Der Twitter-Account von Big Ben © Screenshot ZEIT ONLINE

Wie es den Dingen in unserer Umgebung so ergeht, interessiert eigentlich kaum jemanden. Es sei denn, sie gehen kaputt. Trotzdem gibt es immer mehr Gegenstände, die der Welt ihre Befindlichkeit mitteilen. Zuerst entstanden Blogs, die im Namen von Toastern oder Kaffeemaschinen plauderten, inzwischen ist Twitter das Mittel der Wahl.

Botanicall beispielsweise , ein Bausatz für 100 Euro , bringt die heimische Topfpflanze ins Netz. Steckt die blattförmige Leiterplatte in der Blumenerde, teilt sie regelmäßig mit, wie viel Feuchtigkeit der Topf noch enthält und dass er im Zweifel dringend gegossen werden müsste.

Auf dieser Idee basiert denn auch das sogenannte Internet der Dinge . Der Begriff soll beschreiben, dass Maschinen sich mit anderen Maschinen und mit dem Internet vernetzen, um uns das Leben einfacher zu machen – erwähnt wird dabei dann immer der Kühlschrank, der von selbst Milch bestellt, weil sie alle ist. Spannend ist das nicht unbedingt, wie Topfpflanzen-Twitter-Accounts zeigen.

"Bong, Bong, Bong"

Manchmal aber hat das Ganze zumindest ein wenig Witz. Wie der Account von Big Ben , der Glocke des Westminster-Palastes in London . In deren Namen meldet jemand die Stundenschläge, entsprechend einsilbig sind die Tweets: "Bong, Bong, Bong". Trotzdem hat die Glocke nicht nur fast 300.000 Fans, die den Botschaften folgen, sondern auch prominente Nachahmer wie den Kölner Dom (Dong, Dong, Dong), den Moskauer Kreml (Bom, Bom, Bom) oder Notre Dame in Paris (ebenfalls Bong, Bong, Bong).

Trotzdem scheint das Konzept der in der ersten Person twitternden Gegenstände nicht sonderlich nachhaltig zu sein. Gut, der Toaster ist noch immer online. Aber viele Dinge, die in den vergangenen Jahren so twitterten, tun das längst nicht mehr. Die Mülltonne ist genauso verstummt wie eine plappernde Waschmaschine , eine rauschende Toilette oder ein geschwätziger Kaffeeautomat .

Vielleicht sind sie kaputt gegangen. Vielleicht enthielten ihre Tweets aber einfach nur eine allzu begrenzte Informationsmenge. Die entsprechenden Informationen mögen zwar für den Besitzer des Gegenstandes relevant gewesen sein, nicht aber für den Rest der Welt.

Sensordaten allein genügen also nicht. Sie mögen das Leben erleichtern, per se aber interessieren sich Menschen nicht dafür. Sprechende Maschinen sind nicht die Erleuchtung. Um spannend zu sein, braucht es jemanden, der die Daten einordnet und bewertet. Also doch einen Menschen.