Anonymous: BKA beschlagnahmt Computer wegen Attacke auf Gema
Weil sie – im Namen von Anonymous – an einer DDoS-Attacke auf die Website der Gema teilgenommen haben sollen, hat das BKA die Wohnungen von 106 Verdächtigen durchsucht.
Das Bundeskriminalamt (BKA) hat in mehreren Bundesländern die Wohnungen von 106 Verdächtigen durchsucht, die sich im Dezember an einer Attacke auf den Server des deutschen Musikrechteverwerters Gema beteiligt haben sollen.
Der Aufruf zu der DDoS-Attacke (Distributed Denial of Service), bei der eine Website mit einer Flut sinnloser Anfragen überlastet und lahmgelegt werden soll, war im Namen von Anonymous auf Facebook und in einem Internet Relay Chat veröffentlicht worden.
AnonLulz nannte sich die Person, die den Aufruf gestartet und auch das Werkzeug für die DDoS-Attacke bereitgestellt hatte, schreibt Spiegel Online: Im Aufruf verlinkt war eine Seite auf pastehtml.com, die ein Script enthielt – ein kleines Programm, das bereits beim Aufruf der Seite startet.
Es könnte sich um Anwendung "JS Loic" gehandelt haben – das steht für "JavaScrip Low Orbit Ion Cannon". Loic ist eine gemeinfreie Open-Source-Software. Wer sie verwendet, macht seinen Rechner freiwillig zum Teil eines sogenannten Bot-Netzes. Die Version JS Loic lässt sich aus dem Browser heraus starten, es reicht, eine Website wie eben jene pastehtml-Seite aufzurufen und dort einen Button anzuklicken.
- Ohne Gesicht
-
Der Name ist Programm – die Gruppe Anonymous agiert als Bewegung ohne sichtbare Hierarchie und Gesichter. Anhänger ihrer Aktionen (Anons) verkleiden sich gern mit einer Maske von Guy Fawkes. Der hatte 1605 ein Attentat auf den englischen König versucht. Das wiederum inspirierte die Autoren der Comicserie V – wie Vendetta in den achtziger Jahren, ihren Protagonisten hinter einer Fawkes-Maske versteckt zu zeigen. Er protestierte mit seinen Aktionen gegen einen unterdrückenden und überwachenden Staat, was wiederum einige Anons als Symbol für den eigenen Kampf aufgriffen.
Ursprung der Bewegung und des Namens ist das Imageboard 4chan. Auf der Seite kann jeder unzensiert und unmoderiert Bilder und Botschaften hinterlassen und dabei auch seinen Namen angeben. Allerdings tut das kaum jemand, weswegen die meisten Texte mit dem Namen "Anonymous" gekennzeichnet sind.
- Ohne Hierarchie
-
Anonymous existiert nicht als Organisation. Es ist viel mehr eine Idee, eine Bewegung, der sich jeder anschließen und derer sich jeder bedienen kann. Auch Koordination gibt es nicht direkt. Wichtigstes Instrument dieser Nicht-Koordination ist der Internet Relay Chat (IRC). In diesem kostenlosen Dienst kann jeder Diskussionskanäle eröffnen und sich in ihnen mit beliebig vielen anderen Nachrichten schreiben.
In wechselnden Kanälen werden dort mögliche Ziele debattiert und Angriffe auf Websites koordiniert. Seit 2010 gibt es auch eine Website, auf der Botschaften verbreitet und neue Aktionen angekündigt werden. Derzeit ist sie erreichbar unter anonops.blogspot.net. Außerdem werden Informationen via Twitter und Facebook verbreitet.
Doch muss niemand in solchen Foren und Kanälen auftauchen, um ein Anon zu sein. Im Zweifel genügt es, Anonymous öffentlich zu unterstützen, wie es der amerikanische Bürgerrechtler John Perry Barlow tut, oder sich an den Attacken auf Server zu beteiligen. Die Software dazu, Low Orbit Ion Cannon genannt, gibt es kostenlos im Netz.
