Test : Windows 8 – verspielt und verwirrend

Microsoft führt mit seinem neuen Betriebssystem eine homogene Benutzeroberfläche für sämtliche Gerätetypen ein. Auf einem PC ist die Bedienung nicht immer intuitiv.
Die Metro-Oberfläche von Windows 8 © David McNew / Reuters

Mit Windows 8 geht Microsoft ein hohes Risiko ein. Derzeit hat das Unternehmen bei Betriebssystemen auf Schreibtisch- und Notebook-Rechnern weltweit einen Marktanteil von gut 90 Prozent . Die Chance, die vielen an Windows gewöhnten Computernutzer mit dem neuen System mitzunehmen, ist in etwa so groß wie die Gefahr, sie ernsthaft zu vergraulen. Denn erstmals verändert Microsoft das Bedienprinzip von Windows fundamental.

In der neuen Windows-Oberfläche namens Metro gibt es keine Fenster mehr, die nebeneinander stehen können, sondern nur noch den Vollbildmodus. Das entspricht dem Tipp- und Wisch-orientierten Einfensterprinzip auf Tablets und Smartphones, weshalb sich Windows 8 für solche Geräte naturgemäß besonders eignet.

Im Test macht das auch am Schreibtischrechner überraschend großen Spaß. Die Metro-Oberfläche setzt auf große Flächen und viele Farben, Menüs gleiten ins Blickfeld und die Programme wirbeln verspielt in den Vordergrund. Wer bei der Bildschirmarbeit auch ein wenig unterhalten werden will, kommt auf seine Kosten. Die Frage ist nur, ob der Nutzer sich auch zurechtfindet, wenn er produktiv sein will.

Schließlich ersetzt eine den ganzen Bildschirm füllende Wand aus farbigen Kacheln sowohl das gewohnte Startmenü als auch die alte Taskleiste. Die Kacheln sind die Startbuttons der Programme, die nun Apps heißen. An die Kachelwand, die in Windows 8 als "Startmenü" bezeichnet wird, lassen sich – um im Windows-8-Jargon zu sprechen – weitere Programmkacheln "anheften" und nach Bedarf in der Reihenfolge sortieren. Einige Kacheln aktualisieren sich fortwährend, etwa der Link zu den eigenen Bildern, die Kalenderkachel oder eine Social-Network-App. Wer die ständige Bewegung auf dem Bildschirm nicht unterhaltsam, sondern nervig findet, kann sie bei den betreffenden Apps aber auch ausschalten.

Der senkrechte Balken erscheint beim Ziehen der Kachel zwischen zwei Spalten. Die Kacheln, in denen nur kleine Icons stehen, sind herkömmliche Desktop-Programme, keine Metro-Apps. © Screenshot Anika Kehrer

Es gibt zudem einige Unklarheiten und Inkonsistenzen in der Benutzerführung. Das bekannte Kontextmenü, der Rechtsklick also, den man beispielsweise zum Anheften von Kacheln benötigt, hat Microsoft zu einer länglichen Fläche am unteren Bildschirmrad umgebaut. Irritierend ist, dass es sich nicht mehr schließen lässt – etwa, indem man woanders hinklickt. Im Test half nur die Escape-Taste. Das ist nur ein Beispiel von vielen, und es belegt: Windows 8 ist visuell ansprechend, aber in der Bedienung oft nicht intuitiv, zumindest nicht an einem Schreibtischrechner. Geschuldet ist das einerseits dem Design, das vor allem für mobile Geräte geeignet ist, andererseits der Vereinheitlichung über alle Geräteklassen hinweg.

Ein weiteres Beispiel: Die Adresszeile des Webbrowsers befindet sich an derselben Stelle wie das Kontextmenü und ähnelt ihm auch optisch. Sie lässt sich ebenfalls mit Rechtsklick aufrufen. Doch wer soll darauf kommen, wenn er die Adresszeile wie gewohnt – aber vergeblich – im normalen Browserfenster sucht?

Zudem müssen Windows-8-Nutzer sich daran gewöhnen, dass sie Programmfenster am Desktop nur noch schließen können, indem sie diese mit gehaltener Maustaste vom Bildschirm herunter ziehen.

Die Entwickler von Windows 8 dürften geahnt haben, dass vielen Nutzern diese Umstellungen schwer fallen würden. Auch deshalb haben sie ihrem System eine Art doppelten Boden verpasst: den traditionellen Desktop, der einige gewohnte Windows-Funktionen bietet.

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Kommentare

89 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Nur noch Vollbildmodus?

"In der neuen Windows-Oberfläche namens Metro gibt es keine Fenster mehr, die nebeneinander stehen können, sondern nur noch den Vollbildmodus"

Habe ich das richtig verstanden? Es ist im neuen Windows nicht mehr möglich z.B. eine Textverarbeitung und eine Tabellenkalkulation gleichzeitig nebeneinander darzustellen? Wie man soll man dann damit arbeiten????

