Re:publicaWo sich Netzaktivisten und Firmengründer verpassen

Auf der re:publica wird Berlin zum Internet-Zentrum ausgerufen. Gemeinsame Sache machen die Aktivisten und Start-ups aber nicht: Zu viel Debatte gefährdet das Geschäft.

re:publica-Besucher

re:publica-Besucher

Die sechste re:publica ist gestartet – und sie ist anders, größer vor allem. Die Konferenz für das Web 2.0 und die digitale Kultur erwartet im Vergleich zum Vorjahr noch einmal 1.000 Besucher mehr, 4.000 sollen es insgesamt werden. Die Organisatoren sind deshalb wieder umgezogen – in die Station Berlin, einen alten Postbahnhof in der Nähe der U-Bahnstation Gleisdreieck. Das Thema boomt, und jeder möchte ein Stück davon abbekommen. Daimler ist Sponsor, Hornbach verteilt Frühstückssandwiches und Christoph von Knobelsdorff, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung, erklärt bei der Begrüßung, was der Senat dazu beigetragen hat, dass Berlin "zum Zentrum der Internetwelt" geworden ist.

Das mit dem Zentrum ist natürlich hoch gestapelt, doch ein Stück Wahrheit steckt auch darin. Nicht nur die re:publica hat sich gewandelt. Auch die Internetstadt Berlin, in der die Konferenz stattfindet, ist nicht mehr die gleiche. Inzwischen vergeht in der Hauptstadt kaum mehr ein Abend, an dem nicht irgendeine Stiftung, eine Partei oder ein Unternehmen zu einem "netzpolitischen Abend" lädt. Die Politik hat, halb gezwungen durch die Piraten und ihre Wähler, halb gezwungen durch die nachwachsende Politikergeneration, angefangen, das Thema Netzpolitik ernst zu nehmen.

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Berlin scheint zum Kristallisationspunkt zukünftiger politischer und wirtschaftlicher Netzentwicklungen zu werden. Gerade erst wurde hier der Deutsche Computerspielepreis verliehen, gleich im Anschluss an die re:publica, am 8. und 9. Mai, findet die Next statt, eine Konferenz, auf der Investoren und Leute mit Ideen zusammenkommen, um auszuloten, welches die nächste große Start-up-Idee wird. In der Hauptstadt sind Netzpolitik und Internetwirtschaft eng zusammengerückt, zumindest räumlich. Und sie mischen sich auch auf der re:publica.

Gleich am Mittwochvormittag sitzt Jens Begemann auf einem Podium zur Internetwirtschaft. Begemann, der Gründer von Wooga, einem der erfolgreichsten Berliner Start-ups, ist in der schnelllebigen Szene schon eine Art Großvater, einer, der es geschafft hat. Heute morgen, erzählt Begemann Hunderten von re:publica-Besuchern, habe er gerade neun neue Mitarbeiter begrüßt, damit sei Wooga jetzt auf 190 Mitarbeiter gewachsen.

"In Berlin", sagt Begemann, "ist es leicht, Menschen aus Dutzenden Nationen zu finden, die es einem ermöglichen, weltweit erfolgreich zu sein." Mit auf dem Podium sitzen Andreas Thümmler, der Investoren berät, und Heiko Rauch, Investor und Mitgründer von UFOStart, einem Unternehmen, das Beteiligungen an Start-ups organisiert. Die beiden nicken zu dem, was Begemann sagt.

Leserkommentare
  1. Geschäft und mehr Debatte gut so!

    Beste Grüße.
    FSonntag

  2. für die Windowfarms fand sich wohl ein Vertrieb für Europa nach dem Vortrag am Mittwoch....

    http://www.windowfarms.org/

    Wer braucht schon Licht, wenn er Erdbeeren dafür bekommen kann....

  3. Die re:publica ist doch diese Möchtegern-Grassroots-Konferenz, die sich zum Schickeria-Treff gemausert hat? Tickets für 100 Euro + Übernachtungskosten, welcher normale Nicht-Berliner kann oder will sich das leisten? Natürlich sind die Startups dort, weil es eine Art Messe für sie ist, wo sie mehr oder weniger kostenlos Werbung machen können.

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    Ein etwas eigenartiger Beitrag. „Möchtegern-Grassroots“? Sind Sie verbittert? Tut es Ihnen weh, dass einige der Leute, die da reden und teilnehmen, inzwischen doch tatsächlich ein paar Euro verdienen können mit dem, was sie gerne und teilweise auch recht professionell tun; von Food- zu Finanzblogs? Frau Passig zum Beispiel soll ja im Jahr über 20.000 Euro verdienen mit Büchern und Vorträgen; das ist natürlich krassester Verrat an der Basis!

