Website des Projekts "Terms of Service; Didn't Read" © Screenshot ZEIT ONLINE

Sammelklagen können für ein Unternehmen teuer werden. Das hat auch die Firma Valve erkannt. Deshalb hat sie kürzlich in die Nutzungsbedingungen für ihre Online-Spiele-Plattform Steam geschrieben, dass sie sich solche Klagen ab sofort verbittet. "Sie und Valve sind sich darüber einig, dass sämtliche ... Streitigkeiten ... verpflichtend im Wege eines verbindlichen, einzelfallbezogenen Schiedsverfahrens zu klären ... sind", heißt es jetzt im Steam -Nutzungsvertrag. Aber wer liest den schon? Und wer kann einschätzen, wie wichtig solche Änderungen sind? Eine neue Initiative namens Terms of Service; Didn't Read – kurz: ToS;DR – will mehr Aufmerksamkeit dafür wecken, was sich Onlinedienstleister eigentlich erlauben. Sie will eine Art Tüv für Nutzungsbedingungen werden.

Nötig ist das, wie nicht nur das Beispiel Valve zeigt. So versucht etwa auch Valve-Konkurrent Electronic Arts (EA) bei seinem Onlinedienst Origin, alle Sammelklagen von vornherein auszuschließen. Dort steht noch, dass sich jeder Nutzer bereiterklärt, die Nutzungsbedingungen "regelmäßig" zu lesen, um eventuelle Änderungen nicht zu verpassen. Ansonsten geht EA von stillschweigendem Einverständnis aus.

Das Unternehmen dürfte – wie viele andere auch – wissen, dass sich praktisch niemand die Mühe macht, Nutzungsbedingungen zu lesen, schon gar nicht regelmäßig. Im Falle von EA sind das immerhin 9.600 Wörter, andere Terms of Service (TOS) sind kaum kürzer.

Dabei enthalten diese Texte gern fragwürdige Details , die vor Gericht nicht haltbar wären. Auch EA war schon früher negativ aufgefallen . Der gemeine Nutzer aber bemerkt selten, was ihm da untergejubelt wird.

ToS;DR könnte das ändern. Der Name spielt auf eine gängige Abkürzung im Netz an: tl;dr – too long, didn't read . Ein tl;dr bedeutet so viel wie: "Für jene, die keine Zeit haben, alles zu lesen, hier eine Zusammenfassung". Das ist auch das Grundprinzip von ToS;DR.

Die Initiative wurde von Unhosted.org ins Leben gerufen, einem Verein, der für dezentrale Webanwendungen eintritt. Auf tos-dr.info fassen die Macher um den französischen Jurastudenten Hugo Roy die Nutzungsbedingungen von mehr als 30 Diensten in verschiedenen Kategorien zusammen und bewerten sie hinsichtlich ihrer Nutzerfreundlichkeit.

Ein Beispiel: Twitter bekommt für die Kategorie " Defending your privacy in US Congress " ("verteidigt die Privatsphäre der Nutzer vor dem US-Kongress") ein Daumen-hoch-Abzeichen. Für den Einsatz von Drittanbieter-Cookies bekommt das Unternehmen dagegen ein Daumen-runter-Symbol. Ein Klick auf den Firmennamen führt zur Kurzerklärung der Kategorien und zur Begründung für die einzelnen Wertungen.