Mobile WerbungTwitter wird unfreier

Twitter ist auch erfolgreich, weil andere auf Basis der Tweets eigene Programme entwickeln. Nun wird der Zugang dazu eingeschränkt. Das könnte Ideen und Erfolg kosten. von 

Das alte (links) und das neue Twitter-Logo (rechts).

Das alte (links) und das neue Twitter-Logo (rechts).  |  © DOUGLAS E. CURRAN/AFP/GettyImages

Twitter will seine Tweets künftig nicht mehr so einfach hergeben. Im Entwicklerblog des Unternehmens hat Produktmanager Michael Sippey angekündigt , in den kommenden Wochen werde Twitter neue, strengere Regeln erlassen, wie die Schnittstelle zum Dienst, die API , genutzt werden darf.

Twitter ist ein breiter, beinahe undurchschaubarer Strom von Informationen, der Millionen von Stimmen vereint. Für Neulinge ist es erst einmal unbenutzbar, denn wer sich zum ersten Mal anmeldet, sieht gar nichts. Wer Twitter nutzen will, muss sich seinen Account zurechtbasteln und Leuten folgen, deren Tweets ihn interessieren.

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Die wahre Macht dieser Informationen zeigt sich allerdings erst, wenn kleine und größere Programme an sie andocken, sie filtern, verknüpfen, neu zusammenstellen. Dann werden aus dem trüben Strom viele klare Kanäle, die gezielt Fragen beantworten. Ob Katastrophenhilfe , Kreditscoring , Terrorermittlungen oder Gesundheitsvorsorge – in Twitter steckt viel Wissen, das kreativ genutzt werden kann.

Werbung kontrollieren

Der Zugang zu diesem Wissen ist eben jene API. Ursprünglich stand dieser Zugang allen Entwicklern offen. Doch mit dieser Offenheit ist es nun vorbei. Schon ein Jahr nach der Gründung wurde er schrittweise begrenzt , da sich in ihm ein erstes Geschäftsmodell zeigte. Jetzt tröpfeln die Informationen oder rauschen, je nachdem, wie viel der Anwender zahlt . Künftig soll offenbar auch der Zugang für jene Programme eingeschränkt werden, die lediglich aktuelle Tweets darstellen: Clients. Denn sie behindern das eigentliche Geschäftsmodell.

Echofon, Twitteriffic, Tweetbot – es gibt viele Programme, die versuchen, einen guten Zugang zu Twitter anzubieten. Wer sie auf seinem Smartphone oder seinem Rechner installiert, soll möglichst viele Funktionen des Bloggingdienstes nutzen können, manchmal auch solche, die Twitter in seinen eigenen Clients gar nicht anbietet. Allein, diese Fremdclients scheinen das Unternehmen zu stören.

Denn Twitter verdient vor allem durch Werbung Geld. Es will attraktive Werbeplätze verkaufen und kontrollieren, wie die Anzeigen ausgespielt und dargestellt werden. Das scheint auch zu funktionieren. Das Wall Street Journal zumindest schreibt, Twitter zeige erste Anzeichen eines Erfolges .

Konkurrenten aufgekauft

Das mit der Werbung aber funktioniert am besten, wenn Twitter seine Nutzer direkt erreicht. Von anderen kontrollierte Clients aber, das Ergebnis der ursprünglichen Offenheit Twitters, sind ein Umweg oder gar eine Sackgasse. Denn manche dieser Programme versuchen selbst, Werbung zu verkaufen und zeigen nicht die an, die Twitter möchte. Manche lassen auch einfach die "offiziellen" Anwendungen schlecht aussehen, da sie besser programmiert sind als die twittereigenen Programme. Daher hat das Unternehmen in der Vergangenheit auch schon mehrere dieser Clients aufgekauft. Die bis dahin erfolgreichste Webanwendung TweetDeck ist genauso darunter wie die am meisten genutzte iPhone-App Tweetie .

Der nun angedrohte Schritt lässt Beobachter befürchten, dass es mit dem Kaufen vorbei ist und es künftig eher ums Blockieren oder gar Abschalten fremdentwickelter Programme geht. Anlass dazu ist die Meldung, dass LinkedIn künftig nicht mehr automatisiert Tweets anzeigen wird . Bislang konnten Nutzer des sozialen Netzwerks ihre Informationen mit einem Klick gleichzeitig bei LinkedIn und bei Twitter veröffentlichen. Das wurde gestoppt, eine entsprechende Kooperation gekündigt.

Leserkommentare
    • c3p0
    • 03. Juli 2012 10:35 Uhr

    ... ist ein Vergleich.

    Apple hat bewiesen, daß es (u. a.) mit den Ideen der Entwickler Geld verdienen kann: indem es ihnen zunächst die Produkte für die Entwicklung von Apps verkauft und dann an den Gebühren im App-Store mitverdient. An der Verwendung der (öffentlichen) API verdient Twitter erst einmal nichts und die unabhängigen Anwendungen kannibalisieren Twitters einzige Einnahmequelle. Für Apple bedeuten die unabhängigen Entwickler also mehr Geld, für Twitter weniger.

    Und auch für Twitter gilt: wenn man nichts bezahlt, ist man nicht der Kunde sondern die Ware.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Apple | API | Apps | Gesundheitsvorsorge | Information | MySpace
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