GoogleMicrosoft jagt Filesharer am hartnäckigsten

Regelmäßig veröffentlicht Google, wer Seiten aus dem Suchindex gelöscht sehen will. Zum ersten Mal sind nun auch Konzerne in dieser Liste aufgeführt, nicht nur Staaten. von 

Lösch-Statistik von Google

Lösch-Statistik von Google  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

Bislang hat Google in seinem regelmäßigen Transparenzbericht nur Staaten aufgelistet, die Daten über Nutzer forderten oder Seiten aus dem Suchindex entfernt sehen wollten. Seit Donnerstag aber werden zum ersten Mal auch die Löschanfragen veröffentlicht, die aus der Wirtschaft kommen. Und das sind sehr viele.

Allein im vergangenen Monat forderten Anwälte, Organisationen und Unternehmen von Google , 1,2 Millionen URLs aus dem Suchindex zu entfernen, ungefähr 200.000 bis 300.000 pro Tag, Tendenz steigend. Die Anfragen betrafen laut Google im April insgesamt 24.000 Domains.

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Ursache dieser Löschanträge ist das Urheberrecht. In erster Linie sind es Kopien von Filmen und Musikstücken, auf die Google nicht mehr verweisen soll. Dementsprechend stammen die meisten Löschanträge von Musikverbänden wie der amerikanischen RIAA und dem britischen BPI .

Angeführt wird die Statistik allerdings von Microsoft . Der Konzern geht offensichtlich mit großem Aufwand dagegen vor, dass illegal kopierte Software über Filesharingseiten und Blogs verteilt wird.

Gelistet ist in nun auch, wer für Kunden wie eben Microsoft die meisten Löschanträge einreicht (das Unternehmen Marketly LLC) und welche Seiten am häufigsten betroffen sind (filestube.com) . Piratebay kommt erst auf Platz 15.

Digital Millennium Copyright Act

Die Löschanträge zielen nicht darauf, eine bestimmte Website abzuschalten oder einen konkreten Inhalt aus dem Netz zu entfernen. Sie betreffen lediglich die Verlinkung durch Google. Löscht der Konzern einen Link aus seinem Suchindex, kann die Seite dahinter nicht mehr über die Suche gefunden werden – erreichbar ist sie damit aber noch immer, wenn ein Nutzer den Link kennt oder andere Suchmaschinen verwendet.

Rechtliche Grundlage ist der Digital Millennium Copyright Act. Das amerikanische Gesetz bestimmt, dass Google sich der Urheberrechtsverletzung schuldig macht, wenn es einer solchen Löschforderung nicht nachkommt.

Nach Angaben des Konzerns führen 97 Prozent der Anträge zu einer Löschung des Links aus dem Index. Die Technikzeitschrift Wired zitiert Fred von Lohmann , Googles Urheberrechtsanwalt, mit den Worten, die übrigen drei Prozent der Anträge seien entweder unvollständig, die Seite existiere gar nicht mehr, oder Google habe entschieden, dass der Antrag unbegründet sei.

Leserkommentare
  1. da wird eine Marktlücke geschaffen.
    Die Suchmaschine Google findet nicht mehr alles.

  2. Mit dem Geld, das dieser Aufwand Jahr für Jahr kostet, liessen sich bestimmt eine Menge künstlerische Existenzen sichern.
    .

    • cvnde
    • 25. Mai 2012 16:06 Uhr

    sich MS gerade selbst bekämpft.
    Die "Marktbeherrschung" der MS-Produkt kommt doch daher, dass jeder sie sich irgendwoher "besorgt" hat.

    Obwohl für einfache private Dinge andere Programme völlig ausreichend waren und sind.

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    • Nibbla
    • 25. Mai 2012 20:03 Uhr

    ... warum man als Student Windows in allen Versionen (bei vielen Unis) offiziell umsonst kriegt.
    Verbreitung ist alles.
    Kein Student würde sich eine normale Lizenz kaufen (ausser bei komplett Pcs/Laptops

  3. In Deutschland ist dieser sinnlose Mist zumindest nicht möglich.
    Als wenn irgendeiner nicht in der Lage ist Kinox.to direkt abzurufen.
    Aber sinnloses Geldausgeben hat ja Hochkonjunktur bei den Rechteinhabern. grins

    • deDude
    • 25. Mai 2012 16:33 Uhr

    ... was die Webcrawler im Netz finden? Wird demnächst die Deutsche Telekom verklagt und muss ihre Telefonbücher zensieren weil da auch Verbrecher drinstehen?

    Solange Google den Diebstahl geistigen Eigentums (ich nenne das bewusst nicht "RAUBKOPIEREN", denn dieser Begriff ist irreführend und demagogisch) nicht unterstützt und davon gehe ich aus kann der Konzern nicht für alles was er im Netz findet den Kopf hinhalten.

