Digitaler WandelEine Roboterpauschale ist keine Lösung

Machen Roboter uns alle arbeitslos? Christoph Kappes glaubt nicht daran und hält eine Steuer auf nichtmenschliche Arbeit für falsch. Wichtiger seien Arbeitszeitmodelle.

Angela Merkel betrachtet einen Tauchroboter.

Angela Merkel betrachtet einen Tauchroboter.

Die Digitalisierung ermöglicht große Fortschritte in vielen Lebensbereichen und Branchen. Und die Entwicklung geht aufgrund des Moore´schen Gesetzes (Leistungssteigerung durch Chipentwicklung) nicht nur weiter, sondern sie wird schneller. Mit dem Ergebnis, dass der Bedarf an Arbeitsplätzen, bei denen wiederkehrende Informationen verarbeitet werden, sinkt. Da liegt es nahe, wie Frank Rieger in der FAZ die Frage zu stellen, wem die Vorteile dieser Entwicklung zukommen sollen.

In der Tat wirken Nachrichten wie die von Foxconn beunruhigend. Der weltgrößte Hersteller von Computern kündigte gerade an, mit einer Million Robotern die Fertigung unter anderem des iPhones zu automatisieren – und wohl dementsprechend viele Menschen zu entlassen.

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Rieger wünscht daher einen "Pro-Automatisierungsgrundkonsens" und fordert, um Widerstände des im Rennen gegen die Maschinen unterlegenen Menschen zu überwinden, die "Vergesellschaftung (der) Automatisierungsdividende": Roboter sollen unsere Rente und unser Grundeinkommen verdienen. Der Weg dahin sei eine indirekte Steuer auf "nichtmenschliche Arbeit".

Die Idee scheint durch Stringenz und als soziale Antwort auf ein technisches Problem zu bestechen. Zuerst einmal ist sie jedoch nicht so neu, wie sie scheint. Während das "Entbergen" von Technik (Heidegger) schon immer stattfand, kommt vor allem seit der Industrialisierung die Frage auf, wem die Technik-Vorteile zustehen.

Maschinenstürmer

Schon Marx unterschied die "Klassen" danach, wer Eigentum an "Produktionsmitteln" (Boden, Fabriken, Maschinen) besitzt und prangerte das alleinige Einstreichen des dadurch entstandenen "Mehrwertes" als Ausbeutung an. Ihm voraus gingen sogenannte Maschinenstürmer. Die kämpften gegen die Arbeitsprozesse aufteilende, den Wettbewerb fördernde und die Privilegien zerstörende Fabrikproduktion – und damit gegen die Herrschaft der Fabrikeigentümer.

Christoph Kappes
Christoph Kappes

Kappes ist Chef von Fructus, einer Agentur, die Unternehmen bei ihren Aktivitäten im Internet berät. Er selbst beschäftigt sich seit Jahren mit den Entwicklungen des Internets und bloggt und twittert auch dazu. Immer wieder veröffentlicht er entsprechende Beiträge in Blogs und Zeitungen.

Die Idee einer "ökonomischen Dividende" taucht auch 1942 in einem Science-Fiction-Roman von Robert A. Heinlein auf. Auch Jeremy Rifkin sagt seit Mitte der neunziger Jahre die Ausrottung vieler Berufe voraus und formulierte bereits 1997: "Das Industriezeitalter beendete die Sklavenarbeit, das Informationszeitalter wird die Massenbeschäftigung abschaffen."

Doch hat die Geschichte der Technik bisher eines gezeigt: Soziale Probleme wie Pauperismus entstanden in Übergangsphasen, langfristig wurde der Verlust an Arbeitsplätzen kompensiert – sogar trotz steigender Bevölkerungszahl und Lebenszeit. Eine Regel für die Zukunft folgt daraus freilich nicht.

