Internet Defense League: Die Liga der Netzaktivisten
Die Proteste gegen Sopa und Acta haben gezeigt: Internetnutzer können die Politik beeinflussen. Ein neues Netzwerk möchte nun den Kampf für ein freies Netz vereinfachen.
© Internet Defense League/Twitter

Projektion des IDL-Logos in New York City
Wann immer Gotham City in Gefahr ist, erscheint die Fledermaus am Nachthimmel. Es ist das "Bat-Signal", um Batman auf den Plan zu rufen. Nun soll ein daran angelehntes "Cat-Signal" das Internet retten. Jedenfalls ein bisschen. Das nämlich ist das offizielle Logo der Internet Defense League (IDL), einem Zusammenschluss von Netzaktivisten, die sich zum Ziel gesetzt haben, das offene Internet zu verteidigen und vor "schlechten Gesetzen und Monopolen" zu schützen.
Hinter dem Projekt steht das Aktivisten-Netzwerk Fight for the Future. Das hatte bereits vergangenen November den "American Censorship Day" organisiert und war zu Beginn des Jahres maßgeblich an den Protesten gegen die US-Gesetzentwürfe Sopa und Pipa beteiligt. Mit Erfolg: Die umstrittenen Pläne zu Netzsperren wurden inzwischen vom US-Kongress verworfen – auch weil die Proteste immer mehr Abgeordnete zum Umdenken bewegt hatten.
Auf diesen Erfolg des Graswurzel-Aktivismus im Netz möchte die IDL aufbauen. Künftig soll es einfacher sein, auf Protestaktionen aufmerksam zu machen. Mitmachen kann jeder, der eine Website hat: Unterstützer der IDL können ein Widget auf ihre Website bauen, das auf aktuelle Pläne, Vorhaben und Proteste hinweist. Ziel der Liga ist es, möglichst viele Menschen in kurzer Zeit zu erreichen: "Millionen von Menschen fühlen sich mit den Websites verbunden, die sie täglich nutzen", sagt Tiffiniy Cheng von Fight for the Future, "mit einem bestehenden Netzwerk können wir sie einfacher mobilisieren."
Dass die Macher es durchaus ernst meinen, zeigt die Liste der ersten Unterstützer. Neben bekannten Unternehmen wie Wordpress, Reddit und Mozilla finden sich Bürgerrechtsorganisationen wie die Electronic Frontier Foundation (EFF) und die französische La Quadrature du Net sowie mehrere US-Senatoren und die niederländische Europa-Abgeordnete Marietje Schaake. Sie hatte vor einigen Wochen im EU-Parlament gegen das Handelsabkommen Acta gestimmt.

Während sich die IDL bewusst auch an kleine Blogs und Privatpersonen richtet, dürfte der Fokus auf den großen Namen liegen. Allein der News-Aggregator Reddit verbucht inzwischen rund zwei Milliarden Besucher pro Monat und gilt als einer der wichtigsten Social-Media-Kanäle in den Vereinigten Staaten. Zu Beginn des Jahres schrieben Reddit-Nutzer bereits ihr eigenes Internetgesetz, künftig können sie in einem eigenen Unterforum das Vorgehen der IDL diskutieren.
Mit Online-Aktionen aber soll es nicht getan sein. Die Internet Defense League möchte auch jenseits des Internets aktiv werden, also Lobbyarbeit betreiben. Das ist nötig, denn gerade im US-Kongress zählen vor allem Einfluss und Überzeugungsarbeit. "Abgeordnete verstehen nicht viel von Technologiethemen", sagt der Republikaner und IDL-Unterstützer Jerry Moran, aber Menschen mit Wissen und Leidenschaft könnten eine wichtige Rolle dabei spielen, innovative Politik zu betreiben. In gewisser Weise versteht sich die Liga also nicht bloß als Protest-Netzwerk, sondern auch als unabhängiger Beobachter und – im besten Fall – Berater der Legislative.
Gelegenheit zum Beraten dürfte die IDL reichlich haben. Zwar konnte mit dem Stopp von Sopa und Pipa ein erster Erfolg verbucht werden, doch die nächsten Entwürfe liegen bereits parat: Der Cyber Intelligence Sharing and Protection Act (Cispa) etwa, der großflächige Überwachung im Netz ermöglicht. Oder der Cybersecurity Act of 2012. Und auch in Europa wartet mit dem Comprehensive Economic and Trade Agreement (Ceta) bereits der inoffizielle Acta-Nachfolger.
Es gibt also viel zu tun für die "Feuerwehr des Internets", wie der Autor und Netzaktivist Clay Shirky die zahlreichen Protestierer im Netz unlängst nannte. Das glaubt auch Mike Masnick vom teilnehmenden Blog Techdirt: "Wir alle hoffen, dass die IDL ein überflüssiges Vorhaben ist. Aber wenn man sich einmal umschaut, scheint es unwahrscheinlich, dass wir sie niemals brauchen werden."