Verwirrender Artikel

Es ist mitnichten so, dass dass die Metro-Oberfläche für den Desktop-Einsatz gedacht ist und diesen komplett ablösen soll. Der klassische Desktop ist nicht beschnitten und kann wie bisher genutzt werden, anders wäre das für Büroanwender auch nicht denkbar. Der gravierende Unterschied auf dem Desktop-PC ist, dass das Startmenü quasi durch die Metro-Oberfläche abgelöst wird. Wie schon bei Windows Vista, 7, Gnome3 und Ubuntu öffnet ein Druck auf die Windows-Taste eine Programmübersicht, in der man durch direktes Eintippen der Anfangsbuchstaben (oder des Namenteils) eines Programmes dieses auswählen und per Return starten kann. Das geht, hat man sich mal dran gewöhnt, blitzschnell und ist viel ergonomischer als sich per Maus durch Menüs zu hangeln. Hat man es schon unter Windows 7 so gemacht, ändert sich - abgesehen von der Optik - unter Windows 8 gar nichts an der Grundbedienung. Meines Erachtens zielt Microsoft ganz klar auf Geräte, die Mobil- und Desktop-Arbeit miteinander verheiraten. (Siehe ihr Surface Tablet.) Das dürfte für viele Anwender auch willkommen sein. Unterwegs den Computer leicht und platzsparend als Tablet mitnehmen und komfortabel per Touch bedienen können, am Arbeitsplatz Tastatur und Maus anschließen und ganz normal arbeiten.

Windows 8 soll, wie man hört, nur 40 $ als Update kosten

Microsoft weiß selber, dass Windows 8 eine Interims-Lösung ist. Allerdings wissen sie nicht so recht, wie sie weiter machen sollen. Windows 8 ist ein Test.

Ich fand es lustig, dass versucht wird, Desktop-PCs wie Handys aussehen zu lassen.

Bedientechnisch ist das natürlich die Vorhölle. Wer will seinen Voll-PC schon zum Spiel-Computer kastriert haben?

Windows 9 wird ähnlich schnell folgen wie Windows 7 auf Vista.

Ich frage mich, was Windows 9 dann bringen soll

Den grundsätzlichen Design-Fehler, dass man eine grafische Oberfläche nicht in ein Betriebssystem hineindengeln sollte, hat Microsoft erst begangen (bis Windows 95 werkelte unter der Oberfläche immer noch DOS, wenn ich mich jetzt nicht sehr täusche) und ab dem Übergang zu einem Betriebssystem, das vollständig in eine grafische Benutzeroberflche integriert ist, nicht mehr überwunden.

Sowas braucht kein Mensch. Wenn mir auf meinen privaten Rechnern mal wegen einer Neuinstallation eines Programms oder aus sonst welchen Gründen X11 abschmiert, dann wechsle ich eben auf die Konsole und schaue nach, was los ist. Das kommt aber eher sehr selten vor. Meistens habe ich irgendwas falsch gemacht.

Wenn dergleiche unter Windos passiert, hängt gleich das ganze System. Das ist nicht so prickelnd. Wenn jetzt die gesamte Benutzeroberfläche so gravierend umgestellt werden soll, wie das im Artikel beschrieben ist, dann wird Windows 9 den Karren nicht mehr aus dem Dreck fahren können.

(hier aussagekräftige Überschrift denken)

Ich hab nie verstanden, warum eine Oberfläche und deren Bedienung dermassen viel Wind macht. Die beste Oberfläche ist die, die man gar nicht sieht! Ich will doch mit meinen Applikationen arbeiten, nicht mit irgend einer Oberfläche. Die Oberfläche bedienen und dies erlernen zu müssen, ist ein Ausdruck von falsch verstandenen Prioritäten. Aber das ist nichts Neues bei den allermeisten kommerziellen Herstellern, die inhaltlich kaum mehr Neues bringen können, also mit Oberflächlichkeiten versuchen müssen, ein paar Deppen zum Kauf zu animieren. Es ist genau das Gleiche wie die Paradigmenwechseln bei Autokarossen, mal eckig, nächstes Jahr wieder rund, Blinker im Aussenspiegel oder doch wieder auf dem Kotflügel, immer schön am Ball bleiben, man will ja verkaufen.

Vermutung

Ich vermute dass ein OS von Grund an neu entwickelt wird - z.B. Vista, mit vielen wichtigen und guten Ideen was einen neuen Code beoetigt. Diese Neuerungen koennen komplex sein, also Geraet man aus dem Zeitplan, beeilt sich und verkauft dadurch ein Betriebssytem welches nicht ganz fertig ist...
(Obschon ein Teil der Vista Probleme Faulheit der Hardwarebetreiber war welches einfach keine Treiber geschrieben haben, sowie OEM Geldgier die Vista auf zu schwachen Computern verkauft haben - vor allem bei Notebooks schlimm.)
Mit dcen Service Packs und mit Zeit werden diese Probleme dann behoben, von Microsoft sowie den Hardwareherstellern.

Das darauffolgende Betriebsystem baut dann auf dem vorherigen Produkt auf, mit weniger Neuerungen - und seit Windows 7 mit einem Focus auf Optimierung. Das Produkt word besser. Viele Vista Treiber koennen unter Windows 7 zum laufen gebracht werden und auch viele Windows 7 Treiber koennen unter Vist zum laufen gebracht werden - das heist aber nicht unbedigt dass dies eine sehr stabile Loesung ist.

Beim naechsten Betriebssystem geht der Zirkus dann von vorn los...

Komplexität

Weil große Computerprogramme mit zu den komplexesten Systemen gehören, die Menschen je gebaut haben. Und Betriebssysteme sind mit die größten unter den großen Computerprogrammen. Oder anders formuliert: Es ist unmöglich ein System wie ein Betriebssystem in allen Belangen zu testen und zu planen. Insbesondere wenn man radikale Änderungen versucht zu implementieren.

Natürlich spielt es auch eine Rolle, dass die Amerikaner bereit sind unausgereifte Software zu benutzen, solange sie irgendwie einen Fortschritt verspricht und weiter verbessert wird. Das ist übrigens einer der Gründe weshalb die amerikanischen Softwarefirmen so erfolgreich sind. Betriebswirtschaftlich beginnen sich Investitionen so schneller auszuzahlen bzw. die Entwicklung großer Projekte wird überhaupt erst möglich, weil man schneller Einnahmen erzielt.

Was das Design betrifft: Hier hilft es so schnell wie möglich Feedback aus dem realen Leben zu bekommen. Das sit noch schwieriger zu planen als doe Software an und für sich. Insofern ist da der Trend zu schauen wie Benutzer tatsächlich Nutzen und zu schnell zu reagieren, wenn bestimmte Muster funktionieren oder nicht funktionieren.

Weil es

schlicht und ergreifend nicht wahr ist.

Hatte mit Vista auch vor den SP keine Probleme was u.a. auch daran lag das ich aktuelle Hardware hatte und nur aktuelle Programme benutze. Das Service Pack für Vista hatte aber tatsächlich erhebliche Verbesserungen zur Folge.

In Bezug auf Windows 7 auch kein einziges Problem gehabt und ob man das Service Pack installiert oder nicht merkt man überhaupt nicht.

Windows Vista

Hatte mit Vista auch vor den SP keine Probleme was u.a. auch daran lag das ich aktuelle Hardware hatte und nur aktuelle Programme benutze.

Das Problem, dass Windows Vista Arbeitsspeicher aufgefressen hat, werden Sie mit Sicherheit auch gehabt haben. Sie haben es vielleicht nur nicht bemerkt. Ich gehe nicht davon aus, dass sie eine Sonder-Edition hatten, bei der der Fehler nicht auftrat.

Niemals neugeschrieben

Als ich vor 3 Jahren mal wegen eines Videokartentreibers die Windows Site besuchte war das erste das mir entgegengedonnert wurde, dass der Kern von Windows aus mehreren 100.000 Zeilen bestehe und einige hundert davn falsch seien.
Dieser Kern wird immer beibehalten, meist wird immer nur über das alte Betriebssystem drüberprogrammiert, sonst wäre ja jede Version sparsamer als ihr Vorgänger.
Es kann höchstens sein das man jetzt für Windows "8" alles entfernt hat was über Windows ging und dann vom Start aus gearbeitet hat, denn die jetzige Oberfläche sieht so aus wie die von Windows 3,5 oder was das damals war.
Auch das Logo ist sehr ähnlich geworden wie damals

Windows 8 - bloss nicht...

Also Windows 8 als "wenig intuitiv" zu bezeichnen ist schon gewagt... - (Unbenutzbarer) Farbenkitsch fuer analphabetische Grobmotoriker trifft es da schon besser...

Auf einem Touchscreen mag das funktionieren - nur sind touchscreens fuer produktives Arbeiten oft nutzlos. Auf einem regulaeren Computer ist das Betriebssystem unbenutzbar - zumindest mit Metro UI - und ja, ich hatte den Developer Preview auf einem alten Notebook. Flott lief es, sprich in Sachen Optimierung hat Microsoft eine gute Arbeit geleistet, aber in Sachen Benutzbarkeit ist es eine Katastrophe.

Man kann versuchen alles gleich zu machen, aber das geht selten gut. Was auf einem kleinen Bildschirm fuer Jugendliche funktioniert (viele Farben, grosse Icons da die Jugend von heute offenbar ueberwiegend des Lesens nicht mehr maechtig ist...) ist auf einem Geraet welches produktiv genutzt werden soll einfach eine Zumutung. Der Sinn von Metro UI erschliest sich mir ebenfalls nicht - eine geordnete Liste (Startmenue) von Programmen macht Sinn, aber ein Haufen farbiger Flecken mit Bildchen ohne Ordnung und Struktur nicht - und das ist Metro UI (oder war es im Developer Preview).

Ich weiss dass ich Windows 8 jedenfalls nicht kaufen werde - und wenn ich mir einen neuen Computer kaufen sollte dann werde ich wohl eventuell den Microsoft Support nerven muessen bis die mir sagen wie ich den Mist los werde... (Im Developer Preview gab es einen Registry Schluessel um Metro UI abzustellen - gibt es den noch?)