nicht jede Missbrauchskontrolle bei Providern und Usern gleich als den definitiven Untergang des Abendlandes anprangern."

Beides waren Einzelaussagen. Beide waren auch nicht der Beginn, sondern nur ein Punkt in einer langen Debatte. Eine Debatte, in der es klare Fronten gibt. Im Folgenden daher eine Zusammenstellung der wichtigsten Thesen und Protagonisten, geordnet nach Fraktionen.

Die wohl wichtigste und fundierteste Plattform der Kritiker bisheriger Urheberrechtsmodelle ist die Aktion iRights . Seit Jahren argumentieren die Autoren, allen voran Matthias Spielkamp , für ein Umdenken und für eine Suche nach neuen Lösungen, um die Interessen von Urhebern, Rechteverwertern und Nutzern gleichermaßen zu berücksichtigen. Dabei versucht die Plattform vor allem, möglichst viele Meinungen zu sammeln und zu diskutieren, und hat beispielsweise mehr als 40 Politiker, Experten und Urheber gefragt, wie das Urheberrecht reformiert werden sollte .

Neben iRights ist das Blog Netzpolitik eine wesentliche Stimme. Dort wird ebenfalls seit Jahren über das Thema berichtet – meistens sachlich, gern aber auch ironisch und immer aus Sicht der Aktivisten, die eine Veränderung fordern. Beispielsweise in Form einer sogenannten Kulturflatrate . Gründer Markus Beckedahl ist gleichzeitig der deutsche Sprecher der Initiative Creative Commons, damit also Vertreter eines neuen Modells, wie Urheberrechte gehandhabt werden können.

Und so werden dann beispielsweise die Probleme aufgrund der bisherigen Struktur von Schutzfristen beschrieben : "Es zeigt sich, wie die Länge der urheberrechtlichen Schutzfristen Digitalisierung und Zugang zu Büchern und damit dem kulturellen Erbe behindern, weil eine große Mehrzahl der Werke zwar auch nach Jahrzehnten noch urheberrechtlich geschützt sind, eine Verwertung sich aber bereits nach wenigen Jahren nicht mehr lohnt."

Seit längerer Zeit ist auch der Chaos Computer Club Akteur in der Debatte. Er versucht, wie Netzpolitik und iRights, Utopien zu entwerfen und Lösungen zu präsentieren. So stammt der Vorschlag einer Kulturwertmark vom CCC. Die Idee: "Jeder Teilnehmer zahlt einen festen monatlichen Betrag ins System ein, den er dann in Form von Kulturwertmark an Künstler seiner Wahl vergeben kann. Als Ausgleich stehen die Werke nach einigen Jahren oder nach Erreichen einer bestimmten Kulturwertmark-Auszahlsumme jedem zur nicht-kommerziellen Nutzung zur Verfügung."

Der Hackerverein, der viele Programmierer und Autoren – also Urheber – unter seinen Mitgliedern hat, hält das für einen besseren Ansatz als die Kulturflatrate, da es dazu keine zentrale Verwertungsorganisation brauche .

Einige politische Parteien haben sich des Themas ebenfalls angenommen. So diskutierten die Grünen auf ihrem Bundesparteitag einen Leitantrag , um die Schutzfristen für Werke von derzeit 70 auf 5 Jahre zu verkürzen. Das führte intern zu heftigen Debatten . Im letztendlich verabschideten Text steht nichts mehr von Schutzfristen, doch setzen sich die Grünen dafür ein, Modelle wie Creative Commons zu fördern, nichtkommerzielle Kopien auszudehnen und staatlich finanzierte Forschungsdaten freizugeben.

