UrheberrechtDie Fronten im Streit ums digitale Kopieren

Seit sich Sven Regener und 51 "Tatort"-Autoren zum Urheberrecht geäußert haben, geht die Debatte richtig los. Wir sortieren die Argumente der verschiedenen Lager. von 

Fünf Minuten redete der Musiker Sven Regener im März über das Urheberrecht. Offensichtlich aufgebracht sprach er davon, das Urheberrecht sei inzwischen leider "uncool", und äußerte seine Wut angesichts einer Debatte, mit der Künstlern "ins Gesicht gepinkelt" werde. Für ihn sei es eine Frage von "Respekt und Anstand", Inhalte nicht zu kopieren, sagte Regener im Interview mit dem Zündfunk von Bayern 2 und nannte es eine Unverschämtheit, dass Google viel Geld verdiene, aber nicht bereit sei, für auf YouTube abgespielte Videos den Künstlern Geld zu zahlen.

Der Mitschnitt des Interviews erhielt viel Zustimmung und Kritik. Schließlich sehen sich alle kreativen Branchen angesichts der technischen Entwicklungen vor einer großen Herausforderung. Da es so einfach ist, digitale Inhalte zu kopieren, haben die Rechteverwerter die Verbreitung von Werken nicht mehr unter Kontrolle, auch viele Urheber fürchten um ihre Einnahmen. Regener ist einer davon. Kernpunkt dieser Debatte ist das Urheberrecht – und die Suche nach neuen Geschäftsmodellen.

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Acht Tage nach Regeners Interview veröffentlichten 51 Autoren der Fernsehreihe "Tatort" auf der Website des Verbandes deutscher Drehbuchautoren einen offenen Brief . Gerichtet ist er an die Grünen , die Linkspartei , die Piratenpartei und an die entsprechenden Fachausschüsse des Bundestages. Die Autoren fordern darin, die Beteiligten der Debatte müssten sich "von ein paar Lebenslügen" verabschieden.

Sie schrieben, in der Debatte werde die Banalität von Rechtsverstößen kaschiert oder gar zum Freiheitsakt hochgejazzt. Gleichzeitig würden die Grundrechte der Urheber "marginalisiert: zum Beispiel das Grundrecht auf geistiges Eigentum". Die Kernaussage lautete: "Vor allen Dingen sollten die Netzpolitiker aller Parteien die Finger von den Schutzfristen lassen, und bitte nicht jede Missbrauchskontrolle bei Providern und Usern gleich als den definitiven Untergang des Abendlandes anprangern."

Beides waren Einzelaussagen. Beide waren auch nicht der Beginn, sondern nur ein Punkt in einer langen Debatte. Eine Debatte, in der es klare Fronten gibt. Im Folgenden daher eine Zusammenstellung der wichtigsten Thesen und Protagonisten, geordnet nach Fraktionen.

Die wohl wichtigste und fundierteste Plattform der Kritiker bisheriger Urheberrechtsmodelle ist die Aktion iRights . Seit Jahren argumentieren die Autoren, allen voran Matthias Spielkamp , für ein Umdenken und für eine Suche nach neuen Lösungen, um die Interessen von Urhebern, Rechteverwertern und Nutzern gleichermaßen zu berücksichtigen. Dabei versucht die Plattform vor allem, möglichst viele Meinungen zu sammeln und zu diskutieren, und hat beispielsweise mehr als 40 Politiker, Experten und Urheber gefragt, wie das Urheberrecht reformiert werden sollte .

Neben iRights ist das Blog Netzpolitik eine wesentliche Stimme. Dort wird ebenfalls seit Jahren über das Thema berichtet – meistens sachlich, gern aber auch ironisch und immer aus Sicht der Aktivisten, die eine Veränderung fordern. Beispielsweise in Form einer sogenannten Kulturflatrate . Gründer Markus Beckedahl ist gleichzeitig der deutsche Sprecher der Initiative Creative Commons, damit also Vertreter eines neuen Modells, wie Urheberrechte gehandhabt werden können.

