Film-StreamsHollywood macht seinen Frieden mit Chinas Kopierern

Weil Filmstudios gegen chinesische Schwarzkopien kaum etwas tun können, haben sie mit Stream-Portalen verhandelt. Blockbuster gibt es für wenige Cent oder ganz umsonst.

Zerstörung illegal kopierter DVDs in Peking 2010

Zerstörung illegal kopierter DVDs in Peking 2010

Bislang hatte es Hollywood schwer in China. Obwohl sich so ziemlich jeder chinesische Großstädter so gut mit Star Wars, Harry Potter oder dem Herrn der Ringe auskennt wie Filmliebhaber in den Vereinigten Staaten oder Europa, verdiente die internationale Filmbranche nur wenig an den Chinesen.

Laut den Auflagen der staatlichen Filmbehörde dürfen nur 36 ausländische Filme pro Jahr in chinesischen Kinos gezeigt werden, bis vor Kurzem waren es sogar nur 20. Und die Kinosäle sind nicht einmal voll. Denn jeder in der Volksrepublik weiß: Viele Szenen hat die Zensurbehörde zum Teil lieblos herausgeschnitten.

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In keinem Land ist das illegale Herunterladen, Kopieren und Streamen von Filmen und Serien so weit verbreitet wie in der Volksrepublik. Schwarzkopien auf DVDs gibt es für umgerechnet einen Euro. Sie sind damit nicht nur sehr viel billiger als der Kinoeintritt. Die Filme sind darauf auch vollständig zu sehen. Doch daran verdient Hollywood nicht einen Yuan.

Neue Haltung zum Urheberrecht

Die Motion Picture Association, der Zusammenschluss der Filmbranche in den USA, schätzt, dass den großen Studios auf diese Weise Gewinne zwischen zwei und drei Milliarden Dollar im Jahr verloren gehen. Damit war China bislang weltweit die größte Schwachstelle im Kampf gegen die Filmpiraterie.

Portale wie Youku, Tudou, Qiyi.com, pps.tv und ku6 haben viele Jahre lang wenig unternommen, um das illegale Kopieren zu erschweren. Ausgerechnet diese Internet-Video-Plattformen helfen der US-Filmbranche nun dabei, in China ein neues Bewusstsein zum Urheberrecht zu entwickeln. Die Video-Portale haben im Laufe des vergangenen Jahres mit allen großen Hollywood-Studios Lizenzabkommen unterzeichnet und sich Filmrechte gesichert. Damit können sie ihren Nutzern die Filme nun legal und kostenlos zur Verfügung stellen.

Darunter befinden sich Filme von Lionsgate, Disney, Paramount, Dreamworks, Warner Brothers und 20th Century Fox – also alle großen Hollywood-Studios. Die Zahl der frei im Netz verfügbaren Filme liegt bei mehreren Tausend, und alle sind unzensiert.

Es sind zwar auch weiterhin nicht die Nutzer, die dafür zahlen. Die Gebühren übernehmen die chinesischen Portale. Aber sowohl sie als auch die US-Studios setzen darauf, dass der chinesische Nutzer nicht mehr illegal herunterlädt, sondern sich nach und nach an Bezahlsysteme gewöhnt.

Denn Teil der Vereinbarung mit den amerikanischen Studios ist, dass Youku und die anderen Portale neben ihren kostenlosen Zugängen sogenannte Premium-Angebote einrichten. Auf denen können die aktuellen Blockbuster mit besonders hoher Auflösung gekauft werden. Umgerechnet 62 Cent kostet das pro Film.

Erste Erfolge gibt es bereits. Youku-Premium verzeichnete im ersten Jahr eine Million bezahlter Streams. Das ist angesichts der 30 bis 40 Millionen Zugriffe, die Youku nach eigenen Angaben am Tag hat, noch wenig. "Für chinesische Verhältnisse ist das aber kein schlechter Anfang", sagte eine Youku-Sprecherin.