- Ohne Führer
-
Es gibt keinen Chef, Leiter, Anführer oder ähnliches. Im Gegenteil: Jeder, der sich als solcher in Medien oder Internet präsentiert, kann davon ausgehen, in kürzester Zeit von den Anhängern von Anonymous beschimpft zu werden oder selbst Ziel von Angriffen zu sein. Das Selbstverständnis ist das eines Ameisenstaates. Damit ist Anonymous eine Umsetzung der Idee des Hive Minds, der Schwarmintelligenz. In der Masse, so die Idee, lässt sich enorme Wirkung entfalten, also sollte auch nur die Masse das Ergebnis für sich beanspruchen.
Trotzdem existiert so etwas wie eine Operationsebene innerhalb der Gruppe. Zumindest existieren einige Personen, die im IRC als Operator agieren, also auf die Einhaltung gewisser Regeln in den Chats achten und Verstöße dagegen ahnden. Sie haben aber nicht unbedingt etwas mit der Planung von Aktionen zu tun.
Gleichzeitig legt Anonymous Wert darauf, Verantwortung für die Aktionen zu übernehmen, die durch das Netzwerk koordiniert wurden. Daher werden üblicherweise Bekennerschreiben verfasst. Jedoch hat die Bewegung keinen Einfluss auf "Einzeltäter", die ihren Namen benutzen und will den auch nicht haben.
- Ohne Ziel
-
Anonymous versteht sich als Bewegung, die für Netzfreiheit und gegen Zensur kämpft. Darüber hinaus aber gibt es keine klar formulierten Ziele. Aktionen können sich gegen Sekten ebenso richten (die älteste bekannte ist eine gegen Scientology) wie gegen rechtsradikale Foren, Kreditkartenkonzerne oder Manager von Unterhaltungskonzernen.
Auch ist es im Kern eigentlich keine politische Bewegung. Ursprünglich ging es um Streiche – im Namen unliebsamer Personen beispielsweise Unmengen Pizza zu bestellen. Der Spaß stand im Vordergrund, oder im Jargon des Netzes: the lulz. Gemeint sind Lacher, vor allem im Sinne von Schadenfreude.
Erst nach und nach ist daraus in den vergangenen Jahren so etwas wie eine Graswurzelbewegung erwachsen, bei der der Spaß aber immer noch im Vordergrund steht. Wie ZEIT-ONLINE-Leser BadLuckin einem Kommentar schrieb: "I came for the Lulz, but now i fight for Freedom of speech and for the free interweb." ("Ich kam wegen des Spaßes, nun kämpfe ich für Redefreiheit und ein freies Netz.")
Für die Teilnehmer allerdings können die Aktionen im Zweifel durchaus riskant sein, da einige Länder wie die USA, Großbritannien und die Niederlande begonnen haben, Attacken von Anonymous strafrechtlich zu verfolgen.
In diesem Fall nahm also bereits jeder an der DDoS-Attacke teil, der nur dem Link zur pastehtml-Seite folgte oder – falls JS Loic zum Einsatz kam – dort noch einen Button anklickte. Möglicherweise haben viele der Beschuldigten das nicht gewusst oder verstanden, was ihnen nun zum Verhängnis werden könnte. Denn wer dabei nicht über einen Proxyserver oder einen Anonymisierungsdienst wie Tor surfte, dessen IP-Adresse wurde beim Angriff mit übertragen.
Die Gema musste nur noch in ihre Log-Dateien schauen, aus denen hervorging, von welcher IP-Adresse aus zum fraglichen Zeitpunkt auf die Website zugegriffen wurde. Auf richterlichen Beschluss hin müssen die Internet Service Provider mitteilen, wer der Anschlussinhaber der jeweiligen IP-Adresse ist. So wurden die 106 Verdächtigen ermittelt.
Aber laut Spiegel Online handelt es sich nach ersten Erkenntnissen der Ermittler bei den Verdächtigen nicht um die ermittelten Anschlussinhaber selbst, sondern um deren Kinder, also Jugendliche und Heranwachsende. Der Vorwurf lautet: Computersabotage nach Paragraf 303b Strafgesetzbuch. Am Dienstag und Mittwoch beschlagnahmte das BKA deshalb Computer, aber auch Smartphones und Festplatten der Beschuldigten.







