3D-Drucker : Waffen für alle zum Herunterladen

3D-Drucker können beliebige Teile nachbauen. Ein Texaner versucht nun, eine Pistole zum Ausdrucken zu entwickeln – die Wiki Weapon. Die Daten will er ins Netz stellen.
PR-Bild des Makerbot "Replikator" © Makerbot

Alle Informationen müssen frei sein, das ist eine der wichtigsten Forderungen in der sogenannten Hackerethik . Ein Texaner nimmt diesen Satz gerade wörtlich und führt der Welt vor, was das im Zweifel bedeuten kann: Cody Wilson will eine Pistole zum Selbstbauen entwickeln , die sich jeder mit einem 3D-Drucker ausdrucken kann – die Wiki Weapon, wie er sie nennt.

Seit vielen Jahren gibt es sogenannte 3D-Drucker. Inzwischen sind sie dank Projekten wie MakerBot und RepRap für viele erschwinglich und haben eine ganze Szene von Hobby-Industriellen hervorgebracht, die Maker-Bewegung.

Die zeigt vor allem, dass "der Unterschied zwischen Informationen und Dingen langsam verschwindet", wie Frank Rieger sagt, einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs. Wer die Daten hat, um ein Objekt korrekt zu beschreiben, der hat dank der 3D-Drucker heutzutage auch das Objekt selbst.

Wilson nun will eine Pistole entwickeln – beziehungsweise die Datei für eine solche Pistole – und sie für jeden verfügbar machen. Ziel sei eine Waffe, die Munition im Kaliber .22 LR verschießt, auf zwanzig Meter halbwegs genau trifft und mindestens einen Schuss übersteht, ohne dabei "in der Hand zu explodieren", wie Wilson in einem Interview sagte . Das ist nicht ganz einfach, aber er hält es für machbar.

Unregistriertes Sturmgewehr

3D-Drucker für den privaten Gebrauch verwenden zum Aufbauen eines Werkstücks Thermoplastik wie ABS , aus dem auch Legosteine sind. Dieser Kunststoff ist relativ hart. Doch darum geht es letztlich nicht. Wilson will einen Präzedenzfall schaffen und zeigen, dass dank dem Internet wirklich jede Informationen frei sein kann. Das sei das "ursprüngliche Versprechen des freien Internets", sagt er.

Kai Biermann

Kai Biermann ist Redakteur im Team Investigativ/Daten bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Auf seiner Website bietet er bereits eine Datei an, mit der sich jeder den Rahmen eines AR-15-Sturmgewehrs ausdrucken kann. Die Idee: Dieser Rahmen, Lower Receiver genannt, der Lauf, Verschluss und Magazin aufnimmt, ist das einzige Teil, das eine Seriennummer trägt und dessen Verkauf somit kontrolliert wird. Alle anderen Bauteile des Gewehrs wie Abzug, Lauf, Federn sind in den USA als Ersatzteile frei erhältlich. Es genügt also, sich diesen Rahmen auszudrucken, um sich ein unregistriertes Sturmgewehr zusammenbauen zu können.

Selbst in den USA scheint die Idee auf eher wenig Begeisterung zu stoßen. Wilson zumindest erzählt in dem Interview, jedes Mal, wenn jemand die Druckerdatei in Foren der Maker-Szene hochlade, würden sie schnell wieder entfernt. Das aber stimmt nicht so ganz, die Datei findet sich problemlos bei Thingiverse , einer Seite, die Vorlagen und Anleitungen zum 3D-Drucken sammelt.

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

46 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

sleep tight

wunderbar. Und was wird wohl auf der Strecke bleiben bei so einer Revolution? Welches Personen, Gruppen, Institutionen und etablierte gesellschaftliche Strukturen werden sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen? So wie das real ja auch schon bei der so genannten Revolution durch die frei kopierbaren Unterhaltungsprodukte geschehen ist? Richtig! Das sind nicht die Massen der Habenichtse, die sich ihre USB Platten mit mp3 Musik oder geklauten Videos vollpacken. Das sind diejenigen, die auch weiterhin die harten Fakten, die Infrastruktur, die Technik, das Geld kontrollieren. Diejenigen die dieses Geld investiert haben und weiterhin investieren in die Technologien dieser schönen neuen Welt. Deren Zugang sie kostenpflichtig all den Träumern zur Verfügung stellen, die meinen, dass ein System, das in der Erstellung und im laufenden Betrieb Milliarden von Dollars verschlingt so etwas wie soziale Gerechtigkeit schaffen würde.
Gute Nacht und weiterhin schöne Träume...

Limitierte Anwendung

Der Maker unterliegt einigen nicht unerheblichen technischen Beschränkungen. Es können nur Dinge aus einem Werkstoff hergestellt werden, d.h. ein elektronisches Gerät ließe sich völlig unmöglich einfach so "drucken". Diese Form des 3D-Drucken ist besonders dazu geeignet Spezialwerkzeuge und spezielle Ersatzteile herzustellen. Sowas wäre zB für die Raumfahrt sehr interessant, weil man nicht ein Lager mit Ersatzteilen und Werkzeugen mitnehmen kann.

Sicher nicht.

Werde ich nicht, denn im Artikel geht es um den Makerbot.

Dass in der Industrie auch mit anderen Materialien ge-prototyped oder gesintert werden kann ist mir klar, doch kosten solche Maschinen lässig das zehn- bis hundertfache eines Makerbots (um die 1600€).

Und der Artikel kokettiert ja mit der Befürchtung, dass sich jetzt jeder Hanswurst so ein Sperrholz-3D-Printer in den Keller stellt und sich Miniguns für bzw. gegen den Nachbarn baut.

Also, nein ich sehe keinen Grund meine Meinung zu revidieren.