Die meisten Filme bleiben aber kostenfrei. Und auch Serien, die in den USA nur auf Bezahlsendern wie HBO oder Showtime zu sehen sind, stehen im chinesischen Netz umsonst zur Verfügung. Dafür müssen die Online-Zuschauer viel Werbung über sich ergehen lassen: Am Anfang jedes Films laufen Trailer.

Noch macht Youku Verlust

Der Markt wächst, sehr zur Freude von Youku und Co. Denn obwohl Youku mit hohen Erwartungen 2009 an die New Yorker Börse ging, schreibt das chinesische Unternehmen bis heute rote Zahlen. Den anderen Portalen ergeht es nicht besser. Das ändert sich jedoch gerade aufgrund des großen Angebots an Hollywoodfilmen und den damit steigenden Werbeeinnahmen.

Auch die Klickzahlen wachsen. Vor allem junge Chinesen schalten häufiger den Fernseher aus und den Rechner ein. Die Zeitung China Daily berichtet, dass allein in Peking der Anteil der regelmäßigen Fernsehzuschauer innerhalb von zwei Jahren von 80 auf 20 Prozent gesunken ist, die der Nutzer von Online-Filmen hingegen etwa im gleichen Verhältnis stieg. Schätzungen zufolge schauen sich inzwischen mehr als eine viertel Milliarde Menschen in China regelmäßig Online-Videos an.

Damit geht die Filmbranche einen Weg, den Musikfirmen schon erfolgreich ausprobiert haben. Baidu, Chinas meistgenutzte Suchmaschine, hatte vor zwei Jahren den großen Labels Universal Music, Warner Music und Sony BMG abgerungen, dass die Internetnutzer der Volksrepublik mehr als eine halbe Million Lieder kostenlos streamen oder herunterladen dürfen. Im Gegenzug verpflichtete sich Baidu, alle illegal eingestellte Musik von den Servern zu nehmen und für jedes gestreamte Musikstück und jeden Download eine Gebühr von wenigen Cents an die Musikunternehmen zu entrichten.

Das Kalkül war das gleiche wie nun bei der Filmindustrie: Der Markt ist riesig, 500 Millionen Chinesen haben einen Internetzugang und die chinesische Mittelklasse wächst rapide. Die Konzerne sagen sich offensichtlich: Besser ein paar Krümel vom Kuchen als völlig leer ausgehen. Außerdem investieren sie in ihre Zukunft.

 
Leserkommentare
  1. aber in Europa / Deutschland ist das mit den Krümeln den Rechteinhabern zu wenig und noch dazu will Hinz und Kunz und GEMA ordentlich was abhaben vom Kuchen.
    Da muss man sich nicht wundern, wenn man gerade Jugendliche als (später) zahlende Kunden schon heute verliert.

    Lustig auch:
    "Dafür müssen die Online-Zuschauer viel Werbung über sich ergehen lassen: Am Anfang jedes Films laufen Trailer."
    Oh je wie beschwerlich, das ist ja wie im Kino.

    4 Leserempfehlungen
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    • DDave
    • 15.06.2012 um 18:28 Uhr

    ... sondern auch bei kino.to.
    Werbung an den Seiten, dann kommt man zum Hoster, dort öffnen sich noch mal POPUP-Fenster und dann muss man X Sekunden warten, dann wird der Film gestreamt und nach 72 min ist Schluss bei Megaupload, dann darf man erstmal ne halbe Stunde warten, AUSSER man ist Premiumkunde, dann gibt es das nicht, dafür zahlt man aber X Dollar/Euro im Monat.
    Warum Hollywood nicht einfach kino.to bzw Megaupload kopiert, legal anbietet und viel Geld verdient, ist fraglich. Naja, wenn man alle Abmahnungen zusammenrechnet, dann kommt man auch auf einen Verlust von X Milliarden Euro. Dieser wäre mit einem Streamingportal nicht reinzuholen. Dann lieber Abmahnen...

    • Hickey
    • 09.07.2012 um 12:20 Uhr

    verhindert das.

    Alle wollen profitieren, klar das es dann nicht zugunsten des Konsument zu einer sinnvollen Lösung kommt.