Auch die Piratenpartei kümmert sich um das Thema. Sie ist aber keineswegs der wichtigste Vertreter auf dieser Seite der Debatte. Lange hatte sie nicht einmal eine offizielle Haltung zum Urheberrecht, Aussagen zu dem Thema waren lediglich die einzelner Mitglieder, nicht die Parteiposition. Mitte April jedoch veröffentlichte die Piratenpartei ein offizielles Statement . Darin plädiert sie unter anderem ebenfalls für die "Freigabe von nichtkommerziellen Vervielfältigungen", fordert aber keineswegs eine Abschaffung des Urheberrechts, wie es ihr gern unterstellt wird. Allerdings will sie, dass öffentlich finanzierte Werke wie beispielsweise Forschungsergebnisse allen frei zur Verfügung stehen.

Zu denen, die bei der Ausübung und Verwertung von Urheberrechten an den bisherigen Modellen festhalten wollen, gehören naturgemäß viele Urheber und ihre Vertreter, also Musik-, Buch- und Zeitungsverlage. Die oben genannten Beispiele Sven Regener und die "Tatort"-Autoren sind also dieser Fraktion zuzurechnen.

Ein aktiver Vertreter, der in der Debatte stets präsent ist, ist Christoph Keese . Er war früher selbst Journalist und damit Urheber, inzwischen ist er vor allem Cheflobbyist des Springerverlages. Auf öffentlichen Veranstaltungen und in seinem Blog setzt er sich ausführlich mit verschiedenen Positionen der Neuerer auseinander. So auch mit der Erklärung der Piraten . Seine Kernthese lautet einerseits, ungenehmigte Kopien seien das größte Problem für die Medien- und Unterhaltungsindustrie und müssten dementsprechend hart verfolgt werden. Andererseits argumentiert er, dass bisherige Vorschläge zwar Nutzer und vielleicht Urheber besser stellen, dafür aber Rechteverwerter – also Verlage – benachteiligen. Ein Zustand, den er nicht hinnehmen will.

Ein starker Verfechter der bisherigen Modelle ist auch der Bundesverband Musikindustrie mit seinem Vorsitzenden Dieter Gorny . Der Musikmanager tritt  oft öffentlich auf und argumentiert hauptsächlich, es gebe Gesetze, die durch eine technische Entwicklung nicht aufgehoben würden und somit durchgesetzt werden müssten. Zitat des Verbandes : "Wer ohne die ausdrückliche Zustimmung nur eines dieser Rechteinhaber CDs kopiert, handelt rechtswidrig und macht sich sogar strafbar."

Auf der gleichen Seite kämpft die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten , die beispielsweise begrüßt , dass Schutzfristen in Europa gerade von 50 auf 70 Jahre verlängert wurden.

Unter dem Stichwort Leistungsschutzrecht haben außerdem einige Zeitungsverlage eine eigene Debatte mit dem Ziel angestoßen, ihre bisherigen Verwertungsmodelle zu schützen. So wollen sie Verluste kompensieren, die ihnen durch die technische Entwicklung entstehen. Die Debatte überlappt sich mit der um das Urheberrecht und hat ähnliche Hintergründe.

Das Handelsblatt beispielsweise startete die Aktion " Mein Kopf gehört mir ", die wohl eher auf Provokation ausgelegt war, denn auf einen Fortschritt der Debatte. Sind darin doch Aussagen enthalten, die anderen Fraktionen die Berechtigung mitzudiskutieren absprechen. Zitat: "Das digitale Medium ist – bei allen Vorteilen – eine gigantische Kopier- und Abschreibemaschine. (...) Es ist kein Zufall, dass viele Blogs und Foren vor allem reproduzieren. Alle schmarotzen aus der reellen Welt."

Im Streit zwischen Neuerern und Bewahrern ist das Problem, dass es auf beiden Seiten Menschen gibt, die sich hinter vorgeschobenen Argumenten verstecken. Einige Neuerer wollen tatsächlich vor allem kostenlos Inhalte nutzen und sehen nicht ein, warum sie diesen durch die Technik entstandenen Vorteil aufgeben sollen. Und einige Bewahrer wollen nicht über neue Wege und Geschäftsmodelle nachdenken, sondern allein das Bestehende verteidigen und ignorieren dabei die technischen Bedingungen.