Und diese BKA Beamten beschlagnahmen von Lieschen Müller den WLAN Router mitsamt Logfile, um die MAC Ihres SmartPhones zu ermitteln. Also wenn Sie nicht gerade ihre MAC spoofen, sind Sie dran. Und selbst wenn - da sind ja auch noch die Logfiles der Mobilfunk-Zelle... mit der Häufung erhöht sich das Interesse an einer Aufklärung.
Wenn Sie zur Verschleierung einer Straftat hacken und spoofen, dürfen Sie von einem Gericht auch keine Gnade erwarten. Bei Menschen mit derart großer krimineller Energie wird Gewinsel wegen verletzter Grundrechte mit einem milden Lächeln quittiert.
Für alle, die sich für besonders klug halten: There's always a bigger fish. Es sollte jedem klar sein, mit wem er sich da anlegt. Wer herausfordern will, findet es eben heraus.
1. Dauert das spoofen einer MAC Adresse vielleicht 10 Minuten oder weniger.
2. Kann man anhand der MAC Adresse niemanden identifizieren, da die MAC Adresse vom Gerät und keinem externen Provider kommt.
3. Gehen die Anfragen über das WLAN und nicht die Mobilfunkzelle.
4. Wenn du sagst "There's always a bigger fish" sollte ich keine Angst vorm Staat haben, denn "There's always a bigger fish" ;D
1. Dauert das spoofen einer MAC Adresse vielleicht 10 Minuten oder weniger.
2. Kann man anhand der MAC Adresse niemanden identifizieren, da die MAC Adresse vom Gerät und keinem externen Provider kommt.
3. Gehen die Anfragen über das WLAN und nicht die Mobilfunkzelle.
4. Wenn du sagst "There's always a bigger fish" sollte ich keine Angst vorm Staat haben, denn "There's always a bigger fish" ;D
Ihr Ausdruck "staatliche Repression" trifft es sehr gut. Ich kann da nur zustimmen.
Weiterhin ist es doch ein bisschen übertrieben einen kompletten Rechner zu beschlagnahmen. Reicht es nicht die Festplatte zu entfernen, damit die betroffene Person wenigstens nur diese ersetzen muss um weiterhin am Rechner arbeiten zu können?
Abschließend noch ein kleiner Surftip:
www.hidemyass.com - Obwohl die in letzter Zeit anscheinend auch nicht mehr ganz zuverlässig waren.
wie schon wo anders geschrieben, wird nirgends die integrität der logfiles geprüft.
und ein eintrag lässt sich nun recht einfach schreiben.
im verkehr krieg ich ja auch keine strafe, weil jemand sagt, ich sei zu schnell gefahren, wenn man das nicht mit geeichten geräten messen kann.
nebenbei, man darf doch die ips nicht mehr im klartext speichern:
http://www.sachsen-anhalt...
Ein paar hundert reloads einer öffentlichen Seite pro Sekunde reichen also um das BKA bei hundert Personen die Wohnungen durchsuchen zu lassen und Geräte zu beschlagnahmen?
Welcher komplett inkompetente Richter hat denn den Beschluss unterschrieben? Dumm halt, dass man sich in Deutschland praktisch nicht gegen so etwas wehren kann.
Dass die EDV und die Vernetzung Risiken bergen, ist hinlänglich bekannt - und das nicht erst seit dem Zentrifugen-Desaster mit Stuxnet!
Also alles alter Käse, wobei absolut kein *materieller* Schaden entstanden ist. Es wird nur jedem klar, dass nur ein Monopolist seine Kunden mit Polizeigewalt bedrängen kann! Wie soll die junge Generation, die Kundschaft der GEMA, reagieren? Rhetorische Frage.
Eine frische Brise Marktwirtschaft und etwas mehr Kundenorientierung wäre dringendst nötig.
.. man müsste ja erst die IP's konkreten Personen zuordnen, was in vielen Haushalten ziemlich unmöglich sein sollte, vor allem 6 Monate später: "Äh.. vor sechs Monaten? Da war doch mein Kumpel Bernd mit seinem Laptop bei mir...".
Und dann müsste man ja auch noch Schuldhaftes verhalten nachweisen, also dass demjenigen wirklich 99%ig klar war was er da tut.