Und so werden dann beispielsweise die Probleme aufgrund der bisherigen Struktur von Schutzfristen beschrieben : "Es zeigt sich, wie die Länge der urheberrechtlichen Schutzfristen Digitalisierung und Zugang zu Büchern und damit dem kulturellen Erbe behindern, weil eine große Mehrzahl der Werke zwar auch nach Jahrzehnten noch urheberrechtlich geschützt sind, eine Verwertung sich aber bereits nach wenigen Jahren nicht mehr lohnt."

Seit längerer Zeit ist auch der Chaos Computer Club Akteur in der Debatte. Er versucht, wie Netzpolitik und iRights, Utopien zu entwerfen und Lösungen zu präsentieren. So stammt der Vorschlag einer Kulturwertmark vom CCC. Die Idee: "Jeder Teilnehmer zahlt einen festen monatlichen Betrag ins System ein, den er dann in Form von Kulturwertmark an Künstler seiner Wahl vergeben kann. Als Ausgleich stehen die Werke nach einigen Jahren oder nach Erreichen einer bestimmten Kulturwertmark-Auszahlsumme jedem zur nicht-kommerziellen Nutzung zur Verfügung."

Der Hackerverein, der viele Programmierer und Autoren – also Urheber – unter seinen Mitgliedern hat, hält das für einen besseren Ansatz als die Kulturflatrate, da es dazu keine zentrale Verwertungsorganisation brauche .

Einige politische Parteien haben sich des Themas ebenfalls angenommen. So diskutierten die Grünen auf ihrem Bundesparteitag einen Leitantrag , um die Schutzfristen für Werke von derzeit 70 auf 5 Jahre zu verkürzen. Das führte intern zu heftigen Debatten . Im letztendlich verabschideten Text steht nichts mehr von Schutzfristen, doch setzen sich die Grünen dafür ein, Modelle wie Creative Commons zu fördern, nichtkommerzielle Kopien auszudehnen und staatlich finanzierte Forschungsdaten freizugeben.

Auch die Piratenpartei kümmert sich um das Thema. Sie ist aber keineswegs der wichtigste Vertreter auf dieser Seite der Debatte. Lange hatte sie nicht einmal eine offizielle Haltung zum Urheberrecht, Aussagen zu dem Thema waren lediglich die einzelner Mitglieder, nicht die Parteiposition. Mitte April jedoch veröffentlichte die Piratenpartei ein offizielles Statement . Darin plädiert sie unter anderem ebenfalls für die "Freigabe von nichtkommerziellen Vervielfältigungen", fordert aber keineswegs eine Abschaffung des Urheberrechts, wie es ihr gern unterstellt wird. Allerdings will sie, dass öffentlich finanzierte Werke wie beispielsweise Forschungsergebnisse allen frei zur Verfügung stehen.

Zu denen, die bei der Ausübung und Verwertung von Urheberrechten an den bisherigen Modellen festhalten wollen, gehören naturgemäß viele Urheber und ihre Vertreter, also Musik-, Buch- und Zeitungsverlage. Die oben genannten Beispiele Sven Regener und die "Tatort"-Autoren sind also dieser Fraktion zuzurechnen.

Ein aktiver Vertreter, der in der Debatte stets präsent ist, ist Christoph Keese . Er war früher selbst Journalist und damit Urheber, inzwischen ist er vor allem Cheflobbyist des Springerverlages. Auf öffentlichen Veranstaltungen und in seinem Blog setzt er sich ausführlich mit verschiedenen Positionen der Neuerer auseinander. So auch mit der Erklärung der Piraten . Seine Kernthese lautet einerseits, ungenehmigte Kopien seien das größte Problem für die Medien- und Unterhaltungsindustrie und müssten dementsprechend hart verfolgt werden. Andererseits argumentiert er, dass bisherige Vorschläge zwar Nutzer und vielleicht Urheber besser stellen, dafür aber Rechteverwerter – also Verlage – benachteiligen. Ein Zustand, den er nicht hinnehmen will.