Und so ist inzwischen eine dritte Front entstanden.

Der Musiker und Blogger Johnny Häusler gehört zu dieser dritten Front. Mehrfach schrieb er Texte, in denen er sich um Sachlichkeit und Darstellung beider Seiten und ihrer Sorgen bemühte. Zuletzt beklagte er sich auf seinem Blog Spreeblick über den Tonfall der Diskussion : "Es ist offenbar nicht mehr möglich, PRO Urheberrecht zu sein (was ich bin), ohne sich mit Artikeln gemein zu machen, die entweder pure Propaganda oder Panikmache vor einer Partei sind. Oder beides."

Ähnlicher Meinung ist auch Dirk von Gehlen . Der Autor der Süddeutschen Zeitung hat mit Mashup ein Buch zum Thema Kopien geschrieben und dürfte eher als ein Kritiker des bestehenden Urheberrechts gelten. Wie Häusler kritisiert er derzeit vor allem die Art der Debatte . Zitat: "In Wahrheit kommt hier nichts voran, hier kommen vor allem Vorurteile heraus."

Gehlen argumentiert im Übrigen ebenfalls für eine Kulturflatrate , denn sie sei ein erprobtes Modell, das lediglich den neuen Gegebenheiten angepasst werden müsse.

Eher ein Bewahrer, aber ebenfalls sachlich und beiden Seiten verpflichtet ist Tim Renner. Er betreibt ein Musiklabel und hat einst Sven Regener unter Vertrag genommen. Zitat aus einem aktuellen Text Renners : "Bezahlt wird für Service und Inhalte im Netz immer. Entweder im Rahmen von Flatrates für aktuelle Musik oder Filme oder eben mit Zeit oder persönlichen Daten. Denn auch dort, wo der Konsument mit Pop-Ups und anderer Werbung beballert wird oder sich durch Fragen in Suchmaschinen oder in sozialen Netzwerken offenbart, entsteht ein Mehrwert. Die wenigsten Plattformen werden von Altruisten betrieben, die meisten haben sehr wohl ein Geschäftsmodell." Es gehe also, glaubt Renner, gar nicht um einen Streit zwischen kostenlos und kostenpflichtig. Es gehe vielmehr darum, längst funktionierende Geschäftsmodelle so zu tarieren, dass alle etwas davon haben und so zu schützen, dass Kriminelle sie nicht unterwanderten.

Und noch ein abschließendes Zitat Renners: "Um Sven Regeners Wut gerecht zu werden, müssen wir also nicht nach schärferen Gesetzen rufen, sondern Blockaden wie zwischen Gema und YouTube aufheben helfen, damit die adäquaten Angebote entstehen. Diese Angebote und Künstler wie Sven gilt es dann dadurch zu schützen, dass man, wie im Fall Schmitz und kino.to zu Recht geschehen, die Menschen bestraft, die an ihren Geschäftsmodellen Kreative nicht angemessen beteiligen."

Korrektur: Im ursprünglichen Text stand, die Grünen hätten sich auf eine Verkürzung der Schutzfrist auf 20 Jahre geeinigt. Das wurde diskutiert, stand aber nicht im letztlich verabschiedeten Dokument. Die Passage wurde geändert. / Kai Biermann

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. bzw. demjenigen, der sein Patent besitzt ist es ja für ihn praktisch wertlos, weil niemand mehr darauf angewiesen ist Waren mit diesem Patent von ihm zu beziehen. Darum geht es doch bei der Urheberrechtsdebatte. Der ideelle Wert ist noch da. Das ist richtig. Aber hier geht es nicht um ideelle Werte sondern um Profit und wer daran beteiligt ist. Profit gibt es aber nur mit Geschäftsmodellen. Deswegen kann nur das verkaufbare Produkt einer Idee geschützt werden. Das ist ja durchaus mit Patenten vereinbar, weil sich Patente ja auch immer auf ein Produkt beziehen, dass in irgendeiner Form verkauft werden kann. Die Frage ist halt ob über das Produkt hinaus die Idee als solche schon geschützt werden soll und wenn ja wie lange und da es dabei nicht mehr um den Profit geht steht das für mich auch nicht mehr zur Diskussion und sollte dann auch nicht mehr Gegenstand der Urheberrechts-/Patentdebatte sein.

