Spaniens umstrittenes "Anti-Piraterie-Gesetz", das "Ley Sinde", zeigt Wirkung: Mit Vagos.es wurde nun eine erste populäre Website wegen des Verdachts auf Urheberrechtsverletzungen gesperrt.

Das Gesetz, benannt nach der ehemaligen Kulturministerin Ángeles Gonzáles-Sinde , wurde nach langen Verhandlungen und ebenso langen Protesten am 1. März verabschiedet. Es erlaubt einer Kommission, die dem Kulturministerium untersteht , Websites binnen weniger Tage wegen vermeintlicher Verstöße gegen das Urheberrecht mit Sanktionen zu belegen. Diese reichen von der Aufforderung zur Löschung des jeweiligen Inhaltes über Bußgeldzahlungen bis hin zur Sperrung der Website.

Vagos.es ist die erste Seite, die es getroffen hat. Das Internetforum hatte zuletzt 5,7 Millionen registrierte Nutzer. Gegründet wurde es im Jahr 2005 von Iván García Estébanez. "Unsere Nutzer haben vorwiegend Informationen über Filme, Bücher, Videos oder auch Kochrezepte ausgetauscht. Sie haben aber auch Links geteilt, die zu Rapidshare oder Megaupload führten, wo man direkt Dateien herunterladen konnte", sagte Estébanez im Gespräch mit ZEIT ONLINE.

Der 27-Jährige hatte Vagos.es im Jahr 2008 an die spanische Firma Wamba Project verkauft, die das Forum bis zuletzt betreute. Nachdem die "Kommission des geistigen Eigentums" beschlossen hatte, dass Vagos.es als sogenannter "Intermediario" gesperrt werden muss – also als Plattform, auf der Links zu Websites verbreitet werden, auf denen illegale Downloads möglich sind –, wandte sie sich an Wamba Project. Die Firma entschied sich, keinen Einspruch einzulegen und Vagos.es umgehend vom Netz zu nehmen. Das hätte andernfalls der Provider, die Firma Mediafire, tun müssen.

Geklagt hatte der Verband Cedro, der die Rechte von Autoren und Verlegern vertritt, weil er der Meinung war, auf Vagos.es gebe es Links, die zum direkten Download urheberrechtlich geschützter Werke führten. Vagos-Gründer Estébanez hält die Vorwürfe für nicht gerechtfertigt. Auf Vagos.es habe es keine Möglichkeit zum direkten Download von geschützten Werken gegeben. "Es wurde lediglich auf andere Seiten verlinkt, wo Downloads möglich sind. Wenn das verboten sein soll, dann müsste man zum Beispiel auch Google sanktionieren."

Auch andere Seiten werden wohl bald gesperrt werden. Auf Anfrage erklärte eine Kommissionssprecherin, dass seit dem 1. März bereits 326 Anzeigen von Autoren und Verbänden eingegangen seien. Im Moment laufe gegen neun Internetseiten und ihre Provider ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht.

Wie die Zeitung El País berichtete , ist unter den betroffenen Websites auch Cinetube.es, wo Links zu Serien und Filmen angeboten werden. Unter den Anklägern seien nicht nur Cedro, sondern auch die Verbände Agedi und Egeda , die die Musik- und die Filmindustrie vertreten.