Keine Such-, sondern eine Entscheidungsmaschine – mit diesem Anspruch wurde Microsofts Internetsuche Bing im Jahr 2009 vorgestellt. Im Wettstreit mit der Algorithmus-Macht von Marktführer Google wollte Bing mit personalisierten und damit für den Nutzer relevanteren Suchergebnissen punkten. Microsofts These: Die Ratschläge von Freunden sind besser als jeder Algorithmus.

Vergangenes Jahr begann Bing , die Empfehlungen von Facebook-Freunden mit den Suchergebnissen zu verknüpfen. Das neueste Update sorgt nun für eine noch engere Verzahnung mit sozialen Netzwerken. Statt einer zentralisierten, einspaltigen Suchansicht gibt es künftig drei Spalten: Neben der Trefferliste und einer Liste mit kontext-bezogenen Ergebnissen soll der Nutzer über eine dritte Spalte direkt auf sein persönliches Netzwerk von Facebook zugreifen können. Zusätzlich sollen neue Algorithmen die Trefferqualität spürbar verbessern, teilt Microsoft in einem Blog-Eintrag mit .

Stefan Weitz, Leiter von Bing Search, bezeichnete den Schritt als unumgänglich. Suchergebnisse im Netz seien zu überladen und soziale Funktionen scheinbar willkürlich gestreut, sagte Weitz dem Technikportal All Things Digital . Deswegen gebe es bei Bing in der Suchspalte künftig nur noch "reine" Ergebnisse. Alle weiteren Funktionen seien auf die anderen beiden Spalten verteilt.

Das neue dreispaltige Layout von Bing. Rechts die Facebook-Integration © Microsoft

In der mittleren Spalte des neuen Layouts werden sogenannte "Snapshots" angezeigt. Wer nach einer Band sucht, findet hier Tourtermine, Ticketpreise oder Merchandising-Anbieter. Wer nach Restaurants sucht, bekommt nicht nur den Standort auf einer Karte, sondern im Idealfall auch die Möglichkeit für eine Reservierung geboten. Dafür möchte Microsoft künftig noch enger mit Drittanbietern wie Open Table, TripAdvisor und Qype zusammenarbeiten.

In der dritten Spalte werden Facebook-Kontakte angezeigt, die ebenfalls an dem gesuchten Thema interessiert sind. Wer beispielsweise nach "Pizza in Berlin " sucht, bekommt hier Freunde gelistet, die Artikel empfohlen oder Bilder zum Thema auf Facebook hochgeladen haben. Voraussetzung ist, dass die suchenden Nutzer in Facebook eingeloggt sind und die Bing-App installiert haben.

Die soziale Komponente wird durch die Möglichkeit verstärkt, Fragen an ausgewählte oder alle Facebook-Kontakte zu stellen. Die daraus entstehenden Unterhaltungen werden sowohl in der Bing-Sidebar als auch in der Facebook-Timeline angezeigt.

Darüber hinaus zeigt die Sidebar auch interessante Kontakte außerhalb des persönlichen Freundeskreises an. Etwa Experten zu einem Thema. Wer zum Beispiel nach "ZEIT ONLINE" sucht, könnte hier die Twitter- und Facebook-Profile von Redakteuren sehen – sofern sie ihren Arbeitgeber bei Facebook öffentlich gemacht haben – und ihnen direkt eine Nachricht schicken.

Nach ersten Tests der Technikblogs The Verge und Mashable funktioniert diese von Bing kuratierte Personensuche schon recht gut, und das, obwohl Microsoft noch nicht alle geplanten Netzwerke mit in die Ergebnisse einbezieht.

Änderungen im Suchmaschinen-Markt

Microsofts Pläne für Bing zeigen, dass sich der Markt für Suchmaschinen ändert. Längst spielen nicht mehr bloß die Suchergebnisse eine Rolle, sondern auch ihre Präsentation und zusätzliche Funktionen. So arbeitet Google schon seit Längerem an einer semantischen Suche , die auch komplexere Suchanfragen bearbeiten kann und eigenständig Antworten findet. Alternative Anbieter wie DuckDuckGo , Ixquick oder Wolfram Alpha zeichnen sich durch gute Datenschutzmaßnahmen oder clevere Suchfunktionen aus. Eine Gefahr für Marktführer Google sind sie – jedenfalls in den wichtigen Märkten Europa und den USA – aber noch nicht.

Auch Bing ist davon noch weit entfernt. Im Januar wurde bekannt , dass Bing vergangenen Dezember erstmals Yahoo ! als zweitmeist genutzte Suchmaschine in den USA abgelöst hatte: 15,1 Prozent der US-Nutzer verwendeten den Dienst. Ärgerlich für Microsoft: Im gleichen Zeitraum hatte auch Google Nutzer dazugewonnen. In Deutschland habe Bing nach eigenen Angaben inzwischen rund 20 Prozent Marktanteil .

Netzvisionäre - Netzvisionäre: Stefan Weitz über Zukunft von Suchmaschinen Der Leiter von Bing Search spricht darüber, was Suchmaschinen in Zukunft können werden.

Mit seiner sozialen Suche erhofft sich Microsoft mittelfristig einen Vorteil. Auch, weil Google in dieser Hinsicht unlängst keine gute Figur machte. Zwar hatte auch Google zu Beginn des Jahres mit "Search plus Your World" persönlichere Suchergebnisse eingeführt , die Reaktionen waren allerdings gespalten. Nutzer kritisierten , dass Google die Suche mit Google+-Profilen überschwemme. Auch die fehlende Integration von Twitter und Facebook wurde bemängelt.

Zumindest hier ist Microsoft mit Bing einen Schritt voraus: Zusätzlich zu Twitter und Facebook sollen künftig auch weitere soziale Netzwerke wie LinkedIn, Quora und Foursquare eingebunden werden. Das Ziel ist klar: Bing möchte vor allem "Menschen finden, keine Websites", sagte der Vize-Direktor Derrick Connell . Denn nur persönliche Empfehlungen führten zu wirklich relevanten Ergebnissen.

Noch sind die sozialen Suchfunktionen nur für US-Nutzer verfügbar. Zum Start in anderen Ländern machte Microsoft keine Angaben.