Soziales NetzwerkNutzer verklagen Facebook auf Milliarden-Schadensersatz

Etliche Facebook-Nutzer sehen sich in ihrer Privatsphäre verletzt. Sie haben eine Sammelklage gegen das Unternehmen eingereicht. Außerdem gab es Pannen beim Börsenstart. von afp und reuters

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg  |  © epa Keystone Peter Klaunzer

In den USA  haben zahlreiche Facebook-Nutzer gegen eine angebliche Verletzung ihrer Privatsphäre durch das soziale Netzwerk geklagt. Es gehe bei der Sammelklage um Schadensersatzforderungen von bis zu 15 Milliarden Dollar, teilten die zuständigen Anwälte mit. Die Kläger werfen Facebook vor, unrechtmäßig Aktivitäten von Nutzern im Internet beobachtet zu haben, "sogar nachdem sie sich aus dem Netzwerk ausgeloggt hatten".

Die Klage wurde den Angaben zufolge bei einem Gericht im kalifornischen San José eingereicht. Sie umfasse Fälle in mehr als zehn US-Bundesstaaten aus den Jahren 2011 und 2012. Eine Stellungnahme zu der Sammelklage gab Facebook bislang nicht ab.

Anzeige

Das Unternehmen hatte am Freitag einen der größten Börsengänge aller Zeiten absolviert, bei dem es allerdings einige technische Pannen gab. Diese sollen nun ein Nachspiel haben: Die US-Börsenaufsicht leitete eine Untersuchung der Vorgänge ein, die Investoren und Broker stundenlang im Unklaren über den Stand ihrer Kaufaufträge gelassen hatten. Nach Einschätzung von Investoren trugen die Pannen dazu bei, dass das Interesse an den Anteilsscheinen nicht so überschäumend ausfiel wie zunächst erwartet.

Händler: "Wir mussten blind fliegen"

In der ersten Handelsminute wechselten 83 Millionen Aktien des Börsenneulings den Besitzer. Der schwungvolle Start brach dann aber noch in der ersten halben Stunde ab. "Da gab es einige Unsicherheit rund um die Eröffnung, weil die Leute nicht wussten, auf welchem Stand ihre Aufträge waren", sagte ein Händler. Bis zum Ende des Tages erreichte der Kurs nur ein leichtes Plus von 0,6 Prozent auf 38,23 Dollar , nachdem die den Börsengang begleitenden Banken die Anteilsscheine offenbar wiederholt mit Zukäufen über dem Ausgabepreis von 38 Dollar gehalten hatten.

Mehrere Broker sagten, die Nasdaq sei bis zum Ende des Handelstages die sonst in Sekundenschnelle vorliegende Auftragsbestätigung schuldig geblieben. "Wir mussten vollkommen blind fliegen", sagte ein Händler von Morgan Stanley , der mehr als 30 Kaufanfragen eingereicht hatte. Auch ein Broker von Raymond James Financial wartete vergeblich auf eine Quittung für seine vor Handelsbeginn vorgelegten Bestellungen ab einem Preis von 42 Dollar je Aktie. "So etwas haben wir durchaus erlebt, wenn der Markt verrücktspielt, aber noch nicht, wenn es nur um ein einzelnes Papier geht", sagte der Händler.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Schon interessant, zu lesen, wie angeblich kritisch hier in der Zeit "Facebook" behandelt wird.

    In Wahrheit wimmelt allerdings die Website der Zeit, und auch anderer Zeitungen, nur so von Links zu Facebook, Twitter und Co.

    Ja, es bewahrheitet sich wieder einmal: Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral......

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ,,, was hier sehr wahrscheinlich ist, klickt:
    Tools, Ad-ons, alle, no-script und ablocklite,
    install, reboot Firefox.....
    .
    Dann klappt es auch mit der Schüffelei von
    Zuckerberg,Google, et all nicht mehr
    .
    Die sollen ihner Geschäfte OHNE meine Daten machen :-)
    .

    Gruss
    Sikasuu

    • hairy
    • 19. Mai 2012 21:56 Uhr

    kann ich auch nur empfehlen: Gibts für jeden guten Brauser, Installation dauert keine Minute!

