Maker-BewegungGeschäftsmodelle für 3D-Drucker gesucht

Was passiert, wenn 3D-Drucker alltäglich werden? Was werden die Menschen drucken wollen? Und wie kann man damit Geld verdienen? Erste Firmen bringen sich in Stellung. von Astrid Herbold

3D-Drucker

3D-Drucker vom Typ Ultimaker im Einsatz  |  © Patrick Beuth / ZEIT ONLINE

Mit neuen Konsumbedürfnissen ist das so eine Sache. In der Regel fallen sie nicht vom Himmel, sondern müssen mühsam erzeugt werden. Von Apple und Samsung kann man seit Jahren lernen, wie das geht: Mediale Dauerberichterstattung hilft gewöhnlich, tönendes Verheißungsvokabular meistens auch. Und dann noch ein imposantes Event – so wie es die Marketingagentur Team Awesome gerade plant. Bei der 3D Printshow , einer Mischung aus Ausstellung, Workshop und Fachmesse, sollen Ende Oktober in London Künstler, Designer und Hersteller aus aller Welt zusammentreffen: "Ein bahnbrechendes Ereignis", versprechen die Organisatoren, "Kreativität und Kunst verschmelzen mit futuristischer Technik und globalem Handel."

3D-Drucker für zu Hause, eine zurzeit mehr schlecht als recht funktionierende Technik , sind angeblich das nächste große Ding. Was laut einer Studie bislang vor allem die Spielwiese für männliche Technikbastler mittleren Alters und die dazugehörige Open-Source-Community ist, soll mit gesponserten Veranstaltungen wie der in London in den Mainstream überschwappen.

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Noch ist der Markt eine winzige Nische, noch gibt es mehr Artikel über 3D-Drucker, als es 3D-Drucker in privaten Haushalten gibt. Aber die Absatzzahlen steigen. Jetzt gilt es, der breiten Bevölkerung das neue Produkt schmackhaft zu machen. Und schnell ein paar flankierende Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Mehrere amerikanische Firmen haben sich dazu in Stellung gebracht, vorneweg das New Yorker Unternehmen MakerBot und der Konzern 3D Systems, zu dessen Unternehmensgruppe mittlerweile auch der ehemalige Konkurrent Bits from Bytes gehört. Sie alle bringen Geräte auf den Markt, die zum Teil schon weniger als 2.000 Dollar kosten. 21 Prozent Marktanteil und 13.000 verkaufte 3D-Drucker seit 2009 meldete MakerBot gerade stolz. Man sei "sehr zufrieden" mit den Verkaufszahlen des Cube 3D, der seit Mai 2012 auf dem Markt ist (und ein bisschen wie eine Kaffeemaschine aussieht), heißt es zumindest bei 3D Systems.

Beliebt: Murmelbahnen ausdrucken

Einigermaßen erschwinglich sind 3D-Drucker also schon. Nur – was fängt man mit den Kisten an, die hauptsächlich einfarbiges Plastikgedöns hervorbringen können? Vielleicht lustige Murmelbahnen? Auf der Community-Plattform Thingiverse , die zu MakerBot gehört, ist eine entsprechende Designdatei sehr beliebt, knapp dreihundert Downloads gab es schon. Allerdings braucht der zukünftige Murmelbahnbesitzer Geduld: Rund 20 Stunden dauert es, bis der heimische 3D-Drucker die Einzelteile Schicht um Schicht aufgetragen hat. "Wenn ihr abends vor dem Schlafgehen anfangt, dann seid ihr am nächsten Tag zum Abendbrot fertig", rät der Designer mit dem Usernamen "mtdna". Sofern beim Druckvorgang nichts schiefgeht, versteht sich.

Was die Murmelbahnen bei Thingiverse, das sind die Ringe und Armreifen bei 3D Systems. Damit der Endkunde auch weiß, was er mit seinem neuen Spielzeug veranstalten soll, stellt die Firma auf ihrer Webseite kostenlose Design-Apps zur Verfügung. Mit wenigen Klicks kann dort ästhetisch fragwürdiger Plastikschmuck gestaltet werden. "Aber das ist erst der Anfang", sagt Marketingleiterin Cathy Lewis. Das Unternehmen will den App-Store weiter ausbauen und laufend neue Produkte vorstellen, die individuell variiert und im heimischen Hobbykeller produziert werden können. "Und jetzt stellen Sie sich mal vor, was passiert, wenn Millionen Menschen Zugang zu 3D-Druckern haben."