    Auch, was Ihre Kritik an den Ticketpreisen angeht - das ist, mit Verlaub, nicht ernst zu nehmen. Wären Sie dort gewesen, hätten Sie gesehen, dass die Organisatoren mit über 200 Helfern und 350 Vortragenden für über 4000 Gäste ein fantastisches Programm auf die Beine gestellt haben, das von den gewünschten „Grassroots“ über Self Publishing bis zu Crowd Investment ein riesiges Spektrum abdeckte. Es muss ja nicht jeder Herrn Lobo huldigen.

    Ich nehme übrigens jedes Jahr jobbedingt an mehreren Veranstaltungen im IT-, New- Media- und Publishing-Bereich teil, bei denen ehrlich gesagt für zehn Mal teurere Tickets oft weit weniger Substanz geboten wird. YMMV.

    Und dass Sie niemanden in Berlin finden, bei dem Sie billig oder umsonst übernachten können, möchten Sie dann auch Johnny Haeusler und seinen Kollegen anlasten? Wie wäre es denn recht gewesen? Für 13 Euro fuffzich in Delmenshorst oder Bottrop, und alle „authentisch“ gebliebenen Blogger und Fans werden günstig Zelten und Jugendherbergen untergebracht? Das wird wohl leider nichts.

    Ein etwas eigenartiger Beitrag. „Möchtegern-Grassroots“? Sind Sie verbittert? Tut es Ihnen weh, dass einige der Leute, die da reden und teilnehmen, inzwischen doch tatsächlich ein paar Euro verdienen können mit dem, was sie gerne und teilweise auch recht professionell tun; von Food- zu Finanzblogs? Frau Passig zum Beispiel soll ja im Jahr über 20.000 Euro verdienen mit Büchern und Vorträgen; das ist natürlich krassester Verrat an der Basis!

    Auch, was Ihre Kritik an den Ticketpreisen angeht - das ist, mit Verlaub, nicht ernst zu nehmen. Wären Sie dort gewesen, hätten Sie gesehen, dass die Organisatoren mit über 200 Helfern und 350 Vortragenden für über 4000 Gäste ein fantastisches Programm auf die Beine gestellt haben, das von den gewünschten „Grassroots“ über Self Publishing bis zu Crowd Investment ein riesiges Spektrum abdeckte. Es muss ja nicht jeder Herrn Lobo huldigen.

    Ich nehme übrigens jedes Jahr jobbedingt an mehreren Veranstaltungen im IT-, New- Media- und Publishing-Bereich teil, bei denen ehrlich gesagt für zehn Mal teurere Tickets oft weit weniger Substanz geboten wird. YMMV.

    Und dass Sie niemanden in Berlin finden, bei dem Sie billig oder umsonst übernachten können, möchten Sie dann auch Johnny Haeusler und seinen Kollegen anlasten? Wie wäre es denn recht gewesen? Für 13 Euro fuffzich in Delmenshorst oder Bottrop, und alle „authentisch“ gebliebenen Blogger und Fans werden günstig Zelten und Jugendherbergen untergebracht? Das wird wohl leider nichts.

  4. Ein etwas eigenartiger Beitrag. „Möchtegern-Grassroots“? Sind Sie verbittert? Tut es Ihnen weh, dass einige der Leute, die da reden und teilnehmen, inzwischen doch tatsächlich ein paar Euro verdienen können mit dem, was sie gerne und teilweise auch recht professionell tun; von Food- zu Finanzblogs? Frau Passig zum Beispiel soll ja im Jahr über 20.000 Euro verdienen mit Büchern und Vorträgen; das ist natürlich krassester Verrat an der Basis!

    Auch, was Ihre Kritik an den Ticketpreisen angeht - das ist, mit Verlaub, nicht ernst zu nehmen. Wären Sie dort gewesen, hätten Sie gesehen, dass die Organisatoren mit über 200 Helfern und 350 Vortragenden für über 4000 Gäste ein fantastisches Programm auf die Beine gestellt haben, das von den gewünschten „Grassroots“ über Self Publishing bis zu Crowd Investment ein riesiges Spektrum abdeckte. Es muss ja nicht jeder Herrn Lobo huldigen.

    Ich nehme übrigens jedes Jahr jobbedingt an mehreren Veranstaltungen im IT-, New- Media- und Publishing-Bereich teil, bei denen ehrlich gesagt für zehn Mal teurere Tickets oft weit weniger Substanz geboten wird. YMMV.

    Und dass Sie niemanden in Berlin finden, bei dem Sie billig oder umsonst übernachten können, möchten Sie dann auch Johnny Haeusler und seinen Kollegen anlasten? Wie wäre es denn recht gewesen? Für 13 Euro fuffzich in Delmenshorst oder Bottrop, und alle „authentisch“ gebliebenen Blogger und Fans werden günstig Zelten und Jugendherbergen untergebracht? Das wird wohl leider nichts.

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