Unklare Mobilisierung
Und doch möchte die Liga nicht überpräsent sein. "Wenn es wieder ein furchtbares Gesetz gibt, sind wir bereit", sagt Initiatorin Cheng. In der Zwischenzeit versuche man, die Interaktion mit den Internetnutzern gleichmäßig hochzuhalten, ohne dass das Vorhaben zur Routine verkommt.
Dabei ist unklar, wie genau die Unterstützer mobilisiert werden. Die Macher wollen sich an der "Viralität" der jeweiligen Ereignisse orientierten; je häufiger ein Thema im Netz diskutiert wird, desto genauer wird die IDL darauf schauen und entscheiden, ob ein Eingreifen sinnvoll ist. Unklar ist ebenfalls, ob alle Teilnehmer auch alle Aktionen unterstützen.
Interessenkonflikte könnten im schlimmsten Fall die kollektive Stimme der Liga hinfällig machen. So kann das Widget auf den Websites zwar automatisch ausgelöst werden, es zeigt dann auf allen Seiten, die es eingebunden haben, das Gleiche. Wenn aber zu viele Teilnehmer damit nicht einverstanden sind und das Widget entfernen, würde das auffallen. Erst recht, wenn ein bekanntes Unternehmen aussteigt.
Eine LolCat, diese hier protestiert gegen das amerikanische Netzsperrgesetz Sopa
Überhaupt, die Sache mit dem Katzenlogo. Das ist nicht nur zufällig an den gleichzeitig mit der Internet Defense League startenden neuen Batman-Film angelehnt, sondern auch an das Phänomen der Lolcats, der mit Text versehenen Katzenbilder im Netz. Die nämlich, so wollen inzwischen Studien herausgefunden haben, sind mehr als bloß Humor: Sie bieten die Möglichkeit, eine Haltung und Protest auszudrücken. Zum Beispiel, wenn wieder einmal das Internet in Gefahr ist.










Aber wenn man sieht, was nach der Ablehnung von Acta schnell aus der Mottenkiste rausgekramt wurde, dann ist so eine Vereinigung wohl defnitiv nötig!
Ich hätte mich ja eher für ein großes Trollface als logo starkgemacht ;-D
... eher um 'destruktives-Verhalten-ohne-Konsequenzen'. Ich habe mit genug solcher 'Netzaktivisten' zu tun gehabt und das meiste sind große Kinder, die ihre Pubertät bis in's vierte Lebensjahrzehnt retten wollen ... ist okay, wenn jemand partout nicht erwachsen werden will, aber man sollte keine überspannte Ideologie draus machen - just my 2 cent.
Es ist erschreckend nach welch kurzen Zeit, versucht wird ACTA unter einem anderem Namen wieder einzuführen. Daher halte ich eine solche Organisation durchaus für notwendig.
Denken wir nur mal ein paar Tage zurück an das Meldegesetz, dass gezeigt hat, dass man nicht einmal eine Minute bracht um unsere Bürgerrechte zu beschneiden. Oder findet es hier jemand ok, dass man per Gesetz sein Adresse einem Adressenhändler (Meldeamt) zu Verfügung stellen muss?
Glücklicherweise wird das Gesetz wahrscheinlich nicht durch den Bundesrat kommen. Trotzdem wird immer mehr versucht unsere Rechte zu Gunsten des Profites einzelner eh schon reicher Interessens- und Lobbygruppen zu beschränken. Das Meldegesetz wäre fast unbemerkt geblieben, wenn nicht ein einzelne aufmerksamer Journalist aufgepasst hätte.
Ich wünsche der Internet Defense League viel Erfolg beim Kampf für die Freiheitsrechte !
Es ist erschreckend nach welch kurzen Zeit, versucht wird ACTA unter einem anderem Namen wieder einzuführen. Daher halte ich eine solche Organisation durchaus für notwendig.
Denken wir nur mal ein paar Tage zurück an das Meldegesetz, dass gezeigt hat, dass man nicht einmal eine Minute bracht um unsere Bürgerrechte zu beschneiden. Oder findet es hier jemand ok, dass man per Gesetz sein Adresse einem Adressenhändler (Meldeamt) zu Verfügung stellen muss?
Glücklicherweise wird das Gesetz wahrscheinlich nicht durch den Bundesrat kommen. Trotzdem wird immer mehr versucht unsere Rechte zu Gunsten des Profites einzelner eh schon reicher Interessens- und Lobbygruppen zu beschränken. Das Meldegesetz wäre fast unbemerkt geblieben, wenn nicht ein einzelne aufmerksamer Journalist aufgepasst hätte.