    Antwort auf "Klar kann man das"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • GDH
    • 19. April 2012 20:20 Uhr

    "Profit gibt es aber nur mit Geschäftsmodellen. Deswegen kann nur das verkaufbare Produkt einer Idee geschützt werden. Das ist ja durchaus mit Patenten vereinbar, weil sich Patente ja auch immer auf ein Produkt beziehen, dass in irgendeiner Form verkauft werden kann."

    Im Urheberrecht ist das grundsätzlich genauso: Wenn das Geschäftsmodell in der Vermarktung einer Werks besteht, beinhaltet es auch, dass sich ein Werk irgendwann amortisiert. Daher setzt der Schutz Anreize zu Schaffung von Werken.

    Da dieser Schutz aber künstlich etwas verknappt, das unendlich vorhanden ist (ein einmal geschaffenes, kopierbares Werk), gibt es ein allgemeines Interesse, irgendwann auch den Nutzen aus dem Werk zu ziehen, der mit der (für viele Geschäftsmodelle derzeit unvermeidlichen) Verknappung unvereinbar ist.

    "Die Frage ist halt ob über das Produkt hinaus die Idee als solche schon geschützt werden soll und wenn ja wie lange und da es dabei nicht mehr um den Profit geht steht das für mich auch nicht mehr zur Diskussion und sollte dann auch nicht mehr Gegenstand der Urheberrechts-/Patentdebatte sein."

    Wer stellt diese Frage?

    Man kann nicht sagen ein Schutzrecht hat eine gewisse Dauer. Das ist Willkür. Wer beurteilt denn wann sich etwas amortisiert? Mal dauert es 30 Jahre. Mal dauert es 10 Jahre. Mal passiert es nie. Die Amortisierung kann nicht der Maßstab des Schutzrechts sein. Der Maßstab ist die Orginalität. Die ist vom ersten Tag an da oder nie. Aber ab wann kann man denn von Orginalität sprechen. Sicher nicht, wenn es nur im Kopf existiert. Deswegen muss es ein greifbares Produkt geben bei dem man zwischen privater Natur und geschäftlicher Natur unterscheiden kann. Nur dann kann man überhaupt beurteilen ob ein Schaden entstanden ist.

    Das ist Sozialismus pur die Amortisierung zum Maßstab zu machen. Man kann nicht sagen ich garantiere dir mit etwas so lange Geschäfte zu machen bis die Herstellungskosten wieder hereingeholt wurden. Ist wahrscheinlich sogar noch genug Zeit Gewinn zu machen. Das ist es ja gerade. Da stellt sich einer vor die Kamera und zeigt/erzählt Sachen die vorher schon jemand so oder so ähnlich gemacht hat und ist dann der Meinung, weil er das als erster vor der Kamera macht muss der Rest der Welt Jahrzehnte blechen. Das ist Unsinn und noch dazu ohne jeden Wettbewerb.

    Wie gesagt... Das wäre anders wenn wir nicht mehr allein über die Idee im Kopf reden würden sondern über ein real existierendes Produkt und selbst wenn es Angebote im Netz sind ist ja zumindest eine außergewönhliche Struktur nötig, die den unterschied zwischen privat und geschäftlich ausmacht.

    • GDH
    • 19. April 2012 20:20 Uhr

    "Profit gibt es aber nur mit Geschäftsmodellen. Deswegen kann nur das verkaufbare Produkt einer Idee geschützt werden. Das ist ja durchaus mit Patenten vereinbar, weil sich Patente ja auch immer auf ein Produkt beziehen, dass in irgendeiner Form verkauft werden kann."