Ein starker Verfechter der bisherigen Modelle ist auch der Bundesverband Musikindustrie mit seinem Vorsitzenden Dieter Gorny . Der Musikmanager tritt  oft öffentlich auf und argumentiert hauptsächlich, es gebe Gesetze, die durch eine technische Entwicklung nicht aufgehoben würden und somit durchgesetzt werden müssten. Zitat des Verbandes : "Wer ohne die ausdrückliche Zustimmung nur eines dieser Rechteinhaber CDs kopiert, handelt rechtswidrig und macht sich sogar strafbar."

Auf der gleichen Seite kämpft die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten , die beispielsweise begrüßt , dass Schutzfristen in Europa gerade von 50 auf 70 Jahre verlängert wurden.

Unter dem Stichwort Leistungsschutzrecht haben außerdem einige Zeitungsverlage eine eigene Debatte mit dem Ziel angestoßen, ihre bisherigen Verwertungsmodelle zu schützen. So wollen sie Verluste kompensieren, die ihnen durch die technische Entwicklung entstehen. Die Debatte überlappt sich mit der um das Urheberrecht und hat ähnliche Hintergründe.

Das Handelsblatt beispielsweise startete die Aktion " Mein Kopf gehört mir ", die wohl eher auf Provokation ausgelegt war, denn auf einen Fortschritt der Debatte. Sind darin doch Aussagen enthalten, die anderen Fraktionen die Berechtigung mitzudiskutieren absprechen. Zitat: "Das digitale Medium ist – bei allen Vorteilen – eine gigantische Kopier- und Abschreibemaschine. (...) Es ist kein Zufall, dass viele Blogs und Foren vor allem reproduzieren. Alle schmarotzen aus der reellen Welt."

Im Streit zwischen Neuerern und Bewahrern ist das Problem, dass es auf beiden Seiten Menschen gibt, die sich hinter vorgeschobenen Argumenten verstecken. Einige Neuerer wollen tatsächlich vor allem kostenlos Inhalte nutzen und sehen nicht ein, warum sie diesen durch die Technik entstandenen Vorteil aufgeben sollen. Und einige Bewahrer wollen nicht über neue Wege und Geschäftsmodelle nachdenken, sondern allein das Bestehende verteidigen und ignorieren dabei die technischen Bedingungen.

Und so ist inzwischen eine dritte Front entstanden.

Der Musiker und Blogger Johnny Häusler gehört zu dieser dritten Front. Mehrfach schrieb er Texte, in denen er sich um Sachlichkeit und Darstellung beider Seiten und ihrer Sorgen bemühte. Zuletzt beklagte er sich auf seinem Blog Spreeblick über den Tonfall der Diskussion : "Es ist offenbar nicht mehr möglich, PRO Urheberrecht zu sein (was ich bin), ohne sich mit Artikeln gemein zu machen, die entweder pure Propaganda oder Panikmache vor einer Partei sind. Oder beides."

Ähnlicher Meinung ist auch Dirk von Gehlen . Der Autor der Süddeutschen Zeitung hat mit Mashup ein Buch zum Thema Kopien geschrieben und dürfte eher als ein Kritiker des bestehenden Urheberrechts gelten. Wie Häusler kritisiert er derzeit vor allem die Art der Debatte . Zitat: "In Wahrheit kommt hier nichts voran, hier kommen vor allem Vorurteile heraus."

Gehlen argumentiert im Übrigen ebenfalls für eine Kulturflatrate , denn sie sei ein erprobtes Modell, das lediglich den neuen Gegebenheiten angepasst werden müsse.