Ich wünsche der Internet Defense League viel Erfolg beim Kampf für die Freiheitsrechte !
Und somit manifestiert sich die Idee mehr und mehr in traditionellen Strukturen. Angefangen hat es mit simplen Vereinen (Beispiel: der angesprochene EFF), ziemlich schnell wuchs ein Wirtschaftsfaktor und entsprechend hat sich ein Verband gegründet (Beispiel: BITKOM). Europaweit hat sich dann eine Partei herausgeschält (die Piraten), die diesem Umfeld erwachsen ist. Und nun kristallisieren sich noch Lobbygruppen heraus.
Alle diese Entwicklungen waren vorhersehbar zwingend, da die jeweilige Übermacht der "Gegenseite" (v.a. die Rechteverwerter) aggressiv und oft zu Lasten anderer ihre Interessen durchgesetzt haben.
Es ist ein spannendes Feld für Forscher; und dieses Feld wird auch fleißig bearbeitet. Es ist angenehm zu beobachten, dass auch für moderne Erscheinungen "klassische" Erklärungsansätze passend sein können.
Beschützt uns die Liga der Netzaktivisten eigentlich auch vor der Datensammelwut von Google, Facebook und Konsorten oder geht es einseitig und ausschließlich gegen den Staat?
Und wenn schon, dann ist es mir im übrigen lieber, wenn der Staat (aus gegebenen Anlaß) meine Daten speichert oder prüft, als dass eine privatwirtschaftliche Firma diese "kassiert", auswertet und bis in alle Ewigkeit in ihren Datenbanken speichert ...
Oder anders ausgedrückt: Es stimmt bedenklich, wenn es leichter ist, aus der Katholischen Kirche auszutreten als sein Kundenkonto bei Amazon löschen zu lassen ...
Sie stellen dies als eine Wahl zwischen zwei Übeln dar, bei welchem der Staat als Adressenhändler das kleinere Übel ist.
Wenn Sie beides nicht richtig finden, dann finde ich sollten Sie sich auch nicht selbst beschränken nur einen Missstand anzuprangern und abzuschaffen.
Sie stellen dies als eine Wahl zwischen zwei Übeln dar, bei welchem der Staat als Adressenhändler das kleinere Übel ist.
Wenn Sie beides nicht richtig finden, dann finde ich sollten Sie sich auch nicht selbst beschränken nur einen Missstand anzuprangern und abzuschaffen.
Es ist erschreckend nach welch kurzen Zeit, versucht wird ACTA unter einem anderem Namen wieder einzuführen. Daher halte ich eine solche Organisation durchaus für notwendig.
Denken wir nur mal ein paar Tage zurück an das Meldegesetz, dass gezeigt hat, dass man nicht einmal eine Minute bracht um unsere Bürgerrechte zu beschneiden. Oder findet es hier jemand ok, dass man per Gesetz sein Adresse einem Adressenhändler (Meldeamt) zu Verfügung stellen muss?
Glücklicherweise wird das Gesetz wahrscheinlich nicht durch den Bundesrat kommen. Trotzdem wird immer mehr versucht unsere Rechte zu Gunsten des Profites einzelner eh schon reicher Interessens- und Lobbygruppen zu beschränken. Das Meldegesetz wäre fast unbemerkt geblieben, wenn nicht ein einzelne aufmerksamer Journalist aufgepasst hätte.
Ich wünsche der Internet Defense League viel Erfolg beim Kampf für die Freiheitsrechte !
Sie stellen dies als eine Wahl zwischen zwei Übeln dar, bei welchem der Staat als Adressenhändler das kleinere Übel ist.
Wenn Sie beides nicht richtig finden, dann finde ich sollten Sie sich auch nicht selbst beschränken nur einen Missstand anzuprangern und abzuschaffen.
"Das Meldegesetz wäre fast unbemerkt geblieben, wenn nicht ein einzelne aufmerksamer Journalist aufgepasst hätte."
Das ist ja wohl so ziemlich das größte Windei seit langem gewesen, mit dem sich auch noch Viviane Riding selbst inszinieern konnte.
Sicher ist das der einzige Journalist der auch gegen die Adressvergabe von Druckerkolonnen untereinander und Abo-Jägern ins Feld gezogen ist. Das Telefonbucheinträge annonymisiert werden sollen hat er hoffentlich auch angeschoben ?
Auch die Aktualisierung dieser Daten hätten sich die Ämter jeweils vergüten lassen können. Das ist der Kostenfaktor den Adresshändler ja eher scheuen und genau diese Daten werden ja gar nicht zu den persönlichen gezählt. Die darf ja jeder in Erfahrung bringen wollen. Welchen Preis erhält der Journalist denn jetzt dafür ?
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