    Der Zug hier in Europa ist doch eh schon für die Filmindustrie abgefahren...Megavideo und Sockshare verdienen daran und naja was soll man dazu sagen.

    Wenn Zwei sich streiten(Urheber & Gema/Gez), freut sich der dritte(illegale Hoster).

    Die Portale sind nur Zugangswege und spielen deshalb keine große Rolle.

    Aber mal ehrlich, die Illegalen Portale haben mehr Auswahl, haben die Serien länger, dafür in einer schlechteren Qualität als Maxdome oder Videoload.

    Und selbst bei Videoload/Maxdome gibts noch Filme in SD Qualität die einfach schlechter als ihr Pendant bei den Illegalen Portalen sind.

    Die Filmindustrie hat einfach geschlafen und sich zurückgelehnt und gehofft das ihr altes Betriebsmodell aus den 50er Jahren noch funktioniert, Faulheit wird bestraft.

    • DDave
    • 15.06.2012 um 18:28 Uhr

    ... sondern auch bei kino.to.
    Werbung an den Seiten, dann kommt man zum Hoster, dort öffnen sich noch mal POPUP-Fenster und dann muss man X Sekunden warten, dann wird der Film gestreamt und nach 72 min ist Schluss bei Megaupload, dann darf man erstmal ne halbe Stunde warten, AUSSER man ist Premiumkunde, dann gibt es das nicht, dafür zahlt man aber X Dollar/Euro im Monat.
    Warum Hollywood nicht einfach kino.to bzw Megaupload kopiert, legal anbietet und viel Geld verdient, ist fraglich. Naja, wenn man alle Abmahnungen zusammenrechnet, dann kommt man auch auf einen Verlust von X Milliarden Euro. Dieser wäre mit einem Streamingportal nicht reinzuholen. Dann lieber Abmahnen...

    • Hickey
    • 09.07.2012 um 12:20 Uhr

    verhindert das.

    Alle wollen profitieren, klar das es dann nicht zugunsten des Konsument zu einer sinnvollen Lösung kommt.

    Der Zug hier in Europa ist doch eh schon für die Filmindustrie abgefahren...Megavideo und Sockshare verdienen daran und naja was soll man dazu sagen.

    Wenn Zwei sich streiten(Urheber & Gema/Gez), freut sich der dritte(illegale Hoster).

    Die Portale sind nur Zugangswege und spielen deshalb keine große Rolle.

    Aber mal ehrlich, die Illegalen Portale haben mehr Auswahl, haben die Serien länger, dafür in einer schlechteren Qualität als Maxdome oder Videoload.

    Und selbst bei Videoload/Maxdome gibts noch Filme in SD Qualität die einfach schlechter als ihr Pendant bei den Illegalen Portalen sind.

    Die Filmindustrie hat einfach geschlafen und sich zurückgelehnt und gehofft das ihr altes Betriebsmodell aus den 50er Jahren noch funktioniert, Faulheit wird bestraft.

  2. ...und wirft die Frage auf, warum Chinesen den selben Stream billiger kaufen können als Deutsche oder Amis - wenn doch Transportkosten etc weltweit egal bzw. gleich sind.

    Wie ist das denn mit Chinesen die hier leben - können die über einen Chinesischen Proxy diese Angebote nutzen? Und wenn ein Chinesischer User sich diese Filme - wie beschrieben KAUFT - und er bringt sie auf seinem Laptop nach hier, z.b. im Urlaub - ist das OK?

    Und spinnen wir das weiter - darf der Chinese mir seinen Laptop, ach was sag ich - seine externe Platte mit seinen Filmen - verkaufen?

    Oder wenn ich nach China fahre, in den Urlaub, und mir dann da meine 2 Terabyte-Platte befüllen lasse (vollkommen legal, halt im Amerikanischen O-Ton), kann ich Dir hier einführen? Und meinen Freunden ausleihen?

    Ich könnte sie auch auf meinen WebStorage hochladen und da meinen Freunden ausleihen...?

    Ja, das sind alles so Fragen, die daher kommen dass unser Urheberrechtsverständnis die Trennung von Datenträger und Daten nicht nachvollzogen hat.