Eher ein Bewahrer, aber ebenfalls sachlich und beiden Seiten verpflichtet ist Tim Renner. Er betreibt ein Musiklabel und hat einst Sven Regener unter Vertrag genommen. Zitat aus einem aktuellen Text Renners : "Bezahlt wird für Service und Inhalte im Netz immer. Entweder im Rahmen von Flatrates für aktuelle Musik oder Filme oder eben mit Zeit oder persönlichen Daten. Denn auch dort, wo der Konsument mit Pop-Ups und anderer Werbung beballert wird oder sich durch Fragen in Suchmaschinen oder in sozialen Netzwerken offenbart, entsteht ein Mehrwert. Die wenigsten Plattformen werden von Altruisten betrieben, die meisten haben sehr wohl ein Geschäftsmodell." Es gehe also, glaubt Renner, gar nicht um einen Streit zwischen kostenlos und kostenpflichtig. Es gehe vielmehr darum, längst funktionierende Geschäftsmodelle so zu tarieren, dass alle etwas davon haben und so zu schützen, dass Kriminelle sie nicht unterwanderten.

Und noch ein abschließendes Zitat Renners: "Um Sven Regeners Wut gerecht zu werden, müssen wir also nicht nach schärferen Gesetzen rufen, sondern Blockaden wie zwischen Gema und YouTube aufheben helfen, damit die adäquaten Angebote entstehen. Diese Angebote und Künstler wie Sven gilt es dann dadurch zu schützen, dass man, wie im Fall Schmitz und kino.to zu Recht geschehen, die Menschen bestraft, die an ihren Geschäftsmodellen Kreative nicht angemessen beteiligen."

Korrektur: Im ursprünglichen Text stand, die Grünen hätten sich auf eine Verkürzung der Schutzfrist auf 20 Jahre geeinigt. Das wurde diskutiert, stand aber nicht im letztlich verabschiedeten Dokument. Die Passage wurde geändert. / Kai Biermann

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Leserkommentare
    • cvnde
    • 20. April 2012 11:27 Uhr

    Es bleibt denen doch vieles gar nichts anderes übrig.
    Am Ende greift im Falle der Musikaufführung die GEMA.

    Dort sollen, nach dem was zu lesebn ist "Umschichtungen" stattfinden, von kleineren Pop-Gruppen zu eher schlagerlastiger Musik.

    Einfach mal unter " GEMA PRO " suchen.

    Die Verwertungsgesellschaften haben ja de facto ein Monopol.

    Entweder man ist drin oder draußen, wenn man drin ist, dann muss man erstmal zahlen, bevor man was kriegt.

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    Die GEMA ist eine Art Inkassoverein der Urheber, also Texter und Komponisten. Klar wird eine Verwaltungsgebühr erhoben, die lächerlich ist, aber verglichen mit dem Aufwand, die Rechte selbst einzutreiben, ein attraktives Angebot - Freiwillig - kann ja jeder selbst entscheiden. Wenn ein Künstler das als nachteilhaftig empfindet wird er dem Verein nicht beitreten. Zur Monopolstellung kann ich nur sagen, vergleichen sie bitte mal den Erfolg unserer deutschen Einheitsgewerkschaften mit den Erfolgen der Wettbewerbsgewerkschaften in anderen Ländern. Sowohl Volkswirtschaftlich (also für die gesammte Gesellschaft) als auch für den Einzelnen. Ausserdem gibt es Alternativen zur GEMA, die nur bisher nicht die entsprechende Relevanz erreicht haben. Bei aller möglicher Kritik an der GEMA (hab ich auch ein paar Punkte), die beitretenen Künstler sind nicht doof, nur manchmal zu faul zur Mitgliederversammlung zu kommen. Ein verbreitetes Phänomen bei Kreativen, die haben meist andere Sachen im Kopf (ich war auch noch nie da).

    • cvnde
    • 20. April 2012 12:11 Uhr

    Sie machen selbst einen Denkfehler!

    Der Unterschied zwischen Internet und Buchdruck ist das man durch das Internet Inhalte praktik Kostenlos und in unbegrenzter Zahl Kopiert werden können.

    Hier geht ews nicht wie beim Buchdruck um 1 : 10.000 , am Anfang, sondern um, de facto, 1 : ∞.

    Das Problem ist doch eigentlich gany simpel>

    Wie erhalten der Urherber und Verwerter genauso viel Geld, um Ihre Kosten zu decken etc., wie zur Zeit der nur begrenzten Kopierbarkeit.

    Problem entstehen da wo "Markteilnehmer" auch die Abrechnungen kontrollieren.

    Das ist der Unterschid zum Beispiel GEMA : GEZ, bei der GEZ sitzen auch Leute von den Runkfunkanstall, aber die setzen keine Gebühren Fest, das macht die KEF.

    Antwort auf "Denkfehler (Teil 2)"
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    ...und die kontroliert lediglich die Verhältnismäßigkeit der Aufwendungen im Interesse des GEZ Zahlers. Die GEMA ist ein Verein, der den Auftrag seiner Mitglieder, also Komponisten und Textdichter, vertritt und die ihnen zustehenden Erlöse eintreibt. Zwei wirklich sehr unterschiedliche Dinge. Es steht jedem frei GEMA Mitglied zu werden und ebenfalls steht es auch jedem frei GEMA-freie Musik zu spielen!!! GEMA ist freiwillig, sowohl auf Anbieterseite wie auch auf Abnehmerseite. GEZ hingegen ist Pflicht, es gibt einen öffentlich-rechtlichen Auftrag der Grundversorgung aller Bevölkerungsschichten und die Verpflichtung eines jeden 'Empfängers' für diesen gesellschaftlichen Beitrag pro Empfangsgerät zu zahlen, unabhängig davon, ob er von dem dadurch finanzierten Angebot Gebrauch macht.

    • GDH
    • 20. April 2012 13:29 Uhr

    "Man kann nicht sagen ein Schutzrecht hat eine gewisse Dauer. Das ist Willkür. Wer beurteilt denn wann sich etwas amortisiert?"

    Dass das alles nicht so einfach ist, hat doch niemand bestritten. Wenn Sie deswegen der Meinung sind, es braucht keine Schutzrechte für gewerbliche Verwertung (wer also etwas veröffenlicht, muss damit leben, dass andere es wie auch immer nachmachen), lässt sich das diskutieren. Die interessante Frage ist dann, wie man Anreize für Forschung, Entwicklung, Schriftstellerei usw. setzt.

    Mir ging es im Wesentlichen darum, dass die umgekehrte Variante (unbefristete Schutzrechte) fatale Auswirkungen hätte: Das Leben wäre sehr unpraktisch und sicherlich auch nicht effizient, wenn man mit der Verwendung der Ideen Rad, Flaschenzug und Transistor heute noch sparsam sein müsste, weil man dafür Rechte erwerben müsste.

    Vorhandene Dinge einfach nutzen zu können und nur die Mehrkosten durch die Nutzung einzukalkulieren führt eben zu einem effizienteren Einsatz von Wissen.

    • GDH
    • 20. April 2012 13:49 Uhr

    Sie zitieren einen einzelnen Artikel aus der europäischen Grundrechtecharta. Als ob damit irgendwas von der Diskussion erledigt wäre (dabei nennen Sie nichtmal die Kommentare, die Ihrer Meinung nach unnötig sind).

    Wenn Sie den Absatz davor, Aritkel 17 (1), auch lesen, finden Sie z.B.
    "Die Nutzung des Eigentums kann gesetzlich geregelt werden, soweit dies für das Wohl der Allgemeinheit erforderlich ist."

    Das heist Sie können entweder argumentieren, dass so Sachen wie Schutzfristen allgemein mit dieser Charta nicht vereinbar sind oder Sie erkennen an, dass die Regelungen der Einzelheiten dazu, welche Rechte konkret besitz- und handelbar sind natürlich Gegenstand der gesellschaftlichen Diskussion und der fortlaufenden Anpasung der Gesetzgebung sein können (denn dass es genau 70 Jahre nach dem Tod sein müssen oder in wie weit Zitate erlaubt sind, steht auch nicht in der Charta).

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    Es ist richtig, dass in der Grundrechte-Charta die Fristen nicht geregelt sind. Ich bezog mich auch auf Kommentare, die diesen Schutz an sich in Frage gestellt haben.
    Je länger jedoch ein Schutz ist, um so wertvoller ist er in der Auswertung. Das ist die Altersversorgung unserer Künstler, die mit ihrem Lebenswerk (trotz z.B. Krankheit) noch mal einen guten Deal hinbekommen können, von der Versorgung ihrer Nachkommen mal abgesehen.

    Sie erwähnen die Einschränkungen in Abs. 1. Herzlichen Dank!!! Leider ist unsere Gesellschaft gezwungen den Eigentümern materieller Güter aufzuzeigen, dass sie ihren Wohlstand einer Gesellschaft zu verdanken haben, der sie sich auch verpflichtet fühlen müssen. Wenn sie ihren Egoismus übertreiben, werden Ihnen die Interessen des Allgemeinwohls entgegen gehalten. Mit geistigem Eigentum hat in unserer Zivilisationsgeschichte noch niemand richtigen Schaden angerichtet und selbst wenn jemand es wollte gab es immer geistige Eigentümer, die sich verqueren Ideen entgegengestellt haben. Das geistige Eigentum und die Geschichte der Humanistischen Bewegung sind untrennbar miteinander verbunden (Roman, Empathie, Aufklärung, Verurteilung von Folter etc.).

    ...hab ich lediglich widerlegt. Das galt der Unwissenheit in der hier geführten Debatte. Ich würde auch das Recht auf Dummheit verteidigen, hätte aber kein Interesse auf diesem Niveau zu diskutieren. Meine Bemerkung war also nicht auf die unzähligen Ahnungslosen gerichtet, dann hätte ich ja auf deren Eintrag reagiert, sondern in der Hoffnung, dass der Autor dieses Artikels die Kommentare dazu auch liest. Dem wollte ich meinen Standpunkt näher bringen, seine 'Ausgewogenheit' auf Aspekte dieser hier geführten Debatte lenken und helfen, nicht auf jede hier geäußerte Plattheit reinzufallen. Ich staune eh über mich selbst, wieviel 'ZEIT' ich hier grad aufwende. Aber klar, wenn man was raushaut holt's einen auch ein - ist auch okay so! Hab auch keine Lösung dafür, glaub nur, dass hier eine Redaktion dahinter steht, die sich auch Gedanken macht, wie die Qualität der Beiträge an Niveau gewinnen könnte. Es gibt ja einen Grund warum wir so lange geschwiegen haben, der heisst 'Shitstorm'.

    • GDH
    • 20. April 2012 13:58 Uhr

    Verstehe ich Ihre Argumentation dahingehend richtig, dass Sie Kopien, die durch Nutzer ohne Gewinnerzielungsabsicht angefertigt werden, zulassen möchten ("die Nutzer aus der Schußlinie" holen) aber verbieten "mit der Umgehung des Urheberrechts Geschäfte" zu machen.

    Das klingt sehr vernünftig. Bloß kommt in diesem Spannungsfeld immer wieder die Frage auf, ob z.B. Provider, die lediglich universelle Kommunikationsdienste anbieten, denn schon Geschäfte damit machen, dass Nutzer untereinander geschützte Inhalte austauschen. Wenn Sie diese Frage bejahen, sind Sie wieder bei Eingriffen, die letztlich freie und vertrauliche Kommunikation verunmöglichen. Verneinen Sie die Frage, bleibt der Umstand, dass bestimmte Geschäftsmodelle nunmal unter der Kopierbarkeit von Werken leiden.

    Antwort auf "Denkfehler (Teil 2)"
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    Die Nutzer sehe ich als potentielle Kunden für kulturelle Inhalte und es tut mir weh zu erleben, welche Geschäftsmodelle sie in die Verantwortung (teils ohne ihr wissen) ziehen möchten und sich selbst dabei schadlos halten. Das YouTube - GEMA Urteil von heute nimmt den Anbieter, zumindest teilweise, mal endlich in die Pflicht. Ja, es werden derzeit die Falschen bestraft!!! Opfer gewissenloser Geschäftemacher! Opfer untätiger Politik! Die Agression richtet sich gegen diejenigen, die unsere Gesellschaft spiegeln wollen um den Zivilisationsprozess der Menschen voranzutreiben. Technologie ist toll, aber kein Wert an sich. Es kommt drauf an, was wir damit tun. Das bestimmen wir selbst und lassen uns das nicht von 'Möglichkeiten' vorschreiben. Es geht um gesellschaftliche Spielregeln und da bin ich auch sehr optimistisch, dass sich diese wieder herstellen lassen. Wenn ich vor einer geschlossenen Ladentür stehe komme ich irgendwie nicht auf die Idee, die Scheibe einzuschlagen und mir zu nehmen, was ich grad brauche "Sorry, kann ich ja nichts dafür, dass keiner die Geschäftsidee hatte, mich jetzt zu bedienen". Komischer Weise werden hier solche Ansprüche unwidersprochen vorgetragen. Neuer Gedanke im nächsten Teil.

  1. Die GEMA ist eine Art Inkassoverein der Urheber, also Texter und Komponisten. Klar wird eine Verwaltungsgebühr erhoben, die lächerlich ist, aber verglichen mit dem Aufwand, die Rechte selbst einzutreiben, ein attraktives Angebot - Freiwillig - kann ja jeder selbst entscheiden. Wenn ein Künstler das als nachteilhaftig empfindet wird er dem Verein nicht beitreten. Zur Monopolstellung kann ich nur sagen, vergleichen sie bitte mal den Erfolg unserer deutschen Einheitsgewerkschaften mit den Erfolgen der Wettbewerbsgewerkschaften in anderen Ländern. Sowohl Volkswirtschaftlich (also für die gesammte Gesellschaft) als auch für den Einzelnen. Ausserdem gibt es Alternativen zur GEMA, die nur bisher nicht die entsprechende Relevanz erreicht haben. Bei aller möglicher Kritik an der GEMA (hab ich auch ein paar Punkte), die beitretenen Künstler sind nicht doof, nur manchmal zu faul zur Mitgliederversammlung zu kommen. Ein verbreitetes Phänomen bei Kreativen, die haben meist andere Sachen im Kopf (ich war auch noch nie da).

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • GDH
    • 23. April 2012 12:25 Uhr

    Die GEMA ist nicht einfach ein Verein von vielen, die im Wettbewerb die Interessen von Künstlern vertreten.

    Der Verein ist tatsächlich mit Rechten ausgestattet, die ein einzelner Künster nicht hat und daher auch nicht alleine wahrnehmen kann.

    Der Einfachheit halber zitiere ich hier mal die Wikipedia:

    "Wer GEMA-freie Musik öffentlich aufführt oder gewerblich nutzt, muss, um Ansprüchen der GEMA zu entgehen, die Vermutung widerlegen, dass die genutzten Werke GEMA-pflichtig sind.
    [...]
    Kann die Sachlage nicht eindeutig geklärt werden, wird davon ausgegangen, dass die Musik nicht GEMA-frei ist, also zum GEMA-Repertoire gehört und somit entsprechende GEMA-Gebühren zu entrichten sind."[1]

    Da einzelne Künstler sich sowas wohl kaum rausnehmen können (der Anspruch, jeder soll erstmal beweisen, dass aufgeführte Werke nicht von einem bestimmten Künstler sind).

    Diese Regel hat übrigens den ganz praktischen Nachteil, dass man zum Beispiel auf Demonstrationen nicht einfach Musik abspielen darf (nicht nur keine Musik von Leuten, die in der Gema vertreten sind).
    [1] http://de.wikipedia.org/w...

  2. ...und die kontroliert lediglich die Verhältnismäßigkeit der Aufwendungen im Interesse des GEZ Zahlers. Die GEMA ist ein Verein, der den Auftrag seiner Mitglieder, also Komponisten und Textdichter, vertritt und die ihnen zustehenden Erlöse eintreibt. Zwei wirklich sehr unterschiedliche Dinge. Es steht jedem frei GEMA Mitglied zu werden und ebenfalls steht es auch jedem frei GEMA-freie Musik zu spielen!!! GEMA ist freiwillig, sowohl auf Anbieterseite wie auch auf Abnehmerseite. GEZ hingegen ist Pflicht, es gibt einen öffentlich-rechtlichen Auftrag der Grundversorgung aller Bevölkerungsschichten und die Verpflichtung eines jeden 'Empfängers' für diesen gesellschaftlichen Beitrag pro Empfangsgerät zu zahlen, unabhängig davon, ob er von dem dadurch finanzierten Angebot Gebrauch macht.

  3. Es ist richtig, dass in der Grundrechte-Charta die Fristen nicht geregelt sind. Ich bezog mich auch auf Kommentare, die diesen Schutz an sich in Frage gestellt haben.
    Je länger jedoch ein Schutz ist, um so wertvoller ist er in der Auswertung. Das ist die Altersversorgung unserer Künstler, die mit ihrem Lebenswerk (trotz z.B. Krankheit) noch mal einen guten Deal hinbekommen können, von der Versorgung ihrer Nachkommen mal abgesehen.

    Sie erwähnen die Einschränkungen in Abs. 1. Herzlichen Dank!!! Leider ist unsere Gesellschaft gezwungen den Eigentümern materieller Güter aufzuzeigen, dass sie ihren Wohlstand einer Gesellschaft zu verdanken haben, der sie sich auch verpflichtet fühlen müssen. Wenn sie ihren Egoismus übertreiben, werden Ihnen die Interessen des Allgemeinwohls entgegen gehalten. Mit geistigem Eigentum hat in unserer Zivilisationsgeschichte noch niemand richtigen Schaden angerichtet und selbst wenn jemand es wollte gab es immer geistige Eigentümer, die sich verqueren Ideen entgegengestellt haben. Das geistige Eigentum und die Geschichte der Humanistischen Bewegung sind untrennbar miteinander verbunden (Roman, Empathie, Aufklärung, Verurteilung von Folter etc.).

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    • GDH
    • 23. April 2012 12:38 Uhr

    Sie schreiben
    "Leider ist unsere Gesellschaft gezwungen den Eigentümern materieller Güter aufzuzeigen, dass sie ihren Wohlstand einer Gesellschaft zu verdanken haben, der sie sich auch verpflichtet fühlen müssen. Wenn sie ihren Egoismus übertreiben, werden Ihnen die Interessen des Allgemeinwohls entgegen gehalten."

    Soweit kann ich folgen.
    Aber Ihre Behauptung, dass die Besitzer "geistigen Eigentums" durch die Verwendung ihrer Eigentumsrechte nie Schaden angerichtet hätten erscheint mir zweifelhaft.

    Ganz im Gegenteil hat die Allgemeinheit gewiss ein Interesse daran, die Anreize zum "sparsamen" Umgang mit unendlich vermehrbaren Werken zu begrenzen.

    Auch die vielfach bestehende Rechtsunsicherheit richtet gewiss Schaden an indem vielfach legitime Verhaltensweisen durch das Aufbürden hoher Haftungsrisiken bedindert werden.

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