Besucher hören einer Session der re:publica zu. © Sean Gallup/Getty Images

Lässt sich ein buntes und fast familiäres Bloggertreffen umbauen zu einer ausgewachsenen Internetkonferenz? Diese Frage haben sich vor Beginn der diesjährigen und bereits sechsten re:publica viele Fans der Veranstaltung gestellt.

Wobei, kuschelig war die re:publica das letzte Mal wohl 2009. Damals kamen ungefähr 1.500 Menschen nach Berlin , um über das Netz und seine Möglichkeiten zu reden. Im Jahr darauf waren es schon so viele Besucher, dass die meisten Vorträge und Podiumsdiskussionen an den Veranstaltungsorten Kalkscheune und Friedrichstadt-Palast brechend voll waren.

Vergangenes Jahr war dann offensichtlich, dass es so nicht noch einmal funktionieren würde. Mehr als 3.000 drängten sich in den meist kleinen Räumen und auf den schmalen Treppen. "Der größte Wunsch bei der letzten re:publica war mehr Platz", sagte Johnny Häusler , einer der Mitgründer der Veranstaltung, bei der Eröffnung in diesem Jahr. Mehr Platz gibt es nun.

Aber ist es noch die re:publica? Schließlich hat sich die Konferenz immer als Veranstaltung von Aktivisten für Aktivisten verstanden, bei der es neben aller Politik immer um den Spaß an der Technik ging und um die Freude, Menschen zu treffen, die einem sonst nur im Netz begegnen. Nun, es spricht alles dafür, dass es den Veranstaltern gelungen ist, den alten Geist zu retten.

Und das, obwohl nun 4.000 Besucher da sind, und die Räume in der Station am Gleisdreieck im Vergleich zu früher wie Kathedralen wirken – groß zwar, aber dafür auch unpersönlich und kalt. Die Kalkscheune war ein kleiner Club, der Friedrichstadtpalast ein plüschiges Varietétheater. Die Station ist eine Mehrzweckhalle : unten Estrich, oben Stahlträger. Gesessen wird nicht mehr auf Kaffeehausmöbeln, sondern auf Reihen grauer Konferenzstühle.

Doch ist das wichtig? Offensichtlich nicht. Zu verdanken ist das auch den liebenswerten Pannen. So gehört es schon zur Folklore, dass auf der größten deutschen Netzveranstaltung eigentlich nie das Internet funktioniert. Das haben sie auch in diesem Jahr wieder hinbekommen: Selbstverständlich läuft das WLAN bei so vielen Geräten nicht stabil und fällt immer mal wieder aus.

Dafür brechen zumindest die Mobilfunkverbindungen nicht mehr zusammen. Bislang hatten die Netzbetreiber die Warnung der re:publica-Macher nie ernst genommen, dass ein paar Tausend Nerds jede Funkzelle überlasten würden. In diesem Jahr haben sie dann doch zugehört und die Kapazität der Zellen rund um die Halle vergrößert.