    Wer überprüft denn überhaupt ob die Seiten wirklich einer Löschung "würdig" sind oder ob es sich möglicherweise um falsch identifiziertes Material handelt? Wo hört geistiges Eigentum auf und wo fängt "Fair-Use" an?

    Ich halte das alles für sehr fragwürdig... Das Internet gehört nicht den Konzernen, für wen halten Sie sich Löschungen von Material zu veranlassen, das möglicherweise überhaupt nicht ihnen gehört.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Oyamat
    • 25. Mai 2012 17:42 Uhr

    deDude am 25.05.2012 um 16.33 Uhr: "Wird demnächst die Deutsche Telekom verklagt und muss ihre Telefonbücher zensieren weil da auch Verbrecher drinstehen?"
    Nein - da ist eine falsche Endung an dem einen Wort. Die Telekom würde zensieren, wenn (!) in ihren Telefonbüchern Verbrechen stehen würden. Wie auch immer das aussehen sollte, rechtsextreme Parolen vielleicht oder dumme Beleidigungen gegenüber allen Trägern eines Nachnamens. Und es wäre auch gut und richtig, so etwas zuerst einmal aus der Druckvorlage zu löschen, bevor man die Telefonbücher dann drucken läßt.

    Etwas genauer hinschauen muß man in dieser Debatte schon, sonst kommt man einfach nicht weit. Google soll überhaupt nicht "für alles was er im Netz findet den Kopf hinhalten". Was gefordert ist, ist eine Kontrolle, ob etwas Gefundenes auch aller Welt präsentiert werden soll. Damit eignet sich Google wie jede andere Suchmaschine Inhalte nicht an, was "möglicherweise überhaupt nicht ihnen gehört" - die Seiten bleiben völlig unberührt. Es gibt nur eben kein Suchergebnis, das dorthin verweist. Und Google ist weder eine Behörde, die "von Amts wegen" zu irgendeiner Gleichbehandlung gezwungen werden könnte, noch der "official world wide web index, with guarantee of completeness". Google hat immer noch selbst in der Hand, worauf die Suchergebnisse verweisen sollen. Kann man so oder so finden, es *ist* jetzt eben so.

    MGv Oyamat

  4. macht mehr als 1,2 Mio im Monat

    • Oyamat
    • 25. Mai 2012 17:42 Uhr

    deDude am 25.05.2012 um 16.33 Uhr: "Wird demnächst die Deutsche Telekom verklagt und muss ihre Telefonbücher zensieren weil da auch Verbrecher drinstehen?"
    Nein - da ist eine falsche Endung an dem einen Wort. Die Telekom würde zensieren, wenn (!) in ihren Telefonbüchern Verbrechen stehen würden. Wie auch immer das aussehen sollte, rechtsextreme Parolen vielleicht oder dumme Beleidigungen gegenüber allen Trägern eines Nachnamens. Und es wäre auch gut und richtig, so etwas zuerst einmal aus der Druckvorlage zu löschen, bevor man die Telefonbücher dann drucken läßt.

    Etwas genauer hinschauen muß man in dieser Debatte schon, sonst kommt man einfach nicht weit. Google soll überhaupt nicht "für alles was er im Netz findet den Kopf hinhalten". Was gefordert ist, ist eine Kontrolle, ob etwas Gefundenes auch aller Welt präsentiert werden soll. Damit eignet sich Google wie jede andere Suchmaschine Inhalte nicht an, was "möglicherweise überhaupt nicht ihnen gehört" - die Seiten bleiben völlig unberührt. Es gibt nur eben kein Suchergebnis, das dorthin verweist. Und Google ist weder eine Behörde, die "von Amts wegen" zu irgendeiner Gleichbehandlung gezwungen werden könnte, noch der "official world wide web index, with guarantee of completeness". Google hat immer noch selbst in der Hand, worauf die Suchergebnisse verweisen sollen. Kann man so oder so finden, es *ist* jetzt eben so.

    MGv Oyamat

    Antwort auf "Was geht Google an..."
    • xelo
    • 25. Mai 2012 18:21 Uhr

    Denn
    -- erstens weiß jeder Filesharer schon vorher, wo er hingehen kann, ohne dafür Googles Suchmaschine benutzen zu müssen, weil er die URL (die Adresse) dorthin auswendig kennt oder garnicht braucht, weil sein Client ihn dorthin automatisch verbindet
    -- und Zweitens weil es außer Google noch dutzende andere Suchmaschinen gibt, die man ebenso befragen kann

    Kurios hier bei ist:
    Hätte es die Filesharer (über Mailboxen/BBS) damals in den frühen 90ern nicht gegeben, hätte Windows niemals diesen Bekanntheitsgrad erlangt, von dem MS noch heute immens profitiert, weil dadurch eine erhebliche Verbreitung und dadurch als Konsequenz Marktanteile erlangt wurden, die bis heute fortbestehen.
    Damit will ich nicht sagen, dass die Filesharer von MS einen Orden bekommen sollten. Es soll nur auf diese Kuriosität hingewiesen werden.

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