StreamingApple plant angeblich eigenes Internet-Radio

Das Modell Musikstreaming finanziert durch Werbung gibt es schon, beispielsweise bei Netzradios wie Pandora. Apple will es nun auch versuchen, berichten anonyme Quellen. von dpa

Apple arbeitet angeblich an einem Internet-Radio, um seine Rolle im Musikgeschäft zu verteidigen. Es gehe um einen Dienst, bei dem kostenlos ein an den Musikgeschmack des Nutzers angepasstes Programm abgespielt werden könne, berichten die New York Times und das Wall Street Journal unter Berufung auf informierte Personen. Apple habe allerdings erst vor kurzem Gespräche mit der Musikindustrie über entsprechende Rechte aufgenommen und es könnten noch Monate vergehen, bis ein solches Angebot startet.

Apple ist mit seiner iTunes-Plattform zum weltgrößten Musik-Verkäufer geworden. Allerdings wird gleichzeitig das Streaming immer wichtiger: Musik wird dabei nicht mehr heruntergeladen, sondern direkt online abgespielt. Dabei gibt es zum einen Abo-Dienste wie Spotify, Simfy, Juke oder Rdio , deren Nutzer für eine Monatsgebühr uneingeschränkt Musik hören können. Über einen solchen Dienst habe Apple ebenfalls nachgedacht, aber die Idee verworfen, berichtet das Wall Street Journal .

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Ein weiteres Modell sind kostenlose Internet-Radios wie Pandora , bei denen der Nutzer einer vom Anbieter zusammengestellten Playlist folgen muss, nachdem er mit einer ersten Song- oder Interpreten-Auswahl seinen Musikgeschmack angedeutet hat. Das Pandora-Programm kann der Nutzer verfeinern, indem er die vom Anbieter ausgesuchten Songs bewertet.

iTunes-Sammlung dienst als Datenbasis

Apple will dieses Modell angeblich modifizieren: Eine spezielle App auf dem iPhone oder dem iPad soll dem Streamingdienst Zugriff auf die iTunes-Sammlung des Kunden gewähren, damit das Onlineradioprogramm an die Vorlieben des Nutzers angepasst werden kann. Außerdem gehe es in den Verhandlungen mit den Musikverlagen darum, dass Nutzer einzelne Titel im Zweifel erneut abspielen können.

Bei dem Apple-Dienst solle wie bei Pandora Werbung zur Musik angezeigt werden, heißt es. Ob nur Apple oder auch die Rechteinhaber von den Werbeeinnahmen profitieren würden, sei unklar.

Apple experimentiert bereits seit Monaten in iTunes mit kostenlosen Streaming-Angeboten, über die Nutzer mehr neue Musik kennenlernen sollen. So wurde am Donnerstag das neue Album Tempest von Bob Dylan kostenlos zum Streaming bereitgestellt.

Einen umfassenden Streaming-Dienst hat Apple bislang allerdings nicht gestartet. Die Musikkonzerne hätten zu hohe Lizenzforderungen gestellt, schreibt das Wall Street Journal , das habe den Konzern abgeschreckt. Die Lizenzgebühren gelten auch als das größte Problem von Pandora, weil sie einen großen Teil der Werbeeinnahmen verschlingen.

Vorerst wohl nur in den USA

Die Berichte enthalten keine Hinweise darauf, ob ein Apple-Musikradio auch international verfügbar wäre. Angesichts des komplexen Rechtegeflechts starten solche Dienste oft zunächst in den USA .

Bisher ging Apple nur sehr behutsam auf dem Musikfeld vor – denn schließlich hat der Konzern ein lukratives Download-Geschäft, das er nicht aushöhlen will. Gleichzeitig hat sich in der Musikbranche zwar inzwischen viel getan, wenn es um digitale Verkäufe geht. Vorbehalte aber gibt es noch immer gegen solche Modelle. Viele Jahre lang konzentrierten sich die Musikverlage auf Klagen gegen neue Modelle, statt deren Chance zu nutzen.

Apple scheint aber nicht aufzugeben. Ein erster Schritt in diese Richtung ist das Angebot iTunes Match. Bei dem können Nutzer ihre Musik für eine Jahresgebühr von 25 Euro auf Apple-Servern lagern und von dort auf verschiedene Geräte herunterladen. Allerdings sorgte der Dienst für einige Irritationen, weil Apple dabei anstößige Songtexte durch jugendfreie Versionen ersetzt .

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Leserkommentare
  1. Wenn dieser Bericht über ein Gerücht stimmen sollte.

    Es gibt so viele gute Internet-Radio Sender, die keine Gebühr verlangen - will Apple die jetzt auch mit Klagen überziehen?

  2. ...sind keine Quellen! Das sind bestenfalls Gerüchte.

  3. Es gibt genug Internetradios, wiso sollte man also ausgerechnet das von Apple hören wollen? Und dann soll es auch noch kostenlos sein? Da ist doch bestimmt ein Haken!? Für kostengünstige Angebote sind die Jungs und Mädels aus Cupertino bisher jedenfalls nicht bekannt.

  4. Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und konstruktiv. Danke, die Redaktion/mk

  5. Finde ich gut! Nutze aktuell simfy, und das stößt hin und wieder an die Grenzen- da nicht alle Songs verfügbar sind. Apple dürfte mit iTunes im Rücken dann ja wohl das größte Musik Archiv haben oder täusche ich mich?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Apple | Bob Dylan | Album | App | Musikindustrie | Musikverlag
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