PatentkriegApple und Google verhandeln (ein bisschen)

Weltweit bekämpfen sich Apple und Android-Hersteller vor Gericht. Es geht um Geld und Patente. Nun haben der Apple- und der Google-Chef erstmals direkt gesprochen. von dpa und reuters

Logo von Google, davor ein iPhone von Apple

Logo von Google, davor ein iPhone von Apple  |  © Julian Stratenschulte/dpa

Samsung gegen Apple , Apple gegen Google – alle gegen alle: Technische Neuerungen zu entwickeln, ist das eine; sie gegen Erfindungen der Konkurrenz zu verteidigen, das andere. Patentstreits sind inzwischen Alltag, und möglicherweise erkennen die ersten Unternehmen, wie gefährlich und schädlich diese Waffe ist. Zumindest haben Apple-Chef Tim Cook und Google-Chef Larry Page laut Medienberichten am Telefon über den erbitterten Konflikt gesprochen.

Die beiden sind die zentralen Figuren in dem vor vielen Gerichten und mit viel Geld geführten Patentstreit um mobile Geräte, in dem es hin und her geht. Apple greift mit seinen Klagen zwar bisher einzelne Hersteller wie Samsung, Motorola oder HTC an. Als Ziel dahinter gilt jedoch das Google-Betriebssystem Android, das heute rund die Hälfte des Smartphone-Marktes beherrscht. Google antwortet dementsprechend mit Gegenklagen.

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Cook und Page hätten bereits in der vergangenen Woche telefoniert, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters . Vereinbarungen seien nicht getroffen worden, zitiert die Agentur namentlich nicht genannte Quellen. Beide hätten aber versichert, sie wollten weiter miteinander reden.

Die beiden Konzerne sind auf dem Mobilmarkt inzwischen direkte Konkurrenten, obwohl sie ursprünglich ganz unterschiedliche Produkte anboten. Bis vor Kurzem gab es auch noch Überschneidungen zwischen beiden. So waren die Google-Dienste YouTube und Maps auf Apple-Smartphones vorinstalliert. Inzwischen jedoch hat Apple diese Schnittpunkte zur Konkurrenz entfernt . Außerdem bietet Apple inzwischen ein eigenes Karten- und Navigationsprogramm an. Und der Konzern arbeitet enger mit Facebook zusammen, ebenfalls ein direkter Konkurrent von Google.

24 Dollar pro Gerät Lizenz

Google hingegen dringt immer weiter in Märkte vor, die bislang Apple besetzte, beispielsweise den Filmverleih und die Sprachsteuerung . Außerdem vertreibt das Unternehmen inzwischen eigene Hardware ; auch das befeuert die Konkurrenz.

Apple wirft den Firmen, die Android verwenden, vor, Design und Technologien des iPhone und des iPad zu kopieren. Wie im Verfahren gegen Samsung bekannt wurde, verlangt Apple für eine umfassende Lizenz auf seine Patente 24 Dollar pro Gerät. Zugleich gibt es Rabatte und gegenseitige Verrechnungen, die den Preis in vielen Fällen etwas senken. Die Android-Hersteller klagen ihrerseits gegen Apple.

Angesichts dessen ist es bemerkenswert, dass Page und Cook miteinander gesprochen haben. Zu bereden haben sie eine Menge. Gerade erst haben Geschworene in einem Gerichtsverfahren in Kalifornien geurteilt, dass Geräte von Samsung – ein Partner von Google, dessen Geräte Android nutzen – gegen Patente von Apple verstoßen. Das Gericht sprach Apple dafür Schadenersatz in Höhe von 1,05 Milliarden Dollar zu .

Leserkommentare
  1. ich nicht, dennoch bin ich in dieser Auseinandersetzung auf Seiten von Google. denn mit Entwicklung und Förderung von OpenSource - Produkten, wie Android und Chrome/Chrome OS, sowie mit Unterstützung diverser anderer OpenSource-Projekte setzt auf ein Geschäftsmotel, das den Kunden und den Nachahmern eine Menge Freiraum lässt, statt der goldenen Käfige von Apple.
    Sicher ist ein derartiger Einsatz von Google nicht eigennützig, es ist ein Geschäftsmotel, aber eins, das mir sehr sympathisch ist.

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    • m7o
    • 04. September 2012 16:21 Uhr

    Haha, Chrome basiert auf Webkit, einem von Apple entwickelten Open Source Projekt ;-)

  2. Der Schutz von Patenten ist gut, richtig und wichtig jedoch sollten sich die zivilisierten Staaten endlich mal darauf verständigen ein mindestmaß an geistiger Schöpfungskraft festzulegen, was patentierbar ist.
    Viele dieser patentierten "Technologien" erscheinen mir von ihrer Komplexität als nicht sehr schützenswert.

  3. ist die Vorstellung einer ganz engen Zusammenarbeit von Apple mit Facebook, deren Aktie hat ja Heute gegen 13:40 Uhr die magische 14 € Euro Marke im deutschen Börsenhandel geknackt, in die nicht so erfreuliche Richtung, wie man sich vorstellen kann.
    Vielleicht ist ja dann auch mal mit sowas "Cyberreformatoren" zu rechnen, nachdem erstmal der "Cyberablasshandel" als innovative Geldquelle entdeckt wird ?

  4. die haben vermutlich über mich gesprochen. Ich werde von beiden überwacht. Wahrscheinlich werden jetzt meine Daten noch an Facebook weitergegeben. Schöne neue Welt.

  5. ... dass der Schuss immer mehr nach hinten los geht.

    Mein erstes Smartphone wird jedenfalls das neue Galaxy Notes 2.

    Dagegen kann Aplle einpacken.

  6. ..dass 'gewaltfrei', mit richtiger Kommunikation, Konflikte lösen soll. Mir scheint als würden die 'grossen' nicht richtig untereinander Kommunizieren. Auch scheint es mir, dass der Beruf Rechtsanwalt wohl einer der sichersten ist und immer sein wird - es scheint (!), dass Probleme nur mit Anwälten gelöst werden können...schöne Vorbilder!

    • m7o
    • 04. September 2012 16:21 Uhr

    Haha, Chrome basiert auf Webkit, einem von Apple entwickelten Open Source Projekt ;-)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Allerding ist WebKit nur eine Abspaltung von KHTML und KJS.
    Ha, ich wusste es! Google Chrome ist nur eine billige Kopie von Konqueror ...

    Post scriptum: Bevor Google zu sehr mit Schuld belastet wird, muss gesagt sein, dass WebKit nicht nur von Apple entwickelt wird.

    • Akalvin
    • 05. September 2012 8:00 Uhr
    8. @ # 1

    "Geschäftsmotel" ist ein wunderbarer Neologismus.
    Ganz herzlichen Dank dafür!

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  • Quelle dpa, Reuters
  • Schlagworte Google | Samsung | Android | Apple | Motorola | Facebook
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