Die Digitalisierung ermöglicht große Fortschritte in vielen Lebensbereichen und Branchen. Und die Entwicklung geht aufgrund des Moore´schen Gesetzes (Leistungssteigerung durch Chipentwicklung) nicht nur weiter, sondern sie wird schneller. Mit dem Ergebnis, dass der Bedarf an Arbeitsplätzen, bei denen wiederkehrende Informationen verarbeitet werden, sinkt. Da liegt es nahe, wie Frank Rieger in der FAZ die Frage zu stellen, wem die Vorteile dieser Entwicklung zukommen sollen.

In der Tat wirken Nachrichten wie die von Foxconn beunruhigend . Der weltgrößte Hersteller von Computern kündigte gerade an, mit einer Million Robotern die Fertigung unter anderem des iPhones zu automatisieren – und wohl dementsprechend viele Menschen zu entlassen.

Rieger wünscht daher einen "Pro-Automatisierungsgrundkonsens" und fordert, um Widerstände des im Rennen gegen die Maschinen unterlegenen Menschen zu überwinden, die "Vergesellschaftung (der) Automatisierungsdividende": Roboter sollen unsere Rente und unser Grundeinkommen verdienen. Der Weg dahin sei eine indirekte Steuer auf "nichtmenschliche Arbeit".

Die Idee scheint durch Stringenz und als soziale Antwort auf ein technisches Problem zu bestechen. Zuerst einmal ist sie jedoch nicht so neu, wie sie scheint. Während das "Entbergen" von Technik (Heidegger) schon immer stattfand, kommt vor allem seit der Industrialisierung die Frage auf, wem die Technik-Vorteile zustehen.

Maschinenstürmer

Schon Marx unterschied die "Klassen" danach, wer Eigentum an "Produktionsmitteln" (Boden, Fabriken, Maschinen) besitzt und prangerte das alleinige Einstreichen des dadurch entstandenen "Mehrwertes" als Ausbeutung an. Ihm voraus gingen sogenannte Maschinenstürmer. Die kämpften gegen die Arbeitsprozesse aufteilende, den Wettbewerb fördernde und die Privilegien zerstörende Fabrikproduktion – und damit gegen die Herrschaft der Fabrikeigentümer.

Die Idee einer "ökonomischen Dividende" taucht auch 1942 in einem Science-Fiction-Roman von Robert A. Heinlein auf. Auch Jeremy Rifkin sagt seit Mitte der neunziger Jahre die Ausrottung vieler Berufe voraus und formulierte bereits 1997 : "Das Industriezeitalter beendete die Sklavenarbeit, das Informationszeitalter wird die Massenbeschäftigung abschaffen."

Doch hat die Geschichte der Technik bisher eines gezeigt: Soziale Probleme wie Pauperismus entstanden in Übergangsphasen, langfristig wurde der Verlust an Arbeitsplätzen kompensiert – sogar trotz steigender Bevölkerungszahl und Lebenszeit. Eine Regel für die Zukunft folgt daraus freilich nicht.

Für den Computereinsatz galt lange Zeit sogar das "Produktivitätsparadoxon der Informationstechnologie" : Bis Anfang der neunziger Jahre konnte keine Untersuchung einen Produktivitätsbeitrag der Informationstechnologie beweisen. Studien nach der Jahrtausendwende wie die von Ansgar Gründler kommen hingegen zu einem differenzierteren Ergebnis. Demnach schwankt der Gewinn an Produktivität von Branche zu Branche und hängt stark von der IT-Strategie und ihrer Umsetzung ab.