IFA 2012De-Mail startet gemächlich

Zur IFA bietet die Telekom nun auch Privatkunden ihren De-Mail-Dienst an. Die Konkurrenz von GMX und Web.de ist noch nicht soweit, gibt aber schon ihre Tarife bekannt.

Zum Start der Internationalen Funkausstellung IFA bietet die Telekom ab sofort ihren De-Mail-Service als rechtsverbindliche elektronische Nachricht auch für Privatkunden an. Die Konkurrenz ist noch nicht soweit: GMX und Web.de haben eingeräumt, die notwendige staatliche Akkreditierung noch nicht bekommen zu haben.

Das Ziel des De-Mail-Systems: Bürger, die sich registrieren und identifizieren lassen, sollen mit teilnehmenden Behörden, Banken, Versicherungen oder anderen Unternehmen zum Beispiel Steuerangelegenheiten oder Geschäftsbriefe per Mail abwickeln können. Im besten Fall spart das Zeit und Geld.

Anzeige

Der Start ins De-Mail-Zeitalter ist allerdings zäh. Das De-Mail-Gesetz ist in seiner jetzigen Form bereits 2011 in Kraft getreten. Aber keine einzige deutsche Behörde ist derzeit auf die neuen Mails eingestellt, wie der Behörden Spiegel schreibt. Und nur eine Handvoll Unternehmen bieten ihren Kunden bislang an, per De-Mail mit ihnen zu kommunizieren.

So lange GMX und Web.de nicht akkreditiert sind und die Post weiter auf ihr Konkurrenzprodukt, den teureren E-Postbrief setzt, sind die Telekom und das Unternehmen Mentana-Claimsoft zudem die einzigen De-Mail-Provider.

Unterschiede bei der Identifikation

Obwohl man bei GMX und Web.de damit rechnet, erst "im vierten Quartal die Urkunde ausgehändigt zu bekommen", haben die beiden Marken aber zumindest schon ihre Tarife bekannt gegeben: GMX- und Web.de-Kunden werden monatlich fünf Standard-De-Mails kostenlos versenden können. Einrichtungsgebühren, monatliche Grundgebühren und Vertragslaufzeiten soll es nicht geben.

Eine Registrierung ist bereits möglich, sowohl bei GMX als auch bei Web.de. Die Identität des Teilnehmers wird anschließend von Mitarbeitern am Wohnort oder am Arbeitsplatz persönlich überprüft.

Die Postfächer der beiden bieten einen Speicherplatz mit einer Größe von je einem Gigabyte. Versendet ein Nutzer mehr als die fünf kostenlosen De-Mails innerhalb eines Monats, beträgt das Porto ab der sechsten De-Mail in der Standard-Version 39 Cent. Für den Versand eines De-Mail-Einschreibens verlangen Web.de und GMX 78 Cent.

Das Angebot der Telekom sieht ähnlich aus: Der Konzern bietet in einer Startphase bis zum Jahresende 50 kostenfreie De-Mails im Monat, danach sind es nur noch drei. Anschließend werden ebenfalls 39 Cent pro De-Mail fällig. Grundgebühren oder Vertragslaufzeiten gibt es nicht. Die Identifizierung ist etwas aufwendiger: Der Kunde muss selbst zu einem der Identpartner der Telekom gehen und sich dort ausweisen.

Die De-Mail ist umstritten. Kritiker bemängeln beispielsweise, dass eine Adresse nach dem Muster vorname.nachname@anbieter.de-mail.de wie eine herkömmliche E-Mail-Adresse aussieht, obwohl der Dienst nicht mit der gewöhnlichen E-Mail kompatibel ist. Der Chaos Computer Club befürchtet außerdem, dass bei einem Missbrauch der De-Mail "ähnlich wie bei EC-Karten dem Bürger pauschal die Beweislast auferlegt wird".

 
Leser-Kommentare
  1. und diesen Ausschnitt " die sich registrieren und identifizieren lassen" wer da mit macht ist selber Schuld und öffnet dem Staat ein Tor zur Überwachung und soll dafür auch noch bezahlen.

    Besser hat es bisher einfach nur Facebook draufgehabt, seine Nutzer auszuspionieren.

    Ist man wundert sich warum die Ämter und sonstigen Services nicht auf GPG setzen. Ist in den meisten gängigen Emailclients schon integriert und der Schlüssel lässt sich schon fast idiotensicher erstellen.

    Aber die Antwort hat der Autor schon unbewusst gegeben.
    Wahrscheinlich wären die Überperformer auf den Ämter aber damit auch überfordert.

    2 Leser-Empfehlungen
  2. 1984 war garnichts dagegen.
    Ich muss dem obigen Kommentator oder der Kommentatorin ausnahmslos zustimmen.

    Diese De-Mail-Accounts sind unausgereift, unsicher und mit Aufwand für Endverbraucher und Behörden/Unternehmen verbunden. Leider wird in dem Artikel nicht ausreichend klar wie genau die technischen Details gestaltet sind. Verschlüsselungsart, Serverstruktur, (globales) Addressregister, Kompatibilität etc. pp..

