Demo gegen das Urheberrechts-Abkommen Acta in Berlin © Adam Berry/Getty Images

In der Debatte ums Urheberrecht scheint es mindestens drei Problemfelder zu geben. Erstens: Das finanzielle Auskommen der Urheberinnen und Urheber ist abgesehen von einigen wenigen Superstars prekär. Zweitens: Die Medienindustrie beklagt sich über illegales Downloaden und Kopieren, sieht sich um Umsätze und Gewinne gebracht, prangert eine "Gratiskultur" im Internet an. Und drittens: Nutzerinnen und Nutzer sehen sich durch das geltende Urheberrecht immer wieder eingeschränkt in ihren digitalen Möglichkeiten, Werke zu verbreiten, zu teilen, und weiterzuverarbeiten.

Wer sich die drei Problemfelder genauer anschaut, merkt schnell, die Problemfälle eins und drei, also auf Seiten von Urheberinnen und Urhebern, Nutzerinnen und Nutzern sind real.

Fall zwei, das Wehklagen der Medienindustrie aber scheint mindestens grob übertrieben. Sicher, die Umsätze und Gewinne im Gesamtmarkt steigen nicht mehr paradiesisch. Der Werbemarkt zeigt starke Einbußen. Aber gerade im Digitalbereich kompensieren die wachsenden Einnahmen immer besser die Rückgänge in den analogen Märkten. Branchenriesen wie der Springerkonzern verkünden Rekordgewinne. Wer die Umsatzzahlen der Medienindustrie mit den angeblichen Verlusten durch Raubkopien vergleicht, merkt schnell, hier gehen, wenn überhaupt, potenzielle Mehreinnahmen im kleinen einstelligen Prozentbereich verloren. Wobei alle zu vergleichenden Zahlen nur Schätzungen der Industrie selbst sind.

Belastbarer sind andere Werte: Nutzerinnen und Nutzer geben immer mehr Geld für den Kreativbereich aus. Nicht zwingend für einzelne Werkzusammenstellungen wie das ehrwürdige Musikalbum oder eine ganze Tageszeitung. Aber für einzelne Artikel, Podcasts, Songs. Und für Abonnements im Digitalen wie im Analogen, bei Streamingdiensten, Blogs und Zeitschriften. Vor allem aber für die Geräte, mit denen sie die Werke konsumieren und weiternutzen. Und auf die meisten dieser Geräte zahlen Nutzerinnen und Nutzer pauschale Urheberrechtsabgaben.

Bei den Kreativen kommt zu wenig Geld an

Es kommt also viel Geld an im Kreativmarkt. Aber nicht bei den Kreativen. Weil Verlage, Plattenfirmen, aber auch YouTube und alle alten und neuen Contentaggregatoren tunlichst vermeiden, Urheberinnen und Urheber anständig zu bezahlen. Die erfolglosen Bemühungen von Urheberverbänden und Politik um angemessene Vergütung und ein durchsetzungsstarkes Urhebervertragsrecht zeugen hiervon. Darüber hinaus versuchen die Aggregatoren – wie aktuell im Fall des Streits um Ausschüttungen der VG Wort an Autorinnen und Autoren sowie Verlage zu sehen ist –, auch noch Geld aus dem Urhebertopf abzuzweigen.

Natürlich gibt es gerade kleine Verlage und Labels, die sich bemühen, das alles anders zu machen. Und natürlich gibt es Leistungen wie Lektorat, Studioproduktion und so weiter, die ein kreatives Werk erst zu dem machen, was es ist. Doch all diese guten und notwendigen Mehrwerte der Contentindustrie ändern unterm Strich nichts an der Tatsache, dass vom vielen Geld der Nutzerinnen und Nutzer zu wenig bei den Kreativen ankommt.

Dieses viele Geld fließt in den Markt, obwohl es sogenannte Raubkopien gibt, obwohl die digitalen Möglichkeiten des Sharings und der Weiternutzung (oft gegen geltendes Recht) aktiv genutzt werden. Es ist also nicht zu erwarten, dass eine dringend notwendige Legalisierung zeitgemäßer und kreativer Werknutzung (die sogenannten Nutzerrechte) diesen Geldfluss zum Versiegen bringen könnte.

Kulturflatrate bezahlen die Nutzer

Genau hier krankt die Argumentation für die Einführung einer gesetzlich verbindlichen Kulturflatrate zusätzlich zu den bestehenden Bezahlsystemen. Aktuell würde sie nur noch mehr Geld von den Nutzerinnen und Nutzern abziehen und in einen Markt pumpen, in dem massig Geld steckt aber bei den Falschen hängen bleibt.

Innerhalb der bestehenden Systeme sollte es vielmehr darum gehen, eine faire Umverteilung zu organisieren, also Urheberinnen und Urheber endlich angemessen an den Umsätzen der Branche zu beteiligen. Sie in ihrer Verhandlungsmacht gegenüber den Medienkonzernen stark zu machen. Die LINKE hat deshalb in den vergangenen Monaten eine Reform des Urhebervertragsrechtes öffentlich diskutieren lassen und will das Ergebnis als Gesetzentwurf im Herbst in den Bundestag einbringen.