Paul Chambers vor dem Obersten Gericht in London © Finbarr O'Reilly/Reuters

Vor dem höchsten Gericht von England und Wales beginnt ein Berufungsverfahren wegen einer nicht ernst gemeinten Bombendrohung auf Twitter. Vor zwei Jahren war ein junger Mann festgenommen worden, nachdem er über den Dienst eine entsprechende Meldung abgesetzt hatte, berichtet der Guardian .

Im Januar 2010 ist der Regionalflughafen der Stadt Doncaster wegen Schnee und Eis geschlossen. Weil Paul Chambers seinen Flug verpasst, veröffentlicht er folgenden Tweet: "Mist! Der Robin-Hood-Airport ist geschlossen. Ihr habt eine Woche, um das hier wieder hinzukriegen, sonst jage ich den Flughafen in die Luft!!"

Sieben Tage später nehmen ihn Polizeibeamte fest, nachdem Mitarbeiter des Flughafens auf den Tweet gestoßen sind. Chambers verliert daraufhin seinen Job in der Buchhaltung einer Autofirma. Der Mann wird angeklagt, weil er "eine öffentliche elektronische Nachricht" versendet habe, die von "bedrohlichem Charakter" gewesen sei.

1.000 britische Pfund Strafe

Zu seiner Verteidigung bringt Chambers vor, ihm sei es gegangen wie an einem schlechten Arbeitstag, an dem man sagt, man könnte seinen Boss umbringen. "Ich habe überhaupt nicht daran gedacht, dass das jemand ernst nehmen könnte", sagte Chambers der Zeitung zufolge. Dennoch verurteilt ihn ein Richter zu einer Strafzahlung von 1.000 britischen Pfund.

Chambers geht in Berufung und verliert auch in zweiter Instanz den Prozess, obwohl Mitarbeiter des Flughafens zu seinen Gunsten aussagen. Ein Sicherheitsbeamter gibt an, dass nach Bekanntwerden der Twitter-Nachricht "keine Maßnahmen" getroffen wurden. "Es hatte keine Folgen", sagt er. Dennoch entscheidet das Berufungsgericht, dass Chambers weitere 2.000 Pfund für die Verfahrenskosten zu tragen habe.

Die Richterin begründet ihre Entscheidung laut Guardian mit den Worten: Die Nachricht sei "bedrohlich in ihrem Inhalt" gewesen. "Es hätte nicht klarer sein können. Jeder normale Mensch, der das liest, hätte das so verstanden und wäre beunruhigt."

"Beweislast besteht darin, dass es ein Witz war"

Über die britischen Medien macht Chambers seinen Fall landesweit bekannt. Er findet viele Unterstützer, darunter eine Gruppe von Comedy-Stars, die mit einer Benefiz-Show Geld für die Gerichtskosten sammeln. Chambers kündigt nun an, seinen Fall vor das höchste Gericht Englands zu bringen.

Vor Beginn der Verhandlung sagt sein Anwalt: "Die überwiegende Beweislast besteht darin, dass es ein Witz war." Es werde versucht, mit einer Dampfwalze eine Nuss zu knacken. Die Staatsanwaltschaft allerdings bringt vor: "Die Nachricht wurde zu einer Zeit gesendet, als die mögliche Bedrohung für die Sicherheit von Flughäfen hoch war." Die Entscheidung des Gerichts wird für Donnerstag erwartet.