Insider-BuchDie Karriere des Google-Mitarbeiters Nummer 59

Verbitterte Abrechnung? Ein bisschen. Vor allem aber verleiht der erste Insider-Bericht Googles atemlosem Aufstieg zum Konzern ein menschliches Gesicht.

Archivaufnahme von Mountain View, dem Hauptsitz Googles, aus dem Jahr 2005 - dem Jahr, in dem der Autor den Konzern verließ.

Archivaufnahme von Mountain View, dem Hauptsitz Googles, aus dem Jahr 2005 - dem Jahr, in dem der Autor den Konzern verließ.

Douglas Edwards war von 1999 bis 2005 Marken-Manager bei Google. Als er dort anheuerte, war die Firma noch längst kein Konzern, sondern nur eines von vielen Startups in Kalifornien. Jetzt, sieben Jahre nach seinem Ausstieg, hat er über sein Leben als Googler ein 464 Seiten dickes Buch geschrieben: "Google-Mitarbeiter Nr. 59: Der erste Insider-Bericht aus dem Weltkonzern".

Im Original lautet der Titel in Anspielung auf den gleichnamigen Suchknopf unter dem Such-Eingabefeld "I’m Feeling Lucky" – "Ich versuch's einfach mal". Doch wer einen gedrillten Lobgesang befürchtet, kann beruhigt sein. Zwar dankt der Autor unter anderem Googles PR-Abteilung und dürfte sich als Marketingexperte der Öffentlichkeitswirkung seiner Ausführungen bewusst sein. Aber dem Leser begegnet ein verwundertes, eher schluffiges literarisches Ich, das seine intensiven Erfahrungen niederschreibt, um sie zu verarbeiten.

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Das Ergebnis ist eine Zeitreise, eine ungekünstelte Augenzeugenschaft mit Betrachtungen aus dem Wohnzimmer eines werdenden Riesen.

Google-Mitarbeiter Nr. 59. Der erste Insider-Bericht aus dem Weltkonzern

Google-Mitarbeiter Nr. 59. Der erste Insider-Bericht aus dem Weltkonzern

Als Gast im Kopf des Protagonisten beginnt die Geschichte mitten in der Dotcom-Blase. Der Ich-Erzähler ist 41, studierter Anglist, Vater und Ehemann. Er arbeitet in der Marketingabteilung eines großen Verlages in Silicon Valley und möchte sich angesteckt vom Dotcom-Fieber beruflich neu orientieren. Abgeklärt, selbstironisch und vor allem irgendwie tapfer meint er zu wissen, wie das in Unternehmen und in der Welt so läuft: Man fügt sich, trifft auf dem Dienstweg Entscheidungen, die wegen allgemeiner Unternehmensträgheit versanden, und bei Gelegenheit kann etwas Schleimerei auf dem Weg nach oben nicht schaden. Und dann kam Google. Damals noch: Google wer?

Überwiegend chronologisch folgt der Ich-Erzähler seinem Weg durch das Unternehmen. Er begleitet es vom chaotischen 50-Mann-Startup über die ersten Wachstumsschmerzen bis hin zu einem 1.000-Mitarbeiter-Unternehmen. Immer dabei sind die beiden willensstarken, unkonventionellen und leidenschaftlichen Techniker Larry Page und Sergey Brin, die Google gründeten und noch immer leiten. Die Nummer 59 bezieht sich darauf, dass der Autor der 59. eingestellte Mitarbeiter war.

Wir sehen Google beim ersten Aprilscherz im Jahr 2000 zu ("Mentalplex"), beobachten das ganz normale Kommunikations-Hickhack, das zwischen Menschen unterschiedlichen Kalibers entsteht, verfolgen die Geburten von Adwords, Adsense und Gmail und erleben, wie im Jahr 2003 die erste betriebsinterne Datenschutzdiskussion aufbrandet.

Dazu kommen viele Anekdoten. Beispielsweise die von der Partnerschaft mit Netscape 1999. Nachdem Google als Standardsuche in dem Browser installiert war, wuchs der Zugriff auf die Suchseite so enorm, dass sie abgeschaltet werden musste.

Wortgewandt überliefert der Erzähler die Ereignisse dicht, so als wären sie gestern gewesen und beweist dabei viel Sinn für Situationskomik. Nur manchmal gerät sein Erzählfluss etwas ungelenk, was der Tatsache geschuldet sein mag, dass er gleichzeitig abgelaufene Ereignisse nun linear in seine Struktur einbauen musste.

