Wohin es Menschen weltweit zieht – das haben Emilio Zagheni, der beim Max-Planck-Institut für demografische Forschung arbeitet, und Ingmar Weber von Yahoo Research in Spanien , anhand von E-Mail-Daten untersucht. Die Methode funktioniere schneller und genauer als herkömmlich Systeme. "Solche Daten bergen das Potenzial, die Art zu revolutionieren, wie demografische Informationen gesammelt und interpretiert werden", schreiben die beiden Wissenschaftler in ihrer jetzt veröffentlichten Studie .

Sie werteten fast eine Milliarde E-Mails von 43 Millionen Mail-Accounts aus, beziehungsweise die darin enthaltenen Geodaten. Denn jede E-Mail ist mit der IP-Adresse des Absenders versehen, die auf den Ort schließen lässt, von der er sie abgeschickt hat. Zagheni und Weber nutzten Daten aus der Zeit zwischen September 2009 und Juni 2011, die Yahoo anonymisiert zur Verfügung gestellt hatte.

Die Hälfte der Accounts gehörte Bewohnern der USA , was nicht verwundert, da Yahoo im Vergleich zu anderen Ländern dort am stärksten genutzt wird. Für viele andere Länder, wie Deutschland oder Brasilien , bestand die Datenbasis aber immerhin noch aus 500.000 bis zwei Millionen Nutzern pro Land.

Dass die Menschen international mobiler werden, ist nicht nur Theorie. Zagheni und Weber fanden zum Beispiel klare Indizien dafür, dass der Anteil auswanderungswilliger Frauen steigt.

Grundlagenforschung zur Bevölkerungsstatistik

Doch ging es weniger darum, solche konkreten Aussagen zu treffen. Die Studie wollte vor allem klären, ob digitale Quellen überhaupt taugen, um demografische Fragen zu beantworten. Denn die Forschung in diesem Bereich hat ein Datenproblem.

"Wo Schätzungen internationaler Migration existieren, sind sie oft veraltet und stimmen kaum überein", sagt Demograf Emilio Zagheni. Staatliche Wanderungszahlen seien daher problematisch: "Migranten tendieren beispielsweise dazu, sich nach einem Umzug amtlich nicht oder erst sehr spät neu anzumelden. Zudem gibt es zwischen den Ländern bisher keine Übereinkunft, wann jemand überhaupt als Migrant definiert wird." Viele Länder würden solche Daten auch gar nicht registrieren.

Digitale Daten beispielsweise aus Twitter, Facebook oder eben aus E-Mails seien da viel schneller verfügbar und auch genauer.

Was trivial klingt, war es keineswegs. Denn um fundierte Aussagen zu treffen, reicht es nicht, einfach auszuzählen, wer von wo nach wo eine Mail verschickt hat. Bei der Auswertung solcher Daten gebe es gleich mehrere Probleme, schreiben die Forscher in ihrer Studie You are where you E-Mail: Using E-Mail Data to Estimate International Migration Rates .