Für den Computereinsatz galt lange Zeit sogar das "Produktivitätsparadoxon der Informationstechnologie": Bis Anfang der neunziger Jahre konnte keine Untersuchung einen Produktivitätsbeitrag der Informationstechnologie beweisen. Studien nach der Jahrtausendwende wie die von Ansgar Gründler kommen hingegen zu einem differenzierteren Ergebnis. Demnach schwankt der Gewinn an Produktivität von Branche zu Branche und hängt stark von der IT-Strategie und ihrer Umsetzung ab.

Leserkommentare
  1. Die Arbeitsleistung der Roboter gehört den Besitzern, die Arbeitslosen dem Staat.

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    "Die Arbeitsleistung der Roboter gehört den Besitzern, die Arbeitslosen dem Staat."

    Ich möchte ihren Satz umformulieren:

    Die Arbeitsleistung der Roboter gehört den Besitzern, die Arbeitsleistung der Arbeitslosen dem Staat.

    Denken Sie bitte an die Freiheitsdevise der FDP:

    Keine Leistung ohne Gegenleistung!

    ...und Arbeitslosigkeit bedingen nicht zwangsläufig einander.

    Allerdings verstärkt Automatisierung die Umverteilung von unten nach oben, zumindest in den profitablen Branchen in den stark konkurrenz-getriebenen führt Automatisierung hingegen zu sinkenden Preisen und damit zu vermehrten Breitenwohlstand.

    Die Lösung ist also recht einfach und nicht bei den Maschinenstürmern zu suchen, sondern eher bei den sogenannten Linken angesiedelt.

    Verluste gehören auch dem Staat.

    "Die Arbeitsleistung der Roboter gehört den Besitzern, die Arbeitslosen dem Staat."

    Ich möchte ihren Satz umformulieren:

    Die Arbeitsleistung der Roboter gehört den Besitzern, die Arbeitsleistung der Arbeitslosen dem Staat.

    Denken Sie bitte an die Freiheitsdevise der FDP:

    Keine Leistung ohne Gegenleistung!

    ...und Arbeitslosigkeit bedingen nicht zwangsläufig einander.

    Allerdings verstärkt Automatisierung die Umverteilung von unten nach oben, zumindest in den profitablen Branchen in den stark konkurrenz-getriebenen führt Automatisierung hingegen zu sinkenden Preisen und damit zu vermehrten Breitenwohlstand.

    Die Lösung ist also recht einfach und nicht bei den Maschinenstürmern zu suchen, sondern eher bei den sogenannten Linken angesiedelt.

    Verluste gehören auch dem Staat.

  2. In einer Gesellschaft, die durch Geld organisiert, wieviel sich eine Person von den in ihr produzierten Gütern und Dienstleistungen nehmen darf, sollte man sich mit steigender Automatisierung weniger Gedanken darüber machen, wie die Güter produziert werden, sondern wie die Personen an das Geld kommen, um sich die Güter/Dienstleistungen leisten zu können. Im Allgemeinen wird dies nämlich über den Mechanismus geregelt, daß derjenige, der sich am Produktionsprozess beteiligt, auch entsprechend entlohnt wird. Werden nun Güter/Dienstleistungen von "Wesen" hergestellt, die selbst keinen großen "Konsumbedarf" haben (Energie und Wartung), stellt sich die Frage, wer deren "Lohn" zu welchem Zweck einstreicht.

    Außerdem beteiligen sich gar nicht alle Menschen am Produktionsprozess (z.B. Kinder, Alte, Kranke), haben aber zumindest einen Grundbedarf, um leben zu können. Warum sträubt sich der Autor hier gegen eine "Dividende", die es diese Personen ermöglichen könnte, in einer "Geld-organisierten-Gesellschaft" zu existieren? Vor allem in einer Gesellschaft, die praktisch alles und noch viel mehr zum Konsum anbietet, aber in der es einzelnen Akteuren nicht möglich ist, sich das Notwendigste zu leisten.

    Nein, nicht die Automaten verwehren ihnen ein Einkommen, sondern weil das, was sie anzubieten haben, nicht nachgefragt ist, um damit Einnahmen zu generieren. Was spricht also gegen eine "Dividende" aus der Automatisation und damit aus der gesamtgesellschaftlichen Wertschöpfung?