    Im Urheberrecht ist das grundsätzlich genauso: Wenn das Geschäftsmodell in der Vermarktung einer Werks besteht, beinhaltet es auch, dass sich ein Werk irgendwann amortisiert. Daher setzt der Schutz Anreize zu Schaffung von Werken.

    Da dieser Schutz aber künstlich etwas verknappt, das unendlich vorhanden ist (ein einmal geschaffenes, kopierbares Werk), gibt es ein allgemeines Interesse, irgendwann auch den Nutzen aus dem Werk zu ziehen, der mit der (für viele Geschäftsmodelle derzeit unvermeidlichen) Verknappung unvereinbar ist.

    "Die Frage ist halt ob über das Produkt hinaus die Idee als solche schon geschützt werden soll und wenn ja wie lange und da es dabei nicht mehr um den Profit geht steht das für mich auch nicht mehr zur Diskussion und sollte dann auch nicht mehr Gegenstand der Urheberrechts-/Patentdebatte sein."

    Wer stellt diese Frage?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das geschäftliche daran, wenn jemand z.B. etwas vor der Kamera macht besteht dann darin es vor der Kamera zu machen oder als CD oder DVD zu verkaufen aber nicht darin es überhaupt zu machen.

  2. Man kann nicht sagen ein Schutzrecht hat eine gewisse Dauer. Das ist Willkür. Wer beurteilt denn wann sich etwas amortisiert? Mal dauert es 30 Jahre. Mal dauert es 10 Jahre. Mal passiert es nie. Die Amortisierung kann nicht der Maßstab des Schutzrechts sein. Der Maßstab ist die Orginalität. Die ist vom ersten Tag an da oder nie. Aber ab wann kann man denn von Orginalität sprechen. Sicher nicht, wenn es nur im Kopf existiert. Deswegen muss es ein greifbares Produkt geben bei dem man zwischen privater Natur und geschäftlicher Natur unterscheiden kann. Nur dann kann man überhaupt beurteilen ob ein Schaden entstanden ist.

    Das ist Sozialismus pur die Amortisierung zum Maßstab zu machen. Man kann nicht sagen ich garantiere dir mit etwas so lange Geschäfte zu machen bis die Herstellungskosten wieder hereingeholt wurden. Ist wahrscheinlich sogar noch genug Zeit Gewinn zu machen. Das ist es ja gerade. Da stellt sich einer vor die Kamera und zeigt/erzählt Sachen die vorher schon jemand so oder so ähnlich gemacht hat und ist dann der Meinung, weil er das als erster vor der Kamera macht muss der Rest der Welt Jahrzehnte blechen. Das ist Unsinn und noch dazu ohne jeden Wettbewerb.

    Wie gesagt... Das wäre anders wenn wir nicht mehr allein über die Idee im Kopf reden würden sondern über ein real existierendes Produkt und selbst wenn es Angebote im Netz sind ist ja zumindest eine außergewönhliche Struktur nötig, die den unterschied zwischen privat und geschäftlich ausmacht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • GDH
    • 20. April 2012 13:29 Uhr

    "Man kann nicht sagen ein Schutzrecht hat eine gewisse Dauer. Das ist Willkür. Wer beurteilt denn wann sich etwas amortisiert?"

    Dass das alles nicht so einfach ist, hat doch niemand bestritten. Wenn Sie deswegen der Meinung sind, es braucht keine Schutzrechte für gewerbliche Verwertung (wer also etwas veröffenlicht, muss damit leben, dass andere es wie auch immer nachmachen), lässt sich das diskutieren. Die interessante Frage ist dann, wie man Anreize für Forschung, Entwicklung, Schriftstellerei usw. setzt.

    Mir ging es im Wesentlichen darum, dass die umgekehrte Variante (unbefristete Schutzrechte) fatale Auswirkungen hätte: Das Leben wäre sehr unpraktisch und sicherlich auch nicht effizient, wenn man mit der Verwendung der Ideen Rad, Flaschenzug und Transistor heute noch sparsam sein müsste, weil man dafür Rechte erwerben müsste.

