Anonymous : BKA beschlagnahmt Computer wegen Attacke auf Gema

Weil sie – im Namen von Anonymous – an einer DDoS-Attacke auf die Website der Gema teilgenommen haben sollen, hat das BKA die Wohnungen von 106 Verdächtigen durchsucht.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat in mehreren Bundesländern die Wohnungen von 106 Verdächtigen durchsucht, die sich im Dezember an einer Attacke auf den Server des deutschen Musikrechteverwerters Gema beteiligt haben sollen.

Der Aufruf zu der DDoS-Attacke (Distributed Denial of Service), bei der eine Website mit einer Flut sinnloser Anfragen überlastet und lahmgelegt werden soll, war im Namen von Anonymous auf Facebook und in einem Internet Relay Chat veröffentlicht worden.

AnonLulz nannte sich die Person, die den Aufruf gestartet und auch das Werkzeug für die DDoS-Attacke bereitgestellt hatte, schreibt Spiegel Online : Im Aufruf verlinkt war eine Seite auf pastehtml.com , die ein Script enthielt – ein kleines Programm, das bereits beim Aufruf der Seite startet.

Es könnte sich um Anwendung "JS Loic" gehandelt haben – das steht für "JavaScrip Low Orbit Ion Cannon ". Loic ist eine gemeinfreie Open-Source-Software. Wer sie verwendet, macht seinen Rechner freiwillig zum Teil eines sogenannten Bot-Netzes. Die Version JS Loic lässt sich aus dem Browser heraus starten, es reicht, eine Website wie eben jene pastehtml-Seite aufzurufen und dort einen Button anzuklicken.

In diesem Fall nahm also bereits jeder an der DDoS-Attacke teil, der nur dem Link zur pastehtml-Seite folgte oder – falls JS Loic zum Einsatz kam – dort noch einen Button anklickte. Möglicherweise haben viele der Beschuldigten das nicht gewusst oder verstanden, was ihnen nun zum Verhängnis werden könnte. Denn wer dabei nicht über einen Proxyserver oder einen Anonymisierungsdienst wie Tor surfte, dessen IP-Adresse wurde beim Angriff mit übertragen.

Die Gema musste nur noch in ihre Log-Dateien schauen, aus denen hervorging, von welcher IP-Adresse aus zum fraglichen Zeitpunkt auf die Website zugegriffen wurde. Auf richterlichen Beschluss hin müssen die Internet Service Provider mitteilen, wer der Anschlussinhaber der jeweiligen IP-Adresse ist. So wurden die 106 Verdächtigen ermittelt.

Aber laut Spiegel Online handelt es sich nach ersten Erkenntnissen der Ermittler bei den Verdächtigen nicht um die ermittelten Anschlussinhaber selbst, sondern um deren Kinder, also Jugendliche und Heranwachsende. Der Vorwurf lautet: Computersabotage nach Paragraf 303b Strafgesetzbuch . Am Dienstag und Mittwoch beschlagnahmte das BKA deshalb Computer, aber auch Smartphones und Festplatten der Beschuldigten.

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Kommentare

51 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Ermittlungen

Ganze 6 Monate nach der Aktion werden PCs, Smartphones, Router und (wahllose) Dokumente von "Verdächtigen" beschlagnahmt. 6 Monate sind eine lange Zeit. Von Ermittlungen kann hier keine Rede sein. Diese Aktion dient doch einzig und allein der Einschüchterung (potenzieller) Anonymous Sympathisanten.

Beste Grüße,
madblueshippie.