Wann immer Gotham City in Gefahr ist, erscheint die Fledermaus am Nachthimmel. Es ist das "Bat-Signal", um Batman auf den Plan zu rufen. Nun soll ein daran angelehntes "Cat-Signal" das Internet retten. Jedenfalls ein bisschen. Das nämlich ist das offizielle Logo der Internet Defense League (IDL), einem Zusammenschluss von Netzaktivisten, die sich zum Ziel gesetzt haben, das offene Internet zu verteidigen und vor "schlechten Gesetzen und Monopolen" zu schützen.

Hinter dem Projekt steht das Aktivisten-Netzwerk Fight for the Future . Das hatte bereits vergangenen November den " American Censorship Day " organisiert und war zu Beginn des Jahres maßgeblich an den Protesten gegen die US-Gesetzentwürfe Sopa und Pipa beteiligt. Mit Erfolg: Die umstrittenen Pläne zu Netzsperren wurden inzwischen vom US-Kongress verworfen – auch weil die Proteste immer mehr Abgeordnete zum Umdenken bewegt hatten.

Auf diesen Erfolg des Graswurzel-Aktivismus im Netz möchte die IDL aufbauen. Künftig soll es einfacher sein, auf Protestaktionen aufmerksam zu machen. Mitmachen kann jeder, der eine Website hat: Unterstützer der IDL können ein Widget auf ihre Website bauen, das auf aktuelle Pläne, Vorhaben und Proteste hinweist. Ziel der Liga ist es, möglichst viele Menschen in kurzer Zeit zu erreichen: "Millionen von Menschen fühlen sich mit den Websites verbunden, die sie täglich nutzen", sagt Tiffiniy Cheng von Fight for the Future, "mit einem bestehenden Netzwerk können wir sie einfacher mobilisieren."

Dass die Macher es durchaus ernst meinen, zeigt die Liste der ersten Unterstützer. Neben bekannten Unternehmen wie Wordpress, Reddit und Mozilla finden sich Bürgerrechtsorganisationen wie die Electronic Frontier Foundation (EFF) und die französische La Quadrature du Net sowie mehrere US-Senatoren und die niederländische Europa-Abgeordnete Marietje Schaake . Sie hatte vor einigen Wochen im EU-Parlament gegen das Handelsabkommen Acta gestimmt .

Während sich die IDL bewusst auch an kleine Blogs und Privatpersonen richtet, dürfte der Fokus auf den großen Namen liegen. Allein der News-Aggregator Reddit verbucht inzwischen rund zwei Milliarden Besucher pro Monat und gilt als einer der wichtigsten Social-Media-Kanäle in den Vereinigten Staaten. Zu Beginn des Jahres schrieben Reddit-Nutzer bereits ihr eigenes Internetgesetz , künftig können sie in einem eigenen Unterforum das Vorgehen der IDL diskutieren.

Mit Online-Aktionen aber soll es nicht getan sein. Die Internet Defense League möchte auch jenseits des Internets aktiv werden, also Lobbyarbeit betreiben. Das ist nötig, denn gerade im US-Kongress zählen vor allem Einfluss und Überzeugungsarbeit. "Abgeordnete verstehen nicht viel von Technologiethemen", sagt der Republikaner und IDL-Unterstützer Jerry Moran , aber Menschen mit Wissen und Leidenschaft könnten eine wichtige Rolle dabei spielen, innovative Politik zu betreiben. In gewisser Weise versteht sich die Liga also nicht bloß als Protest-Netzwerk, sondern auch als unabhängiger Beobachter und – im besten Fall – Berater der Legislative.