Wie soll das denn überhaupt klappen?
Achja und die "erhebliche Störung" aus 303b STGB müsste man ja auch noch nachweisen, da geht es ja weiter.
Kein Staatsanwalt oder Richter der halbwegs weiss was er da tut kann da doch irgendeine Aussicht sehen jemanden efolgreich zu verurteilen.
Dass das alles der Abschreckung dienen soll ist damit gar nicht so abwegig, die Deutsche Justiz arbeitet ja seit Jahrzehnten an ihrem Behördenfreundlichen Ruf .
Da schätzen Sie mich wohl falsch ein. Ich beteilge mich nicht an irgenwelchen Sörtaktionen: a) weil ich es nicht will b) weil ich nicht genug Kenntnisse habe.
Warum FB bestrafen? FB stellt die Infrastrukrur bereit und verdient gutes Geld damit, auch mit der Leichtgläubigkeit ihrer Kunden. FB lebt doch davon, das alles und jedes angeklickt wird, ist aber andererseits nicht in der Lage den Mißbrauch zu verhindern. Wer ohne viel Aufwand, viel Geld verdient, sollte entweder auch entsprechend in den Mißbrauchschutz investieren oder für den Mißbrauch verantwortlich gemacht werden.
"Wer ohne viel Aufwand, viel Geld verdient, sollte entweder auch entsprechend in den Mißbrauchschutz investieren oder für den Mißbrauch verantwortlich gemacht werden."
Auch dieses Forum lässt sich missbrauchen. Daher bin ich sehr froh, dass sich diese Haltung nicht durchzusetzen scheint. Sonst stünde hier bestimmt gleich "Ihr Kommentar warete auf die Freigabe durch den zuständigen Redakteur" und ich wüsste auch nicht, ob schon ein Dutzend weiterer Leute den gleichen Kommentar abgeschickt haben.
Kommunikationsinfrastruktur sollte neutral und anonym verfügbar gemacht werden dürfen. Die Missbrauchsmöglichkeiten sind ein kleiner Preis für die damit einhergehenden Vorteile.
Wenn Sie darauf hinauswollten, dass die Wohungsdurchsuchungen natürlich unverhältnismäßig waren, stimmte ich freilich zu.
"Wer ohne viel Aufwand, viel Geld verdient, sollte entweder auch entsprechend in den Mißbrauchschutz investieren oder für den Mißbrauch verantwortlich gemacht werden."
Auch dieses Forum lässt sich missbrauchen. Daher bin ich sehr froh, dass sich diese Haltung nicht durchzusetzen scheint. Sonst stünde hier bestimmt gleich "Ihr Kommentar warete auf die Freigabe durch den zuständigen Redakteur" und ich wüsste auch nicht, ob schon ein Dutzend weiterer Leute den gleichen Kommentar abgeschickt haben.
Kommunikationsinfrastruktur sollte neutral und anonym verfügbar gemacht werden dürfen. Die Missbrauchsmöglichkeiten sind ein kleiner Preis für die damit einhergehenden Vorteile.
Wenn Sie darauf hinauswollten, dass die Wohungsdurchsuchungen natürlich unverhältnismäßig waren, stimmte ich freilich zu.
"Wer ohne viel Aufwand, viel Geld verdient, sollte entweder auch entsprechend in den Mißbrauchschutz investieren oder für den Mißbrauch verantwortlich gemacht werden."
Auch dieses Forum lässt sich missbrauchen. Daher bin ich sehr froh, dass sich diese Haltung nicht durchzusetzen scheint. Sonst stünde hier bestimmt gleich "Ihr Kommentar warete auf die Freigabe durch den zuständigen Redakteur" und ich wüsste auch nicht, ob schon ein Dutzend weiterer Leute den gleichen Kommentar abgeschickt haben.
Kommunikationsinfrastruktur sollte neutral und anonym verfügbar gemacht werden dürfen. Die Missbrauchsmöglichkeiten sind ein kleiner Preis für die damit einhergehenden Vorteile.
Wenn Sie darauf hinauswollten, dass die Wohungsdurchsuchungen natürlich unverhältnismäßig waren, stimmte ich freilich zu.
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