Leserbeteiligung - beim britischen "Guardian" können Leser auch die Themen sehen und kommentieren, die im Laufe des Tages von der Redaktion bearbeitet werden. © CARL COURT/AFP/Getty Images

Markus Beckedahl hat keine Lust mehr. Beckedahl betreibt mit Netzpolitik.org eines der meistbeachteten Blogs hierzulande und er hat keine Lust mehr, in seinem Blog jeden Tag wütende Kommentare zu lesen, zu moderieren und zu löschen.

Er habe sich jahrelang bemüht, schreibt Beckedahl , "auf (fast) jeden Kommentar einzugehen, krude Verschwörungstheorien zu relativeren, auf jede Frage eine Antwort zu versuchen, Beleidigungen (...) zu gängeln, ganz schlimme Kommentare zu löschen". Inzwischen aber wolle er die dafür notwendige Energie "lieber in sinnvolle Sachen stecken". Etwas Neues müsse her.

Erwartungsgemäß löste der Text viele Kommentare aus. Die reichen von "alles löschen, was irgendwie ein schlechtes Gefühl macht", bis hin zu "alles stehen lassen". Immerhin setzt sich die Mehrheit konstruktiv mit dem Problem auseinander.

Freiheit oder Lesbarkeit

Das Problem ist alt, alle Betreiber von Angeboten im Netz kennen es: Einerseits sollen Kommentare den Kommentatoren maximale Freiheit gewähren, andererseits sollen die dabei entstehenden Texte für Leser maximalen Nutzen haben, sich also mit dem Thema beschäftigen und es weiterentwickeln. Beide Konzepte zusammen sind nicht leicht einzulösen.

Dazu kommt: Beim schriftlichen Debattieren fehlt uns das Gesicht des Gegenübers, die direkte Rückmeldung über das Gesagte durch Minenspiel und Ausdruck. Auch das sogenannte Setting fehlt, also die Information darüber, in welchem Umfeld und mit welchen Konventionen man debattiert. Schriftliche Diskussionen können daher schnell aus dem Ruder laufen, abseitig, uninteressant oder aggressiv werden.

Es geht dabei nicht um bestimmte Individuen – gern Trolle genannt . Es geht um ein bestimmtes Verhalten. Alle trollen irgendwann einmal, jeder ist aus Lust oder Frust mal destruktiv in einer Debatte. Das einzufangen, sodass alle Seiten von Kommentaren profitieren, ist nicht einfach, wie immer wenn es um Menschen geht.

Hier ein paar Modelle, wie das derzeit versucht wird: