UrheberrechtDie Fronten im Streit ums digitale Kopieren
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Die Neuerer

Die wohl wichtigste und fundierteste Plattform der Kritiker bisheriger Urheberrechtsmodelle ist die Aktion iRights . Seit Jahren argumentieren die Autoren, allen voran Matthias Spielkamp , für ein Umdenken und für eine Suche nach neuen Lösungen, um die Interessen von Urhebern, Rechteverwertern und Nutzern gleichermaßen zu berücksichtigen. Dabei versucht die Plattform vor allem, möglichst viele Meinungen zu sammeln und zu diskutieren, und hat beispielsweise mehr als 40 Politiker, Experten und Urheber gefragt, wie das Urheberrecht reformiert werden sollte .

Neben iRights ist das Blog Netzpolitik eine wesentliche Stimme. Dort wird ebenfalls seit Jahren über das Thema berichtet – meistens sachlich, gern aber auch ironisch und immer aus Sicht der Aktivisten, die eine Veränderung fordern. Beispielsweise in Form einer sogenannten Kulturflatrate . Gründer Markus Beckedahl ist gleichzeitig der deutsche Sprecher der Initiative Creative Commons, damit also Vertreter eines neuen Modells, wie Urheberrechte gehandhabt werden können.

Und so werden dann beispielsweise die Probleme aufgrund der bisherigen Struktur von Schutzfristen beschrieben : "Es zeigt sich, wie die Länge der urheberrechtlichen Schutzfristen Digitalisierung und Zugang zu Büchern und damit dem kulturellen Erbe behindern, weil eine große Mehrzahl der Werke zwar auch nach Jahrzehnten noch urheberrechtlich geschützt sind, eine Verwertung sich aber bereits nach wenigen Jahren nicht mehr lohnt."

Seit längerer Zeit ist auch der Chaos Computer Club Akteur in der Debatte. Er versucht, wie Netzpolitik und iRights, Utopien zu entwerfen und Lösungen zu präsentieren. So stammt der Vorschlag einer Kulturwertmark vom CCC. Die Idee: "Jeder Teilnehmer zahlt einen festen monatlichen Betrag ins System ein, den er dann in Form von Kulturwertmark an Künstler seiner Wahl vergeben kann. Als Ausgleich stehen die Werke nach einigen Jahren oder nach Erreichen einer bestimmten Kulturwertmark-Auszahlsumme jedem zur nicht-kommerziellen Nutzung zur Verfügung."

Der Hackerverein, der viele Programmierer und Autoren – also Urheber – unter seinen Mitgliedern hat, hält das für einen besseren Ansatz als die Kulturflatrate, da es dazu keine zentrale Verwertungsorganisation brauche .

Einige politische Parteien haben sich des Themas ebenfalls angenommen. So diskutierten die Grünen auf ihrem Bundesparteitag einen Leitantrag , um die Schutzfristen für Werke von derzeit 70 auf 5 Jahre zu verkürzen. Das führte intern zu heftigen Debatten . Im letztendlich verabschideten Text steht nichts mehr von Schutzfristen, doch setzen sich die Grünen dafür ein, Modelle wie Creative Commons zu fördern, nichtkommerzielle Kopien auszudehnen und staatlich finanzierte Forschungsdaten freizugeben.

Auch die Piratenpartei kümmert sich um das Thema. Sie ist aber keineswegs der wichtigste Vertreter auf dieser Seite der Debatte. Lange hatte sie nicht einmal eine offizielle Haltung zum Urheberrecht, Aussagen zu dem Thema waren lediglich die einzelner Mitglieder, nicht die Parteiposition. Mitte April jedoch veröffentlichte die Piratenpartei ein offizielles Statement . Darin plädiert sie unter anderem ebenfalls für die "Freigabe von nichtkommerziellen Vervielfältigungen", fordert aber keineswegs eine Abschaffung des Urheberrechts, wie es ihr gern unterstellt wird. Allerdings will sie, dass öffentlich finanzierte Werke wie beispielsweise Forschungsergebnisse allen frei zur Verfügung stehen.

Leserkommentare
  1. 1. .....

    "Seine Kernthese lautet einerseits, ungenehmigte Kopien seien das größte Problem für die Medien- und Unterhaltungsindustrie und müssten dementsprechend hart verfolgt werden. Andererseits argumentiert er, dass bisherige Vorschläge zwar Nutzer und vielleicht Urheber besser stellen, dafür aber Rechteverwerter – also Verlage – benachteiligen. Ein Zustand, den er nicht hinzunehmen will."

    Endlich gibts mal einer von denen zu, das es ihnen vor allem um die Vorteile der Rechteverwerter geht.

    Macht nur weiter so, die Zeit wird euch prüfen und je nach dem wie biegsam ihr seid brechen oder biegen....
    Denn die Zeit arbeitet für die Neuerer.

    10 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    öh, hab schnell mal den Fehler korrigiert, der in diesem Satz steckt ;)

    lg
    Kai Biermann

    lässt sich nicht zurückdrehen. Die Gesellschaft hat zu entscheiden wie damit umgegangen wird.

    Durch die Digitalisierung hat sich der Status quo verändert.
    Man kann nicht so naiv sein zu glauben das jeder der sich ein Video bei youtube ansieht auch diese CD kaufen würde.

    Früher haben die Leute auch mit Kassetten direkt aus dem Radio aufgenommen. Musste man dafür Strafe zahlen? Kunst ist in erster Linie ein Passion. Als Künstler zu arbeiten ist immer ein Risiko, aber meistens auch eine bewußte Entscheidung. Wenn ich Sänger werde kann es schon hart für mich werden, aber wäre meine alternative Karriere als Koch wirklich einfacher gewesen.

    Fast jeder Mensch struggled in seinem Beruf. Der Vorteil eines Künstlers ist , dass bei Erfolg eigenen Selbstverwirklichung kaum Grenzen gesetzt sind. Es gibt unzählige Beispiele. Vor allem Rapper wie P.Diddy oder Jay-Z beispielsweise. Zig Millionen schwere Geschäftsmänner die sie völlig ausleben können und nie vergessen werden. Bewundert von Millionen.

    Künstler sein ist eine Berufung. high risk high reward.
    Das sich jetzt keiner mehr die DSDS Singles für 15 Euro kauft ist aus meiner Sicht nicht schlimm. Vor allem da durch das Internet jeden Tag Künstler und Innovative zu Ruhm und guten Zukunftsausichten gelangen die ohne das Netz nie eine Chance gehabt hätten.
    Sollten wir für unerfolgreichen oder gierigen der Rechtverwerter und Künstler den Rest der Gesellschaft kriminaliseren wenn sie Youtuben?

  2. Redaktion

    öh, hab schnell mal den Fehler korrigiert, der in diesem Satz steckt ;)

    lg
    Kai Biermann

    Antwort auf "....."
  3. Bisher erlischt die Schutzfrist für urheberrechtlich geschützte Werke erst siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers und nicht einfach nach siebzig Jahren, wie im Artikel beschrieben.
    Hier kann man sich schon fragen, wem eine solch lange Frist nach dem Tode des Urhebers nutzt. Sicher nicht dem Urheber.
    Hier wäre ein erlöschen der Schutzfrist nach x-Jahren, jedoch spätestens 5-10 Jahre nach dem Tod des Urhebers sicher ein besserer Kompromiss zw. den Interessen der Allgemeinheit und denen des Urhebers.

    4 Leserempfehlungen
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    Bin selbst Urheber und dachte, dass eine Schutzfrist bis zum Lebensende o.k. sei. Aber selbst bei 5 Jahren nach dem Tod des Urhebers dürfte es bei sehr wertvollen Urheberrechten gar nicht so einfach sein, das Leben einer so reichen Person zu schützen... deshalb wäre ich für 20 Jahre nach dem Tod... - und meine das ganz ernst - auch wen mich dieses Extrem, welches man ja nicht vergessen darf, leider nicht persönlich betrifft

  4. Bin selbst Urheber und dachte, dass eine Schutzfrist bis zum Lebensende o.k. sei. Aber selbst bei 5 Jahren nach dem Tod des Urhebers dürfte es bei sehr wertvollen Urheberrechten gar nicht so einfach sein, das Leben einer so reichen Person zu schützen... deshalb wäre ich für 20 Jahre nach dem Tod... - und meine das ganz ernst - auch wen mich dieses Extrem, welches man ja nicht vergessen darf, leider nicht persönlich betrifft

    Antwort auf "Schutzfristen"
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    Ich beziehe dies lediglich auf Schutzfristen für "Kunst" - nicht Wissenschaft und Patente - dies sollte aus meiner Sicht anders geregelt werden...

    • GDH
    • 18. April 2012 12:53 Uhr

    >>Aber selbst bei 5 Jahren nach dem Tod des Urhebers dürfte es bei sehr wertvollen Urheberrechten gar nicht so einfach sein, das Leben einer so reichen Person zu schützen... deshalb wäre ich für 20 Jahre nach dem Tod<<

    Den Tod des Autors halte ich ganz allgemein nicht für ein taugliches Kriterium. Wie lange der Autor lebt, weis man im Allgemeinen nicht im Vorraus. Außerdem wäre es unfair, wenn ältere Menschen ihr Werk schlechter an Rechteverwerter verkaufen können, weil die davon ausgehen müssen, dass der Schutz früher erlischt.