  2. Das Internet hat sich dank Facebook, Google und Co. In Sachen Privatsphäre zu einem dunklen dubiosen Dungeon entwickelt, in dem es von fiesen Fallen nur so wimmelt.

    Kein Schritt, kein Klick ist mehr sicher, die Überwachung und Verfolgung des Nutzers hat ein Mass erreicht, das die nahezu vollständige Protokollierung und Auswertung aller Online Aktivitäten hinterrücks, heimlich und augenscheinlich nur im Sinne des Nutzers ermöglicht.

    Paranoia? Nein. Denn genau daher kommen die Mllionen der Datendiebe, der Nutzer ist nicht Kunde sondern Produkt.
    Ungefährlich wegen der Masse der Daten? Nein. Denn man kann die Daten jedes Einzelnen im Detail auswerten.

    Viel Spass beim nächsten Bewerbungsgespräch, beim nächsten Antrag auf eine Versicherung und beim nächsten Aufenthalt in den USA.

    So gesehen hat die Informationspanne beim Börsengang etwas Witziges, ausgerechnet das Unternehmen, das vollständige Transparenz zum Mass aller Dinge erheben will stolpert über die Intransparenz der Unternehmenskaufanträge. Da hätte man die Börse doch besser überwachen müssen.......

  3. Gerade wegen mangelndem bis nicht vorhandenem Datenschutz und Verletzung der Privatsphäre.

    Nun ist es jedem selbst überlassen, ob er Facebook nutzen will oder nicht, aber die Intransparenz der Geschäftsprktiken, dieses Datensammlers und -verwerters macht es unmöglich sich entsprechend zu informieren, um dies in die Entscheidung einfließen zu lassen, ob ich es nutzen will oder nicht.

    Für mich ein klares Argument, Facebook nicht zu nutzen.

    MfG
    AoM

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Tom S.
    • 19. Mai 2012 12:36 Uhr

    Die Wahl hat man leider nur bedingt, da fast alle Webseiten meinen Sie müssten den "Like it"-Button (und genauso den Google+1 Button oder Google-Analytics) auf ihrer Webseite einbinden. Anhand der IP-Adresse kann FB (als auch Google) auch die Nutzer durch das Internet "verfolgen", die sich nie dort angemeldet haben. Über die Zusicherungen, dass man dies natürlich nie tun würden, können nicht mal die Hühner lachen.

    Dagegen helfen (jedoch nur teilweise) Plugins im Browser wie z.B. Ghostery für den Firefox.

    Technische gesehen wird für den "Like it"-Button ein Javaskript von der FB-Seite eingebunden, das beliebigen Code ausführen kann. Selbst wenn sich der Betreiber die Mühe machen sollte, dieses Skript beim Einbau zu überprüfen, könnte FB jederzeit beliebige Änderungen daran vornehmen. Die meisten Webmaster werden wohl einfach nur das Skript einbinden, Hauptsache es funktioniert.

    Man stelle sich nur mal vor, jemand hackt den Facebook-Server und modifiziert das "Like it"-Skript um einen Virus zu verbreiten. Unzählige Webseiten wären umgehend betroffen - die Folgen wären fatal...

    Genauso könnte man dies als Cyber-Waffe einsetzten, indem man nur Rechner in einem bestimmten IP-Bereich (Land) infiziert.

    Für mich ist es vollkommen unverständlich, wie Webseiten-Betreiber derart unverantwortlich mit ihren Besuchern umgehen. Auf allen von mir erstellen Seiten werden ausschließlich eigene Skripte vom selben Server eingebunden.

    Darüber sollten sich Politiker mal Gedanken machen...

  4. Wer mit persönlichen Daten und Netzwerken so unseriös Erfolg hat, muss zur Rechenschaft gezogen werden.

    Auch Datenliberalismus muss seine Grenzen haben!

  5. ,,, was hier sehr wahrscheinlich ist, klickt:
    Tools, Ad-ons, alle, no-script und ablocklite,
    install, reboot Firefox.....
    .
    Dann klappt es auch mit der Schüffelei von
    Zuckerberg,Google, et all nicht mehr
    .
    Die sollen ihner Geschäfte OHNE meine Daten machen :-)
    .

