"Hello World", twitterte Tony Nicklinson am 13. Juni. "Ich habe das Locked-in-Syndrom und dies ist mein allererster Tweet."

Eine knappe Woche später folgen ihm bereits mehr als 26.000 Menschen . Sie lesen die Botschaften eines Mannes, der nicht länger leben will.

Nicklinson ist Brite und 58 Jahre alt. Im Jahr 2005 erlitt er einen Schlaganfall. Seitdem ist er Locked-in -Patient. Das bedeutet, er ist geistig vollkommen gesund und hellwach. Aber er kann seinen Körper nicht mehr steuern, er ist darin eingeschlossen. Nur seine Augen kann er noch bewegen. Mit ihnen steuert er einen Computer, über den er kommunizieren kann.

Der Ehemann und Vater zweier Kinder will dieses Leben nicht länger führen. Er bezeichnet es als "Alptraum". Tony Nicklinson hat nur einen Wunsch: Er möchte von einem Arzt getötet werden dürfen. In Großbritannien ist aktive Sterbehilfe aber untersagt.

Ab dem heutigen Dienstag kann Nicklinson dem High Court, dem höchsten britischen Zivilgericht, seinen Wunsch erklären. Nicklinson will die Richter davon überzeugen, dass es sein Recht ist, über seinen Tod selbst zu entscheiden, so wie er es könnte, wenn er sich noch bewegen könnte. Für die Anhörung dazu sind vier Tage angesetzt.

In einem Beitrag für die BBC schreibt Nicklinson: "Ich verlange eine Ergänzung des Mord-Paragrafen, die es unter bestimmten Umständen erlaubt, einer anderen Person das Leben zu nehmen." Er tue das auch, damit andere Menschen nicht ein ähnlich unwürdiges Leben führen müssten, wenn sie das nicht wollten.

Twitter nutzt er, um auf sein Anliegen aufmerksam zu machen. Er weist auf TV-Dokumentationen zu seinem Fall hin sowie auf Zeitungsartikel. Er twittert aber auch über seinen furzenden Hund und seine größte Leidenschaft: Rugby.

Und er verlinkt auf ein Video, das ihn beim Twittern zeigt . Die Stimme, die im Video zu hören ist, wird von seinem Computer generiert. Eine Software liest – mit gewöhnungsbedürftiger Betonung – vor, was Nicklinson mühsam per Augenzwinkern eingegeben hat.

Das bringt ihm unzählige gute Wünsche und aufmunternde Worte ein – und natürlich die Frage, ob die neuen Freuden der Kommunikation mit so vielen Menschen etwas an seinem seinen Todeswunsch ändern können. Doch Nicklinson hat in mehreren Interviews klargestellt , dass nichts und niemand ihn umstimmen werde.

So sagte er dem Independent : "Ich fühle mich der Welt insgesamt verbundener. Aber obwohl es eine interessante Übung in menschlicher Interaktion ist, werde ich immer noch wissen, was zu tun ist, wenn es soweit ist. In anderen Worten: Bei Twitter zu sein, reicht nicht aus, um etwas an meinem Wunsch zu ändern. Vielleicht werde ich der erste Mensch sein, der über Twitter Goodbye sagt."