    Vorhandene Dinge einfach nutzen zu können und nur die Mehrkosten durch die Nutzung einzukalkulieren führt eben zu einem effizienteren Einsatz von Wissen.

  3. Das geschäftliche daran, wenn jemand z.B. etwas vor der Kamera macht besteht dann darin es vor der Kamera zu machen oder als CD oder DVD zu verkaufen aber nicht darin es überhaupt zu machen.

    Antwort auf "Wessen Frage?"
  4. Z.B. wann etwas ein anderes Produkt ist etc. Aber man kommt ja gar nicht dazu sich darüber Gedanken zu machen, wenn man hier immer nur über Schutzfristen reden muss und immer nur solche platten Artikel wie dieser hier zu sehen sind. Aber es ist wirklich mal Zeit sich darüber Gedanken zu machen und ich hoffen die Piraten bringen den Stein endlich mal ins Rollen auch wenn es wohl noch lange dauern wird.

  5. ...und da wundert es mich schon wie viele Kommentatoren sich hier äussern und dabei ihre Unwissenheit bekannt machen. Beispielsweise gleich 3 Einträge hätte sich (und uns) der Kommentator zum "geistigen Eigentum" durch 1 x googeln ersparen können: siehe Artikel 17 (2) unserer Grundrechte
    http://eur-lex.europa.eu/de/treaties/dat/32007X1214/htm/C2007303DE.01000...

    Dazu lese ich viele Meinungen, die bis zum Ende gedacht Ungeheuerlichkeiten implizieren, zum Beispiel die Kritik am Geschäftsmodell der Verwerter: Glauben sie wirklich Künstler (die sich ja heute unter anderem durch Hinzuziehung des Internet bekannt machen) wären allesammt so dämlich, für sie nachteilhafte Verträge zu unterschreiben?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • cvnde
    • 20. April 2012 11:27 Uhr

    Es bleibt denen doch vieles gar nichts anderes übrig.
    Am Ende greift im Falle der Musikaufführung die GEMA.

    Dort sollen, nach dem was zu lesebn ist "Umschichtungen" stattfinden, von kleineren Pop-Gruppen zu eher schlagerlastiger Musik.

    Einfach mal unter " GEMA PRO " suchen.

    Die Verwertungsgesellschaften haben ja de facto ein Monopol.

    Entweder man ist drin oder draußen, wenn man drin ist, dann muss man erstmal zahlen, bevor man was kriegt.

    • GDH
    • 20. April 2012 13:49 Uhr

    Sie zitieren einen einzelnen Artikel aus der europäischen Grundrechtecharta. Als ob damit irgendwas von der Diskussion erledigt wäre (dabei nennen Sie nichtmal die Kommentare, die Ihrer Meinung nach unnötig sind).

    Wenn Sie den Absatz davor, Aritkel 17 (1), auch lesen, finden Sie z.B.
    "Die Nutzung des Eigentums kann gesetzlich geregelt werden, soweit dies für das Wohl der Allgemeinheit erforderlich ist."

    Das heist Sie können entweder argumentieren, dass so Sachen wie Schutzfristen allgemein mit dieser Charta nicht vereinbar sind oder Sie erkennen an, dass die Regelungen der Einzelheiten dazu, welche Rechte konkret besitz- und handelbar sind natürlich Gegenstand der gesellschaftlichen Diskussion und der fortlaufenden Anpasung der Gesetzgebung sein können (denn dass es genau 70 Jahre nach dem Tod sein müssen oder in wie weit Zitate erlaubt sind, steht auch nicht in der Charta).