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    ...ganz gut zusammengefasst, aber:

    "Was spricht also gegen eine "Dividende" aus der Automatisation und damit aus der gesamtgesellschaftlichen Wertschöpfung?"

    wie meinst du das? Eine Steuer?

    Meine uneingeschrenkte Zustimmung!
    Wir müssen vom alten abgabesystem grundsätzlich weg. Wenn Lohnnebenkosten entfallen, ebenso wie Gewerbesteuer und ähnliche abgaben, diese auf die Mehrwertsteuer umgelegt würden, hätten wir massig Mittel ein bedinungsloses Grundeinkommen einzuführen. Alles ander ist heutzutage garnicht umsetzbar.
    Drahriman

    ...ganz gut zusammengefasst, aber:

    "Was spricht also gegen eine "Dividende" aus der Automatisation und damit aus der gesamtgesellschaftlichen Wertschöpfung?"

    wie meinst du das? Eine Steuer?

    Meine uneingeschrenkte Zustimmung!
    Wir müssen vom alten abgabesystem grundsätzlich weg. Wenn Lohnnebenkosten entfallen, ebenso wie Gewerbesteuer und ähnliche abgaben, diese auf die Mehrwertsteuer umgelegt würden, hätten wir massig Mittel ein bedinungsloses Grundeinkommen einzuführen. Alles ander ist heutzutage garnicht umsetzbar.
    Drahriman

  3. Durch die Modelle der Ökologie, aber auch die der Mikroökonomie sollte eigentlich klar sein, dass die Wahrheit irgendwann und irgendwo in der Mitte liegt, denn das Gleichgewicht wird durch mehr Faktoren beeinflusst als durch Arbeit und Technologie: Die Kompensation hört nämlich genau da auf, wo die Märkte gesättigt, sprich, die Konsumenten nicht "mehr" kaufen wollen und werden. Oder aber Ressourcenknappheit, wie bei allen erdölbasierten Produkten es deutlich merken und merken werden.
    Natürlich werden Roboter uns nicht ALLE arbeitslos machen, langfristig wird das Arbeitskräfteagebot aber trotzdem über der Nachfrage liegen.

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    ...vielleicht. In der Forschung, Kunst, Pflege usw. ganz sicher noch lange nicht, dazu bräuchte man künstliche Intelligenz. Und die ist nach wie vor nicht in Sicht und sollte sie jemals kommen, werden wir ganz andere Probleme haben.

    ...vielleicht. In der Forschung, Kunst, Pflege usw. ganz sicher noch lange nicht, dazu bräuchte man künstliche Intelligenz. Und die ist nach wie vor nicht in Sicht und sollte sie jemals kommen, werden wir ganz andere Probleme haben.

  4. ... könnte er seine "Wesen" sowieso einmotten. Denn wer soll deren Produkte denn noch kaufen, wenn den Leuten Einnahmen und Löhne fehlen. Leute wie Kappes haben immer noch nicht verstanden, dass man in der virtuellen welt nicht leben und überleben kann. Den Reset- oder Tiltbutton werden andere Länder und Kulturen drücken.

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  5. warum wollen oder können Sie die Idee eines staatlichen Eingriffs in den Wettbewerb nicht eindeutig mit dem Hinweis auf Ihren Nachnamen kommentieren?

    Automatisierung führt generell zu mehr Wohlstand.

    Das durch Automatisierung (günstigere Endpreise) frei werdende Kapital der Verbraucher verschwindet ja nicht, es benötigt oder sucht sich neue Wege.

    Würden wir heute noch Stoffe per Hand weben und Hemden nur aus heimischer (Hochlohn) Produktion beziehen, gäbe es bestimmt nicht so viele Arbeitsplätze in Servicebereichen wie z.B. dem Tourismus.

    Der Ansatz, den Verlust von Arbeitsplätzen als Übel zu betrachten ist im engsten Wortsinne konservativ und in einer dynamischen Welt schlichtweg kontraproduktiv. Oder können Sie mir Berichte vorlegen die, die bisherigen Arbeitsbedingungen bei Foxconn auch nur als sozial bezeichnen?

