Mit neuen Konsumbedürfnissen ist das so eine Sache. In der Regel fallen sie nicht vom Himmel, sondern müssen mühsam erzeugt werden. Von Apple und Samsung kann man seit Jahren lernen, wie das geht: Mediale Dauerberichterstattung hilft gewöhnlich, tönendes Verheißungsvokabular meistens auch. Und dann noch ein imposantes Event – so wie es die Marketingagentur Team Awesome gerade plant. Bei der 3D Printshow , einer Mischung aus Ausstellung, Workshop und Fachmesse, sollen Ende Oktober in London Künstler, Designer und Hersteller aus aller Welt zusammentreffen: "Ein bahnbrechendes Ereignis", versprechen die Organisatoren, "Kreativität und Kunst verschmelzen mit futuristischer Technik und globalem Handel."

3D-Drucker für zu Hause, eine zurzeit mehr schlecht als recht funktionierende Technik , sind angeblich das nächste große Ding. Was laut einer Studie bislang vor allem die Spielwiese für männliche Technikbastler mittleren Alters und die dazugehörige Open-Source-Community ist, soll mit gesponserten Veranstaltungen wie der in London in den Mainstream überschwappen.

Noch ist der Markt eine winzige Nische, noch gibt es mehr Artikel über 3D-Drucker, als es 3D-Drucker in privaten Haushalten gibt. Aber die Absatzzahlen steigen. Jetzt gilt es, der breiten Bevölkerung das neue Produkt schmackhaft zu machen. Und schnell ein paar flankierende Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Mehrere amerikanische Firmen haben sich dazu in Stellung gebracht, vorneweg das New Yorker Unternehmen MakerBot und der Konzern 3D Systems, zu dessen Unternehmensgruppe mittlerweile auch der ehemalige Konkurrent Bits from Bytes gehört. Sie alle bringen Geräte auf den Markt, die zum Teil schon weniger als 2.000 Dollar kosten. 21 Prozent Marktanteil und 13.000 verkaufte 3D-Drucker seit 2009 meldete MakerBot gerade stolz. Man sei "sehr zufrieden" mit den Verkaufszahlen des Cube 3D, der seit Mai 2012 auf dem Markt ist (und ein bisschen wie eine Kaffeemaschine aussieht), heißt es zumindest bei 3D Systems.

Beliebt: Murmelbahnen ausdrucken

Einigermaßen erschwinglich sind 3D-Drucker also schon. Nur – was fängt man mit den Kisten an, die hauptsächlich einfarbiges Plastikgedöns hervorbringen können? Vielleicht lustige Murmelbahnen? Auf der Community-Plattform Thingiverse , die zu MakerBot gehört, ist eine entsprechende Designdatei sehr beliebt, knapp dreihundert Downloads gab es schon. Allerdings braucht der zukünftige Murmelbahnbesitzer Geduld: Rund 20 Stunden dauert es, bis der heimische 3D-Drucker die Einzelteile Schicht um Schicht aufgetragen hat. "Wenn ihr abends vor dem Schlafgehen anfangt, dann seid ihr am nächsten Tag zum Abendbrot fertig", rät der Designer mit dem Usernamen "mtdna". Sofern beim Druckvorgang nichts schiefgeht, versteht sich.

Was die Murmelbahnen bei Thingiverse, das sind die Ringe und Armreifen bei 3D Systems. Damit der Endkunde auch weiß, was er mit seinem neuen Spielzeug veranstalten soll, stellt die Firma auf ihrer Webseite kostenlose Design-Apps zur Verfügung. Mit wenigen Klicks kann dort ästhetisch fragwürdiger Plastikschmuck gestaltet werden. "Aber das ist erst der Anfang", sagt Marketingleiterin Cathy Lewis. Das Unternehmen will den App-Store weiter ausbauen und laufend neue Produkte vorstellen, die individuell variiert und im heimischen Hobbykeller produziert werden können. "Und jetzt stellen Sie sich mal vor, was passiert, wenn Millionen Menschen Zugang zu 3D-Druckern haben."

Genau das ist die Frage, die die Branche bewegt. Was wird passieren? Millionen potentieller Neukunden in den nächsten Jahren – aber was werden die drucken wollen? Wer hilft ihnen dabei? Und wie kann man damit Geld verdienen? Die 3D-Community kommt aus der Hacker- und Open-Source-Szene, aber die Zielgruppe ändert sich langsam.