    Ein weiteres bisher nicht eindeutiges Problem ist die juristische Beweiskraft, die einem De-Mail-Dokument zugrunde liegt. Alles in allem rate ich nur davon ab selbiges System zu benutzen. Es gibt mit PGP eine relativ einfache vernünftige und vorallem kostenlose Ende-zu-Ende Verschlüsselung. Sowie andere kostenlose Anbieter, deren Funktionsumfang den des De-Mail Service sogar noch übertrifft.

    Hier scheint mir mal wieder eine lobbygesteuerte künstliche Monopolstellung erschaffen worden zu sein und einen Schritt weiter in die Totalüberwachung hinüber zu gleiten. Ähnliches passiert gerade ja auch bereits bei der elektronischen Gesundheitskarte.

    Ich hoffe daher sehr, dass die Nutzer da draußen weiterhin technische Neuerungen die mit Preisersparnis oder Komplexitätsreduktion "beworben" werden kritisch und vorallem wachsam hinterfragen. Und an den Autor des Artikes möchte ich richten: Ein Schaubild des Verschlüsselungsprozesses würde diesem Artikel zum besseren Verständnis gut tun.

    In diesem Sinne. Viel Spaß im Netz.

    3 Leser-Empfehlungen
  3. Mir stellt sich die Frage, ob man sich mit dem Anlegen eines solchen Dienstes nicht selbst ins Bein schließt, denn noch muss ja selbst der frechste Anwalt (ich verweise auf die derzeitigen Ideen zum Internetpranger) richtige Post zustellen lassen.

    Wenn die Adresslisten dann bald mit den rechtsverbindlich nutzbaren De-Accounts gespickt sind, dann freut das nicht unbedingt Behörden an erster Stelle.

    Der Dienst an sich mag Vorteile haben, wenn er denn wirklich den Behördengang verkürzt, aber er hat genauso das Potenzial, alsbald zum Zwang zu mutieren, wie es ein E-Perso, welcher ja auch "nur" alles einfacher machen sollte, schon ist.

    Und ist der De-Zugang erst mal geknackt, dann hat der Identitätsdiebstahl und das Ausnutzen dessen eine neue Dimension erreicht.

    Man verzeihe mir, dass ich der Regierung in solchen Dingen entweder wenig Kompetenz zutraue oder aber eine lobbygesteuerte Motivation. Beides nicht unbedingt vertrauenserweckend.

    2 Leser-Empfehlungen
  4. PGP ("Pretty Good Privacy") ist ein Verschlüsselungs- und Identifizierungsverfahren, welches seit ca. 1995 absolut sichere Verschlüsselung und Identifizierierung ermöglicht, und zwar *umsonst* (siehe auch http://www.gnupg.org/ oder www.instantcrypt.com). Es ist sicherer als De-Mail, denn bei PGP bleibt die Nachricht zwischen Absender und Empfänger die ganze Zeit verschlüsselt, während sie bei De-Mail unterwegs zweimal ent- und verschlüsselt wird, "garantiert geheim" natürlich, aber nicht wirklich. Und De-Mail kostet etwa 0,40 Euro, während PGP nach der Einrichtung nichts kostet.

    Wenn die Menschen sich mit PGP anfreunden würden, wäre es *die* Methode für vertrauliche und authentifizierte elektronische Mitteilungen. De-Mail ist nicht wirklich schlecht, aber nicht wirlich sicher, und es ist auf Dauer teurer. De-Mail ist ein Beispiel dafür, wie man aus der Uninteressiertheit der Menschen richtig Geld machen kann. Ein Trauerspiel.

    Öffentlichkeit und Behörden sollten sich mit PGP anfreunden. Es ist das überlegene Verfahren.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    und auch nicht frei, sondern gehört Symantec und der Funktionsumfang wird in der freien "Version" stark rediuzirt, aber sie haben ja auf GnuPG verlinkt. Hoffentlich kommt es nicht eine Abmahnung durch die üblichen Verdächtigen in D. ;)

    Spannend ist in dem Zusammenhang das GnuPG vomm BMWA und BMI unterstützt wurde und unter der Ägide Merkels abgeschaftt wurde, über das mgl. warum sie wieder den Artikel.

    Ich habe mir mal PGP angeschaut und mir gefällt PGP, aber leider nutzt es doch kaum einer. Wahrscheinlich wissen die meisten Menschen noch nicht einmal etwas von PGP und warum man PGP oder die freie Variante GNUPG nutzen sollte.

    und auch nicht frei, sondern gehört Symantec und der Funktionsumfang wird in der freien "Version" stark rediuzirt, aber sie haben ja auf GnuPG verlinkt. Hoffentlich kommt es nicht eine Abmahnung durch die üblichen Verdächtigen in D. ;)

    Spannend ist in dem Zusammenhang das GnuPG vomm BMWA und BMI unterstützt wurde und unter der Ägide Merkels abgeschaftt wurde, über das mgl. warum sie wieder den Artikel.