    Im Patenrecht spielt der Tod des Erfinders auch keine Rolle. Analog ist beim Urheberrecht eine Frist von x Jahren nach Veröffentlichung denkbar. Genau wie dem Erfinder ist auch dem Autor zuzumuten, dass er das eventuell noch erlebt.

    Wichtig zu betonen, dass natürlich nicht alle Rechte verfallen sollen. Insbesondere sollten Plagiate (Anmaßung der Urheberschaft) dauerhaft verboten sein.

    • cvnde
    • 18. April 2012 15:48 Uhr

    Das Argument, dass kürzere Schutzfristen Taten nach § 211 StGB bedeuten würden, das sollte man wirklich aus der Debatte streichen.

    Wenn jemand aus HABGIER einen MORD begehen will, dann ist das eine Sache für das Strafrecht und nicht für das Urheberrecht.

    • bugme
    • 18. April 2012 11:51 Uhr
    5. [...]

    Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Danke, die Redaktion/mo.

    5 Leserempfehlungen
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    • dacapo
    • 18. April 2012 14:07 Uhr

    Eigentlich dumme Frage, die Sie stellen. Sven Regener ist ein Urheber. Somit sollte seine Meinung gehört werden. Sollte bei Ihnen dennoch kein Verständnis dafür da sein, seine Meinung zu hören, dann sollten Sie sich doch auch mal fragen, warum Ihre Meinung interssieren sollte. Warum geben Sie die hier kund?

  5. Ich beziehe dies lediglich auf Schutzfristen für "Kunst" - nicht Wissenschaft und Patente - dies sollte aus meiner Sicht anders geregelt werden...

    Antwort auf "Schutzfristen"
  6. Den Netzpolitischen Parteien den Dialog anzubieten nach einem derart populistisch-phrasengespicktem Brief, ist die Häme pur!

    Die Damen und Herren Drehbuchautoren scheinen darüberhinweg zu täuschen oder gar nicht zu wissen, wie sich die Wirtschaft der Content-Industrie ad-absurdum geführt hat.

    Wieso zum Teufel finanziere ich mit dem Kauf eines jeden Rohlings Unternehmen, die mit dem Produkt in absolut keiner Beziehung stehen. Nur weil man damit "theoretisch(!)" einen Datenträger für Kopien derer Produkte habe, dessen Umsetzung - und nun kommts - ich dank ihrer Kopierschutzmechanismen gar nicht bewerkstelligen könnte.

    Man hat hier mehrfach Handlungsbedarf gefordert und nun kommen 51 Tatort-Drehbuch-Autoren vom Himmel herab und laden mit populistischen Phrasen zu Gesprächen ein. Macht lieber vorher Eure Hausaufgaben!

    15 Leserempfehlungen
  7. Die Forderung lautet also "Hände weg von den Schutzfristen". Und "wer kopiert macht sicht strafbar". Nun frage ich mich wie passt das zur unlängst erfolgten Verlängerung der Schutzfristen von 50 auf 70 Jahre (die Forderung die Frist auf 95 Jahre nach dem Tod aller Beteiligten auszuweiten wird bereits erhoben). Und warum sollte ich keine CD kopieren? Im Preis eines jeden Rohlings der verkauft wird ist eine Urheberrechtsabgabe enthalten. Nichtmal das Cover einer CD lässt sich ohne Urheberrechtsabgabe auf den Drucker ausdrucken: 36 € pro GFarbdrucker. Und die Kopie einer CD auf das Smartphone ist nicht billiger: ebenfalls 36€ pro Gerät.

    Die Kulturflatrate ist eine Chance. Aber nur wenn sie nicht nach dem GEMA-Modell abgerechnet wird. Bei der wenige Superstars fast alles bekommen. die kleinen Künstler weitgehend leer ausgehen. Und auch nur wenn es gelingt eine breite Akzeptanz zu diesem Modell zu erreichen.

    8 Leserempfehlungen
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    • GDH
    • 18. April 2012 12:59 Uhr

    "Nun frage ich mich wie passt das zur unlängst erfolgten Verlängerung der Schutzfristen von 50 auf 70 Jahre (die Forderung die Frist auf 95 Jahre nach dem Tod aller Beteiligten auszuweiten wird bereits erhoben)"

    Genau das ist ein Problem. Mitlerweile kann man durchaus das Vertrauen verlieren, dass JEMALS Schutzrechte für Werke auslaufen, die zu unser aller Lebzeiten geschaffen wurden. Das trägt ganz sicher nicht zur Akzeptanz des Urheberrechts bei, das dann eben nicht als InteressenAUSGLEICH verstanden wird.

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  • Schlagworte Sven Regener | Grüne | Google | Piratenpartei | Urheberrecht | Blog
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