Genau das ist die Frage, die die Branche bewegt. Was wird passieren? Millionen potentieller Neukunden in den nächsten Jahren – aber was werden die drucken wollen? Wer hilft ihnen dabei? Und wie kann man damit Geld verdienen? Die 3D-Community kommt aus der Hacker- und Open-Source-Szene, aber die Zielgruppe ändert sich langsam.

Leserkommentare
    • xNCx
    • 26. September 2012 12:02 Uhr

    Seit der Veröffentlichung vom CoR die Grenzen des Wachstums besteht die Hoffnung zur Rettung der Menschheit in der Devise, Daten statt Papier, Kommunikation statt Mobilität, sprich die Dematerialisierung voranzutreiben. Auch wenn der technologische Boomerangeffekt, bisher beides zum Teil verhindert hat, bleibt zumindest die Hoffnung, dass das papierlose Büro eines Tages wahr werden könnte.
    Der MakerBot stellt sich dem hoffnungsvollen Ziel der Dematerialisierung ganz dreißt und unverschämt entgegen. Verschwendung in 3D. Der Artikel gibt ganz natürlich zu, dass es keinen zwingenden Bedarf für diese Technologie gibt. Aus dieser selbstverständlichkeit heraus wundert es nicht, dass der 3D-Drucker an sich nicht in Frage gestellt wird.

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    ... ich bezweifle sehr stark, dass diese art "Drucker" viel im büroalltag benutzt werden wird. auch in normalen haushalten wird er, denke ich, kaum verwendung finden, weil die bedienung vorerst zu kompliziert für otto normalverbaucher ist.
    ich denke als kreative spaßmaschine ist das ding doch sehr interessant.
    durch computermodeling reale anfassbare figuren zu erschaffen reizt mich doch schon sehr.
    auch plastikkleinteile von diversten geräten kann man mit entsprechender blaupause selbst herstellen, wodurch man keine überteuerten ersatzteile mehr kaufen müsste.
    wenn sie das als verwerflich titulieren, sollten sie sofort eine demonstration gegen zb. kunstschreiner in die wege leiten ;) schließlich zerstören die wertvolles material, nur um irgendwelchen schrott herzustellen, den sich irgendwer in die wohnung stellt... /ironie off ;) nein, ganz im ernst, ich denke im sinne der modernen verschwendungssucht gibt es genügend andere punkte, wo man kritisch ansetzen kann ;)

  1. Irgendwie stört mich der Begriff "Drucker", finde da Fabricator oder Fabber schon passender. Die Analogie zum zweidimensionalen Drucker würde ja bedeuten, dass dieser das Papier auch mit herstellt, aber ich hab da noch keine Zellulose reingefüllt. Also reine Zellulose.

    Zur Zeit noch eher ein Spielzeug, aber wer weiß? Allerdings gehe ich davon aus, dass man damit wohl keine hochwertigen elektronischen Bauteile (Prozessoren etc) herstellen kann, und von daher müssen wohl die meisten Produkte doch irgendwie wieder montiert werden.

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    Der Begriff "Drucker" ist doch schon bei den aktuellen 2D-Druckern im Grunde unpassend. Anders als bei der guten alten Mittelalter-Druckerpresse wird schliesslich auch bei modernen Tintenstrahl- und Laserdruckern die Farbe nicht wirklich per Druck aufgebracht.

  2. 3. Niveau

    " einfarbiges Plastikgedöns "

    Wenn ich so etwas Schreiben würde ... .

    Man könnte es auch monochrome Kunststoff Produkte nennen.

    Leitfähiger Kunststoff ist technisch überhaupt kein Problem.

    Auch mehrfarbig ist kein Problem, dann sind eben mehrere Druckköpfe nötig.

    Das ist aber alles kein Thema für die Allgemeinhiet.

