Top Level DomainsKritik an Selbstverwaltung von Icann

Die Kritik an der Domainverwaltung Icann lautet, sie arbeite zu langsam und zu viel für die USA. Der neue Chef verteidigt das Modell, will es aber internationaler machen. von Monika Ermert

Fadi Chehadé, der neue Präsident und CEO von Icann

Fadi Chehadé, der neue Präsident und CEO von Icann  |  © Icann

Als Wanderzirkus wurde die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) früher gerne bezeichnet. Die private Stiftung verwaltet die Vergabe von Domainnamen im gesamten Internet und die Verantwortlichen treffen sich bei jeder Sitzung in einer anderen großen Stadt der Welt. Bei ihrem gerade beendeten Treffen in Prag wirkte das nicht auf Gewinn abzielende Unternehmen aus Kalifornien aber eher wie ein riesiger Tanker mit Schlagseite, der sich gegen einen Strom flussaufwärts kämpft.

Das noch laufende Vergabeverfahren für neue Top Level Domains von .audi bis .zulu ist voller Pannen. Kritiker stellen deswegen, wie mehrere Regierungsvertreter in Prag warnten, bereits das gesamte Modell der Selbstverwaltung infrage.

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Eigentlich biete das Verfahren zur Erweiterung des Namensraums um neue Adressendungen die Gelegenheit zu zeigen, dass das Selbstverwaltungsmodell der ICANN besser funktioniere als andere Modelle, sagte der Vertreter des Schweizer Bundesamts für Kommunikation, Thomas Schneider, in Prag. "Aber die bisherigen Ergebnisse sind alles andere als zufriedenstellend."

Seit die ICANN 1998 mit der Aufgabe losgeschickte wurde, für mehr Wettbewerb im Domaingeschäft zu sorgen, hat sie auf ein Standardverfahren zur Vergabe neuer Namensräume hin gearbeitet. Zweimal wurden in der Zeit neue TLDs zugelassen . Für die derzeit noch laufende zweite Vergabe hat sich die Stiftung ganze sieben Jahre Zeit gelassen.

Bogenschuss-Verfahren abgesetzt

Knapp zweitausend Bewerbungen gingen inzwischen bei der Selbstverwaltung ein sowie 350 Millionen Dollar Bewerbungsgebühren. Doch trotz der langen Vorbereitung und der hohen Einnahmen musste die Organisation seit April eine Panne nach der nächsten einräumen.

Gleich mehrfach machte die Software Probleme. Das Online-Bewerbungssystem musste deswegen während der Bewerbungsfrist für Wochen vom Netz genommen werden. Außerdem hatten die Planer bei der Veröffentlichung von Bewerbungsdaten Datenschutzregeln einzelner Länder verletzt.

Und in Prag zog der Vorstand dann auch noch das "Batching"-System aus dem Verkehr. Das sollte per "digitalem Bogenschuss" entscheiden, wann welche Bewerbung abgearbeitet werden würde. Denn nur je 500 davon sollten gleichzeitig organisatorisch, technisch und wirtschaftlich geprüft werden. Wie nah die Abgabe der Bewerbung einem selbst gesetzten Zeitpunkt kam, sollte die Zuordnung zu den Gruppen entscheiden – was nicht unwichtig ist, hätten die in der letzten Gruppe wahrscheinlich wohl Jahre auf die Zuteilung der gewünschten Domainendung gewartet.

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