    Marktwirtschaft oder Kapitalismus sind im Kern nichts anderes als kreative Zerstörung. Das Bessere ist stets des Guten Feind.

    Daraus folgert: Allein die Idee einer staatlichen Steuerung und erst recht die einer Steuer auf Maschinen ist nett gemeint aber der sichere Weg in die gesellschaftliche Armut.

    Was an unserem Steuersystem in erster Linie zu beklagen ist, ist die ungleiche Besteuerung von Arbeits- und Vermögenseinkommen. In zweiter Linie die völlig unnötige Komplexität, die im Ergebnis zu weniger Gerechtigkeit statt dem gewünschten Mehr an Gerechtigkeit führt.

    Danke für Ihre Zeit.

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  6. Wahrscheinlich handelt es sich um computergesteuerte Produkte.

    Hierzu gehört sicher nicht nur der Industrieroboter an der Autofertigungsstraße, sondern die Aufzugssteuerung, das ABS, der Kilometerzähler im Auto, die Funkuhr, die Kirchenglockensteuerung, mein Notebook (mit Tastatur?), mit dem ich gerade diesen Text verfasse, das Leuchtmittel an der Decke (oder nur ein einzelnes Teil davon?), die Ampelanlagen (bzw. nur einzelne Bauteile?), die Heizungs-, Waschmaschinen-, Spülmaschinensteuerung, der programmierbare Herd, die halbe Einrichtung von Intensivstationen usw.

    Nicht alle diese Teile ersparen Arbeit bzw. nehmen welche weg. Sicher könnte man z. B. Arbeitsplätze schaffen, wenn man die Kirchenglocken wieder von Hand läuten würde, nicht jedoch durch die Abschaffung von ABS und Lenkhilfe.

    Interessant ist, dass der Aufschrei über das komplizierte Steuersystem einhellig ist. Fast ebenso einhellig scheinen aber die Wünsche zu sein, noch mehr und immer kompliziertere Sachverhalte in das System zu packen. Heute habe ich z. B. schon von der Idee einer Fettsteuer gelesen.

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  7. Der Zeitpunkt ist absehbar, an dem schlicht der Mensch entsorgt wird: man braucht ihn nicht mehr.
    Vielleicht braucht man noch ein paar Journalisten, die den Übriggebliebenen erklären, warum das alles so seine Richtigkeit hat und die Dinge zum Besten stehen.

    Heute ist es schon so, dass eine immer größere Zahl von Menschen überflüssig ist: man schaue in die USA oder bei uns.
    Zwar gelang es, die Arbeitslosenstatistiken kleinzurechnen: immer mehr Menschen werden da bereits herausgeworfen, z.b. in den USA die vielen, die sich keine Hoffnung mehr auf einen Job machen. Bei uns die vielen Unterbeschäftigten.
    Immer mehr Menschen werden immer weniger versorgt - ihnen fehlt das Geld auch nur für den notwendigen Konsum. Also kann man die Produktion weiter herunterfahren und braucht noch weniger Menschen.
    Oder schauen wir nach Südeuropa: immer mehr hungern dort und wir haben dort bald eine Situation, wie in Indien mit Millionen Hungertoten (in den USA kaum besser mit heute bereits fast 50 Millionen Empfängern von Lebensmittelmarken).
    Was noch blüht, ist der Finanzsektor: der treibt durch Spekulation die Preise für Nahrungsmittel hoch - und sammelt ein, was Automatisierungsdividende sein könnte.

    Leider muss man deshalb das Resüme dieses Artikels als fortgeschrittenen Zynismus betrachten.

    5 Leserempfehlungen
  8. "Die Arbeitsleistung der Roboter gehört den Besitzern, die Arbeitslosen dem Staat."

    Ich möchte ihren Satz umformulieren:

    Die Arbeitsleistung der Roboter gehört den Besitzern, die Arbeitsleistung der Arbeitslosen dem Staat.

    Denken Sie bitte an die Freiheitsdevise der FDP:

    Keine Leistung ohne Gegenleistung!

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