  6. ...zur Änderung des Urheberrecht auf Grund der Kopierbarkeit lese ich hier häufig, der nach Durchsicht der Fakten vermeidbar wäre:
    1. Der Schutz geistigen Eigentums wurde erdacht, weil eine Kopiertechnik erfunden wurde (Buchdruck)
    2. Das bestehende Urheberrecht wurde zur Regelung des Verhältnis zwischen Urheber und Verwerter geschaffen.
    3. Durch die Technologie Internet trifft dieses Recht nun auf den bislang ahnungslosen Nutzer.
    4. Diesen Umstand haben sich findige Geschäftemacher zunutze gemacht, um beispielsweise unrechtmässig hochgeladene Inhalte auffindbar zu machen, ohne sich selbst in die Verantwortung nehmen zu lassen (man könnte das "Geschäft in einer Gesetzeslücke" nennen).
    5. Der Politik ist bisher kaum Besseres zum Schutz des Rechts (sowie der Nutzer) eingefallen, als lauter Maßnahmen die andere Grundrechte beschneiden würden, was die Menschen berechtigt empört.
    6. Offensichtlich glauben inzwischen viele Menschen, wir würden das Problem nicht mehr lösen können und müssten eines unserer Grundrechte opfern.
    7. Wenn wir ein Grundrecht opfern müssten, dann bitte das mit der kleinsten Lobby, weil es (scheinbar) die wenigsten betrifft.

  7. Die Diskussion wird hier meiner Meinung nach zu sehr auf den (von mir konjunktiv ausgedrückten) Punkt 6 und 7 geführt, obwohl die Lösung bei Punkt 5 zu suchen ist.

    Dabei müsste die Diskussion um lediglich 2 Aspekte geführt werden, die ganz eng miteinander verknüpft sind:
    1. Wie bekomme ich die Lücke geschlossen, in der mit der Umgehung des Urheberrechts Geschäfte gemacht werden?
    2. Was kann unternommen werden um die Nutzer aus der Schußlinie des Rechtdurchgriffs zu holen?

    Ein mögliches Fazit: Plattformanbieter (ab einer festzulegenden Relevanz) müssten den Nachweis erbringen, wie sie die Verantwortlichkeit zur Einhaltung unserer Grundrechte selbst und mit ihren Nutzern geklärt haben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • cvnde
    • 20. April 2012 12:11 Uhr

    Sie machen selbst einen Denkfehler!

    Der Unterschied zwischen Internet und Buchdruck ist das man durch das Internet Inhalte praktik Kostenlos und in unbegrenzter Zahl Kopiert werden können.

    Hier geht ews nicht wie beim Buchdruck um 1 : 10.000 , am Anfang, sondern um, de facto, 1 : ∞.

    Das Problem ist doch eigentlich gany simpel>

    Wie erhalten der Urherber und Verwerter genauso viel Geld, um Ihre Kosten zu decken etc., wie zur Zeit der nur begrenzten Kopierbarkeit.

    Problem entstehen da wo "Markteilnehmer" auch die Abrechnungen kontrollieren.

    Das ist der Unterschid zum Beispiel GEMA : GEZ, bei der GEZ sitzen auch Leute von den Runkfunkanstall, aber die setzen keine Gebühren Fest, das macht die KEF.

    • GDH
    • 20. April 2012 13:58 Uhr

    Verstehe ich Ihre Argumentation dahingehend richtig, dass Sie Kopien, die durch Nutzer ohne Gewinnerzielungsabsicht angefertigt werden, zulassen möchten ("die Nutzer aus der Schußlinie" holen) aber verbieten "mit der Umgehung des Urheberrechts Geschäfte" zu machen.

    Das klingt sehr vernünftig. Bloß kommt in diesem Spannungsfeld immer wieder die Frage auf, ob z.B. Provider, die lediglich universelle Kommunikationsdienste anbieten, denn schon Geschäfte damit machen, dass Nutzer untereinander geschützte Inhalte austauschen. Wenn Sie diese Frage bejahen, sind Sie wieder bei Eingriffen, die letztlich freie und vertrauliche Kommunikation verunmöglichen. Verneinen Sie die Frage, bleibt der Umstand, dass bestimmte Geschäftsmodelle nunmal unter der Kopierbarkeit von Werken leiden.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service