Während wir die lange Reihe von Erfolgen beobachten können, endet die eigene Geschichte von Google-Mitarbeiter Nummer 59 eher unrühmlich: In dem immer größer werdenden Unternehmen kegelt ihn ein wachsendes Heer von Produkten und ihren neuen Produktmarketingmanagern aus dem Geschäft. Nicht ohne ihm und anderen zuvor Albträume, Magenschmerzen, Dauerbelastung zu verschaffen.

Er war, so schreibt er, derjenige, der für die Marke Google praktisch seit ihrer Geburt Sorge trug. Doch schließlich verlässt er sie, gleichzeitig erleichtert, traurig und verblüfft über seine eigene Weiterentwicklung vom konventionellen Marketer zum chaoserprobten Unerschrockenen, der erst nicht recht in die Gänge kam und dann überholt wurde: "Ich hatte als Typ aus einem Großunternehmen in einem kleinen Startup angefangen. Jetzt verließ ich dieses große Unternehmen als kleiner Startup-Typ."

Edwards Ironie wirkt dabei die ganze Zeit einerseits wie eine Überlebenstaktik, andererseits aber auch wie ein Liebesbeweis. Am Ende würgt Melancholie der vorangegangenen Atemlosigkeit geradezu die Luft ab. Zurück bleibt ein empfehlenswerter Reisebericht aus dem Google-Universum, geschrieben aus einer für ein Überflieger-Unternehmen sehr menschlichen Perspektive.

 
Leserkommentare
    • gmenko
    • 09.05.2012 um 10:59 Uhr

    Liebe Zeit, "I'm feeling lucky" heißt nicht "Ich bin zufrieden", sondern "Auf gut Glück".
    Dabei bietet Google doch so ein schönes Übersetzungstool....

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    Hallo gmenko,
    war mir auch aufgefallen. [...]
    Ich würde sowas übrigens niemals korrigieren. Das wäre mir zu philanthropisch ... und das finde ich bei der ZEIT unangebracht

    Gekürzt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik in einem respektvollen Umgangston. Wir gehen dann gerne darauf ein. Die Redaktion/sh

    Hallo gmenko,
    war mir auch aufgefallen. [...]
    Ich würde sowas übrigens niemals korrigieren. Das wäre mir zu philanthropisch ... und das finde ich bei der ZEIT unangebracht

    Gekürzt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik in einem respektvollen Umgangston. Wir gehen dann gerne darauf ein. Die Redaktion/sh

  1. Hallo gmenko,
    war mir auch aufgefallen. [...]
    Ich würde sowas übrigens niemals korrigieren. Das wäre mir zu philanthropisch ... und das finde ich bei der ZEIT unangebracht

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    Antwort auf "I'm feeling lucky"
  2. Redaktion
    3. Lucky

    Das war keine Zeit-Redakteurin, sondern der Zeit-Online-Redakteur Kai Biermann und der hat den Ausdruck inzwischen im Text geändert. Danke für die Anmerkungen.

    Den Zynismus hätt's nicht gebraucht, wir korrigieren unsere Fehler gern. Das macht nämlich die Texte besser ;)

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    5 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte kehren Sie zu einer sachbezogenen Diskussion zurück. Danke, die Redaktion/lv

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    Entfernt. Bitte bedenken Sie, dass der Kommentarbereich der Diskussion des Artikelthemas vorbehalten ist. Anmerkungen und Fragen zu Moderationsentscheidungen können Sie an community@zeit.de senden. Danke. Die Redaktion/ag

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  4. Danke für den Artikel, das Buch werde ich mir bestellen.

    Schade, dass die Besserwisser-Fraktion nur immer das Haar in der Suppe sucht, anstatt einen Kommentar zum eigentlichen Inhalt des Artikels abzugeben.

    3 Leserempfehlungen
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    Ja, ja, die lieben oberschlauen Foristen auf ZEIT-Online. Erinnert mich irgendwie an meine Schulzeit, wo die unbeliebtesten Mitschüler die größten Petzen waren. Zum eigentlichen Thema nichts zu sagen, aber jemanden öffentlich vorzuführen, da scheinen einige echt spitze zu sein.

    Das Übersetzungstool von Google-Plus als "schönes Übersetzungstool" zu bezeichnen, ist schon sehr gewagt. Es hilft mir bestenfalls oberflächlich, einige Begriffe zu übersetzen. Bei ganzen Sätzen wird es allerdings schnell schwammig. Ich bin kein Anglizist, habe Englisch nicht studiert, bin aber der Sprache halbwegs mächtig. "I´m feeling lucky" mit "Auf gut Glück" zu übersetzen, ist allenfalls dem Zusammenhang (hier Goolge) geschuldet. Ich würde es in einem anderen Zusammenhang anders verwenden.

