Online-ShoppingEin Knöpfchen gegen Abofallen

Ab August müssen Onlinehändler einen "Kaufen"-Button einbinden, damit nicht noch mehr Menschen in Abofallen tappen. Tricksereien wird es wohl trotzdem geben. von Simon Frost

Jetzt geben Sie’s schon zu! Sie wollten doch immer schon wissen, ob eher ein Fisch oder eine Jungfrau zu Ihnen passt. Und ob Sie in Ihrem Leben noch zu großem Reichtum gelangen. Kein Problem, wenn Sie noch heute Ihr persönliches Horoskop bestellen. Dass das Ergebnis ohne Gewähr ist, versteht sich von selbst. Dass Sie dieser Spaß 99,95 Euro kostet und das jährlich, es sei denn, Sie kündigen zu einem ganz bestimmten Termin, sagen wir Ihnen nicht. Oder nur im Klitzekleingedruckten.

Über Jahre hinweg haben Geschäftemacher im Internet mit dieser oder ähnlichen Maschen Verbrauchern das Geld aus der Tasche gezogen. Mehr als fünf Millionen Internetnutzer in Deutschland sind in solche Abofallen getappt, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infas. Mehr als 20.000 Beschwerden monatlich erreichten die Verbraucherzentralen. Das Prinzip ist immer gleich: Die Anbieter locken mit einer Leistung – zum Beispiel Hausaufgabenhilfe, Ahnenforschung, kostenloser SMS-Versand oder Kochrezepte –, bei der der Verbraucher auf den ersten Blick nicht erkennen kann, dass sie kostenpflichtig ist. Diese Angabe ist entweder am Fuß der Seite oder in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) versteckt. Die Betreiber der Seiten fragen nach Namen und Adressen, schicken – meist nach Ablauf der Widerrufsfrist – Vertrag und saftige Rechnungen und scheuen auch vor Inkassoverfahren nicht zurück. Aus Angst oder Unwissenheit zahlen viele Leute, auch wenn unter solchen Umständen geschlossene Verträge in den meisten Fällen nicht rechtskräftig sind.

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Damit soll nun Schluss sein. Von August an muss jeder Gewerbetreibende auf kostenpflichtige Onlineangebote in Deutschland mit dem sogenannten Internetbutton hinweisen. Der Button ist eine Schaltfläche, die etwa mit "Zahlungspflichtig bestellen“ gekennzeichnet sein muss. So steht es im Gesetz, das zum 1. August in Kraft tritt. Alternativ möglich seien auch Formulierungen wie "Kaufen“, "Einkauf abschließen“ oder "Zahlungspflichtigen Vertrag abschließen“, erläutert der Bundesverband Digitale Wirtschaft. Wenn ein Anbieter einfach "Bestellen“, "Anmeldung“ oder "Weiter“ auf seine Buttons schreibt, reiche das künftig nicht mehr aus, informiert der Branchenverband seine Mitglieder in einem aktuellen Leitfaden.

Betreiber der Abofallen werden wohl trotzdem weitermachen

Verbraucherschützer feiern die Neuerung als Erfolg. "Wir sind sehr zufrieden, dass wir diese Lösung haben durchsetzen können“, sagt Jutta Gurkmann vom Verbraucherzentrale-Bundesverband (VZBV). Die bisherigen Regelungen seien nicht präszise genug gewesen und hätten so schwarzen Schafen ihre Abzocke erst ermöglicht. Beispielsweise muss ein Anbieter auch bislang schon den Preis der Ware oder Dienstleistung angeben. "Nicht geregelt ist jedoch, wo der Preis stehen muss“, erläutert Gurkmann. Künftig müssen die relevanten Angaben wie Preis oder Laufzeit in unmittelbarer Nähe des Buttons platziert sein, so dass sie auf den ersten Blick sichtbar sind.

Auch die Onlinehändler sind mit der neuen Regelung weitgehend einverstanden. "Wir halten sie grundsätzlich für eine gute Sache“, sagt Nadine Schüttel vom Internetverband Eco. Der Button stärke das Vertrauen der Verbraucher in die E-Commerce-Branche, so die Hoffnung der Lobby. "Allerdings wäre uns eine Lösung, die mehr auf Aufklärung der Verbraucher setzt und weniger auf eine gesetzliche Änderung, lieber gewesen“, schränkt Schüttel ein.