    Gruss
    Sikasuu

    Antwort auf "Facebook..."
  6. muss auch damit rechnen, dass seine Privatsphäre eingeschrenkt wird. Das erinnert mich an diesen Fall, wegen dem jetzt auf Kaffeebechern immer "Heiß" oder "Hot!" steht. Wenn man sich nicht vernümpftig informiert ist man meines erachtens selbst Schuld. Man muss den Bedingungen von Facebook nicht zustimmen, es klingt vielleicht verrückt (Ironie) aber man kann auch ohne Facebook sehr gut (über-)leben

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Gnervt
    • 19. Mai 2012 13:14 Uhr

    theoretisch gebe ich ihnen da recht. in deutschland wird sowetwas teilweise wirklich so begründet. meines erachtens eine unverschämtheit. in den usa kommt das dann wohl mit großer warscheinlichkeit auf die wahl des anwalts und die öffentlichkeitswirksamkeit an... ich bin gespannt :D

    • TDU
    • 19. Mai 2012 13:14 Uhr

    Shcon richtig.es geht aber darum, ob die Pivatsphäre rectmässig oder unrechtmässig eingeschränkt wurde. "Blancoschecks" gibts sicher nicht.

  7. wegen Mißachtung der Privatsphäre. Lächerlich.

    Jeder der bei Facebook Mitglied wird weiß, daß der Sinn von Facebook eben daran liegt, daß seine Mitglieder auf Privatspäre verichten!

    Dagegen zu klagen ist genau so verlogen wie sich ein Haus in der Einflugschneise eines Großflughafens zu kaufen, um anschließend gegen Fluglärm zu klagen.

    Für die Privatsphäre hilft nur: Kein Facebook, kein Twitter, kein Google. Und die Benutzung von Ghostery

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Kläger beklagen sich nicht darüber, dass Facebook die Daten nutzt, die sie selbst auf Facebook gespeichert haben. Es geht den Klägern auch nicht darum, dass Facebook das Nutzerverhalten der einzelnen auf der Facebook-Website analysiert. Es geht in der Klage darum, dass Facebook seine Nutzer auch dann ausspioniert, wenn sich diese auf facebook ausgeloggt haben!

    Steht auch so im Artikel: «Die Kläger werfen Facebook vor, unrechtmäßig Aktivitäten von Nutzern im Internet beobachtet zu haben, "sogar nachdem sie sich aus dem Netzwerk ausgeloggt hatten".»

    "daß seine Mitglieder auf Privatspäre verichten!"

    da hat sich wohl der Fehlerteufel eingeschlichen,
    das heißt natürlich verrichten.

  8. Eine Plattform, die ausschließlich dazu da ist, persönliche Daten zu speichern und zu veröffentlichen wird deshalb verklagt?
    Was kommt als nächstes, eine Klage gegen Google, dass es die eigene Webseite durchsucht?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es ist ein Unterschied, ob ich als Bank das Geld meiner Kunden verwahre oder ob damit spekuliert wird. So ist es auch ein Unterschied, ob ich Benutzern eine Plattform der Vernetzung ihrer Daten mit von ihnen ausgesuchten Datenempfängern biete oder diese benutze, um damit zu spekulieren.

    Die Diskussion um Besitz (Facebook) und Eigentum (Facebooknutzer) von Daten und deren Hoheiten, Handeln mit und ohne Auftrag und Gefahrenübergängen kann meiner Meinung nach nur durch internationales Recht geregelt werden. Dies allerdings braucht noch ein paar Jahre, aber dass es kommen wird, scheint mir ein Fakt zu sein.
    Internet ohne Verbraucherschutz und mit schwammigen adhoc Regulierungen oder Lobbyisten Entwürfe können und dürfen die Rechtssicherheit des international zugänglichen Internets nicht gefährden. Nicht jeder Jurist ist korrupt oder konservativ verblendet, das weiß ich und hoffe auf diese.

    C

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters
  • Schlagworte Morgan Stanley | Aktie | Bank | Börsengang | Dollar | Facebook
Service