Google vertreibt Software nicht, Google verschenkt sie – in der Hoffnung, so für sein eigentliches Geschäft, nämlich Daten für Werbung, eine technische Basis zu schaffen. Und manchmal hilft der Konzern etwas nach, damit sich seine Software stärker verbreitet. Beispielsweise bei Chrome OS. Bislang gab es erst zwei sogenannte Chromebooks: Laptops mit dem Betriebssystem, das auf dem Chrome-Browser basiert. Aber Google beweist Ausdauer und verstärkt seine Bemühungen, das System in den Markt zu bekommen. Denn Google glaubt, dass die Zeit für das Cloud-basierte System kommen wird, früher oder später.

Am Dienstag stellte das Unternehmen die Chromebox vor, außerdem ein neues Chromebook sowie ein aktualisiertes Chrome OS – also einen stationären Rechner, ein Laptop und ein Betriebssystem, das sowohl auf den neuen Geräten als auch auf künftigen Google-Tablets laufen soll.

Hersteller der Hardware ist Samsung . Das neue Chromebook heißt Series 5 550 , soll fast dreimal so schnell sein wie die Chromebooks der ersten Generation und in nur sieben Sekunden hochfahren. Eine Akkuladung soll für mindestens sechs Stunden Betrieb reichen, ein großes Multitouch-Trackpad die Bedienung erleichtern. Mit 449 US-Dollar ist das Chromebook recht günstig.

Die Chromebox erinnert äußerlich an einen Mac mini von Apple, verfügt über zwei Bildschirm- und sechs USB-Anschlüsse, vier Gigabyte Arbeitsspeicher und hat laut Amazon eine 16 Gigabyte kleine Festplatte. Genaue Angaben machen Google und Samsung dazu nicht. Die Chromebox kostet 329 Dollar und ist zunächst – wie das neue Chromebook – nur in den USA sowie in Großbritannien erhältlich. Andere Länder sollen aber bald folgen.

Auch das Betriebssystem Chrome OS wurde überarbeitet. Bislang zeigte es nach dem Start wenig mehr als einen Browser, weil es vor allem auf netzbasierte Anwendungen ausgerichtet ist. Offensichtlich kam das nicht so gut an. Denn nun bekommt es erstmals eine "Aura" genannte Desktop-Oberfläche und damit die Fähigkeit, mehrere Anwendungen in kleinen Fenstern nebeneinander laufen zu lassen. Bisher liefen alle Programme nur im Vollbild, so wie auf einem Smartphone-Display.

Neu ist auch eine Chrome Remote Desktop genannte Funktion. Mit ihr ist der Zugriff aus der Ferne auf private oder Büro-Computer möglich, wenn diese eingeschaltet und online sind. Außerdem sind ein überarbeiteter Mediaplayer und eine Bildbearbeitungssoftware enthalten. Die Anbindung des Systems an den Cloud-Speicherdienst Google Drive dürfte ebenso nahtlos sein wie an andere Google-Dienste wie Picasa, Gmail oder Google+. Weitere Programme auch von Drittanbietern landen als Apps aus Googles Chrome Web Store auf dem Rechner.

Natürlich muss dem Käufer eines Chrome-OS-Geräts klar sein, dass er Google Unmengen an persönlichen Daten zur Verfügung stellt: welche Websites er besucht, welche Apps er benutzt, welche Songs und Videos er streamt, was für Bilder und Texte er in der Cloud speichert. Dafür bekommt er nach Angaben von Google ein ausgesprochen schnelles und sicheres Gerät. Sicher, weil Google verspricht, sich mit zentral verteilten, automatischen Updates um den Schutz vor schädlicher Software zu kümmern.