MicrosoftStraßenansicht Streetside ist offline

Microsoft hat seinen Straßenbilderdienst Streetside in Deutschland abgeschaltet. Grund sei der Datenschutz. Man prüfe Fälle, bei denen das Verpixeln nicht funktionierte. von dpa

In der englischen Version der Bing-Karten ist der Dienst Streetside noch erreichbar – hier London.

In der englischen Version der Bing-Karten ist der Dienst Streetside noch erreichbar – hier London.  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

Microsofts Straßenatlas Bing Streetside ist in Deutschland derzeit nicht verfügbar. Das Unternehmen erklärte, eine begrenzte Anzahl von Kunden habe Bedenken geäußert, wie Microsoft mit den Verpixelungs-Anfragen umgehe. "Da wir die Privatsphäre und den Datenschutz unserer Kunden sehr ernst nehmen, haben wir beschlossen, den Beta-Service von Streetside in Deutschland abzuschalten und an einer Lösung zu arbeiten."

Man werde nun abwägen, wie mit dem Dienst weiter verfahren werde, heißt es. Aus der Stellungnahme geht nicht hervor, ob Streetside in Deutschland komplett eingestellt wird oder ob Microsoft sich weiter mit den Beschwerden beschäftigt, um Streetside wieder online zu bringen.

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Erst vor knapp einem halben Jahr hatte Microsoft den Dienst in Deutschland gestartet. Er bot genau wie der Konkurrent Google Street View zunächst Straßenansichten einiger ausgewählter Städte wie München .

Vor drei Tagen dann meldete Carsten Knobloch in seinem Blog Caschys , Streetside sei aus unbekannten Gründen offline. Leser seines Blogs wiesen darauf hin, dass die Straßenansichten wohl schon länger nicht mehr verfügbar sind.

Das Problem scheint auf Deutschland beschränkt zu sein. Surft man in Bing Maps unter der Voreinstellung für die USA , kann man Streetside-Fotos außerhalb von Deutschland, etwa im britischen Liverpool oder wie oben zu sehen London , weiterhin aufrufen. Besucht man jedoch Städte in Deutschland, die bereits für Microsoft fotografiert wurden, erscheint nun die Fehlermeldung " Streetside is not available here " (Streetside ist hier nicht verfügbar).

Weiter zugänglich sind die Luftaufnahmen deutscher Städte, bei Bing Bird's Eye genannt.

Datenschutzbedenken

Eingestellt allerdings scheint das Straßenfoto-Projekt nicht zu sein. Zumindest sind in Deutschland weiter Kameraautos von Microsoft und Navtec unterwegs und sollen laut Zeitplan auch weiter unterwegs sein – als nächstes unter anderem in Cottbus , Dresden oder Bergisch-Gladbach

Microsoft hat damit sehr viel mehr deutsche Städte abgefilmt als der Konkurrent Google. Der Konzern hat sein Produkt namens Street View in Deutschland praktisch gestoppt. Mehr als die bislang 20 veröffentlichten Städte will Google vorerst nicht abfilmen. Streetside hingegen listet mehr als 50 Orte, die schon fotografiert wurden oder es demnächst werden.

Nachtrag 23. Mai: In einer kurzen Mitteilung im firmeneigenen Blog hat Microsoft Datenschutzbedenken als Grund der Schließung angegeben. Der Text lautet: "Einige deutsche Kunden haben uns gegenüber Bedenken hinsichtlich der Art und Weise geäußert, wie mit Blurring-Anfragen auf Bing Streetside umgegangen wird. Da wir Datenschutz und die Privatsphäre unserer Kunden sehr ernst nehmen, haben wir vorsorglich entschieden, den Kartendienst Streetside Beta in Deutschland vom Netz zu nehmen, so lange wir diese Einzelfälle prüfen und an einer für alle Beteiligten zufriedenstellenden Lösung arbeiten."

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Leserkommentare
    • wd
    • 22. Mai 2012 21:31 Uhr
    1. ?????

    Der Autor irrt wahrscheinlich mit folgender Aussage: Microsoft hat damit sehr viel mehr deutsche Städte abgefilmt als der Konkurrent Google.
    Zweimal wurde ich in einer norddeutschen Kleinstadt von Google gefilmt, habe freundlich gewunken und auf die Veröffentlichung gewartet. Leider vergeblich.
    Ich schaue mir gerne vergangene und zukünftige Urlaubsorte in Skandinavien an. Kollegen zeigten mir ihre Unterkunft von außen und die Landschaftsumgebung und ich ihnen meine. Ich sah auch schon Bekannte auf den Photos.
    Was müssen Deutsche verbergen? Ist das Land nicht sehenswert?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • bugme
    • 23. Mai 2012 10:57 Uhr

    ... wenn Google ein Foto von Ihnen zusammen mit Ihrer Affaire veröffentlicht.

