Sharing is caring lautet ein Grundsatz des sozialen Netzes. Wer etwas teilt, der sorgt für die Seinen. Facebook hat diesen Grundsatz automatisiert, indem es Nutzer bestimmter Apps seit dem vergangenen Jahr dazu zwingt, allen mitzuteilen, was sie gerade lesen , hören oder sehen. Mittlerweile gibt es allerdings Anzeichen, dass viele Nutzer diesen Zwang nicht mögen – und dass er auch für Inhalteanbieter nicht unbedingt gut ist. 

Das Ganze basiert auf einer Technik namens Open Graph , die Facebook 2011 vorgestellt hat. Die Idee: Jede Interaktion eines Nutzers mit einer Facebook-App kann zur Information werden, die anderen Mitgliedern präsentiert wird – und sie zu eben dieser Interaktion anregen soll.

Bis dahin gab es nur aktive Funktionen zum Teilen, den Gefällt-mir-Knopf (Like) und den Teilen-Knopf (Share). Das Open-Graph-Protokoll teilt hingegen automatisch. Ein Nutzer hört via Facebook-App einen Song, das Protokoll registriert das und sendet die Information an Facebook. Bestimmte Apps können die Information nutzen und via Facebook anderen die Tatsache präsentieren, dass Nutzer X den Song Y hört dessen Freunden. Wobei Facebook entscheidet, welche Interaktion es weiterleitet und wo es diese indirekte Werbung präsentiert.

Bislang haben nur einige Unternehmen Zuckerbergs Angebot umgesetzt und eigene Facebook-Apps mit der neuen Funktion social reader gebaut. Die ersten waren die amerikanische Zeitung Washington Post und der britische Guardian . Was zunächst wie die Zukunft des Teilens aussah, relativiert sich mittlerweile.

Millionen weniger Klicks

Denn anfangs verzeichneten diese Seiten enorme Zugriffszahlen über den social reader . Doch die Zugriffszahlen brechen derzeit dramatisch ein, berichtet das Technikblog Buzzfeed . Gerade Washington Post und Guardian haben demnach inzwischen sehr viel weniger Zugriffe.

Buzzfeed bezieht sich auf das Trafficbeobachtungsportal AppData. Das weist tatsächlich einen Einbruch aus. Beim Guardian ist demnach die Zahl der täglich aktiven Sozial-Leser auf Facebook von fast 600.000 im April auf weniger als 100.000 im Mai gesunken. Die Nutzerzahl der Washington Post sank im gleichen Zeitraum von 4,1 Millionen täglicher Nutzer auf 240.000 .

Ähnliches lässt sich bei Spotify beobachten. Auch der Musikanbieter teilt mithilfe des Open-Graph-Protokolls die Information, welchen Song jemand gerade angehört hat. Die Zahl der Zugriffe bei Spotify sank von 7,1 Millionen auf immerhin 4,9 Millionen .

Der Autor bei Buzzfeed glaubt, diese Apps hätten die Nutzer abgeschreckt, sie fühlten sich von dieser unsichtbaren und erzwungenen Teilen-Funktion abgestoßen, weil sie so unpersönlich sei.