    Merke: Google ist nicht immer Gesetz!

    Ja, ja, die lieben oberschlauen Foristen auf ZEIT-Online. Erinnert mich irgendwie an meine Schulzeit, wo die unbeliebtesten Mitschüler die größten Petzen waren. Zum eigentlichen Thema nichts zu sagen, aber jemanden öffentlich vorzuführen, da scheinen einige echt spitze zu sein.

    Das Übersetzungstool von Google-Plus als "schönes Übersetzungstool" zu bezeichnen, ist schon sehr gewagt. Es hilft mir bestenfalls oberflächlich, einige Begriffe zu übersetzen. Bei ganzen Sätzen wird es allerdings schnell schwammig. Ich bin kein Anglizist, habe Englisch nicht studiert, bin aber der Sprache halbwegs mächtig. "I´m feeling lucky" mit "Auf gut Glück" zu übersetzen, ist allenfalls dem Zusammenhang (hier Goolge) geschuldet. Ich würde es in einem anderen Zusammenhang anders verwenden.

    Merke: Google ist nicht immer Gesetz!

  5. 6. [...]

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    Antwort auf "Zynismus?"
  6. Ja, ja, die lieben oberschlauen Foristen auf ZEIT-Online. Erinnert mich irgendwie an meine Schulzeit, wo die unbeliebtesten Mitschüler die größten Petzen waren. Zum eigentlichen Thema nichts zu sagen, aber jemanden öffentlich vorzuführen, da scheinen einige echt spitze zu sein.

    Das Übersetzungstool von Google-Plus als "schönes Übersetzungstool" zu bezeichnen, ist schon sehr gewagt. Es hilft mir bestenfalls oberflächlich, einige Begriffe zu übersetzen. Bei ganzen Sätzen wird es allerdings schnell schwammig. Ich bin kein Anglizist, habe Englisch nicht studiert, bin aber der Sprache halbwegs mächtig. "I´m feeling lucky" mit "Auf gut Glück" zu übersetzen, ist allenfalls dem Zusammenhang (hier Goolge) geschuldet. Ich würde es in einem anderen Zusammenhang anders verwenden.

    Merke: Google ist nicht immer Gesetz!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Macht Lust aufs Lesen"
  7. Mir geht der Oberlehrerton, mit dem die Zeit-Redaktion die Leserbeiträge abkanzelt, auf den Wecker. Die Artikel der Online-Ausgabe der ZEIT werden zunehmend schlampiger und oberflächlicher. Von dem mangelnden sozialpolitischen Engagement der Mehrheit der Redakteure ganz zu schweigen. Die Leser leisten unentgeltlich Mitarbeit. Wir sind ein ökonomischer Faktor. Also in diesem Sinne: Fuck off (englischer Vulgärausdruck) = Glück auf (potentielle ZEIT-Übersetzung)!

    4 Leserempfehlungen
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    • Hagmar
    • 09.05.2012 um 15:24 Uhr

    Aus irgendeinem Grund lese ich lieber Zeit-online als Spiegel, Süddeutsche etc. Hat vielleicht doch mit Qualität zu tun... Schade bis zum Fremdschämen finde ich den Ton sehr vieler Kommentatoren. Von manchen Inhalten ganz zu schweigen.
    Die Buchbesprechung von Google's 59stem Mitarbeiter fand ich interessant. Meine Erfahrung ist, dass Zeit-online berechtigte Sprachkritik aufnimmt. Vielleicht kann man in der Schnelligkeit, die heute gefordert ist, auch den gelegentlichen Lapsus akzeptieren. Sprache und Tippfehler vieler Kommentatoren macht auch eher Bauchweh.

    • Hagmar
    • 09.05.2012 um 15:24 Uhr

    Aus irgendeinem Grund lese ich lieber Zeit-online als Spiegel, Süddeutsche etc. Hat vielleicht doch mit Qualität zu tun... Schade bis zum Fremdschämen finde ich den Ton sehr vieler Kommentatoren. Von manchen Inhalten ganz zu schweigen.
    Die Buchbesprechung von Google's 59stem Mitarbeiter fand ich interessant. Meine Erfahrung ist, dass Zeit-online berechtigte Sprachkritik aufnimmt. Vielleicht kann man in der Schnelligkeit, die heute gefordert ist, auch den gelegentlichen Lapsus akzeptieren. Sprache und Tippfehler vieler Kommentatoren macht auch eher Bauchweh.

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