    Überhaupt: Sie wollen schon Bekannte entdeckt haben? Die Gesichter werden doch eigentlich verfremdet. Hat die Verfremdung in diesen Fällen versagt? Oder war sie nicht ausreichend um das Erkennen der Person zu verhindern? Falls ja zeigt das ja eher, dass man Google strengere Vorschriften machen muss, da anscheinend Menschen noch identifizierbar bleiben.

  1. Wie Cachy auf Nachfrage bei Microsoft erfuhr, ist der Dienst wohl aus Bedenken über den deutschen Datenschutz bis auf weiteres abgeschaltet worden.

    Das ist ein hervorragende Entwicklung - ich hoffe das weitere Dienste folgen, insbesondre Google-Dienste wie Youtube, bzw. Facebook, Dropbox & Co.; Datenschutz kann gar nicht ernst genug genommen werden. Der Rest der Welt mag das anders sehen, wir in Deutschland sollten konsequent unseren Weg der 'German Angst' gehen.

    Ich find's übrigens gut, das die Quelle von der Nachricht genannt wurde - soweit ich weiß, hat das nur "Zeit online" getan. Was weniger gut ist, bei Microsoft hätte doch auch der Zeit-Redakteur anrufen können, oder?

  2. Was ist gut daran, wenn Deutschland sich vor lauter Angst aus dem Internet abkoppelt? Man kann den Datenschutz auch übertreiben.

    Zum einen ist Streetview sehr praktisch: Ob Wohnungssuche oder Urlaubsplanung, ich will es nicht mehr missen. Ich habe mir schon oft den Gang zum Makler erspart, weil das angepriesene Objekt in Streetview seine Schwächen offenbarte.

    Zum anderen sind diese Dienste durch die panoramafreiheit gedeckt: Jeder darf auf der Straße fotografieren, warum sollen Microsoft und Google es nicht dürfen? Es wird ja nur gezeigt, was eh jeder sehen kann.

    Jetzt ist schon jede Seitenstraße von Elba drin (und kein Deutscher hat sein Wohnmobil verpixeln lassen ;-) ), aber wichtige deutsche Städte fehlen.

  3. Bing Streetside ist in Deutschland bereits seit gut zwei Wochen nicht mehr verfügbar. Ich hatte mich damals noch sehr darüber gewundert, dass es offenbar niemandem aufgefallen ist. Ich fand im Web keinerlei Informationen, nicht mal Diskussionen darüber. Spricht nicht gerade für eine intensive Nutzung des Kartendienstes durch Deutsche.

    Sollte Microsoft wirklich beabsichtigen, den Dienst in Deutschland dauerhaft einzustellen, wäre es schade, aber nachvollziehbar. Irgendwann vergeht einem sicher die Lust, sich mit uns paranoiden Deutschen herumzuärgern.

    • bugme
    • 23. Mai 2012 10:57 Uhr

    ... wenn Google ein Foto von Ihnen zusammen mit Ihrer Affaire veröffentlicht.

    Überhaupt: Sie wollen schon Bekannte entdeckt haben? Die Gesichter werden doch eigentlich verfremdet. Hat die Verfremdung in diesen Fällen versagt? Oder war sie nicht ausreichend um das Erkennen der Person zu verhindern? Falls ja zeigt das ja eher, dass man Google strengere Vorschriften machen muss, da anscheinend Menschen noch identifizierbar bleiben.

    Antwort auf "?????"
  4. "Sie werden weniger begeistert sein, wenn Google ein Foto von Ihnen zusammen mit Ihrer Affaire veröffentlicht."

    (...)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • bugme
    • 23. Mai 2012 13:29 Uhr

    Dass Sie es gut finden, wenn sich ein Konzern (indirekt) als "Wächter für eheliche Treue" (klingt nach Sharia...) betätigt?

  5. "Zumindest sind in Deutschland weiter Kameraautos von Microsoft und Navtec unterwegs und sollen laut Zeitplan auch weiter unterwegs sein – als nächstes unter anderem in Cottbus, Dresden oder Bergisch-Gladbach."

    Wo denn nun? In Cottbus, Dresden oder Bergisch-Gladbach?

  6. "Zumindest sind in Deutschland weiter Kameraautos von Microsoft und Navtec unterwegs und sollen laut Zeitplan auch weiter unterwegs sein – als nächstes unter anderem in Cottbus, Dresden oder Bergisch-Gladbach."

    Wo denn nun? In Cottbus, Dresden oder Bergisch-Gladbach?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Microsoft | Google | Blog | Datenschutz | Privatsphäre | Stadt
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