    2 Leserempfehlungen
    • Psy03
    • 15.06.2012 um 15:01 Uhr

    der Betreiber von kino.to geht für 4,5 Jahre ins Gefängnis.

    Zweierlei Maß für Alle!!!

    7 Leserempfehlungen
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    "... Betreiber von kino.to geht für 4,5 Jahre ins Gefängnis."

    Ja, das ist völlig absurd!

    Und sehr schön von Ihnen pointiert!

    "... Betreiber von kino.to geht für 4,5 Jahre ins Gefängnis."

    Ja, das ist völlig absurd!

    Und sehr schön von Ihnen pointiert!

  3. .. so weit ich weiß ist das angesprochene Musiklabel "Sony BMG" ..

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    Redaktion

    Ups, sorry. Sie haben selbstverständlich Recht, danke fürs Bemerken. Wird sofort korrigiert.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    Redaktion

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    Kai Biermann

  4. Redaktion

    Ups, sorry. Sie haben selbstverständlich Recht, danke fürs Bemerken. Wird sofort korrigiert.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    Antwort auf "kleiner Fehler im Text"
  5. Seit Ende 2008 hat sich Bertelsmann aus dem Musikgeschäft zurück gezogen, und so wurde aus Sony BMG die Sony Music Entertainment Inc.

  6. bei den Cent-Beträgen, die da im Gespräch sind. Da soll nochmal einer sagen wir Europäer nehmen kein Geld in die Hand. Wir zahlen hier ja doppelt und dreifach. Für die Filme, fürs Fernsehen, fürs Privatfernsehen und Internetangebote plus alle Möglichen Abgaben für alle möglichen Geräte und Hinz und Kunz.

    Eine Leserempfehlung
  7. Freier Autor

    Tatsächlich ist es so, dass die Hollywood-Filme auf den chinesischen Portalen außerhalb Chinas gesperrt sind. Daran ändert sich auch nichts, wenn ein chinesischer User vom Ausland aus versucht auf Youku zu streamen. Nur mit einem chinesischen Proxy ließe sich das vom Ausland aus umgehen.

    Wenn Sie mal hier nach China kommen sollten, könnten Sie das mit der 2 Terrabyte-Platte gerne probieren. Aber ob sich der Aufwand lohnt? Nur ganz am Rande: Noch finden sich hier in China an fast jeder Ecke zahlreiche DVD-Händler, die die meisten Filme als Raubkopien für umgerechnet weniger als einen Euro verkaufen.

    Nur vorsicht: Die Einfuhr nach Deutschland ist verboten. Das ist eine mit Filmen vollgeladene 2 Terrabyte-Platte aber auch.

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    Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Lee,
    wer sich ernsthaft für günstige Filme interessiert, kommt über kurz oder lang in ein Medien-Forum und erfährt dort, wo die Filme ganz ohne Reise nach China zu haben sind.

    Weiter macht hier in Deutschland die Medienindustrie ausreichend Gewinne und es wird die günstigen legalen Streams aller Voraussicht nach nicht geben. Viel attraktiver ist es, über die vergleichsweise wenigen Sharer zu klagen, sich als Märtyrer für die westliche Kultur und das kapitalistische System zu inszenieren. Das wird immer wider mit neuen Gesetzen und neue Abgaben belohnt. Das ist fein und auskömmlich, das wird so bleiben.

    Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Lee,
    wer sich ernsthaft für günstige Filme interessiert, kommt über kurz oder lang in ein Medien-Forum und erfährt dort, wo die Filme ganz ohne Reise nach China zu haben sind.

    Weiter macht hier in Deutschland die Medienindustrie ausreichend Gewinne und es wird die günstigen legalen Streams aller Voraussicht nach nicht geben. Viel attraktiver ist es, über die vergleichsweise wenigen Sharer zu klagen, sich als Märtyrer für die westliche Kultur und das kapitalistische System zu inszenieren. Das wird immer wider mit neuen Gesetzen und neue Abgaben belohnt. Das ist fein und auskömmlich, das wird so bleiben.

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