Aus Sicht der Händler mag das nachvollziehbar sein. Doch nicht einmal der Verband selbst glaubt offenbar daran, dass dies reichen würde. "Selbst nach Inkrafttreten der Neuregelung rechnen wir damit, dass die Betreiber der Abofallen weitermachen werden“, sagt Schüttel.

Leserkommentare
  1. Bin mal in eine solche Abofalle 'getappt', habe die Mahnmails dann aber mit Verweis auf geltendes Recht und Urteile in der Richtung allesamt abgebügelt bis nichts mehr kam.

    Auch wenn die Betreiber der Abofallen wahrscheinlich weitermachen gibt es nun zumindest eine rechtliche Handhabe und in Zukunft dann hoffentlich auch (drakonische) Strafen.

    2 Leserempfehlungen
  2. Beim Verbraucherschutz kann man am leichtesten erkennen, welchen Stellenwert der Bürger für die Politik hat.
    Nach jahrelanger Abzocke bequemt sie sich, nun wenigstens eine kosmetische Korrektur anzubringen.
    Recht hat sie, denn in der Demokratie bekommt das Volk exakt die Regierung, die es verdient.

    4 Leserempfehlungen
  3. bei Abschluß steht noch "Weiter" auf dem Button

    wenn dann der Vertrag abgeschickt wurde platziert die Seite einen Cookie und wenn das Opfer später vorbei schaut steht dort korrekt "Kaufen"

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Genau sowas hab ich mir beim Lesen auch gedacht. Ich persönlich bin IT-technisch eher unbedarft, aber ich frag mich auch, wie man denn als user vermeiden kann, dass sich sowas quasi NACH der Bestellung auf einen KAUFEN-Button umstellt und man letztlich keinen Nachweis mehr hat?
    Da ist man ja jetzt rechtlich besser abgesichert...

  4. aber eben nur ein Schritt.
    Wichtig wäre m.E. auch die strafrechtliche Verfolgung eines permanenten Betrugsversuchs. Den sähe ich gegeben bei den Abo Fallen.
    Dass das Recht den feinen Unterschied macht zwischen hereinlegen (legal) und betrügen (illegal) mag erfordern, einen neuen Straftatbestand zu formulieren.

  5. Keine Ahnung, wie Leute in diese Fallen tappen. Dabei ist es doch so einfach: Wo man seine Adresse angeben muss, kostet es Geld. Denn Gratisinformationen muss man nicht mit der gelben Post zuschicken, sondern kann sie auch gleich über das Internet verteilen.

    Die meisten Shops werden übrigens nicht viel ändern müssen. Denn die Darstellung der Bestellung mit Preisen, Versandkosten, Steuern zusammen mit einem "kaufen" oder "Bestellung bestätigen" ist längst Standard. Verdienen werden allerdings die Abmahnanwälte, denen ein "Bestellung bestätigen" nicht reicht.

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  6. Ein Computer ist keine Mikrowelle, das Internet kein Glückskeks-Zettelchen: Es hilft nichts, beim Bewegen im Netz muss man ab und an den Verstand einschalten und lesen, was dort steht. Wer jetzt tönt, dass ein erfolgreicher Schlag gegen die Abofallen-Betreiber gelungen sei, verkennt, dass es andere Mittel und Wege gibt, digitalen Betrug zu begehen. Der verkennt auch, dass in Zukunft bundesdeutsche Onlineshops noch schwieriger zu bedienen sein werden und in krassen Fällen mindestens ein Jura-Grundstudium zur Bedienung voraussetzen. Die Regelung ist ein Beispiel für erfolgreiche Lobby-Arbeit und mehr staatliche Kontrolle, mehr nicht.

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    die den fettesten "Kaufen" Knopf drücken und danach über Abzocke jammern.
    Da bin ich ganz optimistisch.

  7. 7. Cookie

    Genau sowas hab ich mir beim Lesen auch gedacht. Ich persönlich bin IT-technisch eher unbedarft, aber ich frag mich auch, wie man denn als user vermeiden kann, dass sich sowas quasi NACH der Bestellung auf einen KAUFEN-Button umstellt und man letztlich keinen Nachweis mehr hat?
    Da ist man ja jetzt rechtlich besser abgesichert...

  8. die den fettesten "Kaufen" Knopf drücken und danach über Abzocke jammern.
    Da bin ich ganz optimistisch.

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