  3. Wie sagte Thoreau schon vor >150 Jahren so schön: "...verbesserte Mittel zu einem unverbesserten Zweck...man gibt sich große Mühe, einen elektrischen Telegraphen zwischen Texas und Maine zu errichten, dabei haben sich Texas und Maine möglicherweise garnichts zu sagen. Es kommt nicht darauf an, schnell zu reden, sondern vernünftig!"
    Musikspielende Klopapierhalter, Waschmittel jetzt noch weißer, Rasierer mit fünf Klingen...
    So sieht's aus, wenn nicht bedürfnis- sondern profitorientiert produziert wird. Überproduktionskrise, Kapital sucht verzweifelt neue Akkumulierungsmöglichkeiten, Wachstum über alles...olle Marx läßt grüßen!

  4. Der Begriff "Drucker" ist doch schon bei den aktuellen 2D-Druckern im Grunde unpassend. Anders als bei der guten alten Mittelalter-Druckerpresse wird schliesslich auch bei modernen Tintenstrahl- und Laserdruckern die Farbe nicht wirklich per Druck aufgebracht.

    Antwort auf "Drucker?"
  5. ... ich bezweifle sehr stark, dass diese art "Drucker" viel im büroalltag benutzt werden wird. auch in normalen haushalten wird er, denke ich, kaum verwendung finden, weil die bedienung vorerst zu kompliziert für otto normalverbaucher ist.
    ich denke als kreative spaßmaschine ist das ding doch sehr interessant.
    durch computermodeling reale anfassbare figuren zu erschaffen reizt mich doch schon sehr.
    auch plastikkleinteile von diversten geräten kann man mit entsprechender blaupause selbst herstellen, wodurch man keine überteuerten ersatzteile mehr kaufen müsste.
    wenn sie das als verwerflich titulieren, sollten sie sofort eine demonstration gegen zb. kunstschreiner in die wege leiten ;) schließlich zerstören die wertvolles material, nur um irgendwelchen schrott herzustellen, den sich irgendwer in die wohnung stellt... /ironie off ;) nein, ganz im ernst, ich denke im sinne der modernen verschwendungssucht gibt es genügend andere punkte, wo man kritisch ansetzen kann ;)

    • annotio
    • 26. September 2012 14:35 Uhr

    ...mit den Fingern Den Ton zu modellieren, daraus aus Gips negativen zu erstellen und dan Abgusse aus Bronze zu machen ,.... warum bringt man auf dem Markt keine Technologie mit der man selbst zu Hause Bronze schmelzen und giessen kann? Wuerden bestimmt viele sich darueber freuen....

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    Das können Sie doch alles damit machen! Drucken Sie Ihre Modelle aus Wachs, gipsen sie ein, schmelzen sie aus und gießen dann Ihre Bronze ein. Anschließend zerdöppern Sie die Gipsform (macht nix, Sie haben ja einen Drucker) und halten Ihre Bronze-Bronze in den Händen. Und wenn Klein-Gerda von nebenan auch ein möchte: Aber ja doch! ;-)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wachsausschmelzverfahren

    Woher nehmen Sie dieses wissen? Haben Sie schon einmal 3D-Drucken ausprobiert?

  6. Überall, wo es Modelle gibt, gibt es auch einen Einsatzbereich des 3D-Druckers. Architekturbüros, Maschinenbaubetriebe, Design-Agenturen, und die Hobby-Modellbauer bitte nicht vergessen. Warum einen schlecht gemachten Mini-F1-Boliden kaufen, wenn man sich selbst ans Design machen kann? Lackieren muss man die Modelle ohnehin, sodass der einfarbige Brei egal sein kann. Und wer für die Kamera seines Opas, bei der der Transportmechanismus kaputt ist, Zahnräder nachmachen will, die es nicht mehr zu kaufen gibt, wird jemanden glücklich machen. Dann kann man seinem Schatzi auch mal ein paar Eierbecher mit funkelnden eingestreuten Glassplittern fertigen, ohne dass ein österreichisches Kristallglasunternehmen die Hand aufhält. Also ich find's praktisch.

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