    Ich habe mir mal PGP angeschaut und mir gefällt PGP, aber leider nutzt es doch kaum einer. Wahrscheinlich wissen die meisten Menschen noch nicht einmal etwas von PGP und warum man PGP oder die freie Variante GNUPG nutzen sollte.

  5. und auch nicht frei, sondern gehört Symantec und der Funktionsumfang wird in der freien "Version" stark rediuzirt, aber sie haben ja auf GnuPG verlinkt. Hoffentlich kommt es nicht eine Abmahnung durch die üblichen Verdächtigen in D. ;)

    Spannend ist in dem Zusammenhang das GnuPG vomm BMWA und BMI unterstützt wurde und unter der Ägide Merkels abgeschaftt wurde, über das mgl. warum sie wieder den Artikel.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kommentar 5 hat Recht: Das Programm PGP gehört Symantec; die "umsonste" Anwendung ist stark eingeschränkt und für die volle Anwendung braucht man eine Lizenz, die man kaufen muss.

    Der Verschlüsselungsstandard "OpenPGP" ist aber m.W. frei, und es gibt verschiedene Programme, die ihn zur verschlüsselten Kommunikation verwenden und die jedenfalls zum Teil umsonst zu haben sind (z.T. als "open source"). GnuPG (auch GPG genannt) ist eines dieser Programme, und es gibt verschiedene anwenderfreundliche Benutzeroberflächen, die darauf aufbauen.

    Das breite Publikum hat den OpenPGP-Standard aber nie akzeptiert - war ihm vermutlich einfach "zu kompliziert" -, und jetzt bekommt es mit De-Mail und ähnlichen Verfahren einen Standard reingedrückt, der m.E. weniger sicher und auch teuerer ist als OpenPGP. Sehr bedauerlich.

    Wenn die Behörden als Alternative zu De-Mail auch OpenPGP für ihre elektronische Post akzeptieren könnten, dann hätte OpenPGP vielleicht doch noch eine Chance.

    Kommentar 5 hat Recht: Das Programm PGP gehört Symantec; die "umsonste" Anwendung ist stark eingeschränkt und für die volle Anwendung braucht man eine Lizenz, die man kaufen muss.

    Der Verschlüsselungsstandard "OpenPGP" ist aber m.W. frei, und es gibt verschiedene Programme, die ihn zur verschlüsselten Kommunikation verwenden und die jedenfalls zum Teil umsonst zu haben sind (z.T. als "open source"). GnuPG (auch GPG genannt) ist eines dieser Programme, und es gibt verschiedene anwenderfreundliche Benutzeroberflächen, die darauf aufbauen.

    Das breite Publikum hat den OpenPGP-Standard aber nie akzeptiert - war ihm vermutlich einfach "zu kompliziert" -, und jetzt bekommt es mit De-Mail und ähnlichen Verfahren einen Standard reingedrückt, der m.E. weniger sicher und auch teuerer ist als OpenPGP. Sehr bedauerlich.

    Wenn die Behörden als Alternative zu De-Mail auch OpenPGP für ihre elektronische Post akzeptieren könnten, dann hätte OpenPGP vielleicht doch noch eine Chance.

  6. Ist nicht jede Kommunikation, etwa auch die mündliche, potentiell rechtsverbindlich?

    Eine Leser-Empfehlung
  7. Kommentar 5 hat Recht: Das Programm PGP gehört Symantec; die "umsonste" Anwendung ist stark eingeschränkt und für die volle Anwendung braucht man eine Lizenz, die man kaufen muss.

    Der Verschlüsselungsstandard "OpenPGP" ist aber m.W. frei, und es gibt verschiedene Programme, die ihn zur verschlüsselten Kommunikation verwenden und die jedenfalls zum Teil umsonst zu haben sind (z.T. als "open source"). GnuPG (auch GPG genannt) ist eines dieser Programme, und es gibt verschiedene anwenderfreundliche Benutzeroberflächen, die darauf aufbauen.

    Das breite Publikum hat den OpenPGP-Standard aber nie akzeptiert - war ihm vermutlich einfach "zu kompliziert" -, und jetzt bekommt es mit De-Mail und ähnlichen Verfahren einen Standard reingedrückt, der m.E. weniger sicher und auch teuerer ist als OpenPGP. Sehr bedauerlich.

    Wenn die Behörden als Alternative zu De-Mail auch OpenPGP für ihre elektronische Post akzeptieren könnten, dann hätte OpenPGP vielleicht doch noch eine Chance.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "PGP ist nicht umsonst"
  8. Ich habe mir mal PGP angeschaut und mir gefällt PGP, aber leider nutzt es doch kaum einer. Wahrscheinlich wissen die meisten Menschen noch nicht einmal etwas von PGP und warum man PGP oder die freie Variante GNUPG nutzen sollte.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service