Was ist eine MP3-Datei, die aus einem YouTube-Video extrahiert und heruntergeladen wird? Eine völlig legale Privatkopie, sofern sie anschließend nicht irgendwo verkauft wird? Oder ein illegales Duplikat, weil der Vorgang gegen das Urheberrechtsgesetz und gegen YouTubes Nutzungsbedingungen verstößt? Darüber streiten der YouTube-Mutterkonzern Google und der 21-jährige Informatikstudent Philip Matesanz seit Wochen.

Matesanz betreibt seit 2009 den Dienst YouTube-mp3.org . Auf der schlichten Website können Nutzer die Adresse eines beliebigen YouTube-Videos eingeben. Die Software auf Matesanz' Servern filtert die Tonspur des Videos, wandelt diese in eine MP3-Datei um und bietet sie dem einzelnen Nutzer über einen Link zum Download an.

Am 8. Juni bekam Matesanz einen Brief von Google. Darin wurde er in recht freundlichen Worten aufgefordert, den Dienst einzustellen, weil er gegen die Nutzungsbedingungen von YouTube verstoße. Aus Abschnitt 6.1K geht auch tatsächlich hervor, dass YouTube nur für das Streaming genutzt werden darf, nicht aber zum Download, Kopieren oder Speichern. Google wies Matesanz außerdem darauf hin, dass er auch die YouTube-API (Schnittstelle) nicht verwenden dürfe, um die Tonspur eines Videos zu extrahieren, weil das den Nutzungsbedingungen für die API widerspreche.

Matesanz versuchte daraufhin mit Google zu sprechen, doch der Konzern wollte nicht mit ihm reden und begann stattdessen damit, die Serveranfragen von YouTube-mp3.org zu blockieren. Der Dienst war damit zwischenzeitlich lahmgelegt und ist bis heute nur sehr eingeschränkt funktionstüchtig.

Ende Juni startete Matesanz deshalb eine Online-Petition , um Google und YouTube zum Gespräch zu bewegen. Bis heute haben mehr als eine Million Menschen unterzeichnet. Eine erste Unterhaltung fand mittlerweile auch statt. Darin, sagt Matesanz, habe ein Google-Jurist ihm "vorgeworfen, einen illegalen Dienst zu betreiben, über den die Nutzer Urheberrechtsverletzungen begehen". Außerdem würde er die Urheber der Videos oder der Hintergrundmusik nicht bezahlen. Auf seine Gegenargumente habe der Jurist gar nicht erst eingehen wollen, beklagt Matesanz.

Der 21-Jährige hat, wie er sagt, " Rechtsgutachten von zwei unabhängigen Anwälten erarbeiten lassen. Diese stellen unmissverständlich klar, dass mein Dienst das digitale Gegenstück zu einem Kassettenrecorder ist und durch deutsches Recht geschützt ist."

Matesanz Anwälte argumentieren, die Nutzungsbedingungen seien nicht bindend, da es zwischen YouTube und dem Konverter-Dienst keinen Vertrag gebe. Die Nutzungsbedingungen der API seien für Matesanz ebenfalls irrelevant, da er die Schnittstelle für seinen Dienst gar nicht nutze. Und Matesanz umgehe auch keine technischen Schutzmaßnahmen, die einen Download verhindern sollen, wie YouTube behaupte. Erst eine Verschlüsselung oder ein beschränkter Zugang zu YouTube würde eine solche Schutzmaßnahme darstellen, finden sie. Wer mit einem Videorekorder eine TV-Sendung aufnehme, umgehe damit ja auch keine Schutzmaßnahme der Fernsehsender.

Ihr wichtigstes Argument jedoch lautet: Nach Paragraf 53, Absatz 1 des deutschen Urheberrechtsgesetzes ist es legal, sich eine Privatkopie eines Werkes anzulegen. Das gilt nach Ansicht der Anwälte auch für die Musik in YouTube-Videos. Die einseitigen Nutzungsbedingungen von YouTube könnten dieses Recht nicht außer Kraft setzen.