Social WebDeutsche Firmen entdecken die chinesischen Netzwerke

In Chinas Entsprechungen von Facebook, Twitter und YouTube präsent zu sein, kann sich für westliche Firmen lohnen. Doch auch die Chinesen wissen, was ein Shitstorm ist. von Björn Eichstädt und Celia Wei

Sina Weibo ist Marktführer unter den chinesischen Microblogging-Diensten.

Sina Weibo ist Marktführer unter den chinesischen Microblogging-Diensten.  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

Chinesen sind vor allem eines: viele. 300 Millionen Social-Media-Nutzer, fast 500 Millionen, die in den nächsten zwei Jahren erwartet werden – China mausert sich hinter den Mauern der Sprachbarriere zur größten Social-Networking-Nation der Welt. Trotzdem bleibt das chinesische Social Web für deutsche Unternehmen oft ein schwarzes Loch, da nicht auf den hier bekannten Kanälen kommuniziert werden kann. Facebook, Twitter, YouTube oder XING sind in Peking oder Shanghai schlicht nicht erreichbar und Google+ funktioniert nur mobil oder eingeschränkt. Diese Tatsache macht es deutschen Unternehmen schwierig, Zugang zu chinesischen Nutzern zu bekommen.

Auf der anderen Seite tummeln sich immer mehr deutsche Unternehmen und internationale Accounts inmitten der begeisterten chinesischen User. Denn während Facebook und Twitter ausgesperrt sind, füllt sich das Netz zunehmend mit bunten chinesischen Web-Gewächsen. Hier findet der chinesische Hunger nach digitaler Verknüpfung und Teilhabe Nahrung.

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Wer im chinesischen Social Web mitmischen will, muss einiges beachten. Zunächst einmal verwehren die für Westler kryptischen chinesischen Zeichen oftmals den Zugang zu erfolgreichen Netzwerken wie Sina Weibo, RenRen oder QQ. Daneben bekommen manche Unternehmen auch den chinesischen Shitstorm zu spüren. Doch wer sich davon nicht abschrecken lässt, wird unter Umständen mit einer riesigen Nutzerschaft belohnt.

An der Spitze der Bewegung steht Sina Weibo, die Nummer eins unter den chinesischen Microblogging-Diensten ("Microblog" heißt auf Chinesisch "Weibo"). Sina Weibo bietet in etwa die Funktionen von Twitter. 250 Millionen User teilen hier Kurznachrichten, followen und entfollowen und tun auch sonst eine Menge Dinge, die wir im Westen von Twitter kennen.

Neben Sina Weibo gibt es viele weitere Microblogging-Systeme – die Nummer zwei ist Tencent Weibo aus der chinesischen Online-Schmiede Tencent und befindet sich als stärkster Konkurrent für Sina Weibo in Lauerstellung. Sehr erfolgreich ist auch Renren, das "chinesische Facebook" mit derzeit 160 Millionen Usern. Das Netzwerk ist vor allem bei Studenten sehr beliebt, die sich mit bereits im echten Leben existierenden Freunden und Kommilitonen verknüpfen wollen.

Wer dies eher beruflich tun möchte, der nutzt die LinkedIn-Entsprechung Ushi – ein chinesischer Begriff, der das "Elitäre" betont – für das Business-Networking. Bei den eher "Hosting"-orientierten Netzwerken stechen Youku als Videoplattform und YouTube-Ersatz sowie die Fotoplattform Yupoo hervor, die trotz der aktuellen Zugänglichkeit von Flickr floriert.

Neuere westliche Plattformen wie Soundcloud oder Instagram sind in China meist frei zugänglich, solange sie noch im "Underground" operieren. Möglicherweise auch deshalb, weil sich die Etablierung von chinesischen Pendants wirtschaftlich noch nicht lohnt.

Leserkommentare
  1. Markt zu erobern heißt auch das die Chinesen mittlerweile wissen wo soziale Netzwerke enden und daran sicherlich nicht so interessiert sind wie der Rest der Welt beim Start der Vereinsamung am Bildschirm. Zumal sind sie die Beobachtung von oben gewohnt und dadurch sicherlich eingeengt in ihrer schriftlichen Meinungsäußerung.

  2. dass die Chinesen den Shitstorm nicht erfunden haben?
    Sie tun ja geradeso als würde die Technolgie für Internet in Deutschland oder gar Europa entwickelt und die erfinderische Nutzung dieser Medien gleich mit. Alles alte Stereotype und Vorurteile, die dieses Volk mit Sicherheit nicht verdient hat.
    China ist on the edge, Europa on the Abgrund.

  3. ... wie die Afrikaner, das Internet mit ihren mobile Devices durchqueren, weil sie nicht das Geld für einen parallelen DSL-Anschluss haben. Lustige Flash-Seiten mit Nullaussagen, wie sie bei uns üblich sind, wären also noch wertloser als sie bei uns eh schon sind.

    In erster Linie gilt es aber natürlich zu vermeiden, dass Chinesen Selbsthilfegruppen auf den social-Media-Seiten öffnen, um sich gegenseitig ihr Leid über die mangelhaften und ungenügenden Geräte zu klagen.

    Maximal als Notnagel an Pressearbeit kann das Argument angesehen werden, dass z. B. im Siemens-Fall die Geräte in China gefertigt waren. Es gilt immer zu bedenken, dass der chinesische Konsument nicht auf deutsche oder europäische Gewährleitungsmodalitäten und -fristen zurückgreifen kann, und deshalb bei schlechter Ware um einiges mehr angeschmiert ist, als hiesige Konsumenten.

  4. und da ist es völlig egal ob sie aus Amerika oder China kommen. Das ist das gleiche in Grün und vielleicht sogar noch gefährlicher als so schon, weil dort besonders in China Willkür herrscht und wenn es staatlich organisierte Willkür ist. Das bringt gar nichts außer Entscheidungen dahin zu bringen wo sie nicht hingehören und man sich nicht mehr dagegen wehren kann, weil es angeblich Privatangelegenheit ist. Aber wenn dort mehrheitlich Entscheidungen getroffen werden ohne das das kontrolliert wird wird das zum Problem und alle werden sich irgendwann mal wieder fragen wie es denn soweit kommen konnte.

  5. 32 und seit über zehn Jahren Erfahrung in... Da hat wohl jemand mit 12 schon McKinsey-'Studien' runtergebetet und findet Social Web Informationen nur deshalb glaubwürdig, weil er noch nie was von TÜV und Stiftung Warentest gehört hat...

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